Rezension/Kritik - Online seit 28.04.2012. Dieser Artikel wurde 3004 mal aufgerufen.

Tschak!

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Autor: Dominique Ehrhard
Illustration: Vincent Dutrait
Verlag: GameWorks
Rezension: Monika Harke
Spieler: 2 - 4
Dauer: 30 - 40 Minuten
Alter: ab 13 Jahren
Jahr: 2011
Bewertung: 3,5 3,5 H@LL9000
3,3 3,3 Leser
Ranking: Platz 4694
Tschak!

Spielziel

Tschak! Schon wieder musste ein Monster im Dungeon sein Leben lassen. Unaufhaltsam kämpfen sich Horden tapferer Abenteurer Stockwerk für Stockwerk durch Burgverliese. Die stärkste Truppe bekommt zur Belohnung einen Schatz, die schwächste muss sich mit dem Monster, welches ihn bewacht, begnügen.

Ablauf

Jeder Spieler erhält zehn Karten auf die Hand: je drei Magier, Kämpfer und Zwerge sowie ein Artefakt. Fehlende Mitspieler werden durch "Unterwegs"-Tableaus ersetzt, auf denen ebenfalls ein Kartensatz verdeckt abgelegt wird. So befinden sich immer, unabhängig von der Spielerzahl, alle Karten im Spiel.

Danach kann auch sofort mit der Erstürmung des ersten Burgturms begonnen werden. Dieser besteht aus drei Stockwerken, in welchen sich jeweils ein Schatz und eine monströse Kreatur befinden, und einem Dachgeschoss, wo noch ein paar Goldmünzen unbewacht herumliegen.

Stockwerk für Stockwerk stellt jeder Spieler nun eine dreiköpfige schlagkräftige Gruppe zusammen, wobei darauf geachtet werden muss, dass in jedem Team nur ein Held jeder Gattung vertreten sein darf. Im Erdgeschoss legen alle Spieler zunächst eine Karte verdeckt aus, decken sie auf und wiederholen dies noch zwei Mal. Dann kommt es zum Kräftemessen - die stärkste Truppe darf die Schatzkammer plündern, die schwächste muss sich hingegen mit dem Monster abgeben. Artefakte verdoppeln dabei die Stärke des schwächsten Gruppenmitglieds, und Chamäleon-Magier nehmen die Stärke des mächtigsten gegnerischen Magiers an. Weiter geht's mit den übrigen Helden in die höheren Etagen, wo ähnlich verfahren wird. Im nächsten Stockwerk werden jedoch erst eine, dann zwei Karten auf einmal und im letzten Stock drei Karten gleichzeitig aufgedeckt. Der einzige Überlebende prügelt sich anschließend im Dachgeschoss noch um die letzten Goldmünzen.

Jeder Spieler gibt nun sein Kartenblatt an seinen linken Nachbarn weiter, und ein neuer Dungeon wird mit Ungetümen und Schätzen bestückt. Nachdem das vierte und letzte Verlies erstürmt worden ist, wird verglichen, wer am erfolgreichsten war. Totenköpfe auf Monsterkarten und verwunschenen Schätzen zählen Minus-, Goldstücke auf Schatzkarten und aus dem Dachgeschoss Pluspunkte. Ringe der Macht und monströse Troglodyten werden entsprechend ihrer Anzahl quadriert, sowohl im positiven als auch negativen Bereich. Konnte man ein Elixier ergattern, darf man noch schnell eine Kreatur vernichten. Befindet sich gar eine Trophäe unter den Beutestücken, gibt es sogar Pluspunkte für Monster. Wer nun in Summe die meisten Punkte erzielen konnte, geht als ruhmreichster Abenteurer in die Geschichte ein.

Fazit

Alle, die es im Fantasybereich zu Rang und Namen gebracht haben, dürfen bei der Erstürmung der Burgtürme mitmischen. So kämpfen und zaubern Harry Potter, Conan, Gimli oder gar ein einfacher Gartenzwerg mit magischen Artefakten um Gold und natürlich die Ringe der Macht. Auch unter den Monstern werden Fans dieses Genres alte Bekannte wiedertreffen. Alle Klischees werden gnadenlos bedient, jedoch auf eine nette Art und Weise, denn die Illustrationen von Vincent Dutrait enthalten viele Anspielungen und witzige Details. Voraussetzung ist natürlich, dass einen der französische Comic-Stil anspricht. Positiv zu vermerken ist ebenfalls, dass auch an die Ü40-Generation gedacht wurde und die Stärkewerte auf den Karten mit dermaßen großen Zahlen versehen wurden, dass sich selbst bei größeren Tischen ein Nachfragen erübrigt. Das Erkennen, mit welchen Gegenständen die Helden kämpfen, was für die Auflösung von Gleichständen mitunter erforderlich ist, erweist sich jedoch als etwas schwierig. Zusätzliche Symbole auf den Karten wären nicht schlecht gewesen.

Auch die Anleitung, die dem Spiel in drei Sprachen beiliegt, ist gelungen. Sie ist reich bebildert und mit Beispielen versehen, so dass keine Fragen offen bleiben. Da die Regeln an sich sehr einfach sind, steht einem schnellen Einstieg nichts im Wege.

Der Mechanismus ist interessant und unverbraucht. Gespielt werden vier Runden, wobei man in jeder neuen Runde mit den zehn Karten des rechten Nachbarn spielt. Mit normaler Merkfähigkeit und ein wenig Konzentration sollte das Spiel also mit jeder Runde zunehmend planbarer werden. Dem ist aber nicht so. Tschak! ist zwar im weitesten Sinne ein Stichspiel, jedoch ohne Bedienzwang und Trümpfe. Welche Karte die Mitspieler wann ausspielen, ist ungewiss. Zudem wechseln Schätze und Monster von Runde zu Runde. Die Planbarkeit hält sich daher arg in Grenzen.

Grundsätzlich kann man mit zwei groben Spielweisen an Tschak! herangehen - aus dem Bauch heraus oder mit dem Kopf. Entscheidet man sich für spontanes Vorgehen, schätzt man kurz ab, was die Mitspieler im Schilde führen, überlegt, welche Karte man vielleicht im Dachgeschoss spielen möchte, spielt sein Kartenblatt locker aus und schaut, was dabei heraus kommt. Dies hat den Vorteil, dass so gut wie keine Wartezeiten entstehen, das Spiel jedoch so das Gefühl einer belanglosen Beschäftigungstherapie vermittelt.

Alternativ kann man die taktische Vorgehensweise wählen, indem man sich das einzelne Kartenblatt merkt, die Auslage der Mitspieler analysiert und berechnet, welche Karte man denn nun legen müsste. Dies setzt jedoch nahezu autistische Veranlagung voraus, über die man in der Regel nicht verfügt. Die Gedächtnisleistung beschränkt sich somit meistens darauf, sich ein extrem starkes oder schwaches Blatt sowie eventuell die Verteilung der Chamäleon-Magier zu merken. Auch kann man mit Rechnen und Überlegung an das Ganze herangehen, aber was nützt dies, wenn man doch nicht die Karte auf der Hand hat, die man spielen müsste? Ob man durch diese Vorgehensweise erfolgeicher im Dungeon agiert, sei mal in den Raum gestellt. Fest steht, dass der Spielverlauf sehr zäh werden kann, sobald auch nur ein Spieler versucht, durch Denken und Merken mehr Einfluss zu erlangen.

Auch das Thema ist wenig überzeugend. Alles wirkt aufgesetzt und zusammengewürfelt - die Helden, die aus der ganzen Fantasywelt zusammengesucht wurden, der Dungeon, bei dem es statt in tiefe, dunkle Verliese in luftige Burgtürme geht, und der Spielmechanismus in Form eines halbherzigen Stichspiels. So kommt irgendwie kein Dungeonfeeling auf.

Tschak! ist kein grundsätzlich schlechtes Spiel. Die Aufmachung stimmt. Die Regeln sind schnell erklärt. Der Mechanismus ist interessant. Die Spieldauer von etwa 30 Minuten liegt genau im Rahmen und spielbar ist es auch in jeder Besetzung gut. Und doch fehlt dem Spiel etwas ganz Entscheidendes: Spielspaß und Wiederspielreiz. Die ersten Runden waren durchwegs unterhaltsam - man erfreute sich an neu entdeckten Details auf den Karten und versuchte herauszufinden, wie man Einfluss auf das Geschehen nehmen konnte. Dann kannte man die Karten, und die Planbarkeit und Einflussnahme, welche man bei dem Mechanismus zuerst erwartet hatte, blieben irgendwo im Dungeon verborgen. Die Lust auf weitere Partien nahm so rapide ab.

Was bleibt, ist ein Spiel, dem man sich nicht gerade verweigert, wenn es auf den Tisch kommt. Aber vorschlagen würde man es auch nicht unbedingt. Im Bereich kleiner, kurzweiliger Kartenspiele gibt es Besseres und Unterhaltsameres.

Rezension Monika Harke

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H@LL9000-Bewertungen

H@LL9000 Wertung Tschak!: 3,5 3,5, 6 Bewertung(en)

Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz Kommentar
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 22.12.11 von Monika Harke
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 13.11.11 von Roland Winner
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz Kommentar
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 14.11.11 von Stephan Rothschuh
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz Kommentar
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 14.11.11 von Michael Reitz
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz Kommentar
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 20.11.11 von Andreas Molter
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz Kommentar
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 23.04.12 von Bernd Eisenstein

Leserbewertungen

Leserwertung Tschak!: 3,3 3.3, 4 Bewertung(en)

Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz Kommentar
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 29.04.12 von Micha JG - mMn reine Willkür. Es kommt keinerlei Spannung auf. Hinzu kommt dass ich keine Spiele leiden kann bei denen man theoretisch einen imensen Vorteil hat wenn man sich viel merkt (dieses merken macht mir meist keinen Spaß, so dass sich ein Konflikt ergibt - merken und Vorteil haben oder lassen - eine Lose/Lose Situation)
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 08.05.12 von Björn - Ach naja, schonmal ganz witzig - durch das Wechseln des Kartenstapels auch ganz fair. Aber nix Besonderes
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 12.08.13 von Max Heininger - Naja, wirklich nicht berauschend, wobei es manchen meiner Mitspieler durchaus besser gefiel als mir. Schöne Gestaltung, spielt sich prinzipiell flüssig. Dadurch, dass jeder einmal mit jedem Kartensatz spielt theoretisch fair, bei 3 Spielern aber nicht ganz, da ein Spieler seine Karten erst an den Platzhalter weitergibt, und somit anders als die andern beiden im zweiten Durchgang nicht die Karten eines Mitspielers kennt. Zu zweit langweilig, am besten noch in Vollbesetzung. Von mir nur knappe 3 Punkte.
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 06.03.14 von Hans Huehnchen - Irgendwo zwischen verdecktem Biet- und Stischspiel angesiedelt, ist Tschak! zwar kein herausragendes Spiel, ich bin aber immer für eine Partie mit mindestens zwei Gegnern zu haben.

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