Rezension/Kritik - Online seit 03.12.2011. Dieser Artikel wurde 5158 mal aufgerufen.

Das Geheimnis von Monte Cristo

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Autor: Arnaud Urbon
Charles Chevallier
Illustration: Michael Menzel
Verlag: eggertspiele
Rezension: Franky Bayer
Spieler: 2 - 4
Dauer: 60 Minuten
Alter: ab 10 Jahren
Jahr: 2011
Bewertung: 3,0 3,0 H@LL9000
2,5 2,5 Leser
Ranking: Platz 5098
Das Geheimnis von Monte Cristo

Spielziel

"Der Graf von Monte Cristo" - ich glaube, die meisten haben davon schon mal gehört. Etwas kleiner wird allerdings die Zahl derer sein, welche die Story kennen. Die von Alexandre Dumas als überaus erfolgreicher Fortsetzungsroman von 1844 bis 1846 in einer Zeitschrift publizierte Geschichte vom jungen und erfolgreichen Kaufmann Edmond Dantés, der eines Verbrechens beschuldigt wird, das er nicht begangen hat und sich daraufhin ohne Verhandlung im legendären Château d'If als Gefangener wiederfindet. Dort erfährt er von einem unermesslichen Schatz, der auf der Insel Monte Cristo vergraben sein soll. Nach gelungener Flucht aus dem Gefängnis hebt er den Schatz und beginnt - derart mit einem großen Vermögen ausgestattet - seinen Rachefeldzug. Nach unerbittlicher Rache an all seinen Peinigern und Verrätern begibt sich der Graf an einen mysteriösen und unbekannten Ort, um Trost und Liebe zu finden.

So endet der Roman in einer versöhnlichen und nachdenklichen Stimmung. Was aber ist mit dem ganzen Schatz passiert? Dantés kann unmöglich alles in seine Rache gesteckt haben oder verprasst haben, dachten sich Arnaud Urbon und Charles Chevallier. In ihrem Spiel gehen sie davon aus, dass der Graf von Monte Cristo einen großen Teil seines Vermögens in den Verliesen des Château d'If versteckt hat. Klarerweise ruft dies sofort zahlreiche Abenteurer auf den Plan, die sich mit Ruderbooten auf den Weg zum Schloss machen, in der Hoffnung, so viele Schätze wie möglich zu ergattern.

Ablauf

Die Spieler wollen also den Schatz des Grafen von Monte Cristo finden. Um dies zu schaffen, müssen sie mehrere Handlungen setzen. Zuerst einmal wird Ausrüstung benötigt, die sie mit der Aktion Versorgung erhalten. Dies geschieht mit Versorgungskarten, auf denen sowohl Schatzsucher als auch Taschen in einer bestimmten Farbe abgebildet sind. Die Schatzsucher stellen die von uns in Marseille rekrutierten Leute dar, welche für uns nach dem Schatz suchen sollen. Die Taschen wiederum sind notwendig, um gefundene Schätze abtransportieren zu können. Die Summe von Schatzsuchern und Taschen beträgt übrigens auf jeder Karte stets 4, so können auf einer Karte beispielsweise 1 Schatzsucher und 3 rote Taschen abgebildet sein. Der aktive Spieler zieht so viele Versorgungskarten, wie es Spieler gibt, wählt eine für sich aus und teilt jedem Mitspieler ebenfalls eine Karte zu.

Mit der Aktion Schatzsucher teilen die Spieler ihre Männer bestimmten Arbeiten zu. Hauptsächlich werden sie natürlich zum Buddeln und Stöbern nach Edelsteinen in den sechs verschiedenen Verliesen verwendet, wobei hier die Reihenfolge für die spätere Auswertung eines Fundes eine Rolle spielt. Ein weiteres Betätigungsfeld für die Arbeiter liegt im so genannten Bonusbereich, wo sie vier unterschiedliche Vorteile bringen können, zum Beispiel eine Jokertasche in einer beliebigen Farbe. Der aktive Spieler darf übrigens bis zu 3 Schatzsucher auf den Spielplan stellen, die anderen lediglich einen einzigen.

Das ganze Graben und Suchen trägt schließlich Früchte. Die Aktion Schatztruhe bringt endlich neue Funde in Form von Schatzplättchen (mit den Werten 1 bis 3 in fünf verschiedenen Farben: Gold, Rubine, Saphire, Smaragde und Diamanten) zutage. Der aktive Spieler zieht 3 Schatzplättchen aus dem Stoffbeutel und muss diese dann in 3 verschiedene Verliese seiner Wahl legen. Wenn danach in mindestens einem Verlies vier Schatzplättchen liegen, findet sofort eine Wertungsrunde statt, bei der alle Verliese abgerechnet werden.

Wer die Mehrheit an Figuren in einem Verlies hat, darf von dort so viele Schatzplättchen nehmen, wie es ihm möglich ist, wobei er pro Schatzplättchen einen Schatzsucher und in Farbe sowie Anzahl passende Taschen benötigt. Bleiben danach noch Plättchen übrig, kommen auch noch die anderen Spieler zum Zug, welche Figuren im entsprechenden Verlies haben. Nachdem alle Verliese abgerechnet wurden, bringt jedes eingesammelte Schatzplättchen seinem Besitzer Punkte. Der Wert eines Plättchens wird dabei mit dem aktuellen Marktwert seiner Farbe (1 bis 3) multipliziert. Der Marktwert einer beliebigen Farbe kann übrigens vom aktiven Spieler mit der vierten Aktion Reihenfolge ändern um eine oder zwei Positionen nach oben bewegt werden.

Das Spiel endet, wenn am Ende einer Wertungsrunde ein oder mehrere Spieler die 40-Punkte-Marke auf der Siegpunkteleiste erreicht oder überschritten haben. Der Spieler, der sich den größten Teil vom Schatz des Grafen von Monte Cristo sichern konnte, gewinnt natürlich.

Fazit

Das Spielmaterial ist von ansprechender Qualität: viel Holz und stabiler Karton, Schatzmarker in Form von Edelsteinen, etc. Für die grafische Gestaltung konnte sogar niemand Geringerer als Michael Menzel gewonnen werden. Das auffälligste Teil ist aber der so genannte "Action Slide", eine Art schiefe Ebene, auf der sich Kugeln in den Spielerfarben auf vier Bahnen befinden. Die Kugeln sind aus buntem Glas und recht massiv, so dass sie leicht nachrollen können, wenn unten eine Kugel entnommen wird.

Was aber ist die Funktion des Action Slide? Er regelt auf sehr innovative Weise die Spielerreihenfolge. Die vier Bahnen stehen für die oben erwähnten vier Aktionen Versorgung, Schatzsucher, Schatztruhe und Reihenfolge ändern. Ein Aktionsmarker zeigt an, welche Aktion gerade an der Reihe ist. Der "aktive Spieler" mit den schon beschriebenen Vorteilen ist stets jener Spieler, dessen Kugel sich in der aktuellen Bahn ganz unten befindet. Nachdem eine Aktion durchgeführt wurde, muss der aktive Spieler seine Glaskugel am oberen Ende einer der anderen 3 Bahnen platzieren, wodurch die nächste Kugel nachrutscht. Danach wird der Aktionsmarker weiterbewegt.

Die Idee des Action Slide ist an sich ja toll. Die Spieler kommen nicht im Uhrzeigersinn an die Reihe, sondern in der von den Kugeln bestimmten Reihenfolge. Bei der vierten Aktion "Reihenfolge ändern" kann der aktive Spieler statt den Edelsteinkurs zu beeinflussen alternativ sogar eine seiner Kugeln in einer beliebigen Bahn um ein oder zwei Positionen nach unten bewegen und somit direkt Einfluss auf den weiteren Spielverlauf nehmen.

In der Praxis allerdings hat dies gewisse Tücken. So kann schon die anfängliche, zufällige Verteilung der Glaskugeln den einen benachteiligen, dem anderen helfen. Und auch während des Spiels halten sich die eigenen Möglichkeiten in Grenzen. Vor allem in voller Spielerzahl sinkt der Einfluss, man muss eher reagieren und das Beste aus der momentanen Situation machen.

Das wäre ja weiter nicht so schlimm, aber Das Geheimnis von Monte Cristo verlangt eine Menge an Planung. Vieles sollte beachtet werden: die Farben und die Anzahl der Taschen, der Nachschub an Schatzsuchern, die Schätze und die Mehrheitsverhältnisse in den Verliesen, alles gehört aufeinander abgestimmt. Solcherart miteinander verzahnte Mechanismen richten sich eher an die Zielgruppe der "Vielspieler", welche aber besonders penibel reagiert, was den Glücksanteil anbelangt. Für diese anspruchsvolleren Spieler hat man hier als Einzelner zu wenig Einfluss auf das Spielgeschehen.

In kleinerer Besetzung jedoch gefällt mir das Spiel recht gut. Ich spiele es am liebsten zu dritt, da ist meiner Meinung nach die richtige Balance zwischen Glück und Taktik gegeben. Trotzdem glaube ich, dass man mehr aus dem originellen "Action Slide" hätte machen können. Aber zumindest die Idee ist geboren, vielleicht fällt den beiden Autoren oder anderen Spieleerfindern ja etwas ein, wie man ihn besser verwenden und in ein Spiel integrieren könnte.

Rezension Franky Bayer

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H@LL9000-Bewertungen

H@LL9000 Wertung Das Geheimnis von Monte Cristo: 3,0 3,0, 3 Bewertung(en)

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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 07.10.11 von Franky Bayer - Der "Action Slide" ist zwar eine tolle Sache, aber der Einfluss des einzelnen auf das Spielgeschehen hält sich leider in Grenzen. Man hätte sicher mehr draus machen können.
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 12.07.11 von Alexander Broglin - Interessanter Mechanismus durch die Kugeln, aber trotzdem nicht sehr spannend
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 28.11.11 von Michael Andersch - Das Actionslide ist eine innovative Lösung zur Steuerung von Aktionen, die ich für absolut gelungen halte. Leider ist das, was da gesteuert wird (=das eigentlich Spiel) in keiner Weise herausragend, vielmehr extrem belanglos, weswegen ich fast sagen möchte, dass der Steuerungsmechanismus an dieses Spiel verschwendet ist. Leider.

Leserbewertungen

Leserwertung Das Geheimnis von Monte Cristo: 2,5 2.5, 4 Bewertung(en)

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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 17.07.11 von Volker Nattermann - Der Mechanismus des "Action-Slides", ist reizvoll, das Spiel leider überhaupt nicht
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 18.07.11 von Cyberian - Schöne Gestaltung und aufwendiges Material können leider nicht über den uninspirierten Inhalt hinwegtäuschen. Schade!
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 04.12.11 von docholz - Schrammte bzgl. der Spielbarkeit in unserer ersten Runde knapp an der 1 vorbei. Liebe Eggert(er) - achtet bitte wieder mehr auf die Qualität. Hier hatten auch Wenigspieler extrem wenig Spaß. Leider!
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 30.07.12 von Matthias Habelitz - Interessantes Spiel, man bildet Mehrheiten in den Verliesen und versucht über den Actionslide Einfluss zu nehmen. Das Material des Spiels ist 1a, das Spiel geht schnell, leider ist der Einfluss auf das Spiel nicht so hoch. Mir erscheint das sammeln von Jokerrucksäcken sehr stark... Teile des Spiels sind ein reines Mehrheitenspiel ala Bison, zum anderen erinnert der Tauschmechanismus etwas an Raja. Ein gutes und schönes Spiel, aber leider kein Überflieger.

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