Rezension/Kritik - Online seit 22.10.2015. Dieser Artikel wurde 8042 mal aufgerufen.

Katakomben

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Autor: Aron West
Illustration: Kwanchai Moriya
Verlag: Schwerkraft-Verlag
Rezension: Christoph Schlewinski
Spieler: 2 - 5
Dauer: 30 - 90 Minuten
Alter: ab 12 Jahren
Jahr: 2015
Bewertung: 5,0 5,0 H@LL9000
6,0 6,0 Leser
Ranking: Platz 543
Katakomben
Auszeichnungen:2010, Golden Geek innovativstes Spiel Gewinner2010, Golden Geek innovativstes Spiel Nominierung

Spielziel

So ein Abenteuerleben ist schwer. Ständig durch gruselige Katakomben schleichen, ständig dem Tod ins Auge blicken und ständig ein wachsames Auge auf seine Ausrüstung haben. Da muss man sich fit halten. Besonders seine Hände. Oder besser: die Finger, mit denen man Scheiben über den Spielplan schnipsen will ...

Ablauf

Ein Spieler tritt als Katakombenlord gegen ein bis vier andere Spieler an, der/die sich immer vier Helden aussuchen und mit ihnen in die düsteren und gefährlichen Katakomben hinabsteigen.

Welchem der vier zur Auswahl stehenden grauenhaften, üblen und gemeinen Endgegner die Helden am Ende ihrer Reise durch die Katakomben gegenüberstehen, darauf können sich alle Spieler einigen. Hat man die Wahl über einen Oberbösewicht und die Helden getroffen, wird aufgebaut. Zuerst werden zufällig die Räume per verdeckter Karten gezogen, durch die sich die Helden kämpfen müssen (wobei die Schwierigkeit der Räume zunimmt und das Spiel immer in der Höhle des Katakombenlords endet). Unterbrochen wird dieser Weg durch einen Händler, bei dem man seine Ausrüstung auffrischen kann, und durch eine Heilerin, bei der die Helden aufgefrischt werden oder man sie sogar aus dem Reich der Toten zurückholen kann.

Sind alle notwendigen Startausrüstungen verteilt, deckt der Katakombenlord die oberste Raumkarte auf, alle suchen sich ein Brett aus, auf dem gespielt werden soll, setzen dort in die Löcher die sechs Hindernisssteine und platzieren die Monster und die Helden auf dem Brett.

Platzieren heißt bei Katakomben: Man legt die entsprechenden Scheiben auf den Plan. Auf den großen Plan!!! Der noch ein bisschen größer wird durch die Bande, die man bauen kann. Und das sollte man auch, wenn man Platz hat, denn hier werden die Figuren nicht einfach nur von Feld zu Feld bewegt ... nein: Hier werden die Figurenscheiben geschnipst.

Geschnipst wird bei Katakomben alles. Will man seinen Held bewegen, schnipst man seine Scheibe. Will man mit seinem Held einen Nahkampfangriff ausführen oder eine seiner Fähigkeiten einsetzen, schnipst man ihn ebenfalls. Trifft er dabei die Scheibe eines Monsters (oder sogar mehrerer Monster), verursacht er meistens einen Schaden. Viele der Monster sind reichlich schwach auf der Brust und beenden das Spiel bereits nach einem Treffer. Es gibt aber auch Gegner, die zwei, drei oder vier Treffer brauchen, damit man sie vom Brett nehmen darf. Und der Katakombenlord hat natürlich die meisten Lebenspunkte. Bis zu zehn muss man ihm abnehmen, um das Spiel zu gewinnen. Besiegte Monster bringen den Spielern Gold, das sie beim Händler oder der Heilerin ausgeben können.

Verfügt ein Held über einen Fernkampfangriff (sei es, weil er einen Bogen hat oder einen Feuerball zaubern kann), nimmt man sich eine entsprechende Pfeil- oder Feuerballscheibe aus dem Vorrat und versucht nun damit, ein oder mehrere Monster zu treffen. Manche Helden verfügen sogar über spezielle Fähigkeiten, die sie entweder einmal pro Raum oder einmal pro Spiel einsetzen können. Z. B. mehrere Angriffe hintereinander machen. Oder mehrere Bewegungen. Oder zuerst bewegen und dann angreifen. Alles schnipsend, versteht sich.

Monster verfügen natürlich ebenfalls über verschiedene Angriffe. Manche Nah- oder Fernkampfwaffen betäuben den betreffenden Helden, so dass er sich in der nächsten Runde nicht bewegen kann. Oder sie vergiften einen Helden, der dann eine Giftkarte ziehen muss. Hat man von denen zu viele gesammelt, droht dem Helden ein frühzeitiger Tod in den dunklen Gefilden. Manche Monster schnipsen ihre Scheiben nicht, sondern können sie rollen ... es gibt viele Möglichkeiten, wie der Katakombenlord seine Unholde einsetzen kann.

Einen Raum haben die Helden erfolgreich absolviert, wenn sie alle Monster besiegt haben. Dann wird die nächste Raumkarte aufgedeckt, mit Monstern bestückt und es geht immer so weiter ... bis man zum Händler kommt. Der bietet sechs zufällig gezogene Karten zum Kauf an. Das können neue Waffen sein, aber auch Verbündete, die man als Scheibe auf den Plan bekommt. Nach weiteren Räumen kann man bei der Heilerin "auftanken", bis man dem Katakombenlord gegenübersteht. Der hat - wie es sich für einen Endgegner gehört - natürlich die stärksten Fähigkeiten und dazu noch eine Leibgarde aus Monsterscheiben, mit denen man ebenfalls konfrontiert wird.

Hat mindestens ein Held den Endkampf überlebt, (wobei es nur wichtig ist, den Katakombenlord zu besiegen; andere Monster dürfen noch auf dem Brett sein) dann haben alle Helden gewonnen.

Fazit

Bevor man sich mit Katakomben beschäftigt, sollte man einen ganz ganz wichtigen Punkt darüber wissen:

Man muss die Scheiben sofort bekleben, wenn man die Packung aufmacht!!! Denn das sind eine Menge Aufkleber, die man anbringen muss. Eine Menge!!! Dazu sollte man die Scheiben - wie im Beiblatt erwähnt - auch vorher sortieren. Nach Farbe und vor allem nach Größe. Und das sollte man bei gutem Licht machen, sonst vertut man sich bei manchen Farben vielleicht.

Erledigt man das nicht sofort, kommt man in die "Ich sollte endlich mal wieder ins Fitnessstudio gehen ... mach ich vielleicht morgen"- oder "Ich sollte endlich mal die Steuererklärung machen ... na ja, vielleicht morgen"-Unendlichkeitsschleife und man wird Katakomben für einige Zeit nicht spielen können. Und das wiederum wäre eine Schande, denn Katakomben fleht einen geradezu an, auf den Tisch gebracht zu werden.

Zum einen liegt das an der Aufmachung. Die Grafik hat eine tolle, eckige, erwachsene Comicästhetik; die Karten, Spielpläne, Holzscheiben ... alles erste Klasse produziert. Und das alles füllt die große Packung schön aus, denn der Inhalt ist wirklich verschwenderisch üppig. Man bekommt viel für sein Geld.

Zum anderen liegt das aber auch an der ganzen Mechanik. Den Geschicklichkeits-Aspekt mit so einer Ausstattung und so einer Grafik zu kombinieren, das reizt einen sofort zu einer Partie. Klar gab es schon Geschicklichkeitsspiele mit Fantasy-Thema (z. B. Dungeon Fighter), aber da war die Lernkurve oft nur bedingt möglich. Egal, wie sehr man sich abstrampelte, man wurde und wurde einfach nicht besser.

Das ist bei Katakomben anders. Hier hat man bereits nach ein bis zwei Räumen raus, wo der Hase lang läuft und wie wichtig es ist, mit seinem Helden mehrere Monsterscheiben zu treffen. Oder andere Steine als Abpraller zu benutzen. Oder anstatt ein Monster anzugreifen, lieber einen anderen Helden "in Sicherheit zu schnipsen". Hier müssen alle nachdenken, wohin sie schnipsen, wen sie angreifen oder welche Fähigkeit gerade am sinnvollsten ist.

Da macht dann auch die anfangs etwas merkwürdige Fähigkeit von Grillan dem Kampfhuhn Sinn: "Die Federn der Raserei", vier Mal hintereinander bewegen, damit kann man klasse das Feld auseinander treiben, seine Freunde in Sicherheit bringen oder den Katakombenlord einfach nur ein bisschen in den Wahnsinn treiben.

Was an Katakomben nicht so gut gefällt:

  • Stirbt ein Held vor der Heilerin, können die Mitspieler ihr Gold horten, um ihn wiederzubeleben. Stirbt man allerdings nach der Heilerin, dann war es das für einen. Hier regelt man das so, dass sich mehrere Spieler einen Helden teilen. Damit nicht einer bis zum Endkampf stumpf zugucken muss.
  • Wenn der Katakombenlord zu nett spielt, ist Katakomben zu einfach. Und es kann auch langweilig werden. Als Katakombenlord hat man die größte Verantwortung und muss seine Monster immer optimal benutzen.
  • Die Spielanleitung: 24 Seiten ist diese stark und leider eine mittelgroße Bleiwüste. Sie braucht viel zu viele Worte, um dieses Spiel zu erklären. Und dazu noch umständliche Worte. "Bewegungsschuss", "Nachkampfschuss", "Projektilschuss" ... sicher kommt man drauf, was damit alles gemeint ist. Aber es ist dennoch eine unnötige Hürde. Man muss sich leider ein bisschen durch diese Regeln kämpfen.

Was man bei den Regeln unbedingt noch beachten sollte: Auf Seite zwei gibt es eine Übersicht über das Spielmaterial. Und dort, unten rechts in der Ecke, gibt es einen kleinen Kasten, in dem aufgelistet ist, welche Karten man für die ersten Partien aussortieren sollte. Muss man auch, denn das sind die Fortgeschrittenenregeln, mit denen man nicht anfangen sollte. Leider übersieht man diesen Kasten leicht ... also: drauf achten!

Hat man sich Katakomben aber einmal angeeignet, ist es rasend einfach, denn man braucht nicht alle Regeln auf einmal erklären. Die Helden müssen natürlich wissen, was sie wie machen können. Aber die Fähigkeiten der Monster, die Giftregeln etc. kann der Katakombenlord immer dann erklären, wenn Monster mit diesen Fähigkeiten ins Spiel kommen. Das macht den Einstieg schön flott - wenn man den Aufbau abzieht, denn der braucht bei der Masse an Material ein bisschen.

Für die verschiedenen Angriffs- und Schadensoptionen gibt es dazu noch ein Übersichtsblatt, auf dem alles schön klar und verständlich aufgelistet ist. Das ist sehr hilfreich und erleichtert den Spielverlauf erheblich.

Dazu ist Katakomben noch ungemein abwechslungsreich. Nicht nur die verschiedenen Endgegner versprechen spannende Partien. Die je andere Reihenfolge der Spielpläne, die immer wieder verschiedenen Gegenstände, die der Händler anbietet, die Zusammensetzung der Heldengruppe, die Fortgeschrittenenregeln ... all das muss man erst mal durchspielen, damit dieses Spiel langweilig wird.

Katakomben ist die Neuauflage des gleichnamigen Spiels aus dem Jahr 2010, was ungefähr genauso funktionierte, aber über weniger Ausstattung und deutlich kleinere Spielpläne verfügte. Dazu war die Grafik eher düster-gothic gehalten und keine wirkliche Freude fürs Auge - meiner bescheidenen Meinung nach.

Mit der Neuauflage hat man allerdings alles richtig gemacht und man kann von Glück sagen, dass der Schwerkraft-Verlag dieses Spiel auf Deutsch verlegt hat. Denn es begeistert nicht nur die Fantasy-Fans, sondern zieht ganze Familien in seinen Bann. Menschen, die sonst überhaupt nichts mit Zauberern oder Elfen anfangen können, schnipsen fröhlich mit und werden super unterhalten. Es steht zwar "ab 12" auf der Packung, aber es haben auch schon geschickte 8- oder 9-Jährige Spaß an dem Spiel. Eben weil man es ganz sachte und langsam erklären kann. Da braucht es natürlich zuerst mal einen, der sich durch die Regeln boxt. Aber bei welchem Spiel ist das nicht so?

Dass immer vier Helden mitspielen müssen, wirkte zu Anfang wie eine weitere Hürde von Katakomben, war dann aber keine. Treten weniger als vier Spieler gegen den Katakombenlord an, ist man hier dazu übergegangen, sich mit dem/den überzähligen Helden einfach abzuwechseln. Und selbst mit nur zwei Spielern funktioniert Katakomben reibungslos. Da musste dann zwar einer alle vier Helden spielen, das machte aber meinen bisherigen Mitspielern nichts aus. Im Gegenteil: Manche fanden es als Zweipersonenspiel am besten.

Meine Mitspieler und ich finden Katakomben in allen Spielerzahlen sehr gelungen,
weil der Spannungsbogen immer gleich bleibt
. Katakomben ist kein seichtes einfaches Spiel, da darf man sich nicht vertun. Man wird in den ersten zwei bis drei Partien (mindestens) vielleicht mit Ach und Krach zum Endgegner kommen und dem dann völlig zerpflückt und am Ende seiner Kräfte gegenüberstehen. Wenn der Katakombenlord seine Aufgabe richtig macht und die Monster vernünftig angreifen lässt.

60 - 90 Minuten braucht eine Partie, aber hat man dieses Spiel drauf, sind 60 Minuten locker zu schaffen. Oft wird auch eine zweite Partie hinterhergeschnipst. Das ist ja immer ein gutes Zeichen für ein Spiel. Besonders auch, weil hier der Humor durch die Grafik und die Helden nicht zu kurz kommt. In welchem Spiel kann man sonst noch einen Huhn-Champion spielen? Mir fällt keines ein. Und es gibt sogar einen speziellen Gegner. Einen großen, bösen, grünen Gallertwürfel. Der dann auch im Spiel ein großer, grüner Würfel ist. Von dem gibt es hier absichtlich kein Bild. Den sollte man sich mal in echt ansehen.

Katakomben ist für meine Mitspieler und mich eines der frühen Highlights des Spielejahrgangs 2015/2016 und sollte unbedingt angespielt werden.

Also: Finger dehnen, lockern und dann ab in die Höhlen!!!

Rezension Christoph Schlewinski

Regelvarianten

Die Fortgeschrittenenregeln umfassen viele schöne (für die Helden) und viele gemeine
(für den Katakombenlord) Dinge, die das Spiel noch interessanter machen. Hier eine kleine Auswahl:

  • Mittels eines Teleportationszaubers vom Spielplan runter bewegen und sich später wieder drauf zaubern. Oder Eiszauber, um Monster unbeweglich zu machen.
  • Monster, die ihre Scheiben rollen, wenn sie angreifen. Oder die Helden verschlingen können und ihr Essen erst wieder preisgeben, wenn sie besiegt wurden. Oder die Helden durch Bisse lahmlegen.
  • Gegenstände, die man kombinieren kann, um mehrere Angriffsarten ausführen zu können.
  • Neue Orte: ein Gasthaus, in dem man nicht verwendete Helden rekrutieren kann, oder eine Schänke, in der man ein bisschen Glücksspiel um Gegenstände oder Heilung betreiben kann.
  • Beschwörungen von Dienern (Katakombenlord) oder mächtigen Geistern (Helden). Letztere sind aber auch gefährlich, da sie nach jeder Runde die Seiten wechseln und somit auch vom Katakombenlord benutzt werden können.

Hat man die Grundversion durch, bieten die Fortgeschrittenenregeln einem dermaßen viele neue Möglichkeiten und Herausforderungen ... das ist schon eine mehr als feine Sache.

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H@LL9000-Bewertungen

H@LL9000 Wertung Katakomben: 5,0 5,0, 3 Bewertung(en)

Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz Kommentar
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 18.08.15 von Christoph Schlewinski - Ein großer, kniffeliger, spannender Spaß, den man immer wieder spielen will.
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz Kommentar
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 19.10.15 von Stephan Rothschuh - Diese zweite Auflage ist deutlich besser als die erste Auflage, sowohl vom Material her als auch vom Spielablauf.
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz Kommentar
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 19.10.15 von Marko Tatge

Leserbewertungen

Leserwertung Katakomben: 6,0 6.0, 2 Bewertung(en)

Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz Kommentar
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 09.11.15 von Axel F. - In großer Runde (5 Mitspieler) ist es ein fantastischer Spaß und biete so viel mehr als man anfangs denkt. Sehr empfehlenswert, wenn man physische Spiele mag.
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz Kommentar
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 25.03.17 von Oliver Müller - Tolle Idee, phantastisches Artwork - super launige Angelegenheit. Ein echtes Highlight für jede Spiele-Sammlung. Wenn es überhaupt etwas zu kritteln gibt, dann, dass die Regel übersichtlicher hätte gestaltet werden können - und ein Glossar hätte auch nicht geschadet. Aber trotzdem: Höchstwertung !

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