Rezension/Kritik - Online seit 18.06.2026. Dieser Artikel wurde 235 mal aufgerufen.

Knigge for Boardgamers: Attitude of Play (Buch)

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Autor: Markus Gabriel
Verlag: keine Angabe
Rezension: Michael Andersch
Spieler: 1
Jahr: 2025
Bewertung: 2,0 2,0 H@LL9000
Ranking: Platz 5897
Knigge for Boardgamers: Attitude of Play (Buch)

Kompakt - Kritik

Beim Spielen von Gesellschaftsspielen interagiert man ja - wie es das Wort „Gesellschaft“ schon sagt – üblicherweise mit anderen Menschen, sofern man nicht eines der mittlerweile vielen Solitärspiele oder Solitärvarianten von Spielen zu Hause im stillen Kämmerlein spielt.


Diese Interaktion kann in unterschiedlichen Umgebungen stattfinden: Bei öffentlichen Spieletreffs, im privaten Rahmen, mit Kollegen, als Neuling in einer etablierten Gruppe, mit losen Bekannten oder sehr guten Freunden. Und auch hier in unterschiedlichen Konstellationen: Alt und jung, erfahrene alte Hasen und Leute, die das Hobby erst neu für sich entdeckt haben – viele Konstellationen sind denkbar.

Und wo immer Unterschiede aufeinander stoßen oder Menschen miteinander agieren, kann es aus unterschiedlichen Gründen zu Missstimmung und Spannungen kommen.

Genau da setzt das 40 Seiten starke Büchlein Attitude of Play - Knigge for Boardgamers an. Es zeigt mögliche Problemfelder auf und gibt Tipps für einen angenehmen Umgang miteinander - dies allerdings (wie es der Titel vermutlich erahnen lässt) in englischer Sprache, wobei aber handelsübliches Schulenglisch für das Verständnis völlig ausreichend ist. Geschrieben ist es auch nicht als durchgängiger Fließtext, sondern es werden meist völlig separate Sachverhalte in kurzen Abschnitten von 5-7 Zeilen dargestellt.

Zum Großteil handelt es sich dabei um Dinge bzw. Verhaltensweisen, die man unterlassen sollte. Dies umfasst beispielsweise

  • Das Knicken oder in den Mund Nehmen von Karten
  • Essen von fettigen Speisen mit anschließender Reinigung der Hände am Spielmaterial
  • Unerlaubtes Rauchen am Spieltisch
  • Das Spielmaterial vom Tisch zu wischen, wenn man verloren hat
  • Die anderen dazu zu zwingen, Spiele zu spielen, die man selbst gern möchte, die anderen aber nicht.
  • Falsches Zusammenzählen von Punkten
  • Absichtliches nicht komplettes oder falsches Erklären von Regeln, um die Spielzeit zu verkürzen oder das Spiel dem eigenen Geschmack anzupassen

Beim Durchlesen fragte ich mich zugegebenermaßen öfter, in welchen Kreisen oder mit welchen Mitspielern der Autor verkehrt, denn ich dachte mir bei etwa dreiviertel der aufgezählten Punkte: „Ja, grundsätzlich hat er ja recht – aber wer macht das schon?“ Vieles schien mir konstruiert (zum Beispiel „Sich uninteressiert zurücklehnen und andere sogar die eigenen Züge machen lassen“) und manches (wie beispielsweise das unerlaubte Rauchen oder ungeduschtes, stinkendes Erscheinen) ist zwar korrekt, aber ja nicht spezifisch auf die Spielewelt begrenzt.

Zum großen Teil handelt es sich um Selbstverständlichkeiten, Banalitäten oder wenig realitätsnahe Themen, die man unterlassen sollte.


Und manche der beschriebenen zu unterlassenden Dinge sind meiner Meinung nach eher Geschmacks- und Typsache, wie beispielsweise zu langes Überlegen. Mich selbst nerven Langüberleger massiv, aber das ist nur meine Ansicht – ich kenne Runden von Langüberlegern, bei denen Spiele doppelt so lang dauern wie in meinen üblichen Runden, die dabei aber durchaus vielleicht auch den einen oder anderen Siegpunkt mehr herausquetschen. So lange dies aber für alle Beteiligten ok ist, sie dabei Spaß haben und sich gegenseitig so viel Überlegenszeit zugestehen, wie der Einzelne eben braucht, dann passt es ja auch.

Natürlich sind aber auch Tipps für positives Verhalten aufgeführt, wie beispielsweise

  • Wer das Spiel bringt / spielen will, der sollte es auch gut erklären können
  • Wenn man spielt, dann auch richtig (im Sinne von „man sollte schon gewinnen wollen und nicht mit halber Kraft spielen“)

Zusammengefasst muss ich sagen, dass ich zwar an vereinzelten Stellen ein wenig Schmunzeln musste, weil ich mich oder den ein oder anderen Mitspieler oder erlebte Situationen erkannt habe, in weiten Teilen aber behandelt das Buch Banalitäten, Selbstverständlichkeiten oder Dinge, die mir sehr theoretisch oder ausgedacht vorkamen, wobei zwischen den Zeilen auch immer so ein gewisser erhobener Zeigefinger durchscheint.


In meinem Bekanntenkreis wüsste ich zumindest niemanden, dem ich dieses Buch als interessante oder gar gut gemeinte Lektüre ans Herz legen wollen würde. Vielmehr scheint es mir (auch aufgrund der Sprache) so eine leicht amerikanische Attitüde zu haben, ähnlich der unsinnigen Warnhinweise auf Kaffeebechern („Achtung, Inhalt kann heiß sein!“) oder Mikrowellen („nicht zum Trocknen von Katzen geeignet“).

Von daher ist mir etwas unklar, wer die Zielgruppe sein soll: Für gestandene Spieler dürften (zumindest meiner Erfahrung nach) 95% des Buches obsolet sein. Und Neulinge, die sich sagen „so, jetzt möchte ich mal mit dem Hobby Spielen beginnen – aber wie verhalte ich mich denn da überhaupt richtig? Da muss ich doch mal schauen, ob es dazu einen Ratgeber gibt!“ dürfte es vermutlich nicht so viele geben. Und selbst wenn: Ein 40-seitiges Regularium von Do's & (hauptsächlich) Dont's dürfte auf diese eher abschreckend als integrierend wirken. Vielmehr würde ich in
dieser Situation und nach der Lektüre eher abgeschreckt sein und denken "Hilfe, an was für eine Art von Menschen gerät man denn da, wenn es nötig ist, all diese Dinge zu regeln!".

Unterm Strich finde ich es ehrlich gesagt auch ein wenig „versnobt“, und ich weiß nicht, ob ich ein Hobby ausüben möchte, für das es eines „Knigge“ bedarf. Meiner Erfahrung mit neuen Mitspielern (und davon habe ich regelmäßig welche) nach klappt es einfach, wenn man sich sympathisch ist und es spielerisch, vom Humor her, von Art und Niveau der gespielten Spiele oder nach anderen Kriterien „einfach passt“. Und manchmal passt es eben nicht, aber dann würde es auch nicht helfen, wenn jemand dann doch das ungefragte Rauchen am Spieltisch unterließe :-).

Somit finde ich das Büchlein leider absolut verzichtbar, aber möglicherweise bin ich auch nur einer der zum Ende des Buches erwähnten närrischen Ignoranten, denn das Buch endet – nach der Ankündigung weiterer Veröffentlichungen – mit dem Satz „Lets see that the attitude of play will bring better quality to boardgaming in the future and let the fools and ignorante stay ignorant if they know not of better ways.“ (1:1 zitiert, inklusive der Rechtschreibfehler).

Rezension Michael Andersch

Anmerkung: Zur besseren Lesbarkeit der Texte verwenden wir häufig das generische Maskulinum, welches sich zugleich auf weibliche, männliche und andere Geschlechteridentitäten bezieht.

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H@LL9000 Wertung Knigge for Boardgamers: Attitude of Play (Buch): 2,0 2,0, 1 Bewertung(en)

Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz Kommentar
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 18.06.26 von Michael Andersch - Kann man mal durchlesen, im Grunde aber leider absolut verzichtbar.

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