Rezension/Kritik - Online seit 24.04.2012. Dieser Artikel wurde 4290 mal aufgerufen.

Teneriffa

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Autor: Dirk Holsdorf
Illustration: Birthe Jabs
Verlag: Holstein-Spiele
Rezension: Michael Timpe
Spieler: 3 - 4
Dauer: 30 - 50 Minuten
Alter: ab 10 Jahren
Jahr: 2011
Bewertung: 2,5 2,5 H@LL9000
4,0 4,0 Leser
Ranking: Platz 4353
Teneriffa

Spielziel

In Teneriffa machen wir Spieler uns gemeinsam daran, die Insel Stück für Stück zu besiedeln. Gemeinsam heißt hier aber nicht, dass wir miteinander spielen würden, sondern im Gegenteil erfolgt die Besiedlung unter starkem Konkurrenzdruck, und selbst vor dem Einsatz von Dieben schrecken wir nicht zurück. Pech nur, wenn der Dieb vom nächsten Dieb gleich wieder beklaut wird.

Ablauf

Die Besiedlung von Teneriffa läuft Spielerzahl abhängig über fünf oder sechs Runden plus einer variablen Endspielphase. In jeder Runde wird zunächst eine Dorfkarte aufgedeckt, die festlegt, welches Dorf der aktuelle Handlungsort ist. Die möglichen Aktionen in den Dörfern sind grundsätzlich immer gleich, allerdings gibt es nur in gut der Hälfte der Dörfer die Möglichkeit, Landwirtschaft zu betreiben, was unsere Aktionsmöglichkeiten in diesen Runden dann um eins erweitert.

Nach dem Aufdecken der Dorfkarte entscheiden sich die Spieler aus ihrer Auswahl von sechs Charakterkarten (fünf unterschiedliche) für drei, die sie spielen wollen. Jeder Charakter steht dabei für eine bestimmte Aktion, die der Spieler beim Aufdecken durchführen darf. Die Charakterkarten werden, zunächst verdeckt, am unteren Spielfeldrand auf eine beliebige freie Spielposition gelegt. Sind alle Charaktere platziert, werden die Karten aufgedeckt und in der gelegten Reihenfolge abgehandelt.

Die Aktionen im Einzelnen sind:

  • Der Maurer, der ein Haus auf einem Bauplatz im aktuellen Dorf baut, solange dort noch freie Bauplätze vorhanden sind, und dafür Siegpunkte erhält.
  • Der Händler, der von einem Dorf zum nächsten zieht, und dabei immer so viele Siegpunkte erhält, wie fremde Häuser in dem Dorf stehen.
  • Der Bauer, der in bestimmten Dörfern Zucker bzw. Wein produziert und einlagert.
  • Der Exporteur, der die gelagerten Handelsgüter des Bauern verschifft und dafür Siegpunkte erhält.
  • Der Dieb, der die Aktion des Charakters, die vor ihm liegt (außer vom Bauern), übernimmt. Mehrere Diebe hintereinander reichen die geraubte Aktion weiter, bis ausschließlich der letzte Dieb zum Zug kommt.

Eine kleine Einschränkung betrifft noch die Händler- und Kapitän-Aktionen: Diese sind pro Runde auf eins weniger als Spielerzahl limitiert. Wer diese Aktion also zu weit hinten in der Reihe platziert, um vielleicht den Dieben zu entgehen, läuft schnell Gefahr, sie gar nicht mehr ausführen zu dürfen.

In der sechsten Runde wird dann immer La Laguna, die Hauptstadt, zum aktuellen Dorf. Hier geht das Spiel dann noch so viele Runden weiter, bis alle Bauplätze besetzt sind. Für die Hauptstadt gibt es dann noch eine kleine Schlusswertung, danach endet das Spiel, und die gesammelten Siegpunkte entscheiden über den Gewinner.

Fazit

Teneriffa könnte von den Anlagen her ein gutes Spiel sein, kommt aber leider über das Attribut "nett" nicht hinaus. Zwar gefällt zunächst der Aktionsmechanismus: Bauen, handeln und klauen passt schön zusammen und sorgt für viel und durchaus spannende Interaktion. Die vordersten Aktionsfelder sind ausreichend begehrt, wenn man eine der doch recht limitierten Aktionen halbwegs sicher ausführen will, so dass man immer wieder bereit ist, das Risiko der nachfolgenden Diebe in Kauf zu nehmen. Dies zu kalkulieren, zu planen und zu bluffen macht Spaß und ist der schöne Teil des Spiels.

Unschön sind dann aber die diversen spielerischen Einschränkungen, von denen auch nicht alle ganz nachvollziehbar sind:
In Dörfern ohne Landwirtschaft haben die Spieler z. B. statt fünf nur noch vier unterschiedliche Charaktere zur Auswahl. Gerade am Anfang des Spiels, wenn auch noch keine Waren aus vorherigen Runden vorhanden sind, scheidet dann zusätzlich auch noch der Kapitän aus, so dass sich die Auswahl auf drei verschiedene Aktionen beschränkt. Man entscheidet also hauptsächlich noch über die Reihenfolge seiner Aktionen.
Da dann absehbar ist, dass alle Spieler ihren Dieb spielen werden, überwiegt eher das Glück als die Planung, ob man mit seinen Aktionen wie gewünscht zum Zug kommt oder nicht. Warum nicht in allen Dörfern Landwirtschaft möglich ist, ist nicht ganz nachvollziehbar. Es macht fast den Eindruck, als wäre dies den tatsächlichen Gegebenheiten der Insel geschuldet.

Eine solche thematische Einschränkung erscheint allerdings besonders unsinnig, wenn anderseits der Dieb dem Maurer gleich das ganze Haus klaut, um es dann im Nachbardorf aufzubauen. Überhaupt, dass das Spielen des Diebs keinerlei Risiko beinhaltet außer leer auszugehen, da könnte ich mir noch spannendere Optionen vorstellen.

Letzter großer Kritikpunkt: Die Funktion des Exporteurs ist undeutlich formuliert und lässt unterschiedliche Regelauslegungen zu. Verschifft er eine ganze Warensorte, einen Warenstein oder doch wenigstens alle eigenen Waren vom gleichen Feld?
Und warum muss dies immer der niedrigste Warenstein sein, und wie ist das genau definiert? Kleine, aber wichtige Detailfragen, über deren Auslegung man sich natürlich zu Beginn einer Partie einigen kann, unser Problem damit war aber:
Die zwei Aktionen Bauer - Exporteur sind in Kombination aufwendig und bringen einfach zu wenig Punkte, wenn jedes Mal nur ein Warenstein verschifft werden darf und zusätzlich noch das Diebstahlrisiko besteht. Dürfen aber alle Steine einer Sorte in einer Aktion verschifft werden, wird die Kapitänsaktion leicht zum Alles-oder-nichts-Ereignis und kann die Partie vorzeitig entscheiden. Entsprechend übermächtig ist dann auch ein erfolgreicher Dieb. Mit einer eigenen Hausregel ist diesem Problem sicher beizukommen, aber diese Regel genau zu tarieren, wäre in meinen Augen Aufgabe des Autors gewesen. Leider existiert auch die in der Regel angegebene Homepage zum Spiel nicht, so dass auch von der Seite keine Hilfe zu bekommen war.

Als abschließendes Fazit muss ich daher leider sagen: Man kann Teneriffa durchaus spielen, besonders in voller Besetzung ist die Interaktion angenehm hoch. Planen und Bluffen beim Platzieren seiner Figuren macht Spaß und ist gar nicht so trivial. Nach mehrfachem Spiel sind die Spielmängel aber leider zu deutlich, als dass es lange überzeugen könnte. Hier hätte es eindeutig noch etwas mehr redaktioneller Bearbeitung bedurft, um den Spielablauf richtig rund zu machen. Schade drum, nach meinem Gefühl hätte das Spiel durchaus Potenzial gehabt.

Rezension Michael Timpe

Weitere Infos

Inzwischen ist die Hompage von Holstein-Spiele online und wie man dort nachlesen kann, hat der Autor sich noch weiter Gedanken zu seinem Spiel gemacht. So werden dort, etwas ungewöhnlich unter der Rubrik FAQ, einige alternative Spielregeln vorgeschlagen.

Größte Änderung:
Für 3-4 Spieler wird vorgeschlagen, einen Handelsplatz mehr als auf dem Spielfeld vorgesehen zu nutzen, dafür darf man dann auch zu zweit schon alle drei Handelsplätze belegen, statt bisher nur zwei.
Außerdem darf der Exporteur sich nun entscheiden, welches seiner Weinwarenlager er exportiert, so er denn mehrere hat. Wie das für den Dieb geregelt ist, bleibt leider offen.
Insgesamt scheint mit den alternativen Regeln etwas der Druck aus dem Spiel genommen zu werden, die frühen Aktionen nutzen zu müssen. Das verringert sicher den Frustfaktor und macht es so Familienfreundlicher.
Dafür bleibt aber auch etwas von dem schönen „ich denke das du denkst das ich denke also mach ich ...“ auf der Strecke.
Welche Variante einem besser gefällt, muss wohl einfach jeder selbst ausprobieren - Grundlegendes am Spiel ändert sich nicht.

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H@LL9000-Bewertungen

H@LL9000 Wertung Teneriffa: 2,5 2,5, 2 Bewertung(en)

Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz Kommentar
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 23.02.12 von Michael Timpe
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz Kommentar
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 05.12.11 von Michael Andersch - Obwohl das Spiel im Grunde relativ simpel ist, bin ich mir aufgrund der überhaupt nicht "griffigen" Regel nicht sicher, ob wir alles im Sinne des Autors gespielt haben. Nach erneuter Regellektüre nach dem ersten Spiel müsste zwar alles gepasst haben, aber das Spiel war irgendwie seltsam. Schade - aufgrund des Themas, der Aufmachung und des Kleinverlagsbonus hätte ich das Spiel gerne gemocht...

Leserbewertungen

Leserwertung Teneriffa: 4,0 4.0, 3 Bewertung(en)

Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz Kommentar
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 30.12.11 von Henriette Blum - Bei uns kam das Spiel an Weihnachten auf den Tisch. Das schöne Spielmaterial hat uns vom ersten Augenblick an gefallen. Vor dem ersten Spiel war ein etwas längeres Regelstudium nötig. So hat dann auch das erste Spiel eher gefühlte 80 Minuten gedauert. Dennoch kam es immer wieder auf den Tisch, die Runden dauern nun eher 40 Minuten, und wir spielen es gerne! Es richtet sich wohl eher an Familienspieler, die gern einen lockeren Spieleabend mit gekonnten Bluffelementen erleben möchten.
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz Kommentar
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 30.04.12 von Marco Stutzke
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz Kommentar
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 07.10.13 von Michael Schmitt - Teneriffa – die Insel der Diebe? Das könnte man bei diesem Erstlingswerk aus dem kieler Kleinverlag fast meinen. Haben diese doch einen großen, aber auch sehr spannenden Einfluss auf das Spielgeschehen. Auch wenn das Spiel kein Schwergewicht ist, so hat es durchaus seinen Reiz und eigenen Charme. Das Spielmaterial und die Aufmachung sind von sehr guter Qualität und könnten auch von einem großen Verlag stammen. „Teneriffa“ ist ein kleines, aber feines und durchaus spannendes Taktik-, Bluff- und Ärgerspiel.

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