Rezension/Kritik - Online seit 06.10.2007. Dieser Artikel wurde 3023 mal aufgerufen.

De Ontembare Stad

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Autor: Hans van Tol
Illustration: Yvon-Cheryl Scholten
Gerda van Gijzel
Verlag: The Game Master BV
Rezension: Ferdinand Köther
Spieler: 2 - 5
Dauer: 60 - 90 Minuten
Alter: ab 10 Jahren
Jahr: 2004
Bewertung: 3,1 3,1 H@LL9000
3,0 3,0 Leser
Ranking: Platz 4395
De Ontembare Stad
Erweiterungen/Hauptspiel:De Ontembare Stad: Het Verraad

Spielerei-Rezension

Es gibt unscheinbare Spiele, die durch ihren Spielreiz auffallen und auch solche, die unscheinbar bleiben; und es gibt auffällige Spiele, die durch mangelnden Spielreiz unscheinbar werden und auch solche, die auffällig bleiben.

Buchstäblich in letzter Minute fiel mir auf der letzten SPIEL ein Spiel ins Auge, dessen Verlag einen etwas ungünstigen Standplatz hatte, sonst wäre ich vielleicht eher darüber gestolpert. Ein buntes, großes rundes Spielbrett, viele ebenso bunte Holzspielsteine und jede Menge Karten im Miniformat - und ein im Schnelldurchgang erklärter interessant scheinender Spielverlauf.

Also wollen wir dieses "Strategiespiel für Großmeister", so der Untertitel des niederländischen Werkes, mal genauer unter die Lupe nehmen. Die von einem Übersetzungsbüro angefertigte deutsche Regel ist einwandfrei, mit einigen eher niedlichen ungebräuchlichen Ausdrücken, z. B. Drehstapel statt Zugstapel. Das tut der Verständlichkeit aber keinen Abbruch, Material und Regeln sind detailliert erklärt, sogar eine Beispielrunde wird akribisch beschrieben. Vorbildlich, aber eigentlich überflüssig, denn die Regeln sind denkbar einfach.

Von der Mitte, dem Stadtzentrum, ausgehend, ist der Spielplan sozusagen in Tortenstücke eingeteilt, gleichzeitig auch in drei Ringe um das Zentrum herum, so dass sich Felder in der Form eines gleichschenkligen Trapezes ergeben, mit zwei gebogenen Seiten. Die Felder sind mit unterschiedlich vielen Punkten markiert (das ist der jeweilige Kaufpreis) und nennen einen Bonusbetrag zwischen Null und plus Drei. Durch die Landschaft schlängeln sich drei Straßen und zwei Flüsse, die besondere Bedeutung für den Bau von Gebäuden haben.

Die vielen kleinen Gebäudekarten gibt es in vier Sorten, von jeder Sorte wiederum viele verschiedene Gebäude mit unterschiedlichen Ertrags- gleich Bauwerten.

Nach einer Anfangsaufstellung, in der die Spieler drei ihrer Ritter genannten Holzzylinder auf leere Gebiete stellen, geht es los; jeder Spieler hat ein gewisses Anfangskapital und ein paar Gebäudekarten. Der große Rest der Gebäudekarten liegt mit Ereigniskarten gemischt als "gedeckter Drehstapel", heißt verdeckter Zugstapel, bereit. Die Punktemarker der Spieler stehen auf einer rings um den Spielplan verlaufenden Kramerleiste.

Der Ablauf ist schnell erklärt: Wer an der Reihe ist, deckt die oberste Karte des Stapels auf und alle Spieler mit einem Gebäude gleicher Farbe auf dem Spielplan bekommen den auf ihrer Karte genannten Betrag zuzüglich eventuellem Bonusbetrag des Feldes. Hat man mehrere Gebäude dieser Farbe, muss man eins davon auswählen. Eine aufgedeckte Ereigniskarte wird ausgeführt und gilt immer für alle Spieler; es wird so lange weiter aufgedeckt, bis eine Gebäudekarte kommt.

Der Spieler am Zug bekommt nun die aufgedeckte Gebäudekarte und kann anschließend beliebig Gebäudekarten verkaufen oder offene, zuvor verkaufte ankaufen, die aber meist mehr kosten als sie wert sind. Außerdem kann er maximal zwei noch leere Gebiete kaufen (angrenzend an eigene Gebiete, die wieder mit einem Ritter markiert werden), und maximal zwei Gebäude auf eigenen, leeren Feldern errichten. Das kostet den auf der Karte angegeben Wert (gleich Ertragswert, s. o.) und er legt die Karte auf das Feld. Zum Schluss des eigenen Zugs zählt er auf der Kramerleiste die Punkte seiner neu errichteten Gebäude hinzu. Wer zuerst eine bestimmte Punktzahl erreicht, abhängig von der Spieleranzahl, darf sich Großmeister nennen und hat gewonnen.

Sicher gibt es noch ein paar weitere Regeldetails. So dürfen nicht alle Gebäude überall errichtet werden (z.B. Gewerbegebäude nicht im innersten Ring oder Stadtgebäude nicht auf Flussfeldern usw.), das ist auch sehr übersichtlich auf jeder Karte selbst vermerkt. Stadtgebäude haben noch ein weiteres, unangenehmes Merkmal: Wird ein solches aufgedeckt, müssen alle Spieler Steuern zahlen, d. h. dürfen maximal fünf Bausteine, so heißt hier die Währung, behalten. Das schafft zwar einerseits eine gewisse Chancengleichheit, macht andererseits aber schnell Planungen kaputt und hat eher störenden Charakter. Gleiches gilt leider auch für die Ereigniskarten, die zwar sowohl Gutes als auch Schlechtes bringen, aber das Spiel stark, meiner Meinung nach zu stark beeinflussen. Und gleiches gilt auch noch für die so genannten Einflusskarten, die man bei bestimmten Punkteständen erhält oder gegen Bares kaufen kann, wenn auch in streng begrenzter Anzahl.

Eins steht schon mal fest: Von Strategie kann keine Rede sein. Die Zufallselemente, die zu jedem Spiel gehören wie die Margarine aufs Brot, sind zu zahlreich und zu mächtig - man wird im Wesentlichen gespielt statt zu spielen. Dass der Titel irreführend ist, wäre prinzipiell nicht so tragisch, wenn anderweitig genügend Substanz bestünde, passt aber leider ins Bild: "Unbezwingbar" suggeriert Kampf, Planung und Strategie - nichts von alledem ist vorhanden.

Gebiete kaufen, nach bestimmten Regeln darauf Gebäude(karten) bauen, dafür Punkte kassieren, wobei jedwede Planung zumeist durch "höhere Gewalt" zunichte gemacht wird - das ist kurz zusammengefasst De Ontembare Stad.

Die "Strategische Variante" (damit wird schon richtigerweise selbst zugegeben, dass das so genannte Basisspiel nicht strategisch ist) haben wir bisher nicht ausprobiert, ich befürchte aber, dass sie ihrem Anspruch ebenso wenig gerecht wird wie schon das Basisspiel. Zwar kann man dann fremde Gebiete durch Isolation übernehmen, Gebäude und Ereignisse werden in drei Zeitperioden sortiert, der Handel läuft etwas anders ab und Großmächte (bestimmte Anzahl einer Gebäudesorte) geben extra Punkte und Einkünfte. Würde man die Ereigniskarten weglassen, könnte sich dann vielleicht tatsächlich ein strategisches Spiel entwickeln. Hmm, keine schlechte Idee, werde ich glatt mal ausprobieren.

Schade, Material und die gesamte Aufbereitung sind liebevoll gemacht und von bester Qualität. Sicher hat der Autor auch viel Herzblut für dieses Spiel gegeben. Aber es muss sich an der großen Konkurrenz messen lassen und schneidet dabei nicht gut ab. Der eigene Anspruch (Strategiespiel) wird nicht erfüllt, was verschmerzbar wäre, wenn das Spiel wenigstens durch originelle Mechanismen und Ideen überzeugen könnte, doch da begegnet uns nur Durchschnitt.

Zurück zum Anfang: De Ontembare Stad ist ein auffälliges Spiel, bedauerlicherweise mit geringem Spielreiz. Neue Verlage sind immer willkommen, zumal welche mit solch lobenswertem Engagement. Vielleicht zeigt der Verlag The Game Master ja schon auf der nächsten Spiel, dass er seinem Namen alle Ehre macht, das würde mich freuen.

Rezension Ferdinand Köther

In Kooperation mit der Spielezeitschrift

Spielerei

H@LL9000-Bewertungen

H@LL9000 Wertung De Ontembare Stad: 3,1 3,1, 8 Bewertung(en)

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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 30.06.07 von Ferdinand Köther
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 10.03.05 von Jochen Traub
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 10.03.05 von Kathrin Nos - Das Thema (wenngleich nicht gerade das erste Mal in einem Spiel verwendet...) finde ich sehr ansprechend. Das Glückselement durch die Steuer und die Ereigniskarten ist aber viel zu heftig! Hier habe ich das Gefühl, gespielt zu werden.
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 10.03.05 von Uta Weinkauf
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 31.03.05 von Sandra Lemberger - Habe nur die Einsteigerversion gespielt - vielleicht macht die Profiversion die Sache attraktiver!
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 24.10.05 von Hans-Peter Stoll
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 03.12.06 von Michael Andersch
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 14.07.07 von Ralph Bruhn - Das Spiel hat den Anspruch, strategisch zu sein. Da aber jeder, der das Pech hat, in Führung zu gehen, sofort von allen Seiten Prügel bekommt, ist es absoluter Zufall, wer denn gerade als erster die Siegbedingung erfüllt. Nix für mich.

Leserbewertungen

Leserwertung De Ontembare Stad: 3,0 3.0, 2 Bewertung(en)

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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 07.10.07 von Wolf von der Osten-Sacken - Hm, das Glückselement finde ich nicht zu dominierend und dass sich alle auf jemanden stürzen, der in Führung liegt, ist doch ein ganz normales Spielelement. Gäbe es eine 4 1/2 , dann würde ich das für Spielreiz geben.
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 08.10.07 von Sarah Kestering

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