Rezension/Kritik - Online seit 26.03.2015. Dieser Artikel wurde 5242 mal aufgerufen.

Pagoda

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Autor: Arve D. Fühler
Illustration: Arve D. Fühler
Verlag: Pegasus Spiele
Rezension: Franky Bayer
Spieler: 2
Dauer: 30 - 45 Minuten
Alter: ab 8 Jahren
Jahr: 2014
Bewertung: 3,0 3,0 H@LL9000
2,5 2,5 Leser
Ranking: Platz 4429
Pagoda

Spielziel

Eigentlich wollte ich - stets um eine Erweiterung des Horizonts meiner Leser bemüht - in dieser Einleitung einiges über die Geschichte und Entwicklung von Pagoden, ihre Architekturmerkmale, Baumaterialien, über ihre Bestandteile, Formen und Dekorationen, und nicht zuletzt über ihre Verwendung und Kultur berichten. Doch dies würde den Rahmen einer Rezension sprengen und die Aufmerksamkeit des geschätzten Lesers sicher überstrapazieren. So belasse ich es mit einer kurzen Begriffserklärung: Eine Pagode ist ein markantes, mehrgeschossiges, turmartiges Bauwerk, dessen einzelne Geschosse meist durch vorragende Gesimse oder Dachvorsprünge voneinander getrennt sind.

Ablauf

Dieser eine Satz in der Einleitung genügt schon, um den potenziellen Spieler auf seine bevorstehende Arbeit in Pagoda vorzubereiten. Er muss nämlich Pagoden errichten, indem er auf den Bauplätzen des Spielplans Säulen und Dächer platziert, jeweils Schicht um Schicht. Eine fertige Pagode besteht dann aus vier Etagen, jeweils aus vier Säulen und einem Dach, sowie ganz oben einer Dachspitze. Das vollendete Bauwerk ist immerhin 7 cm hoch.

Säulen und Dächer kommen in fünf verschiedenen Farben vor. Dieselben Farben weisen auch die Spielkarten auf, von denen jeder der beiden Spieler zu Beginn je eine pro Farbe offen vor sich ausliegen hat. Sowie zwei verdeckte Karten, die er auf der Hand hält. Der erfahrene Spieler schließt daraus, dass Karten ausgespielt werden müssen, um Säulen und Dächer der entsprechenden Farbe bauen zu können.

So ist es. Für jede Säule und für jedes Dach muss eine farblich passende Karte ausgespielt werden. Dabei gilt es aber, ein paar einfache Bauregeln zu beachten. Alle Säulen und das Dach eines Stockwerks müssen eine einheitliche Farbe aufweisen. Zudem ist ein Baulimit von höchstens 3 Säulen pro Spielzug einzuhalten. Ein Dach wiederum kann nur auf vollständige Etagen aus 4 Säulen gesetzt werden (wäre sonst ja nicht stabil genug...). Dafür wählt der Spieler eines der noch zur Verfügung stehenden Dächer dieser Farbe, womit er gleichzeitig - durch die darauf angegebene Markierung für die Säulen - die Farbe des nächsten Stockwerks festlegt.

Die anstrengende Arbeit will selbstverständlich gebührend entlohnt werden, was hier mit Punkten geschieht. Die Punktevergabe der Säulen hängt von der jeweiligen Etage ab. Säulen in der untersten Ebene bringen lediglich 1 Punkt ein, im zweiten Stock schon je 2, im 3. Stock je 3 und im obersten Stockwerk dann 4 Punkte. Für die Dachspitze, die nur gemeinsam mit dem letzten Dachplättchen gebaut werden darf, erhält man schließlich stolze 5 Punkte, dafür benötigt man aber auch 2 entsprechende Farbkarten. Dächer zählen generell nur 1 Punkt.

Mit dem Bau eines Dachplättchens erwirbt man gleichzeitig eine Sonderfähigkeit. Um dies anzuzeigen rückt man den entsprechenden Marker auf seiner Baumeistertafel auf das Feld ganz rechts. Jedes Mal, wenn man diese Sonderfähigkeit einsetzt, bewegt man den Marker um ein Feld nach links, sodass der Vorteil nach zweimaligem Einsatz aufgebraucht ist. Je nach Farbe erlaubt eine Sonderfähigkeit, die Handkarten am Ende des Zuges einmalig auf 4 aufzufüllen, beliebig viele Tisch- und Handkarten einmalig am Beginn des Zuges auszutauschen, 2 gleichfarbige Karten einer beliebigen Farbe als Joker für den Bau einer Säule bzw. für den Bau eines Dachplättchens zu verwenden oder das Baulimit für diesen Zug von 3 auf 4 Säulen zu erhöhen.

Sobald 3 Pagoden vollendet sind, wird nur mehr die laufende Runde zu Ende gespielt, sodass beide Spieler gleich oft dran waren. Der Spieler, der insgesamt die meisten Punkte erzielen konnte, gewinnt das Spiel.

Fazit

Was sich in der Beschreibung relativ simpel anhört, wird in der Praxis zu einem recht taktisch geprägten Zweipersonenspiel. Dadurch, dass von den sieben Karten, welche jeder für seinen Zug zur Verfügung hat, fünf offen ausliegen ("Tischkarten"), kann man sich einigermaßen auf die möglichen Aktionen des Mitspielers einstellen. Die beiden Handkarten verhindern dabei allerdings, dass alles genau ausgerechnet werden kann, und sorgen für das richtige Maß an Ungewissheit.

Natürlich ist jeder Spieler bestrebt, in seinem Zug mehr Punkte zu erzielen als sein Gegenüber. Dies gelingt umso besser, je höher man Säulen errichtet, weshalb der Möglichkeit, mit der richtigen Wahl des Dachplättchens die Farbe der nächsten Etage bestimmen zu können, eine große Bedeutung zukommt. Wählt man eine Farbe, von der der Mitspieler nur wenige oder gar keine besitzt, profitiert man in Folge selbst mehr von den höheren Punktewerten des nächsten Stockwerks. Im günstigsten Moment hat man dann erneut die Gelegenheit, die Farbe der folgenden Etage zu bestimmen. Pagoda ist also ein Spiel, welches offensive Spielweise durchaus lohnenswert macht.

Pagoda wirkt zwar von den Spielmechanismen unspektakulär, verlangt von den Spielern aber geschicktes Kartenmanagement, taktisches Gespür im Wettstreit mit seinem Kontrahenten und nicht zuletzt klugen Einsatz der Sonderfähigkeiten. Der Glücksanteil ist durch die Karten sicher gegeben, kann aber mit Voraussicht und Planung weitgehend minimiert werden. Am Ende gewinnt zumeist der Spieler, der die verschiedenen Instrumente am besten beherrscht und auf Engpässe an geeigneten Karten flexibel reagieren kann.

Die Sonderfähigkeiten sind das A und O des Spiels. Die Dächer bringen zwar selbst nur einen einzigen Punkt, durch die Farbwahl der nächsten Etage und vor allem der unterschiedlichen Fähigkeiten der Farben kommt ihnen aber eine zentrale Rolle zu. Dies bewirkt aber auch, dass man seinem Gegenüber keine Vorlage bieten sollte. In so mancher Partie belauerten sich die beiden Kontrahenten so lange, bis einem von ihnen die entscheidende Fertigstellung eines Daches gelang.

Die Altersangabe - ab 8 Jahren - ist aufgrund des ausgewogenen Verhältnisses von Glück und Taktik, sowie der schnell zu erfassenden Spielregeln gut gewählt. Zwar kapiert mein Jüngster (6 Jahre) schon das Spielprinzip, die Auswirkungen, das Wechselspiel mit dem Gegner und der eher trockene Spielverlauf erfordern aber schon ein wenig mehr spielerische Reife. Auch die Spieldauer erscheint mir angemessen. Es dauert zwischen einer halben und dreiviertel Stunde, bis die 3. Pagode vollendet ist. Perfekt, um gleich noch eine Revanche-Partie anzuschließen. Viel länger sollte es aber sowieso nicht sein, dafür bietet Pagoda doch etwas zu wenig Abwechslung in den Spielzügen und einen niedrigen Spannungsbogen.

Das Spielmaterial mit Karten, Plättchen und den Holzteilen ist von guter Qualität, grafisch aber eher funktionell ausgerichtet. Dafür entstehen im Laufe des Spiels aus Säulen und Plättchen recht ansehnliche Pagoden, welche ihren realen Vorbildern doch ziemlich ähnlich sehen.

Es ist schön, dass sich Pegasus vermehrt dem in letzter Zeit etwas vernachlässigten Genre der Zweipersonenspiele widmet. 2013 erhielt Pagoda unter dem Titel "Die Pagoden von Dra Chen" den Sonderpreis des Hippodice Autorenwettbewerbs für das beste 2-Personenspiel. Es als auszeichnungswürdig zu beurteilen, soweit würde ich dann doch nicht gehen, ein interessantes Spiel zu zirka 20 Euro für die erstaunlich verbreitete Zielgruppe der Pärchen, Partner und anderer Kleingrüppchen ist es aber allemal.

Rezension Franky Bayer

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H@LL9000-Bewertungen

H@LL9000 Wertung Pagoda: 3,0 3,0, 2 Bewertung(en)

Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz Kommentar
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 02.02.15 von Franky Bayer - Schönes taktisches Zweipersonenspiel,dem allerdings - trotz steigender Punkte - etwas der Spannungsbogen fehlt. Schwanke zwischen einer 3 und 4, und entscheide mich aufgrund der durchaus nett anzusehenden fertigen Bauwerke für die höhere Gesamtnote.
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz Kommentar
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 15.12.14 von Stephan Rothschuh - Funktionert von den Regeln her, hat aber keinen Spannungsbogen.

Leserbewertungen

Leserwertung Pagoda: 2,5 2.5, 2 Bewertung(en)

Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz Kommentar
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 21.12.14 von Hans Huehnchen - Pagoda besitzt ein massives Runaway-Leader-Problem. Das taucht zwar nicht in jeder Partie auf, stört den Spielreiz aber nachhaltig. Wenn Pagoda als bestes Zwei-Personen-Spiel beim Hippodice-Wettbewerb gekürt wurde, dann macht bitte einen großen Bogen um das Spiel, welches den zweiten Platz geholt hat....
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 25.08.15 von Marcel Puffe - Das Spiel funktioniert und das Bauen der Pagoda ist nett, aber leider fehlt es dem Spiel an Spannung.

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