Rezension/Kritik - Online seit 07.10.2019. Dieser Artikel wurde 993 mal aufgerufen.

Futuropia

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Autor: Friedemann Friese
Illustration: Harald Lieske
Verlag: 2F-Spiele
Rezension: Wieland Herold
Spieler: 1 - 4
Dauer: 90 Minuten
Alter: ab 12 Jahren
Jahr: 2018
Bewertung: 3,0 3,0 H@LL9000
Ranking: Platz 4310
Futuropia

Spielerei-Rezension

Jede Utopie hat einen Haken

Friedemann Friese hat Visionen, die setzt er zum Teil mit fabelhaften Konzepten um, er wagt sich aber auch spielerisch an ganz große gesellschaftliche Fragen. 1992 war er schon dem Mietwucher auf der Spur, 2018 entwirft er eine Welt, die ohne den Zwang zur Arbeit auskommen könnte. Seine Utopie in Futuropia setzt dabei ganz auf die Kraft der Roboter in selbstversorgenden Wohnanlagen. Friese tritt dabei in die Fußstapfen des französischen Utopisten Paul Lafargue, der schon 1880 ein „Recht auf Faulheit“ postulierte. Aber wie in so vielen Utopien, hakt es meist irgendwo, obwohl alles ganz logisch klingt und glatt aufzugehen scheint.

Friese verlangt in Futuropia möglichst große Wohnanlagen, die selbstversorgend sind. Sein Spiel ist auf Wachstum angesetzt, das bekanntlich immer wieder an Grenzen stößt. Die Startsituation entspricht absolut noch keiner Utopie. Alle Menschen stehen an Maschinen, Generatoren, die für den Nahrungsnachschub sorgen und die nötige Energie erzeugen, die die Wohnung benötigt, in der das Startpersonal, drei Personen, lebt. Kinder und Alte kommen nicht vor. Nur arbeitsfähige Menschen erleben wir in Futuropia. Jeder startet mit etwas Kapital, drei Nahrungs- und Energieressourcen.

Mit fünf Aktionen wird die Fortentwicklung ins Schlaraffenland vorgenommen. Da dürfen beispielsweise Roboter angeschafft werden, die uns die Arbeit abnehmen. Wie die Wohnung kosten Roboter Energie. Da jede Maßnahme mit einem Testlauf verbunden ist, in dem nachgewiesen wird, dass das eigene System funktioniert, können aufgrund der nur drei Energiereserven am Anfang nur zwei Arbeiter durch Roboter ersetzt werden. Lange können sich die beiden freigesetzten Personen nicht in der kleinen Wohnung ausruhen. Wir wollen ja expandieren und Wachstum ist von Arbeitskräften abhängig, die ernährt werden müssen. Sinn kann es daher machen, die Nahrungsmittelproduktion zu erhöhen. Generatoren gibt es auf dem Markt gegen Geld, preiswertere und teure. Da lässt sich die Nahrungsmittelproduktion beispielsweise auf eine 7er oder 8er-Stufe erhöhen, was Bevölkerungswachstum in der kleinen Wohneinheit verspricht. Entsprechend kann der Wohnraum wachsen, was auch wieder Geld kostet, aber sofort die Menschen ins Haus bringt. Der Testlauf dieser Aktion wird die gerade erhaltenen Nahrungsmittel deutlich reduzieren, da alle Bewohner versorgt werden wollen. Allmählich wird das Geld knapp. Wie gut, dass es Subventionen für alle diese Maßnahmen gibt, aber auch Kredite aufgenommen werden können. Da neue Arbeitskräfte in der Wohnanlage sind, macht es Sinn, für neue Energie zu sorgen, damit mehr Roboter angeschafft werden können, denn auch die Neuen wollen nicht ständig an den Maschinen im Keller des Hauses stehen. Der entsprechende Generator wird genauso wie der für die Nahrungsproduktion gekauft und liefert sofort Energie.

Futuropia läuft sehr mechanisch im System dieser fünf Aktionen ab, wobei die Leistungsfähigkeit der Generatoren stets zunimmt, da auch die zu versorgenden Personen immer mehr werden. In der Schlussbilanz nach gut anderthalb Stunden müssen durch diese Feinabstimmung möglichst viele Personen frei von Arbeit sein. Grundvoraussetzung ist das Funktionieren des Gesamtsystems – wenn Energie fehlt, müssen Roboter außer Dienst gestellt werden. Das gilt auch für fehlende Nahrung. Menschen, die nicht versorgt werden können, landen auf der Straße. Was auch immer dann mit ihnen geschieht. Jeweils fünf Siegpunkte gibt es für jeden Müßiggänger, überzählige Energie und Nahrung bringen gerade noch einmal einen Punkt. Die meisten Wohnräume bringen Siegpunkte, Kredite, die nicht zurückgezahlt wurden, zählen Minuspunkte. Dann gibt es noch weitere Detailregelungen für das vorzeitige Aussteigen und übrige Ressourcen wie Geld.

In der Verzahnung der Systeme hat Friese nichts falsch gemacht. Das theoretische Spielen mit der lebenslangen arbeitsfreien Zeit ist ein reizvoller Gedanke; um dahin zu kommen, ist aber eher trockene als leichtgängige spielerische Arbeit nötig. Das macht das erste und zweite Mal Spaß, wird dann aber sehr redundant, da helfen Ausbauspielregeln und Expertenspiel nur zum Teil weiter. Frieses Futuropia funktioniert, aber der Funke will nicht überspringen. Auch diese Utopie kommt also ohne Haken nichts aus.


Rezension Wieland Herold

In Kooperation mit der Spielezeitschrift

Spielerei

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H@LL9000-Bewertungen

H@LL9000 Wertung Futuropia: 3,0 3,0, 3 Bewertung(en)

Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz Kommentar
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 18.08.19 von Wieland Herold
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz Kommentar
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 24.11.18 von Michael Andersch - Thematisch ja irgendwie ganz interesant, spielerisch allerdings völlig spannungsarm. Wozu braucht man die Kredite, wenn man über die Subventionen ohnehin immer an Geld kommt (selbst dann, wenn man dafür gegen Geld die Aktionskarten zurück drehen muss ist das noch lukrativer)? Wo ist die Spannung? Man kauft und verbessert und es klemmt und drückt nirgends, die Entscheidungen sind nicht sonderlich spannend und was die Mitspieler machen ist mir auch völlig egal.
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz Kommentar
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 14.10.19 von Udo Kalker

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