Rezension/Kritik - Online seit 17.08.2020. Dieser Artikel wurde 772 mal aufgerufen.

Disney Villainous: Böse bis ins Mark / Wicked to the Core

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Autor: Prospero Hall
Verlag: Ravensburger Verlag GmbH
Rezension: Franky Bayer
Spieler: 2 - 3
Dauer: 40 - 60 Minuten
Alter: ab 10 Jahren
Jahr: 2019, 2020
Bewertung: 5,0 5,0 H@LL9000
Ranking: Platz 2219
Disney Villainous: Böse bis ins Mark  / Wicked to the Core

Spielziel

"... und wenn sie nicht gestorben sind, dann gehen sie nach wie vor ihren finsteren Plänen nach. Ende."
So ungefähr kann man sich das "Unhappy End" beim Spiel Villainous vorstellen.
Hallo! Ihr habt doch nicht ernsthaft geglaubt, dass damit schon Schluss ist?! Im Disney-Universum gibt es immerhin eine Unmenge an Schurken, warum sollte man nach bloß sechs Bösewichten aufhören, wo es doch gerade am schlimmsten ist? Und so gibt es nun die sehnsüchtig erwartete Erweiterung Villainous - Böse bis ins Mark, welche mit 3 neuen Fieslingen aufwartet: Dem verschlagenen Hexer Dr. Facilier aus "Küss den Frosch", der niederträchtigen bösen Königin aus "Schneewittchen", und Hades, dem gemeinen Gott der Unterwelt aus "Hercules".

Ablauf

Wie gewohnt gibt es für jeden dieser Charaktere ein eigenes Set aus einer Spielfigur, einer Spielertafel mit jeweils 4 Orten, einem Bösewicht-Handbuch (mit Beschreibung des individuellen Spielziels und der wichtigsten Karten), einer Spielhilfe, einem Bösewicht-Kartensatz aus 30 Karten und einem Schicksal-Kartensatz aus 15 Karten.

Den Spielablauf kann ich mir ersparen, er ist gegenüber dem Grundspiel gleich geblieben. Interessierte können ihn aber in meiner Rezension von Villainous nachlesen. Deshalb gleich und ohne Umschweife zu den Spielzielen der 3 Bösewichte.

Die Böse Königin muss schlicht und einfach Schneewittchen besiegen. Aber nicht im Kampf, dieses Symbol fehlt nämlich an den Orten, sondern indem sie der Prinzessin Gift verabreicht. Dazu benötigt sie Zutaten, denn erst wenn sie alle 4 verschiedenen Zutaten beisammen hat, kann sie die Zwergenhütte mit Schneewittchen aufsuchen. Mit der neuen Aktion "Gift brauen" kommt sie an die ausreichende Menge Toxin, um Helden - allen voran Schneewittchen mit der Karte "Nimm einen Bissen!" - beseitigen zu können.

Hades will den Olymp erobern, wofür er die Titanen befreien und in Richtung Sitz der Götter schicken muss. Sobald sich zu Beginn seines Spielzugs drei Titanen am Olymp befinden, hat er sein Ziel erreicht.

Dr. Facilier will über New Orleans herrschen. Dazu muss er zuerst einmal einen Talisman in seinen Besitz bringen. Die Machtübernahme gelingt ihm aber erst, wenn er die wichtige Karte "Herrsche über New Orleans" auftreibt und ausspielt, sodass sie im eigenen Wahrsagestapel landet. Mit der Karte "Wahrsagen" werden zufällig 3 Karten von diesem Stapel aufgedeckt. Ist "Herrsche über New Orleans" darunter, hat Dr. Facilier augenblicklich gewonnen.

Fazit

Eigentlich bräuchte ich auch beim Fazit bloß den Text meiner Villainous-Rezi kopieren und fast unverändert einfügen. Dennoch möchte ich noch ein wenig detaillierter auf die 3 Schurken dieser Erweiterung eingehen.

Hades geht von allen drei Schurken auf die konventionellste (und gleichzeitig einfachste) Weise vor, um sein Ziel zu erreichen. Es gibt - wie im Disney-Film - fünf unterschiedliche Titanen, welche wie Handlanger in den eigenen Bereich gespielt werden. Allerdings müssen sie stets in der Unterwelt anfangen, dem äußerst linken Ort auf der Spielertafel. Von dort können sie mit der passenden Aktion sowie mit bestimmten Karten (z. B. "Get ready to rumble") nach rechts bewegt werden, bis sie endlich am Olymp ankommen, dem Ort ganz rechts auf der Spielertafel. Während ihrer Bewegung können sie gleichzeitig eine besondere Fähigkeit nutzen.

Im Schicksal-Kartenstapel finden sich hauptsächlich Karten, welche Titanen "sperren" oder auf andere Weise blockieren können. Gesperrte Titanen können weder gezogen werden noch kämpfen und zählen am Olymp auch nicht für die Siegbedingung. Die geforderte Strategie ist also eher "straight forward" und verlangt nicht allzu viel Raffinesse und taktisches Geschick. Somit ist der Gegenspieler von Hercules am besten für Einsteiger geeignet.

Die Böse Königin ist diesbezüglich schon interessanter. Gut, dass es keine "Kampf"-Symbole auf den Orten ihrer Spielertafel gibt, hatten wir schon bei Ursula aus "Arielle". Die böse Königin greift jedoch zu einer anderen List: Sie vergiftet ihre Feinde. Dies sorgt gleich für zwei neue Elemente. So finden wir mit den Zutaten nun eine neue Kartenart, welche auf einem eigenen Stapel gesammelt werden muss. Es ist sogar zwingend notwendig, alle 4 Zutaten zu finden, um überhaupt den Schloss-Chip von der Zwergenhütte entfernen und Schneewittchen besuchen zu dürfen.

Die zweite Neuerung ist eine brandneue Aktion. Mit "Gift brauen" kann man beliebig viele Macht-Chips in seinem Besitz in Gift umwandeln, welches man natürlich am liebsten gleich für Schneewittchen einsetzen würde. Leider erhöht sich die Stärke der Prinzessin mit jedem anderen Helden - sprich: Zwerg - im Reich, welche der Bösen Königin auch auf andere Weise das Leben schwer machen. Und so kommt es sehr auf das Timing an, um der Prinzessin im richtigen Moment den vergifteten Apfel zu überreichen. Auf jeden Fall spielt sich dies schon wesentlich anspruchsvoller.

Dr. Facilier braucht unbedingt 2 bestimmte Karten seines Decks, um das Spiel zu gewinnen. Einerseits den Talisman in seinem Besitz (also auf seiner Seite des Reiches), andererseits die Karte "Herrsche über New Orleans" in seinem Wahrsage-Stapel, um sie durch "Wahrsagen" triumphierend präsentieren zu können. Deshalb muss er trickreich ("Kartentrick") versuchen, an beide Karten zu gelangen und den ominösen Wahrsage-Stapel auch möglichst klein zu halten trachten, da beim "Wahrsagen" drei zufällige Karten von diesem besonderen Stapel aufgedeckt werden.

Die Schicksal-Karten greifen bei ihm an beiden Fronten an, denn einige Helden lassen den Talisman die Seite wechseln, andere Karten stopfen den Wahrsage-Stapel mit unnützen, manchmal auch richtig lästigen Karten voll. Dr. Facilier ist also ständig bemüht, seine bösen Geister und Handlanger einzusetzen, um die Chancen auf eine erfolgreiche Prophezeiung hoch zu halten. Ebenfalls eine knifflige Angelegenheit, die neben ein bisschen Glück aufmerksames und taktisch geschicktes Spiel erfordert.

Stellt sich nur mehr die Frage, wie gut sich die drei neuen Charaktere in das Villainous-Universum einfügen. Hier muss ich ein wenig ausholen. Laut Spielregel sollte man mit jedem Bösewicht eine faire Chance auf den Sieg haben, so man ihn "geschickt und durchtrieben" spielt. Manche erforderten halt mehr Übung als andere, wird zitiert. Meine Erfahrung nach unzähligen Partien lehrte mich jedoch, dass es sehr wohl Differenzen gibt.

Die Schicksal-Karten können die Schurken unterschiedlich bei ihren Vorhaben behindern. Wenn beispielsweise Prinz John aus "Robin Hood" vier Macht-Chips gestohlen werden, ruft dies bei ihm lediglich ein Achselzucken hervor, denn nach 2 bis 3 Runden hat er den Verlust wieder wettgemacht. Im krassen Gegensatz dazu wird der enorme Aufwand von Ursula, um Tritons Dreizack in ihre Höhle zu bringen, mit einer einzigen Karte ("Arielle") zunichte gemacht, was mit "Rückverwandlung" sogar noch öfter wiederholt werden kann. Ich musste in einer denkwürdigen Partie das gesamte Prozedere gleich vier Mal durchmachen und war deshalb chancenlos.

Zu dieser Erweiterung muss ich zugeben, dass ich noch nicht annähernd so viele Partien erlebt habe wie mit dem Grundspiel. Ich konnte dabei aber den Eindruck gewinnen, dass alle drei Bösewichte recht ausgeglichen zu spielen sind, die Schurken von den Schicksal-Karten weder zu viel noch zu wenig bei der Ausübung ihrer Missetaten behindert werden. Dies zeugt von ausreichend Playtesting und Feintuning.

Auch das Spielmaterial fügt sich nahtlos ein. Die Schachtel ist etwas kleiner ausgefallen, was aufgrund der geringeren Anzahl an Schurken logisch und verständlich ist. Wieder sind die Spielfiguren außergewöhnlich stylisch gestaltet, wenn auch die Figur von Dr. Facilier recht leicht umfällt.

Ich freue mich jedenfalls auf die nächste Erweiterung, welche wohl im Herbst auf Deutsch erscheinen wird. Welche Besonderheiten werden uns da wohl Professor Rattenzahn, Yzma und Scar bieten?

Rezension Franky Bayer

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H@LL9000-Bewertungen

H@LL9000 Wertung Disney Villainous: Böse bis ins Mark / Wicked to the Core: 5,0 5,0, 1 Bewertung(en)

Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz Kommentar
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 02.05.20 von Franky Bayer - Gelungene Erweiterung zu Villainous mit drei neuen Schurken, die ihren finsteren Plänen nachgehen. Meines Erachtens etwas ausgewogener als das die Bösewichte des Grundspiels.

Leserbewertungen

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