Rezension/Kritik - Online seit 30.06.2020. Dieser Artikel wurde 576 mal aufgerufen.

Jubako

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Autor: Michael Kiesling
Wolfgang Kramer
Verlag: Ravensburger Spieleverlag GmbH
Rezension: Franky Bayer
Spieler: 2 - 4
Dauer: 20 - 30 Minuten
Alter: ab 8 Jahren
Jahr: 2020
Bewertung: 4,0 4,0 H@LL9000
3,0 3,0 Leser
Ranking: Platz 3813
Jubako

Spielziel

"Jubako"-Boxen, das sind hübsch verzierte Schächtelchen aus edlen Hölzern, in denen vor allem zu besonderen Anlässen wie Neujahr japanisches Essen serviert wird. Also die gediegene, fernöstliche Variante zu unseren schmucklosen, billigen, fettverschmierten Pizza-Kartons, mit denen hierzulande der Lieferservice auftaucht.

Im gleichnamigen Spiel füllen wir unsere eigene Box mit japanischen Leckereien, wie Reis, Fisch oder Gemüse. Je besser wir alles stapeln, mit umso mehr Siegpunkten werden wir dafür belohnt.

Ablauf

Jeder Spieler hat sein eigenes Schächtelchen, also seinen persönlichen Spielplan, der aus 5 x 5 zu befüllenden Feldern besteht. Auf einigen Feldern sind schon Leckereien abgebildet. Rundherum läuft die Siegpunktleiste, auf der mit einem Marker der aktuelle Siegpunktestand festgehalten wird.

Die Leckereien kommen auf Spielsteinen vor. Die Spielsteine ähneln jenen von Domino, nur dass sie halt statt der Augen jeweils zwei der beliebten Köstlichkeiten - Kalamari, Reis, Gurke, Ei, Tomate, Nori, Fischeier, etc. - zeigen. Je nach Spielerzahl wird von den insgesamt 78 Steinen eine bestimmte Anzahl verdeckt aus dem Spiel genommen. Die verbliebenen Spielsteine bilden gemischt mehrere Nachziehstapel. Vier Steine werden davon als offene Auslage aufgedeckt, schließlich erhält jeder Spieler noch geheim zwei Spielsteine.

Wer an der Reihe ist, zieht zuerst einen neuen Spielstein, entweder von den vier offen ausliegenden oder von einem verdeckten Stapel. Anschließend legt er einen beliebigen seiner nun drei Spielsteine auf seinen Spielplan. Dabei sind ein paar einfache Legeregeln zu beachten. Auf leere Felder des Spielplans können beliebige Spielsteine platziert werden. Ist auf dem Spielplan eine Leckerei abgebildet, muss diese mit dem gleichen Symbol abgedeckt werden. Will man einen Stein auf ein oder zwei bereits aus vorherigen Runden ausliegende Steine legen, muss wenigstens eine der zwei Leckereien des neuen Steins mit einer direkt darunter befindlichen übereinstimmen.

Für den abgelegten Stein erhält man umgehend Siegpunkte. Man wählt eine der beiden abgebildeten Leckereien aus, und bekommt dann einen Siegpunkt für jedes von oben sichtbares Symbol dieser Leckerei. Fünf Bonuspunkte gibt es zudem, wenn beide Leckereien des soeben gelegten Spielsteins mit den darunter liegenden übereinstimmen. der Siegpunktmarker wird entsprechend vorgerückt.

Das Spiel geht reihum so lange, bis alle Steine - auch die beiden letzten auf der Hand - gespielt wurden. Wer danach die meisten Siegpunkte vorweisen kann, gewinnt das Spiel und wird auf der Stelle von einem japanischen Spezialitätenrestaurant als Meistereinpacker und Chefstapler für Essenslieferungen engagiert.

Fazit

Domino-artige Spielsteine, die auf einem Spielplan derart gelegt werden, um Punkte für gleiche Symbole zu erhalten - wem hier das Spiel Einfach genial (Kosmos 2004) einfällt, der liegt gar nicht mal so falsch. Ravensburger beschreibt Jubako auf der Deckseite der Spielanleitung sogar explizit als "genial einfaches Lege- und Stapelspiel", womit der Verlag wohl dezent auf in etwa dieselbe Zielgruppe schielt.

Natürlich weist Jubako ein paar Alleinstellungsmerkmale auf. Neben einem eigenen Spielplan für jeden Spieler haben wir es nicht bloß mit fünf unterschiedlichen Symbolen zu tun, sondern gleich mit deren zwölf. Jede Kombination aus diesen 12 Symbolen kommt lediglich ein einziges Mal vor. Das ergibt insgesamt 78 Spielsteine. Je nach Spielerzahl werden anfangs ein paar ungesehen in die Schachtel zurückgegeben (2 bei 4 Spielern, 12 bei 3 Spielern und sogar 28 zu zweit), sodass man nicht wissen kann, welche Steine zur Verfügung stehen.

Der größte Unterschied liegt aber darin, dass die Spielsteine aufeinander gestapelt werden können. Oder besser gesagt: müssen, denn auf dem Spielplan selbst haben höchstens 12 Steine Platz. Gerade hier gilt es planvoll zu agieren, die Steine auf der Hand und in der Auslage vorausschauend einzusetzen. Einerseits um möglichst oft die lukrativen Bonuspunkte erhalten zu können, andererseits um - vor allem im fortgeschrittenen Stadium - Minuspunkte zu vermeiden, die man dann kassiert, wenn man mal keinen Stein regelkonform legen kann.

Neben dem Abzielen auf Bonuspunkte gibt es eine zweite Möglichkeit, viele Siegpunkte zu sammeln. Sie besteht darin, sich auf wenige Symbole zu konzentrieren. Die Berechnung der Punkte ist ja kumulativ, die Siegpunkte werden also automatisch immer mehr, wenn man öfter dasselbe Symbol auslegt (und nicht zu oft wieder überdeckt). Dabei muss nicht einmal darauf geachtet werden, gleiche Symbole angrenzend zu legen. Es ist daher taktisch sinnvoll, vermehrt Spielsteine mit derselben Leckerei zu sammeln.

Jubako weiß bereits in dieser Grundvariante zu gefallen. Es ist kein Strategiehammer, aber es bietet ausreichend Einfluss auf das Spielgeschehen. Mit taktisch kluger Spielweise unter Berücksichtigung kurz- und mittelfristiger Entscheidungen sowie geschicktem Einsatz der beiden wichtigen Punktequellen, kann man doch einige Siegpunkte erreichen. Allerdings kommt im Grundspiel der dreidimensionalen Entwicklung überhaupt keine Bedeutung bei, da für alle Belange bloß die Draufsicht zählt, und die Höhe eines Spielsteins oder einer Leckerei keinerlei Auswirkung auf die Siegpunkte hat.

Die beiden Autoren Kiesling und Kramer haben dem Spiel aber noch ein paar Varianten zugefügt. Bei der Variante "Bonuspunkte" wird die Anzahl der Bonuspunkte für genaues Aufeinanderlegen auf 3 oder 7 festgesetzt, was die Spielweise aber nur minimal verändert. Bei der Variante "4 x 4-Raster" wird der Spielplan umgedreht. Die kleinere Ablagefläche auf der Rückseite macht das Ganze schon etwas schwieriger. Die Variante "Extrasteine" fügt dem Grundspiel 12 neue Steine hinzu, die jeweils 1 der 12 Leckereien zeigen. Jeder Spieler erhält bei Spielbeginn zufällig einen Extrastein, der bei Spielende noch zusätzliche Siegpunkte für die abgebildete Leckerei bringt.

Bei zwei weiteren Varianten wird dann bei der Schlussabrechnung endlich auch die Höhe der Spielsteine berücksichtigt. Bei "Kleine Endwertung" wählt jeder Spieler für jede Ebene seines finalen Spielplans eine Leckerei, deren Anzahl auf dieser Ebene mit der Höhe der Ebene multipliziert wird. Und bei "Große Endwertung" werden am Ende noch alle sichtbaren Leckereien nach der Formel "Gesamtanzahl x höchste Ebene dieser Leckerei" gewertet.

Mich enttäuschen all diese Varianten etwas. Einige sind so banal, dass deren Erwähnung eigentlich nicht wert ist. Die beiden letztgenannten sind hingegen so kompliziert, dass die Endabrechnung zu lange dauert, das Spiel unnötig aufbläht und somit den Spielspaß trübt. Der "Stein der Weisen" scheint mir da nicht gefunden worden zu sein. Man könnte viel mehr aus der Spielidee und dem vorhandenen Spielmaterial machen.

Ich kann euch beispielsweise meine eigene Hausregel präsenteren. Jeder Spieler erhält zu Beginn 3 Extrasteine. Am Spielende wählt er sich einen aus, für den er dann noch Extrapunkte bekommt, und zwar nach derselben Formel wie bei der "Großen Endwertung" (Gesamtanzahl der entsprechenden sichtbaren Leckereien x höchste Ebene dieser Leckerei). Das Resultat erachte ich als guten Kompromiss, der die Schlusswertung einfach gestaltet, und doch etwas Abwechslung und die Möglichkeit zu längerfristiger Planung bietet.

Es ist zwar schön, wenn man eigene Ideen ausprobieren kann, wenn es genug Spielraum für Experimente gibt. Dennoch: Es sollte nicht Aufgabe der Spieler sein, gute Varianten zu finden. Ein Spiel sollte vielmehr bereits fix und fertig auf den Markt kommen. Jubako wirkt, was Varianten betrifft, unausgereift. Da wurde meiner Meinung nach eine Chance vertan.

Rezension Franky Bayer

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H@LL9000-Bewertungen

H@LL9000 Wertung Jubako: 4,0 4,0, 1 Bewertung(en)

Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz Kommentar
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 29.03.20 von Franky Bayer - Legespiel nach dem Vorbild von Einfach genial. Spielt sich gut und flüssig. Leider spielt die Höhe beim Stapeln punktemäßig im Grundspiel keine Rolle, und die erwähnten Varianten wirken unausgereift, sonst hätte es eine bessere Benotung (5) gegegen.

Leserbewertungen

Leserwertung Jubako: 3,0 3.0, 1 Bewertung(en)

Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz Kommentar
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 01.04.20 von Peter Steinert - Was für ein Spiel kommt heraus, wenn restriktive Produktionspolitik und mangelnder redaktioneller Optimismus zusammentreffen? JuBaKo! Obwohl die Schachtel 10% kleiner ist als bei Ravensburger üblich, wirkt sie für das gebotene Material VIEL zu groß. Die zu dünnen und zu leichten Plastikplättchen, welche beim Stapeln hapisch regelrecht unangenehm sind, kennt man von "Bits" aus demselben Verlag, und einen Beutel zum Nachziehen gab das Budget offenbar auch nicht mehr her... Zu viele Varianten lassen die Spielregel zudem unentschlossen wirken. Kurz: Ein ordentliches, taktisches Stapelspiel, leider nur für den Moment produziert, mit trivialer Gestaltung wie aus vergangenen Zeiten... Referenztitel wie z.B. "Azul", "Dragon Castle" oder "Sagrada" beweisen, wie stark eine ansprechende Ausstattung und Grafik ohnehin schon gute Spiele nochmals aufwerten. Dass das auch umgekehrt funktioniert, weiß man bei Ravensburger vielleicht nicht? JuBaKo ist spielerisch eigentlich eine 4-5, erzeugt mit optionaler "Höhenwertung" eine beachtliche Tiefe, kann aber in dieser Umsetzung gegen die Konkurrenz nicht anstinken... Total schade.

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