Rezension/Kritik - Online seit 18.02.2015. Dieser Artikel wurde 7572 mal aufgerufen.

Enigma

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Autor: Touko Tahkokallio
Verlag: Zoch Verlag
Rezension: Franky Bayer
Spieler: 2 - 4
Dauer: 45 Minuten
Alter: ab 8 Jahren
Jahr: 2014
Bewertung: 3,6 3,6 H@LL9000
3,8 3,8 Leser
Ranking: Platz 4468
Enigma

Spielziel

"Enigma" - das hat eindeutig was mit Geheimnisvollem, Mysteriösen zu tun. Das Wort kommt aus dem Griechischen ("ainigma") und bedeutet "Rätsel". Im 2. Weltkrieg bezeichnete Enigma eine Rotor-Schlüsselmaschine, die - nicht erfolgreich, wie wir heute wissen - zur Verschlüsselung des Nachrichtenverkehs des deutschen Militärs verwendet wurde. Kein Wunder also, wenn wir auch bei einem Spiel mit diesem Titel Rätsel lösen müssen.

Ablauf

Die Rätsel befinden sich auf doppelseitigen Enigma-Kärtchen. Sie werden nach ihrer Rätselkategorie in vier Stapel sortiert und mit der "Leitungsseite" nach oben auf die entsprechenden Tafeln ("Rätselspeicher") gelegt. Zu jeder Rätselkategorie kommt auch das jeweilige Spielmaterial. Jeder Spieler erhält vier Spielfiguren ("Ingenieure"), von denen er eine auf das Feld 0 des Wertungsrads stellt. Schließlich werden noch das Startkärtchen in die Tischmitte gelegt und die Sanduhr in Reichweite bereitgestellt.

Zu den einzelnen Rätseln: Beim Bruchstückrätsel müssen geometrische Teile so zusammengelegt werden, dass eine vorgeschriebene Form entsteht. Beim Winkelsteinrätsel müssen alle 4 Winkelteile so zusammengesetzt werden, dass das entstandene Gebilde von gerade oben betrachtet wie die Abbildung auf dem Kärtchen aussieht. Beim Waagerätsel gilt es, eine bestimmte Anzahl an vorgegebenen Gewichten so auf die beiden Waagschalen zu verteilen, dass sie im Gleichgewicht sind. Und beim Röhrenrätsel schließlich sollen die angegebenen Rohrteile derart auf das Kärtchen gelegt werden, dass jeder Rohrkanal verbunden oder abgeschlossen ist.

Der Startspieler wählt zuerst eines der vier Enigma-Kärtchen aus und nimmt sich die dazugehörigen Utensilien. Die anderen Spieler nehmen sich im Uhrzeigersinn je eines der verbliebenen Kärtchen. Gleichzeitig decken alle Spieler ihr Kärtchen auf und versuchen, ihr Rätsel so schnell wie mögllich zu lösen. Sobald dies einem Spieler gelungen ist, dreht er die Sanduhr um, wodurch seinen Mitspielern nur mehr ca. 45 Sekunden bleiben, ihrerseits das Rätsel zu lösen.

Nur jene Spieler, die die richtige Lösung gefunden haben, dürfen anschließend das Enigma-Kärtchen wenden und es in der gemeinsamen Auslage anlegen. Außerdem können sie einen Ingenieur auf eine Plasmakammer des gerade gelegten Kärtchens platzieren. Werden dabei Leitungen geschlossen, werden diese gewertet. Jede Plasmakammer der geschlossenen Leitung, welche dieselbe Farbe aufweist, wie jene, auf der ein eigener Ingenieur steht, zählt einen Punkt. Danach kommen alle gewerteten Ingenieure wieder zu ihrem Besitzer zurück.

Zum Abschluss einer Runde wird die Startspielerfigur an den nächsten Spieler im Uhrzeigersinn weitergegeben. Erreicht mindestens ein Spieler am Ende einer Runde 15 oder mehr Punkte auf dem Wertungsrad, endet das Spiel. Der Spieler mit den meisten Punkten hat gewonnen.

Fazit

Enigma ist rätselhafterweise nicht bloß ein einziges Spiel, es sind vielmehr fünf Spiele in einem. Beschäftigen wir uns zuerst mit den vier verschiedenen Mini-Spielen, den sogenannten "Rätseln". Einige der Rätsel dürften dem einen oder anderen Spieler schon bekannt sein. Aber auch im gegenteiligen Fall benötigt es keine langen Erklärungen, denn das jeweilige Prinzip hat man schnell kapiert.

Das Bruchstückrätsel ist bei uns besser bekannt unter dem Namen "Tangram", ein uralteschinesisches Legespiel (8. bis 4. Jahrhundert v. Chr.), bei dem aus den stets gleichen sieben Teilen verschiedene Muster gelegt werden müssen. Es erfordert optische Intelligenz, um Formen richtig zerlegen und zusammensetzen zu können. In dieselbe Richtung geht das Winkelsteinrätsel, bei dem - ähnlich dem Ubongo 3D - räumliche Vorstellungskraft vonnöten ist. Dass es dabei um die Ansicht aus der Vogelperspektive geht, ist eine interessante und zum Teil recht fordernde Abwandlung.

Das Waagerätsel wiederum verlangt schnelles Kopfrechnen. Man braucht keine übermäßige mathematische Begabung, sondern muss nur zum Lösen simpler Gleichungen fähig sein. Obwohl ausschließlich Additionen vorkommen, konnte ich feststellen, dass die Spieler damit teilweise größere Probleme hatten und es daher eher mieden. Bleibt noch das Röhrenrätsel. Dieses empfinde ich persönlich als das leichteste der vier Rätselarten. Nicht weil ich darin so begabt wäre, sondern weil mehrere Lösungen möglich sind. Zwar kommen für manche Positionen nur bestimmte Rohrteile für eine richtige Lösung in Frage, aber hier kommt man durch einfaches Drauflos-Probieren zumeist am schnellsten zum Erfolg.

Bei der Auswahl der Rätsel bewiesen Autor und Verlag ein gutes Händchen. Alle vier "Puzzles" sind keine Hirnverzwirbler, sondern stellen einfache Problemchen dar, die - trotz ihrer Unterschiedlichkeit - in etwa den gleichen Schwierigkeitsgrad aufweisen und in wenigen Minuten gelöst sind. Die 45 Sekunden, die nach dem Umdrehen der Sanduhr noch bleiben, reichen daher in den meisten Fällen aus, um ebenfalls die Lösung zu finden, weshalb fast immer alle Spieler ihre Enigma-Kärtchen legen können.

Und damit sind wir beim 5. Spiel, welches ein Kollege als das "Meta-Game" bezeichnete. Während die Rätsel dazu dienen, Enigma-Kärtchen legen zu dürfen, erhält man nur durch das geschickte Legen der Kärtchen und den taktisch klugen Einsatz seiner Ingenieure überhaupt Siegpunkte.

Dabei sind gewisse Ähnlichkeiten zu Carcassonne zu erkennen. Zwar muss man nicht darauf achten, die Kärtchen passend anzulegen, denn alle Leitungen sind zueinander kompatibel. Ein Ingenieur darf anschließend aber nur auf das soeben gelegte Kärtchen platziert werden. Außerdem sind Plasmakammern tabu, wenn sich bereits andere Ingenieure auf Plasmakammern derselben Farbe innerhalb dieser Leitung befinden.

Um Punkte zu erhalten, müssen Leitungen jedoch unbedingt geschlossen werden. Hier gilt es, in Hinblick auf die magische15-Punkte-Grenze taktisch klug vorzugehen. Es nutzt nichts, ein viel zu verzweigtes, punkteträchtiges Leitungsnetz anzulegen, das man nicht rechtzeitig abschließen kann. Es ist daher absolut wichtig, stets die Mitspieler und ihre möglichen Aktionen im Auge zu behalten. Zudem ist die Anzahl der Ingenieure bewusst beschränkt.

Bei den Rätseln bewegt sich die Interaktion naturgemäß gegen Null, da jeder Spieler für sich selbst tüftelt. Lediglich bei der Auswahl der Rätsel (Wegschnappen beliebter Rätselarten) und durch den Zeitfaktor kommt es hier zu Berührungen. Beim Meta-Game hingegen ist es notwendig, auf die Aktionen der Mitspieler zu reagieren, oder ihnen im Idealfall zuvorzukommen. Trotzdem bilden diese beiden Elemente meiner Meinung nach keine wirklich homogene Einheit, sondern wirken ein wenig gezwungen zusammengefügt.

Dennoch weiß Enigma in lockeren Spielerunden zu gefallen. Strategen und anspruchsvollen Spielern bietet das Spiel zu wenig, aber wer gerne Rätsel löst und sich dabei mit anderen messen will, wird mit Enigma gut bedient. Auch ich bin jederzeit gerne zu einem Rätselwettbewerb bereit, wenn ich mal Abwechslung von hochtaktischen Spielen brauche. Nur allzu oft in einem kurzen Zeitraum sollte man es mit denselben Leuten nicht auf den Tisch bringen. Bei bloß 27 Enigma-Kärtchen je Rätselart findet man nämlich sonst zu schnell bereits bekannte Aufgaben vor, und das wäre ja Wettbewerbsverzerrung.

Bis auf die beschränkte Zahl an Enigma-Kärtchen gibt es bei Enigma materialmäßig nichts auszusetzen. Alles ist stabil und gut durchdacht, wenn auch ein wenig klein geraten, weshalb es von mir den "Daumen hoch" erhält und das schon für ca. 23 Euro...

Rezension Franky Bayer

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H@LL9000-Bewertungen

H@LL9000 Wertung Enigma: 3,6 3,6, 5 Bewertung(en)

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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 11.01.15 von Franky Bayer - Enigma vereint mehrere kleine Mini-Rätsel eher einfacherer Natur miteinander. Das übergeordnete Spiel harmoniert dabei nicht sehr gut, und auch beim Spielmaterial gibt es Abzüge. Für Spieler, die gerne puzzeln und rätseln aber trotzdem ein Versuch wert.
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 05.05.14 von Udo Kalker - Grundsätzlich eine nette Idee, verschiedene Rätseltypen miteinander zu kombinieren. Das Plasmageflecht, das die Spieler mit Ihren Karten in der Mitte bauen, scheint aber nicht ganz ausgereift zu sein. Da man nur wertet, wenn eine Strecke abgeschlossen ist, bauen natürlich alle Mitspieler kurz vor der Wertung die Strecke mit möglichst vielen Verzweigungen aus, damit am Ende überhaupt niemand werten kann. In unserer Runde waren sich alle einig, dass dies nicht funktioniert. Weiterhin hatten die verschiedenen Rätseltypen auch gefühlt ganz unterschiedliche Schwierigkeitsgrade. brrr. Auch das Material, insb. das Tangram ist zu fummelig und verrutscht zu schnell.
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 16.02.15 von Frank Solnitzky - Abzüge gibt es wegen des Materials. Leider sind die Holzspielsteine nicht plan, was das Lösen einiger Rätsel unnötig erschwert.
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 17.02.15 von Clemens Schollenberger
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 19.02.15 von Sandra Lemberger - Leider ist die Umsetzung nicht ganz gelungen. Einige Rätselarten sind einfacher als andere - diese werden natürlich von den Startspielern immer zuerst gewählt. Im Spiel zu dritt führt das dazu, dass die Rätselarten Tangram und Winkelsteinrätsel kaum zum Einsatz kommen, während Röhren- und Waagerätsel ständig benutzt werden. Trotzdem ein schönes Familienspiel, hinter dem eine tolle Idee steckt!

Leserbewertungen

Leserwertung Enigma: 3,8 3.8, 4 Bewertung(en)

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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 16.05.14 von docholz - Eines der Spiele, die zur Zeit gehypt werden, aber leider doch auch durch das Material (fummelig) mehr enttäuschen. Würde es gern besser finden aufgrund der Idee.
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 02.06.14 von Waiko - Für meinen Geschmack zu "kopfig" und "fummelig".
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 18.02.15 von Jürgen - mir gefällts
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 20.02.15 von arminius - Deutlich unterbewertet, eine Knobellei mit Glücksfaktor welche Karte man bekommt. Macht Spass

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