Rezension/Kritik - Online seit 07.06.2019. Dieser Artikel wurde 668 mal aufgerufen.

Die Legenden von Andor: Das Geheimnis des Königs (App)

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Verlag: KOSMOS
Rezension: Nick Bornschein
Spieler: 1
Alter: ab 10 Jahren
Jahr: 2019
Bewertung: 4,5 4,5 H@LL9000
Ranking: Platz 2370
Die Legenden von Andor: Das Geheimnis des Königs (App)

Spielziel

In Die Legenden von Andor bestreitet der Spieler als Held Abenteuer in Form von Aufgaben, die innerhalb einer atmosphärischen Geschichte erzählt werden. Zentrales Element ist es, alle Aufgaben zu erfüllen, bevor eine bestimmte Anzahl an Monstern die Burg oder der Erzähler des Ende der Geschichte erreicht. In Legende (Geschichte) 0 starten wir mit einem kleinen Tutorial, und können danach in Reihenfolge insgesamt 8 Legenden spielen, die immer schwieriger und herausfordender werden.

Ablauf

Startet man die App das erste Mal, so wird auch Andor-Kennern empfohlen, das Tutorial zu spielen, um die Menüführungen und Bedienelemente kennenzulernen, was ich auf jeden Fall auch empfehle, da es sich sicherlich nicht immer intuitiv erschließt, wo man klicken muss, um eine gewünschte Information zu erhalten. Außerdem werden die Regeln des Spiels noch schnell aufgefrischt, falls hierin noch Bedarf besteht.

Der Ablauf einer Spielrunde verläuft bei Andor immer gleich:

  1. Der aktive Held hat die Möglichkeit, sich innerhalb eines Tages bis zu 7 Stunden bzw. bis zu 10 Stunden erschöpfend in den Abend hinein zu bewegen. Da wir in einer App ohne Mitspieler spielen, steuern wir je nach Legende auch mehrere Helden. Soweit wir keine freie Aktion verwenden (z. B. Kauf von Ausrüstungsgegenständen beim Händler), beenden wir dann zunächst den Zug des aktuellen Helden und steuern den nächsten. In bestimmten Legenden ist die Bewegung noch dadurch eingeschränkt, dass wir ggf. eine weitere Person beschützen und mit dieser kein Feld mit Monstern betreten dürfen.
  2. Ein Held kann - anstatt sich zu bewegen - auch kämpfen, wenn sich ein Monster auf seinem aktuellen Standort befindet (beim Bogenschützen auch das Nachbarfeld). Dieser Kampf wird über Würfel auf beiden Seiten ausgefochten und bestimmt sich durch die Höhe der Willenspunkte eines Helden sowie seiner Stärke. Beides kann während des Spiels erhöht werden, ebenso verliert ein Held Willenspunkte bis hin zur Niederlage während eines Kampfes. Wichtig dabei ist, dass jeder Sieg gegen ein Monster den Erzähler der Geschichte voranschreiten lässt, so dass das Spielende, welches fest vorgegeben ist durch die aktuelle Legende, immer näher rückt und die Anzahl der möglichen Tage, an denen der Held Aktionen durchführt, immer kleiner wird.
  3. Will oder kann sich ein Held nicht mehr bewegen, geht er schlafen und wartet, bis alle anderen Helden dies auch getan haben. Danach endet der Tag, Brunnen werden wieder aufgefüllt und die Kreaturen bewegen sich auf der Karte nach einer vorgegebenen Reihenfolge. Knackpunkt dabei ist, dass besetzte Orte übersprungen werden, und so kann es passieren, dass ein Gor oder Skral - eben noch meilenweit von der Burg entfernt - plötzlich davor steht und an die Tür klopft, das Spielende androhend.

So simpel dieser Ablauf erscheint, so gut geplant muss dieser sein, denn unsere Aufgaben sind vielfältig und meist muss man sich sowohl gegen einfallende und sich auf der Karte bewegende Monster wehren, als auch andere, für die Geschichte relevante, Ziele erreichen. Das will sehr gut geplant sein, da man im Handumdrehen mehr Monster in der Burg stehen hat, als erlaubt, und die Karte selbst ist teilweiso groß genug, dass man mit seinem Helden auch gern mal gerade am falschen Ort steht.

Fazit

Wer Andor bereits als Brettspiel kennt, fühlt sich in der App sicherlich schnell zu Hause. Und genau wie das Brettspiel funktioniert diese mit einer Losspielregel sehr gut, wobei es kleinere Abstriche gibt.

Bevor ich mich der App widme, muss ich ergänzen, dass ich als langjähriger Brettspieler erst sehr spät zu Andor gefunden habe, genauer gesagt erst wenige Monate vor dieser Rezension und nur das Basisspiel kenne. Der Reiz der App lag für mich einerseits vor allem darin, dass ich nicht immer ausreichend Mitspieler für eine haptische Partie zur Verfügung habe, und dass andererseits die Legenden der App nicht exakt jenen des Brettspiels entsprechen, so dass ich mir nicht bestimmte Inhalte vorwegnehme.

Bedienbarkeit und Steuerung

Was mir direkt im Tutorial aufgefallen ist, war die für mich etwas schwache Erläuterung, was es denn mit den Willenspunkten und den Würfeln auf sich hat. Ich glaube, einem Anfänger wird dieser Zusammenhang nicht sofort klar, und auch die detaillierte Heldeninformation, die man durch längeres Drücken auf das Charakterbild erhält, hilft hier nicht viel, weil ich sie für nicht so gut gelungen finde wie beim Brettspiel. Da der Kampf aber ein essentieller Bestandteil des Spiels ist und die Entscheidung, ob eine App gut oder schlecht ist, meist in den ersten Minuten getroffen wird, kann ich mir vorstellen, dass dieses Manko durchaus Relevanz besitzt.

Zusätzlich hat sich mir nach meinem ersten Sieg und dem Verteilen der Beute nicht sofort erschließen können, wie ich diese aufteilen kann (gleiches gilt, wenn zwei Helden auf einem Feld stehen und Geld oder Gegenstände tauschen können), da dies im Tutorial nicht vorkam und das Menü, welches nach dem Sieg erschienen ist, auch nicht direkt eingängig war. Auch hier wünsche ich mir vor allem als Anfänger, dass dies optisch und damit ikonographisch direkt klar ist.

Neben diesen kleineren Mängeln gibt es praktisch keine Beschwerden, was die Bedienbarkeit und Steuerung angeht. Auf einem iPad Pro mit 12.9" wirken alle Elemente gut sortiert, und das Anklicken sowie Ausführen von Aktionen funktioniert reibungslos. Ist man zudem einmal drin, läuft es ohnehin flüssig und das Spielt entfaltet seinen vom Brett bekannten Charme auch digital.

Grafik

Wie schön ist doch die Karte gelungen, so mein erster Gedanke, als ich spielte. Je nach Zoomstufe erscheint z. B. der Brunnen als Plättchen oder als echter 3D-Brunnen, ebenso die Heldenmarker bzw. Figuren. Letztere sehen auf der Karte gut aus, im Kampf (siehe Bild) allerdings wirkten sie doch etwas platt, schlimmer noch der zerbrochene Schild des Gegners, der zudem in einer recht holprigen Animation zerbricht. Für eine App ist das zu wenig, denn lebt doch die gesamte Geschichte nicht nur vom Text und den Ereignissen, sondern auch von der graphischen Umsetzung, die dem Flair der Story den letzten Schliff geben sollte. Während alle anderen graphischen Elemente gelungen sind, hat mich dies am meisten gestört und ich empfand es als ein wenig herzlos programmiert.

Fazit

Ich spiele selten Brettspiele als App, irgendwie packt mich der Reiz dafür nicht, obwohl ich so einige ausprobiert habe. Bei Andor hingegen kam ich nicht wieder weg vom iPad, der Wunsch weiterzuspielen, die Geschichte voranzutreiben, zu planen und es dann zu schaffen, hat mich völlig in den Bann gezogen. Und so muss es sein. Zu oft habe ich schlecht programmierte Brettspiel-Umsetzungen erlebt, die dann Frust erzeugten, wenn man die "reale" Version nicht kannte, und bei der Erklärung der Regeln einfach zu viel offen blieb. Zugegeben, die Regeln von Andor sind nicht schwer und erschließen sich schnell, dennoch erwarte ich auch hier, dass ich direkt mitgenommen werde, nicht nachlesen muss, sondern von den digitalen Möglichkeiten und somit von einem guten Tutorial eingefangen und vom Spiel nicht wieder losgelassen werde. Andor schafft dies mit kleineren Ausnahmen (wie oben beschrieben) und überzeugt mit anhaltendem Spielspaß sowie der Tatsache, dass ich auch alleine den Kampf gegen das Böse unterhaltsam aufnehmen kann, wenn es mal an Mitspielern mangelt.

Rezension Nick Bornschein

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H@LL9000-Bewertungen

H@LL9000 Wertung Die Legenden von Andor: Das Geheimnis des Königs (App): 4,5 4,5, 2 Bewertung(en)

Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz Kommentar
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 20.05.19 von Nick Bornschein - Klasse App-Umsetzung, sowohl aus Perspektive des Brettspiels als auch im Vergleich zu anderen Brettspiel-App-Umsetzungen. Die Note für Interaktion mag schwierig sein bei der digitalen Variante, da man sich gut und gern am iPad auch abwechseln kann. Für mich die Chance Andor zu spielen, wenn mal keine haptische Freunderunde zu Stande kommt.
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz Kommentar
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 03.06.19 von Jost Schwider - Grundsätzlich gut funktionierende App (mit kleinen Haklern / etwas unübersichtlich), die tatsächlich das Spielgefühl des großen Brettspiels auf das Tablet überträgt. (Auf dem Smartphone ist die App zwar auch lauffähig, allerdings viel zu mickrig und frickelig.)

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