Rezension/Kritik - Online seit 11.02.2006. Dieser Artikel wurde 6025 mal aufgerufen.

Piracy

Direktlinks zu den Rezensionsblcken
Autor: keine Angabe
Verlag: Papergames
Rezension: Ferdinand Kther
Spieler: 2 - 5
Dauer: 90 Minuten
Alter: ab 14 Jahren
Jahr: 2004
Bewertung: 2,0 2,0 H@LL9000
2,0 2,0 Leser
Ranking: Platz 6461
Piracy

Spielerei-Rezension

Spielerei Preview Frhjahr 2006:

Die Optik eines Spiels ist sicher ein nicht unwesentlicher Faktor, um auf ein Spiel aufmerksam zu machen, auf Dauer zhlt natrlich nur der Spielspa. Ob die Optik von Piracy, das mir damit auf der Spiel '04 sozusagen ins Auge stach, mit dem Spielspa mithalten hat, oder umgekehrt, werden wir sehen.

Blaue See, viele kleine Plastikhuschen, kleine bunte Holzschiffchen, kleine Spielkarten, eine eigene Schiffstafel fr jeden Spieler - die Ausstattung ist nicht nur fr einen Kleinverlag sehr ordentlich, auch wenn der Spielplan kein "Brett" ist, sondern aus dicker Pappe besteht. A propos Spielplan und blaue See - nein, hier haben wir es zur Abwechslung mal nicht mit dem beliebtesten Urlaubsziel der Deutschen zu tun, sondern mit dem zweit beliebtesten, der Karibik, einstmals Hochburg des internationalen Piratentums.

Spiel ausgepackt, Regel gelesen und nach kurzer Zeit zur Seite gelegt. Ich liebe das Regellesen, besonders auch lange, komplexe Regeln knnen durchaus bevorzugte Bettlektre fr mich sein. Diese kurze, nur vierseitige Regel, wenn auch eng beschrieben, habe ich vier-, fnf-, sechsmal angefangen zu lesen, bis ich's endlich geschafft hatte. Recht ausfhrlich, fast zu ausfhrlich, werden eigentlich sehr einfache Regeln mit diversen netten eingestreuten Details umstndlich und zh beschrieben. Vorbildlich die angehngte, ebenfalls vierseitige Erklrung aller Spielelemente, hier fllt der zhe Wortbrei nicht so auf, da man dort ja nur mal ab und zu etwas nachschaut.

Egal, "wichtig ist auf'm Platz" und man hat das Gefhl, da immerhin alles in der Regel erklrt ist. Los geht's, jeder Spieler stattet sein Schiff mit Schreckens-, Segel-, Kampf- und Versorgungspunkten aus und erhlt eine Grundladung Gold, alles mit Markern oder Chips auf einer bersichtlichen Tafel angeordnet, die auch noch einige Tabellen zeigt, z. B. was man im Hafen fr wie viel Gold kaufen kann, beispielsweise mehr Segelpunkte = hhere Geschwindigkeit. Hafen- und Piratenhafenhuschen werden aufgestellt, und schon segeln die kleinen Holzschiffchen (kommen irgendwie bekannt vor, ah ja, die Seefahrer-Erweiterung ) ber das engmaschige Sechseckraster des schnen, sagte ich schon, Spielplans.

Der Segelwert gibt die maximale Zugweite vor, Ziel ist es, als erster eine bestimmte Menge Gold auf der "Goldleiste" vorweisen zu knnen. Gold gibt es fr die Eroberung von Hfen, erfolgreiche berflle auf Schiffe, auch andere Piratenschiffe, und die Erfllung von Missionen. Kleine Plttchen zeigen einen Buchstaben und eine Zahl, im gesonderten Missionsblatt ist nachzulesen, was der Pirat, sprich Spieler dafr tun mu. Im Normalfall heit das, von A nach B zu segeln und dort etwas abzuliefern, eine Depesche etwa, 'ne Ladung Rum oder Sklaven usw. - alles Marker, die man auf seine Schiffstafel legt, allerdings auch durch berflle wieder verlieren kann. Bei Erfllung der Mission gibt's Gold und einen Schreckenspunkt als Belohnung, maximal vier Missionen kann jeder Spieler erledigen. Na ja, Schrecken ist wohl eher mit Tapferkeit und Mut gleichzusetzen, was ist schon bei der berlieferung einer Depesche schrecklich? Und haben Piraten sich tatschlich als Briefboten bettigt? Keine Ahnung, wenn's dem Spiel dient, soll mir das recht sein.

Ein Spielzug ist schnell getan: Das Schiff ziehen und dann, je nachdem wo es ist, eine Aktion ausfhren. Im Hafen heit das, diesen anzugreifen oder dort zu handeln, also gegen bares Gold Segel oder Vorrte zu kaufen. Per Wrfel wird bestimmt, wie viel Gold und Vorrte es im Hafen bei einem Angriff zu erbeuten gibt, auch die Kampfstrke des Hafens wird so bestimmt und jeder Hafen hat einen Modifikator, der die die Wrfelergebnisse beeinflut. Auf offener See wird eine Karte gezogen, auer man ist auf einem Hexfeld mit einem anderen Piratenschiff, das man dann angreifen kann. Eine Karte ist meist ein so genanntes Prisenschiff (Beuteschiff), das man berfallen kann. Jedem Kampf auf offener See geht ein Segelduell voraus, natrlich auch mit Wrfeln ausgetragen, ebenso wie der mgliche anschlieende, immer kurze, Kampf.

Ich will nicht auf alle Einzelheiten eingehen, dabei sind es gar nicht so bermig viele, der Spielablauf ist flott und niemand mu lange warten, bis er wieder an der Reihe ist. Das ist schn, doch tut sich nach einiger Zeit eine gewisse Monotonie auf, die man auf Grund der mglichen Vielfltigkeit nicht vermutet - Schiff ziehen, Karte ziehen, wrfeln, vielleicht noch mal wrfeln, oft genug auch nicht, da der Hafen oder das Beuteschiff zu stark ist und man es einfach sein lt und auf geringeres Risiko wartet.

Ok, da gibt es Kaperbriefe als Karten mit denen man, und nur damit, auch Piratenhfen berfallen kann und einige andere Nettigkeiten, jemand hat sich viel Mhe gemacht, das alles auszudenken, z. B. auch den Europahafen, in dem man seine Schreckenspunkte loswerden kann, da diese zum Schlu von den Goldpunkten abgezogen werden. Je mehr Schrecken, desto leichter die Kmpfe, aber umso schwieriger der Sieg - ein cleveres "Paradoxon".

Trotz all dem wird's nicht so richtig prickelnd, ganz nett, ja, aber von einem Spiel mit dieser Ausstattung und Detailreichtum erwartet man mehr. Und dann stt man irgendwann auf das groe Regelmanko.

Unter den Karten sind auch zwei Piratenjger, anders als die Beuteschiffe keine fiktiven Figuren, die nach der Begegnung sofort wieder verschwinden, sondern ebenfalls kleine Holzschiffchen, die dann auf dem Spielplan auftauchen. Nach der Bewegung seines eigenen Schiffes zieht jeder Pirat dann den/die Piratenjger ein Feld weiter in Richtung des nchsten Piratenschiffes. Aufgabe des Piratenjgers ist es natrlich, die Piraten zu versenken (in dem Falle mu aber niemand ausscheiden, sondern fngt mit einem neuen Schiff wieder an). Nun kommt aber die Regel dazwischen und verhindert dies, denn die Aktionsreihenfolge ist klar vorgegeben: Erst die Bewegung des eigenen Schiffes, dann den Piratenjger, dann eventuelle Kmpfe. Steht also ein Piratenjger auf meinem Feld, bewege ich mich zunchst natrlich von diesem weg, auerdem ziehe ich auch noch den Piratenjger selbst weg, also kann es nie zum Kampf kommen

Es gibt die Piratenmission, den Piratenjger zu versenken - der Jger wird also zum Gejagten. Also "schleiche" ich mich bis auf ein Feld an den Piratenjger heran, ziehe diesen dann auf mein Feld. Und wieder kommt uns die Regel in die Quere: Vor jedem Kampf findet ja ein Segelduell statt, und der Piratenjger ist natrlich sehr schnell. Habe ich Pech, segelt er mir immer davon

Eine leider sehr unausgegorene Angelegenheit, vieles ist sehr liebevoll durchdacht, aber dieser dicke Schnitzer ist den Machern nicht aufgefallen. Eine entsprechende Nachfrage per email blieb bisher leider unbeantwortet.

Zwei kurze Stze gengen, um diese Ungereimtheiten zu korrigieren: "Sobald ein Piratenjger auf einen Piraten trifft, kommt es zum Kampf nach blichen Regeln. Will ein Pirat den Piratenjger angreifen, entfllt das Segelduell."

Regelunklarheiten sind leider an der Tagesordnung, solche Lcher zum Glck selten (aber keineswegs auf kleine Verlage beschrnkt, wie z. B. die Regel zu Petri Heil zeigt: U. U. kann dieses Spiel, wenn man sich an die Regel hlt, nie beendet werden).

Schade schade schade, ich mchte dieses Spiel gut finden, aber was sich wie eine echt steife Brise ankndigte, erweist sich als laues Lftchen. Dabei ist sicher viel Arbeit und Mhe in Piracy gesteckt worden und es gibt einige gute Anstze, das Endprodukt kann aber nicht berzeugen, was nichts damit zu tun hat, da der Zufallsfaktor ziemlich gro ist. Rtselhaft ist die Angabe der Spielzeit von "maximal 4 Stunden", nach ca. 90 Minuten waren wir als blutige Anfnger fertig - was niemand bedauerte - obwohl wir ja auch noch teilweise, s. o., die Regel zurecht zimmern muten.

Rezension Ferdinand Kther

In Kooperation mit der Spielezeitschrift

Spielerei

'Piracy' online bestellen

Kaufen bei Idealo Kaufen bei Spiele-Offensive Kaufen bei Meeple-Box 

H@LL9000-Bewertungen

H@LL9000 Wertung Piracy: 2,0 2,0, 2 Bewertung(en)

Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz Kommentar
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 07.02.06 von Ferdinand Kther
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz Kommentar
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 11.02.06 von Steffen Stroh - Wahrscheinlich ist es unfair, eine Wertung abzugeben, ohne je eine echte Partie gespielt zu haben. Aber ich kann in diesem Fall nicht anders: So gerne wre ich als Freibeuter aktiv geworden, aber diese Spielregel haut selbst einen erfahrenen Regelleser aus den Piratenstiefeln. Wirr im Aufbau, unbeblidert, voll von Wiederholungen und wechselnden Wortbezeichnungen. Jede Situation scheint berfrachtet mit Details und Ausnahmeregeln, stndig scheinen Wrfel und Spielmaterial ihre Bedeutung zu verndern. Mindestens 4-5 mal habe ich mich an den Spielregeln versucht, ebenso oft bin ich gescheitert. Sicher, einem Kleinstverlag ist hier Toleranz einzurumen, aber DAS geht zu weit. Hier wird eine berschaubare Spielsubstanz mit einer Einstiegshrde vernagelt, die fr Otto-Normalspieler nicht zu bewltigen ist. Und fr ein Spiel, das ich nicht spielen kann (bzw. ob eklatanten Regelfrustes nicht mehr spielen will), kann ich auch nur eine Wertung geben. Ich bitte also, die Wertung auch so zu verstehen: Spiereiz 1 nicht fr ein Spiel, das kein Potential htte, sondern fr ein Spiel, das dank seines misslungenen Regelwerks fr mich schlicht die Grenze zur Unspielbarkeit berschritten hat.

Leserbewertungen

Leserwertung Piracy: 2,0 2.0, 5 Bewertung(en)

Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz Kommentar
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 11.02.06 von Sarah Kestering - Typischer Fall fuer ein in Essen gehyptes Kleinverlag Spiel. Erst liest man ueberall wie toll es doch ist. Dann spielt man es selber und es faellt einem auf das einem die neuen Kosmos Spiele doch viel besser gefallen. 2 Jahre spaeter erinnert sich kaum noch jemand an dieses Spiel. Lange und langweilige Angelegenheit.
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz Kommentar
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 15.02.06 von Alexander Schnbohm - Ich kann die Probleme mit der Regel nicht so ganz verstehen, ich hatte in meiner Spielrunde eingentlich keine greren Probleme sie zu vermitteln. Sie ist vielleicht etwas ungnstig strukturiert und unbersichtlich. Zu den Piratenjgern: Es ist richtig, dass sie nach der eigenen Bewegung bewegt werden und zwar in Richtung des nchstgelegenen Schiffes, d.h. man kann noch vorher die Flucht ergreifen. Aber jeder Spieler bewegt den Piratenjger in seinem Zug, d.h. in einer Runde max. 5 Felder (bei 5 Spielern), bei 3/4 Spielern bewegt sich der Piratenjger pro Spieler 2 Felder. Somit kann es sehr wohl um Kapmf kommen, nmlich genau dann wenn die Mitspieler den Piratenjger in mein Feld bewegt. Und dann kommt es auch sofort zum Kampf, mit dem angesprochenen Segelduell. Verliert man diese, so kommt es zum Kampf, was auch in dem Fall gilt, dass man als Auftrag einen Piratenjger versenken muss. Da der Piratenjger wie erwhnt recht schnell ist, kommt es also mit hoher Wahrscheinlichkeit zum Kampf, so dass es eher unwahrscheinlich ist, dass es nicht zu einem Kampf kommt. Abgesehen davon fhlt es sich schon etwas repetiv an und auch die Einflussmglichkeiten beschrnken sich mehr oder minder auf eine Risikoabschtzung. Vielleicht einen Tick zu lang, aber kein schlechtes Spiel, das durchaus ab und an auf den Tisch kommen kann.
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz Kommentar
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 19.02.06 von Frank - ziemlich trashig das ganze. und wenn man dann noch besichtigen kann, da etliche der macher ihr eigenes spiel dort durch serienweise euphorische bewertungen und sogar selbstfabrizierte reviews (!) regelrecht zurecht-hypen, wirds einem richtig schlecht. pfui !
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz Kommentar
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 19.02.06 von Frank - korrigierte fassung, denn da fehlte ein entscheidendes wort : ziemlich trashig das ganze. und wenn man dann noch besichtigen kann, da etliche der macher ihr eigenes spiel auf BOARDGAMEGEEK durch serienweise euphorische bewertungen und sogar selbstfabrizierte reviews (!) regelrecht zurecht-hypen, wirds einem richtig schlecht. pfui !
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz Kommentar
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 01.03.06 von Denis Fischer - Im Grunde genommen knnte Piracy ganz gut sein. Wren da nicht a) die Regeln und b) die fehlende Interaktion untereinander. Ich habe das Spiel in Essen gekauft, weil es mir ins Auge stach und Porates auf sich warten liesse. Nach dem Regelk(r)ampf haben wir es zu Zweit und auch zu Viert gespielt, was auch nach diversen Regelklarstellungen sehr gut funktionierte. Nur leider hatte man kaum Mglichkeiten, seine Mitspieler anzugreifen oder Schtze zu rauben. Trotzdem: Ich glaube, das Spiel besitzt einen gewissen Wert und das ist wie bei einer Schatzsuche: Man muss ihn finden!

Weitere Informationen zu 'Piracy' auf unseren Partnerseiten