Rezension/Kritik - Online seit 03.03.2018. Dieser Artikel wurde 3897 mal aufgerufen.

Secrets

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Autor: Bruno Faidutti
Eric M. Lang
Illustration: Cari
Verlag: Asmodee
Repos Production
Rezension: André Beautemps
Spieler: 4 - 8
Dauer: 15 - 35 Minuten
Alter: ab 10 Jahren
Jahr: 2017
Bewertung: 4,5 4,5 H@LL9000
5,0 5,0 Leser
Ranking: Platz 1617
Secrets

Spielziel

Wie ist das wohl, wenn sich CIA- und KGB-Agenten zusammen mit Hippies an einen Tisch setzen? Wer traut wem? Ist jemand vielleicht Doppelagent oder wechselt mal eben die Seiten? Und was soll jetzt auch noch das UNO-Mandat hier mittendrin? Immer diese Interventionen!

Ablauf

Jeder Spieler erhält einen großen, einseitig bedruckten Chip und darf sich die bedruckte Seite geheim ansehen. Damit man wenigstens ein ganz klein wenig über andere weiß, darf man sich anschließend noch den Chip, der in der Tischmitte liegt, ansehen. Gut einprägen ist das Stichwort, denn anschließend darf man nicht mal seinen eigenen Chip anschauen, bis eine Aktion dies erlaubt. Spielt man mit mehr als 4 Spielern, dürfen ggf. noch die Chips vom rechten bzw. rechten und linken Nachbarn angeschaut werden.

Ein Spielzug besteht darin, Karten zu ziehen und aufzudecken, und zwar so lange, bis 2 unterschiedliche Karten offen liegen. Diese beiden Karten werden für alle Teilnehmer sichtbar auf einer Übersichtstafel markiert, anschließend sucht sich der aktive Spieler geheim eine von diesen beiden Karten aus und bietet diese verdeckt einem Mitspieler seiner Wahl an. Dieser kann das Angebot annehmen oder ablehnen.

Wird das Angebot angenommen, deckt der Beschenkte die Karte auf, führt deren Aktion aus und fügt sie offen seiner persönlichen Auslage hinzu.

Wird das Angebot abgelehnt, macht dies alles derjenige, der die Karte angeboten hat.

Durch die Aktionen können andere Chips angesehen werden oder müssen hergezeigt werden, Identitäten werden vertauscht (Chips werden ausgetauscht) oder die Punktezahl der eigenen Auslage wird auf 0 (oder darunter) reduziert. Lauter verwirrende Gemeinheiten passieren und verändern sowohl die Rolle der Spieler als auch damit deren Spielziel.

Fügt ein Spieler seiner Auslage die fünfte (ab 7 Mitspielern: die vierte) Karte hinzu, endet das Spiel. Alle decken ihre zugeordnete Identität auf und die Punkte der Karten in der eigenen Auslage werden summiert. Dabei kann auch ein Wert kleiner 0 als Ergebnis herauskommen.

Das Team der Agenten, die alle Einzelergebnisse zusammengezählt die meisten Punkte hat, gewinnt. Es sei denn, ein einzelner Hippie (sind mehrere im Spiel, wird nicht zusammengerechnet) hat alleine die geringste Punktzahl. Dann hat dieser das Spiel gewonnen. Ach, und bei Unentschieden haben übrigens alle verloren.

Fazit

Wer stets die volle Kontrolle braucht, wird mit Secrets nicht viel anfangen können. Das kann man sich hier abschminken. Durch die recht häufig wechselnde Gruppenzugehörigkeit, von der man unter Umständen am Spielende selber gar nichts weiß, ist eine strukturierte Planbarkeit des Geschehens ausgeschlossen.

Beginnen wir jedoch einmal von vorne. Die wirklich vorbildlich dem Spielmaterial angepasste Schachtelgröße beinhaltet sehr wertiges Spielmaterial. Die Chips zur Identifizierung sind schön groß und griffig, auch bei den Karten gibt es grundsätzlich nichts zu beanstanden. Zumindest das mir zur Verfügung gestellte Material irritiert nur in einem Punkt: Trotz beigefügter deutscher Spielanleitung ist das Kartenmaterial vollständig mit englischen Texten versehen, inklusive der Übersichtskarten über die Aktionen der einzelnen Charaktere.

Die Spielregel stellt alles Notwendige eingängig und strukturiert dar. Man kann schnell einsteigen, da auch die Spielvorbereitung kaum Zeit in Anspruch nimmt. Nur das Kennenlernen der Aktionen bzw. Auswirkungen der 8 verschiedenen Charaktere benötigt ein klitzekleines bisschen Anlauf. Sobald dies (nicht zuletzt aufgrund der sehr guten Kartensymbolik) sitzt, spielt sich das Spiel vom reinen Ablauf her äußerst flüssig.

Schnell ist dann auch der Punkt erreicht, an dem sich die Geister scheiden. Spätestens, wenn jemand durch eine Aktion zumindest nicht mehr sicher sagen kann, wer er eigentlich selber ist und damit keinerlei Einflussgefühl mehr besitzt, wird es bei einigen wenigen Mitspielern kritisch in Punkto Spielspaß. Den allermeisten bereitet der Kernmechanismus in Form des kalkulierten Kartenangebots viel zu viel Freude, um über den schlecht beeinflussbaren Spielsieg hinwegzukommen.

Es hat einen großen Reiz, sich zu überlegen, welche Karte welchem Mitspieler angeboten wird. Inkludiert die Abwägung einer Ablehnung und der damit verbundenen Auswirkung für einen selber. Eine Journalistin anzubieten, zeugt von Mut, denn wenn das Angebot abgelehnt wird, muss man sich selbst allen anderen offenbaren. Und wenn man dann vielleicht sogar als Einziger nicht weiß, zu wem man gehört, wirkt jegliches Grinsen auf den Gesichtern der anderen noch viel hämischer als ohnehin schon.

Würden die Aktionsauswirkungen des munteren Wechsels der Gruppenzugehörigkeiten weggelassen, wäre Secrets ein recht ödes, simples Sammle-deine-Gruppe-reicher-als-die-anderen-Spiel. Sicher, wer reichlich Punkte gesammelt hat für seine Gruppe und dann kurz vor Schluss zum Hippie gemacht wird, schaut in der Regel dumm aus der Wäsche. Andererseits freut man sich unter diesen Umständen sogar über eine zweite Wissenschaftlerin, die einem alle Punktewerte vernichtet.

Das kommunikative Miteinander am Spieltisch ist rege. Viele Kommentare versuchen selbstverständlich, die aktiven Protagonisten zu manipulieren oder gereichen einer negativen Aktion zum verbalen Nachtreten. Am meisten wird jedoch miteinander gescherzt und gelacht, was die zuvor erwähnte Freude am Spiel beweist.

Die passend angegebene Spieldauer von nur 20 Minuten für eine Partie lässt genug Lust auf eine Folgepartie übrig. Obschon man wieder einmal nicht wissen wird, zu wem man am Ende des Spiels gehört, steigt man immer wieder gerne in das Agenten-, Attentäter, Diplomaten- und Politiker-Geschubse mit ein, um sich diese Zeitspanne lang angenehm bis prächtig zu unterhalten. Lieber Repos-Verlag, es sei somit verkündet: Mission accomplished!

Rezension André Beautemps

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H@LL9000-Bewertungen

H@LL9000 Wertung Secrets: 4,5 4,5, 2 Bewertung(en)

Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz Kommentar
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 14.01.18 von André Beautemps
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz Kommentar
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 04.03.18 von Edgar Ameling - Sehr schönes Deduktions-Spiel, das aufgrund seines einfachen Regelwerks auch als Party-Spiel taugt.

Leserbewertungen

Leserwertung Secrets: 5,0 5.0, 1 Bewertung(en)

Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz Kommentar
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 26.02.18 von Harry M - Edel aufgemachtes (Keramikchips!) verdeckte-Identitäten-Spiel in der Nachfolge von Werwölfe, Widerstand, Avalon usw.. Angenehm kurze Spielzeit von ca. 20 Minuten pro Runde. Der Spielmechanismus ist simpel, die Entscheidungen aber fast immer interessant. Durch die Möglichkeit Rückschlüsse zu ziehen ziemlich "verkopft" und daher sehr anfällig für AP, wenn entsprechende Mitspieler/innen am Tisch sitzen. Deswegen auch definitiv nichts für jüngere Mitspieler/innen, ich würde die Altersangabe gut 5 Jahre nach oben korrigieren. Man kann durch schlichtes Pech verlieren, das ist aber eher selten und aufgrund der Spieldauer leicht verschmerzbar. Skaliert gut mir der Spieller/innenzahl. Ich empfehle es sehr - für Spielrunden, die Spaß am Bluffen und Knobeln haben, ohne verbissen zu sein.

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