Rezension/Kritik - Online seit 03.12.2017. Dieser Artikel wurde mal aufgerufen.

Die Gärten von Versailles

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Autor: Günter Burkhardt
Lena Burkhardt
Verlag: Schmidt Spiele
Rezension: Franky Bayer
Spieler: 2 - 5
Dauer: 20 Minuten
Alter: ab 8 Jahren
Jahr: 2017
Bewertung: 3,0 3,0 H@LL9000
Ranking: Platz 3534
Die Gärten von Versailles

Spielziel

"Viele Köche verderben den Brei!"

Dieses Sprichwort ist hinlänglich bekannt. Ich behaupte mal ganz keck, dass dies auch für Gärtner gilt. Dies wird auch schon bis zum König vorgedrungen sein, weshalb er nur einen einzigen Hortikulturbetreiber zu seinem königlichen Gärtner ernennen will. Und so lässt er jeden der bis zu vier Bewerber erst einmal seinen eigenen, ganz persönlichen Garten entwerfen. Nur wer schließlich den allerschönsten Garten präsentiert, darf dann tatsächlich Die Gärten von Versailles gestalten.

Ablauf

Damit eine Gartenanlage das Herz der royalen Besucher so richtig erfreuen kann, bedarf es einiger gestalterischer Elemente: schön symmetrisch getrimmte Hecken, Brunnen mit kristallklarem Wasser, ein paar Gebäude wie Pavillons oder Rondelle und natürlich farbenprächtige Blumen und Sträucher.

All dies finden wir auf quadratischen Gartenplättchen der besseren Übersichtlichkeit halber in fünf deutlich zu unterscheidenden Farben: grüne Hecken, blaue Brunnen, weiße Gebäude, rote und gelbe Blumenbeete. Auf jedem Plättchen sind - in den unterschiedlichsten Kombinationen - vier Elemente abgebildet.

Das Spiel geht über zwei Durchgänge. In jedem Durchgang wird eine offene Auslage gebildet: Es werden hintereinander sieben Gruppen aus zufällig gezogenen Gartenplättchen aneinandergereiht, wobei jede Gruppe aus so vielen Plättchen besteht wie Spieler mitmachen. Die Königsfigur wird an den Anfang der Reihe gestellt.

Um an die Gartenplättchen zu gelangen, benötigt es noch Zahlenkarten. Diese sind von 1 bis 55 durchnummeriert. Vom gut gemischten Stapel erhält jeder Spieler zu Beginn eines Durchgangs 10 Karten auf die Hand. Der Durchgang verläuft dann über 7 Runden.

Eine Runde läuft wie folgt ab: Zuerst wählen alle Spieler eine ihrer Handkarten und legen sie verdeckt vor sich ab. Die Karten werden dann gleichzeitig aufgedeckt. Der Spieler mit der niedrigsten Zahl nimmt sich das erste Plättchen (vom König aus gesehen) und legt es in seine persönliche Gartenauslage. Das zweite Plättchen geht an den Spieler mit der zweitniedrigsten Karte, das dritte an den Spieler mit der nächsthöheren Zahl, etc.

Die Anlegeregeln sind sehr liberal gestaltet, denn man muss nur darauf achten, dass ein Plättchen mit mindestens einem Feld an ein bereits gelegtes Plättchen angrenzt, diagonal reicht nicht. Ansonsten ist alles erlaubt, so darf versetzt angelegt werden, müssen Gartentypen nicht fortgeführt werden (auch wenn dies wenig zielführend ist), und dürfen Löcher entstehen.

Wichtig ist dabei aber die Vergabe der Mehrheitenchips. Sobald ein Spieler als Erster eine Farbfläche aus mindestens 4 zusammenhängenden Feldern gelegt hat, darf er sich den großen Mehrheitenchip der entsprechenden Farbe nehmen. Dieser bringt bei der Zwischenwertung 3 Zusatzpunkte, kann aber innerhalb einer Runde mehrfach den Besitzer wechseln, wenn ein Spieler in dieser Farbe eine größere Farbfläche erzielt.

Nach der 7. Runde kommt es zur Zwischenwertung, bei der jeder Spieler die Felder seiner 2 größten zusammenhängenden Gartentypen zählt. Jedes Feld zählt 1 Punkt. Dazu kommen noch 3 Punkte pro Mehrheitenchip. Die Punkte werden notiert, und dann wird ein zweiter Durchgang gespielt, mit einer neuen Auslage an Gartenplättchen sowie 10 neuen Zahlenkarten für jeden Spieler. Einzig die Gärten der Spieler bleiben liegen und werden im Laufe des zweiten Durchgangs erweitert.

Sind auch diese Plättchen alle vergeben, findet eine Schlusswertung statt. Für Chips und große Gebiete gibt es nochmals Punkte. Der Spieler mit der höchsten Gesamtpunktezahl wird zum königlichen Hofgärtner ernannt.

Fazit

Die Gärten von Versailles präsentiert sich grundsätzlich als Legespiel mit Elementen eines Mehrheitenspiels. Dies stellt sich meiner Meinung nach als eine ziemlich reizvolle Kombination heraus. Das Spiel ist leicht erlernt und kann ohne langes Regelstudium schnell losgespielt werden.

Es kommt für die Spieler darauf an, sich bei der Wahl der Gartenplättchen auf wenige Farben zu konzentrieren und die Plättchen geschickt zu legen, um möglichst große Flächen zu bilden. Damit lassen sich einerseits bei den beiden Wertungen wertvolle Punkte zu erzielen und andererseits auch der eine oder andere Mehrheitenchip ergattern.

Die Vergabe der Gartenplättchen geschieht dabei mit den Zahlenkarten. Deren Höhe bestimmt, welches der Gartenplättchen der aktuellen Gruppe man bekommt. Will man also beispielsweise das der Königsfigur am nächsten liegende Plättchen, sollte man eine niedrige Karte ausspielen. Bevorzugt man hingegen das letzte Plättchen der Gruppe, wäre eine recht hohe Karte sinnvoll. Nachdem bereits zu Beginn eines Durchgangs alle verfügbaren Plättchen offen ausliegen und auch die Auslage aller Mitspieler stets einsehbar ist, ließe sich prinzipiell recht gut mit den Zahlenkarten der eigenen Kartenhand vorausplanen und haushalten.

Jedwede Planung hat hier jedoch einen kleinen Haken. Wie sagte schon Albert Einstein? "Alles ist relativ!" Auf das Spiel übertragen bedeutet dies, dass bei den Zahlenkarten nicht deren absoluter Wert zählt, sondern der relative Wert im Vergleich mit den Zahlenkarten der Mitspieler. So eine "4" mag zwar recht niedrig sein, spielt aber auch nur ein einziger Mitspieler eine niedrigere Karte aus, muss man schon statt des gewünschten Gartenplättchens mit dem unter Umständen gänzlich unpassenden zweiten Plättchen vorlieb nehmen.

Durch die gleichzeitige verdeckte Wahl einer Zahlenkarte kann es daher immer wieder zu unliebsamen Überraschungen kommen. Das sorgt für Jubel, Freude und auch Schadenfreude bei den einen, für Ärger und Frust bei den anderen. Trotz aller offenen Informationen ist der Glücksfaktor ziemlich hoch.

Dies hat in unseren Spielerunden nicht jedermann behagt. So mancher fühlte sich etwas "gespielt" und wünschte sich mehr Einfluss auf das Spielgeschehen. Da tauchten gleich Verbesserungsvorschläge auf, wie beispielsweise verdecktes Bieten mit Münzen o. ä., bei dem der Meistbietende zuerst Zugriff auf ein Plättchen seiner Wahl hat, dann der Spieler mit dem zweitmeisten Gebot, etc.

Ich persönlich hingegen kann mit den vorhandenen Zufallselementen sehr gut leben. Ich finde die Spielidee erfrischend, und dass nicht alles nach Plan laufen kann, kann ich bei der angenehm kurzen Spieldauer von ungefähr einer halben Stunde leicht akzeptieren. Optisch weiß Die Gärten von Versailles ebenfalls durchaus zu gefallen. Auch wenn die schlussendlich entstehenden Gärten bei weitem nicht an die prächtigen, perfekt symmetrischen Gartenanlagen des Originals herankommen. Aber dies beweist ja nur die Richtigkeit jenes Sprichworts, mit dem ich diese Rezension eingeleitet habe ...

Rezension Franky Bayer

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H@LL9000-Bewertungen

H@LL9000 Wertung Die Gärten von Versailles: 3,0 3,0, 2 Bewertung(en)

Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz Kommentar
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 11.05.17 von Franky Bayer - Lockeres Legespiel, bei dem man mit Zahlenkarten verdeckt um die Gartenplättchen bietet. Manch Mitspieler hätte sich dabei mehr Einfluss gewünscht.
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz Kommentar
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 02.08.17 von Rolf Braun - Bisweilen ist die Aufteilung nicht nur zufällig sondern manchmal würden 2 Spieler auch gerne die Plättchen tauschen, aber das ist leider nicht vorgesehen. Mir macht das nicht nur keinen Spaß, sondern nervt ungemein.

Leserbewertungen

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