Rezension/Kritik - Online seit 10.10.2020. Dieser Artikel wurde 1568 mal aufgerufen.

Pharaon

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Autor: Henri Pym
Sylas
Illustration: Christine Alcouffe
Verlag: Pegasus Spiele
Catch Up Games
Frosted Games
Rezension: Nick Bornschein
Spieler: 1 - 5
Dauer: 30 - 75 Minuten
Alter: ab 12 Jahren
Jahr: 2019, 2020
Bewertung: 4,0 4,0 H@LL9000
5,0 5,0 Leser
Ranking: Platz 2767
Pharaon

Spielziel

In Pharaon versuchen wir durch verschiedene Aktionen Göttergunst zu erlangen, um uns so besser auf das Leben nach dem Tod vorzubereiten. Dabei dreht sich das Rad der Zeit unerbittlich, so dass wir gut vorausplanen müssen, welche Aktionen wir uns leisten können.

Ablauf

Pharaon ist ein klassisches Ressourcen-Tausch-Spiel mit zwei banal einfachen Möglichkeiten: Aktion ausführen oder passen. Dabei stehen uns als Ressourcen Landwirtschaft (grün), Justiz (schwarz), Königreich (gold), Bauwesen (rot) und Handel (blau) zur Verfügung. Zudem existiert noch Silber, welches als Joker für jede der anderen Ressourcen verwendet werden kann.

Auf dem runden Spielbrett sind verschiedene Aktionsmöglichkeiten verteilt, und in der Mitte befindet sich ein drehender Ring (Rad der Zeit). Dieser gibt in veränderlicher Farbe (Ressource) die Zugangskosten zu einer Aktion an. Um eine Aktion nutzen zu können, muss zunächst eine Ressource auf dem Rad der Zeit abgelegt werden, erst danach werden die Kosten der eigentlichen Aktion bezahlt. Sollte kein Platz mehr frei sein, um die Zugangskosten zu bezahlen, dann kann die Aktion in der aktuellen Runde nicht mehr gespielt werden.

Als Aktionen stehen zur Verfügung:

  • Gabe der Götter: Hier erhält man entweder weitere Ressourcen, Joker für bestimmte andere Aktionen oder zusätzliche Götterpunkte für das Spielende.
  • Beamte am Hof: Nach Bezahlen der Kosten (5 verschiedene Ressourcen) wählt der Spieler eine der drei ausliegenden Beamtenkarten. Diese enthalten entweder einen Sofort-Bonus, eine dauerhafte Eigenschaft oder eine Funktion, die einmal pro Runde verwendet werden darf.
  • Geschenk des Nils: Dieser Aktionsteil enthält eine dreifstufige Leiste für jede der 5 Ressourcenfarben. Durch Abgabe von Ressourcen als Aktionskosten tauscht man hier in andere Ressourcen um und erlangt dafür zusätzlich Schritte auf den genannten Leisten. Am Spielende ist die zweithöchste Stufe 3 und die höchste Stufe 7 Siegpunkte wert.
  • Ehre den Handwerkern: Mit Abgabe von 3 identischen Ressourcen wählt man eine der vier ausliegenden Handwerker-Karten. Handwerker geben einmalig Einkommen in Form von Ressourcen sowie zum Spielende Siegpunkte, die direkt auf die Karte gedruckt sind und keiner weiteren Voraussetzungen bedürfen.
  • Tal der Toten: Hier baut man die Grabkammer Stück für Stück aus und bezahlt so immer weiter steigende Ressourcenkosten. Zum Spielende gibt es je nach Baustufe mindestens 5 und maximal 50 Siegpunkte.

Hat ein Spieler (außer der Letzte) gepasst, so setzt dieser einen Stein auf die Pyramide und darf sich eine der ausliegenden Kanopen auswählen, zudem erhält er je nach Platz auf der Pyramide noch einen Bonus. Wäre der Spieler im Verlauf der aktuellen Runde erneut an der Reihe, da andere Spiele noch ihre reguläre Runde spielen, so erhält der Spieler einen weiteren Bonus, den er sich je nach Stand in der Pyramide aussuchen darf.

Am Spielende gibt es zusätzlich zu den bereits genannten Siegpunkten noch die Möglichkeit, die Forderungen der Götter zu erfüllen. Durch das variable Zusammensetzen des Spielbretts verweisen die aufgedruckten Götter auf sich verändernde Forderungen in Form von Ressourcen oder Karten. Wer diese erfüllt, erhält weitere Punkte.

Fazit

Nach den ersten Runden haben wir uns direkt gefragt, was Pharaon als Kennerspiel auszeichnet. Dieses Logo lacht uns auf der Box an. Die recht einfachen Regeln und der auf Dauer monotone Ressourcen-Tausch fordern weder Spieler, die bereits über längere Zeit Erfahrungen mit Brettspielen gesammelt haben, noch erfüllt es den Anspruch, ein Spiel für Spieler zu sein, die mehr Herausforderung suchen. Die Bezeichnung Familienspiel hätte es hier wohl besser getan.

Schnell wird ebenso in den ersten Runden klar, dass sich hinter den Aktionsmöglichkeiten wie z. B. "Gabe des Nils" ein einfacher und altbekannter Tauschmarkt verbirgt, die anderen Aktionen schließen sich dem an. Bis auf das "Tal der Toten" und die Beamten- bzw. Handwerkerkarten (jedoch nur teilweise) wird immer nur fleißig an Ressourcen getauscht, um so weitere Aktionen bezahlen zu können. Wer an dieser Stelle etwas spannend Abwechslungsreiches erwartet, wird leider enttäuscht.

Etwas aufgewertet werden die Aktionen durch das Rad der Zeit, welches sich nach jeder Runde dreht und damit die Planung der kommenden Runde erzwingt. So versperren geforderte Ressourcen, die man aktuell nicht besitzt, den Zugang zu Aktionen. Doch auch wenn die Drehrichtung einmal zu Spielbeginn festgelegt wird (mit oder gegen den Uhrzeigersinn) und damit zusätzlich zum variablen Zusammensetzen des runden Spielplans ein weiteres Denkelement dem Spiel hinzugefügt wird, Spaß macht das auf Dauer auch nicht. Der Tausch um des Tauschens Willen mag zwar ein klein wenig Denkleistung erfordern, aber richtig in Schwung kommen mag das dann nicht. Viele Sonderplättchen als Ersatz für eigentliche Ressourcen ermöglichen doch recht oft den Zugang zu allen gewünschten Aktionen.

Die Punktevergabe für das "Tal der Toten" erscheint uns zudem etwas übergewichtig (50 Punkte auf der höchsten Stufe), wobei kein Spieler, der allein auf diese Strategie gesetzt hatte, bisher das Spiel haushoch gewonnen hat. Dennoch erzeugt diese Aktionsmöglichkeit ein kleines Ungleichgewicht, ebenso wären hier die zufällig gezogenen Handwerkerkarten mit ihren Siegpunkten zu erwähnen. Für ein Spiel, welches sich durch einen durchdachten Austausch von Ressourcen hervorheben möchte, ist diese Ungleichheit leider ein Minuspunkt.

Dabei muss man in der Tat über seine teils begrenzten Ressourcen und deren Verwendung nachdenken. Welche habe ich überhaupt zur Verfügung und wie lassen sich diese effektiv in mehr Ressourcen umwandeln bzw. für benötigte Aktionen verplanen? Für ein Familienspiel ist diese Komplexität hier absolut ausreichend und stimmt mich dahingehend auch etwas milder. Daher würde ich das Spiel auch in diese Kategorie einstufen und sogar noch eine Stufe weiter gehen. Wer ein einfach zu erlerndendes und kurzweilig spannendes Spiel sucht, der ist hier sicherlich richtig. Pharaon überfordert nicht und bietet alles für den Einstieg in die Brettspiel-Welt mit Ressourcen-Management. Mehr als einen Einstieg bietet es dann aber auch wieder nicht und führt bereits nach einigen Partien trotz variabler Komponenten zu wenig Wiederspielreiz.

Rezension Nick Bornschein

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H@LL9000-Bewertungen

H@LL9000 Wertung Pharaon: 4,0 4,0, 3 Bewertung(en)

Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz Kommentar
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 17.09.20 von Nick Bornschein - Teils monotones Hin-und-Her Getausche ohne rechten Wiederspielreiz. Kein Experten, dafür gut als Familienspiel geeignet.
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz Kommentar
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 03.10.20 von Michael Andersch - Tausche dies in das und das in jenes - attraktiv aufbereitet, letztlich aber nicht mehr. Gehobenes Familienspiel. Spiele ich jederzeit gerne mit, würde ich aber wohl weder vorschlagen noch kaufen.
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz Kommentar
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 07.11.20 von Michael Kahrmann - Endlich mal wieder ein tradionelles Eurogame wo man sich als Euro-Fanboy gleich wohl vertraut zu Hause fühlt. Mir gefallen die Mechanismen, der sehr gute Zugang und der langsam ansteigende Spannungsbogen.

Leserbewertungen

Leserwertung Pharaon: 5,0 5.0, 1 Bewertung(en)

Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz Kommentar
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 11.05.20 von Maik Bretschneider - Auf den ersten Blick ein klassisches Euro mit Scheibchen, Plättchen und Kärtchen. Alles schon gesehen? Mitnichten. In der Mitte ist eine Art Rondell montiert, was dazu dient, dass sich mittels Drehbewegung nach jeder Runde die Voraussetzungen, Aktionen auszuführen, ändern. So ist man gezwungen, vorauszuplanen, mit welchen Ressourcen man auf einen der fünf Spielplanteile agiert. Siegpunkte lassen sich neben dem Erwerb von Statthalterkartren auch dadurch generieren, der wohl fünf wichtigsten Götter Ägyptens zu huldigen, in dem wir deren Bedingungen erfüllen, was zu kniffligen Optionen bei der Schlusswertung führen kann. Gerne wieder.

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