Rezension/Kritik - Online seit 06.04.2009. Dieser Artikel wurde 4210 mal aufgerufen.

Octago

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Autor: Reiner Knizia
Verlag: Public Solution
Rezension: Sandra Lemberger
Spieler: 1 - 4
Dauer: 20 Minuten
Alter: ab 8 Jahren
Jahr: 2008
Bewertung: 4,0 4,0 H@LL9000
4,0 4,0 Leser
Ranking: Platz 3304
Octago

Spielziel

Ein abstraktes, konsolenunterstütztes Brettspiel, bei dem die Zahl 8 immer wieder eine Rolle spielt.

Ablauf

Die Spielkonsole wird auf den Spielplan gesetzt, die entsprechende Folie aufgelegt und der Spielchip für Octago eingeschoben. Nach dem Einschalten fordert die Konsole die Spieler auf, eine der beiden Varianten (Octago 15 oder Octago 300) auszuwählen - danach kann's auch schon losgehen. Ohne Lesen der Spielregel, wenn das gewünscht wird, denn die Konsole erteilt akustisch alle erforderlichen Anweisungen.

Zuerst überprüft das Spielsystem, wie viele Spieler mit von der Partie sind, danach fordert es die jeweiligen Spieler auf, ihren Spielstein auf bestimmte Felder des Spielplans zu setzen. Von dort aus dirigiert die Konsole die Spieler immer um eine bestimmte Anzahl an Feldern vorwärts. Aber halt, ich greife vor – worum geht's eigentlich in diesem Spiel?

Der Plan zeigt Felder in vier verschiedenen Formen und Farben, wobei diese noch vier verschiedenen Sektoren zugeteilt sind. Oberstes Gebot ist es, möglichst solche Felder zu besuchen, auf denen lange keiner mehr war. Dabei sollte man aber auch darauf achten, auf welche Felder man selbst noch nicht gesetzt hat, denn wenn man alle drei Felder eines Sektors betreten hat, gibt es Sonderpunkte. Für jedes Feld einer bestimmten Farbe bzw. Form bekommt man eine gewisse Anzahl von Punkten gutgeschrieben, wobei immer eine Farbe mit einer Form kombiniert ist. Wer als Erster eine vorgegebene Anzahl dieser Einheiten gesammelt hat, erhält Bonuspunkte. Auch die Nächstplatzierten werden dafür belohnt, allerdings mit weniger Punkten.

Besucht man bestimmte Felder zu häufig, gibt es dafür keine Punkte mehr, wenn ein gewisses Maximum erreicht wurde. Deshalb lautet die Devise, zusätzlich zu den oben genannten Punkten auch möglichst gleichmäßig zu sammeln, damit man in seinen Zügen tunlichst immer Punkte kassieren kann.

In der Variante Octago 15 werden 15 Runden gespielt und wer danach die meisten Punkte gesammelt hat, gewinnt das Spiel. Bei Octago 300 dagegen spielt man so lange, bis es einer geschafft hat, die 300-Punkte-Grenze zu erreichen. Bei dieser Variante werden die Punkte nicht automatisch dem eigenen Konto gutgeschrieben, sondern nur vorgemerkt. Richtig verbucht werden sie erst dann, wenn man einen Zug opfert, damit die gesammelten Punkte eines auszuwählenden Sektors gespeichert werden.

Fazit

Während man in der ersten Partie noch denkt, dass man auf dieses Spiel wenig Einfluss ausüben kann, wird man nach und nach feststellen, dass dies keinesfalls so ist – vor allem auf Octago 300 trifft dies zu. Außerdem kann vornehmlich das Spiel zu zweit sehr spannend werden, wenn gleich starke Partner am Tisch sitzen und gut aufpassen, welche Felder schon lange nicht mehr besucht wurden. Zwar spielt hier auch das Würfelglück (in dem Fall ersetzt die Konsole den Würfel, also müsste man eigentlich von "Konsolenglück" sprechen) eine gewisse Rolle, jedoch hält sich dieses in Grenzen. Im Spiel zu zweit gibt es immer genügend Felder, um die Zugweitenvorgabe der Konsole zu ignorieren und auf lohnenswerte andere Felder zu ziehen. Zwar erhält man Abzüge, wenn man sich nicht an die vorgegebene Schrittweite hält, aber diese Abzüge kann man oft durch viele Pluspunkte kompensieren, wenn man Felder besucht, auf denen lange mehr keiner war.

Überhaupt spricht das Spielkonzept die Merkfähigkeit der Teilnehmer in besonderem Maße an – ein Merkspiel für Große also. Denn langfristig wird immer jener Spieler zu den Ersten gehören, der hier das geforderte Erinnerungsvermögen mitbringt. Oft hat man die Möglichkeit, sich zwischen zwei Feldern zu entscheiden, wobei die Entscheidung gar nicht immer so leicht fällt, denn nicht immer weiß man genau, wann zuletzt jemand dort gewesen ist. Alternativ kann man natürlich jenes Feld wählen, wo man ein Defizit hat, weil man noch nicht genügend Punkte einer gewissen Farbe oder Form gesammelt hat.

Octago 15 hat man in kurzweiligen 15 bis 25 Minuten gespielt, je nachdem, wie viele Gegner mit von der Partie sind. Gegrübelt wird bei diesem Spiel normalerweise nicht über die Maßen, denn entweder hat man aufgepasst und weiß, wo schon lange keiner mehr war, oder man ist eher nicht dazu in der Lage, dann muss man ohnehin auf sein Glück vertrauen. Bei Octago 300 sieht die Sache schon anders aus. Hier kann eine Partie zu viert durchaus auch mal 45 Minuten dauern, was manchen Spielern hinsichtlich der gebotenen Abwechslung doch zu lange dauert.

Die Konsolentechnik unterstützt das Spielerlebnis bei Octago wunderbar. Die Berechnungen, die hinter jeder Punktvergabe stecken, wären manuell nur sehr aufwändig durchzuführen und das Resultat wäre ein stinklangweiliges, ewig dauerndes Spiel, dessen Inhalt zu 90 % aus Rechenvorgängen bestünde. Andererseits gefällt es aber auch vielen Spielern nicht, dass es ihnen selbst kaum möglich ist, ihre Züge genauer durchzurechnen und die Aktionen eher auf Vermutungen basierend durchführen müssen. Wer Octago also nicht als das sehen will, was es sein will, nämlich ein eher lockeres Merkspiel, der könnte hier enttäuscht werden.

Für Spielregelmuffel stellt die Tatsache, dass ein Lesen derselben nicht erforderlich ist, vermutlich einen besonderen Anreiz dar. Und es klappt tatsächlich – eine Partie Octago kann auch beim ersten Mal sofort gestartet werden, ohne dass sich zuvor auch nur einer dem Regelstudium widmen musste. Besonders lobenswert finde ich außerdem die Tatsache, dass die Konsole einen gut funktionierenden Lautstärkenregler hat. Dies ermöglicht es auch, den Ton ganz leise zu stellen, wenn man das Spielprinzip erst einmal kennt. Denn mit der Zeit wird die etwas langatmige Ankündigung von erhaltenen Bonuspunkten ein wenig nervig. Zwar könnte man auf die mündliche Bekanntgabe der Zugweite gut verzichten, weil sie auch optisch durch leuchtende Würfel angezeigt wird, aber leider bekäme man dann die Bekanntgabe der Punkte nicht mit. Schade, dass die Punkte nicht auf der Konsole angezeigt werden, denn dann könnte man – wenn alle Mitspieler das wünschen – tatsächlich den Ton ausschalten. Vor allem auf das (manchmal fast schon hämisch klingende) Sprüchlein "Auf diesem Feld findest du leider nichts!" könnte man mit der Zeit auch ganz gut verzichten!

Octago 300 ist deutlich interessanter als Octago 15. Hier muss man nämlich selbst entscheiden, wann der günstigste Augenblick gekommen ist, um einen Zug zu opfern, damit die gesammelten Punkte eines Sektors gutgeschrieben werden. Dabei erhöht sich der Wertungsfaktor, je länger im entsprechenden Sektor niemand gewertet hat. Durch den selbst festzulegenden Zeitpunkt steht man ständig vor der Frage, ob man noch wartet, um einen besseren Wertungsfaktor zu bekommen oder ob man lieber wertet, bevor einem ein Mitspieler zuvor kommt. Denn wenn man direkt nach einem Mitspieler denselben Sektor wertet, erhält man kaum mehr Punkte. Handelt es sich jedoch um einen Sektor, den man selbst schon ganz gefüllt hat, kann man dort so lange keine Punkte mehr holen, bis man wertet und wieder bei null anfängt. In dieser Variante ist es unabdinglich, die Punkteverteilung der Mitspieler immer im Auge zu behalten, um ihnen eventuell einen Strich durch die Rechnung zu machen, indem man einen für sie guten Sektor eben vor ihnen wertet. Diese Vergleiche mit den Punkteständen der Mitarbeiter bringen es jedoch mit sich, dass diese Octago-Variante länger dauert als das Grundspiel.

Octago funktioniert in allen Besetzungen. Allerdings ist es Geschmackssache, ob man große oder kleine Runden besser findet. Ich persönlich bevorzuge das 2er-Spiel, denn hier geht es vornehmlich darum, wer sich lange besuchte Felder besser merken kann, denn die von der Konsole genannte Zugweite bietet meistens zwei Möglichkeiten. Im Spiel zu viert dagegen ist es fast immer so, dass eines der beiden Felder, die man mit der vorgegebenen Zugweite erreichen könnte, besetzt ist. Hier heißt es also ständig abzuwägen, ob man das verbliebene Feld nimmt oder die vorgegebene Zugweite ignoriert und ganz woanders hinzieht. Das vollere Spielfeld macht den gesamten Spielablauf dann weniger planbar. Das Spielsystem lässt auch Solospiele zu, die reibungslos funktionieren. Man versucht einfach, den eigenen Punkte-Höchststand zu schlagen. Vielleicht nicht jedermanns Sache, sich mit einer Maschine an den Tisch zu setzen und alleine vor sich hinzuspielen, im Grunde aber nichts anderes als ein Solo-Computerspiel, wobei es eben keinen "bösen" Gegner gibt, welcher einem die Punkte vor der Nase wegschnappt.

Insgesamt liegt mit Octago eine gelungene Spielidee vor. Bleibt letztendlich nur die Frage nach dem Preis-/Leistungsverhältnis. Wer vorhat, sich weitere Spiele anzuschaffen, die mit der Konsole spielbar sind, macht mit Octago vermutlich keinen schlechten Griff, sofern er nicht gerade eine Aversion gegen Merkspiele hat. Wer sich für kein anderes der zur Konsole angebotenen Spiele interessiert, muss für dieses eine Spiel sehr tief in die Tasche greifen, so dass sich die Anschaffung eher nicht lohnt.

Rezension Sandra Lemberger

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H@LL9000-Bewertungen

H@LL9000 Wertung Octago: 4,0 4,0, 1 Bewertung(en)

Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz Kommentar
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 24.03.09 von Sandra Lemberger - Bei Octago 300 gibt es mehr Interaktion.

Leserbewertungen

Leserwertung Octago: 4,0 4.0, 1 Bewertung(en)

Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz Kommentar
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 07.04.09 von Timo Onken - Eines der besseren Spiele für die yvio-Konsole.

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