Rezension/Kritik - Online seit 15.03.2012. Dieser Artikel wurde 4571 mal aufgerufen.

Aktienrausch

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Autor: Florian Isensee
Illustration: Klaus Beilstein
Verlag: Isensee Verlag
Rezension: Michael Timpe
Spieler: 2 - 5
Dauer: 20 - 50 Minuten
Alter: ab 10 Jahren
Jahr: 2011
Bewertung: 3,7 3,7 H@LL9000
4,0 4,0 Leser
Ranking: Platz 4165
Aktienrausch

Spielziel

Spiele mit dem San-Juan-Prinzip scheinen gerade verstärkt in Mode zu kommen. Nach Race for the Galaxy, Ruhm für Rom und The City jetzt auch noch Aktienrausch (und sicher auch noch mehr, die mir gerade nicht in den Sinn kommen). Das Schöne dabei: Die Spiele nutzen zwar alle das gleiche Prinzip der mehrfach genutzten Karten, entwickeln es aber jeweils so eigenständig, dass sie, wie ich finde, alle ihre Daseinsberechtigung im Spieloversum haben (ein Umstand, den ich z. B. Monopoly Banking abspreche).

Ablauf

Bei Aktienrausch geht es ganz klassisch ums liebe Geld, so viel verrät auch schon der Titel. Und da der Euro ja aktuell nicht mehr als völlig zukunftssicher angesehen werden kann, ist man im Spiel schon einen Schritt weiter. Es geht nicht einfach nur um Geld, es geht um Schweizer Franken, und die gehören natürlich auf ein Schweizer Konto. Was wohl so viel wie „in Sicherheit“ bedeutet, solange die deutschen Steuerbehörden keine Konto-Daten-CDs aus der Schweiz kaufen. Aber das ist zum Glück nicht Teil des Spiels.

Wie kommen wir jedoch zu dem Geld auf dem Schweizer Konto? Eine Runde gliedert sich in grob zwei Phasen: Zunächst gibt es eine Kauf-/Verkaufsphase, in der jeder Spieler bis zu zwei Aktien kaufen und eine Aktiensorte verkaufen kann. Leicht nachzuvollziehen: Fürs Verkaufen bekommt man Geldkarten (oder einen Eintrag auf das besagte Konto), und Kaufen kostet wieder. Die Geldkarten, die man beim Kaufen ausgibt, kommen aber nicht in die Bank, sondern in den Kapitalpool der entsprechenden Gesellschaft. Jede Karte ist eine Million wert, was bedeutet, wenn in einer Runde von einer Gesellschaft viele Aktien gekauft wurden, hat diese anschließend auch viele Karten zum Agieren.

Die zweite Phase wird nämlich von den Direktoren der fünf verschiedenen Gesellschaften gespielt. Sein privates Geld legt man für diese Phase zur Seite. Der aktuelle Hauptaktionär jeder Gesellschaft übernimmt den Direktorenposten und erhält alles Geld aus deren Kapitalpool. Auf der Rückseite der Geldkarten sind immer eine Gesellschaft und eine Zahl (1 bis 6) zu sehen. Für diese Karten gibt es fünf Ablagefelder, auf die zunächst eine beliebige Karte ausgespielt werden kann. Weitere Karten können auf die schon liegenden Karten gelegt werden, müssen aber im Wert genau eins höher sein. Dieses Ausspiel geht so lange im Kreis, bis alle Direktoren gepasst haben, dann kommt die Auswertung.

Nach dem Ausspiel sind die Zahlen auf den Karten egal, es geht hauptsächlich um die Kartenanzahl auf einem Stapel und die Farbe (= Gesellschaft) der obersten Karte. Wiederum die Direktoren jeder Gesellschaft nehmen sich alle Stapel, auf denen ihre Farbe obenauf liegt, und verteilen mit diesen Karten, die dann wieder Geld sind, Dividende an alle Aktionäre. Die ersten zwei Scheine erhält der Direktor selber, danach werden weitere Scheine reihum unter allen Aktionären aufgeteilt. Anschließend steigt der Kurs jeder Gesellschaft, die eine Dividende ausgezahlt hat, um eins, ohne Dividende fällt der Kurs um eins. Aktionäre, die in der Runde gar keine Dividende erhalten haben, bekommen vom Aktionärsverein eine Entschädigung in Höhe von 3 Millionen, was in der Regel einer guten Auszahlung entspricht, also nicht wenig ist.

Die Spieler nehmen jetzt wieder ihr privates Geld in die Hand, zahlen eventuell etwas auf ihr Konto ein und es folgt die nächste Runde, so lange, bis ein Spieler die 25 Millionen SF Marke (entspricht ca. 20,5 Millionen €) auf seinem Konto erreicht. Am Ende dieser Runde gewinnt dann der Spieler mit dem meisten Geld (in Euro oder Franken, wie Sie wollen, aber vergessen Sie nicht, was ich am Anfang zum Thema "sicher" geschrieben habe).

Fazit

Es gibt einen Punkt, den haben Spiele mit Parfum gemeinsam: den nicht zu unterschätzenden Wert der Verpackung. Während sich für manche Spiele ganz schnell Spielinteressenten finden lassen, hat man bei anderen trotz euphorischer Werbung massive Schwierigkeiten, Mitspieler zu finden. Das kann nicht nur am Thema liegen. Oft ist es ein abschätzender Blick auf die Verpackung, und dann heißt es „och nö, ich glaub nicht“. Zu dieser Sorte Spiele gehört leider auch Aktienrausch. Und ich muss selber zugeben: Als ich es auf der Spielemesse gesehen habe, wollte ich eigentlich auch lieber davonlaufen. Im Nachhinein bin ich aber ganz froh, dass ich mich zu einer Testrunde habe überreden lassen. Im Spiel, also auf den Karten, sieht die Grafik OK aus, deutlich besser als auf der Verpackung (die Plakate waren wirklich ganz schlimm). Mit dem Spiel verhält es sich ähnlich, es gefällt mir deutlich besser, als ich nach dem ersten Eindruck vermutet hatte. Und es ist zu bedenken, dass immerhin eine zunächst negative Grunderwartung überwunden werden musste.

Also genug gemeckert und an Oberflächlichkeiten aufgehalten - was macht Aktienrausch aus? Die beschriebene Doppelfunktion der Karten finde ich ein sehr schönes und vor allem noch nicht übernutztes Spielprinzip. Die Funktion in diesem Spiel, dass man dadurch als Aktienkäufer weiß, welche Kartenwerte und Farben man den Mitspielern für die nächste Phase in den Firmenpool legt, ermöglicht ganz interessante und spannende Taktiken. Ein klein wenig fühlt man sich an Imperial erinnert. Zumindest ich neige im Spiel dazu, Direktor einer Gesellschaft werden und bleiben zu wollen. Doch genau wie bei Imperial ist das Führen einer Gesellschaft nur Mittel zum Zweck, nicht Spielziel. Je nach Spielsituation überlässt man die Direktorenrolle besser einem anderen Spieler und konzentriert sich auf das eigentliche Ziel: Geld verdienen. Und dafür ist es oft von Vorteil, wenn man Startspieler ist und so als Erster von den gestiegenen Aktienkursen profitieren kann (die anschließend natürlich fallen). Startspieler wird der Spieler, der am wenigsten Dividende erhalten hat. Also auch nichts verdienen oder einem Mitspieler eine kleine Dividende zuschanzen, um selber weniger zu bekommen, kann durchaus mal beabsichtigt und eine wirkungsvolle Taktik sein.

Die Mechanismen greifen passend ineinander, sind aber gerade in der ersten Partie nicht so leicht zu durchschauen und fühlen sich ein klein wenig hölzern an. Soll heißen, es läuft alles, aber nicht immer ganz reibungslos. Vor allem der Start einer Partie ist manchmal etwas zäh. Zwei, drei Partien muss man sich zur Eingewöhnung Zeit nehmen, um hinter die Feinheiten zu kommen. Dies mag manchem Spieler als zu hohe Hürde erscheinen, im Umfeld von so vielen anderen Spielen, die einfacher zugänglich sind. Wer aber etwas anspruchsvollere Kartenspiele mag und auch dem Thema Aktien nicht gänzlich abgeneigt ist, dem kann ich Aktienrausch durchaus empfehlen. Der Rauschfaktor hält sich zwar in Grenzen, aber für wenige Euros bekommt man ein stimmiges, nicht schwieriges und doch anspruchsvolles Karten-Aktienspiel, das zumindest in meinen Runden durchaus gefallen konnte.

Die Spieldauer liegt bei 30 bis 45 Minuten was dem Spiel völlig angemessen ist. Bei der Spielerzahl scheint mir drei bis vier Spieler am besten, fünf funktioniert aber ebenfalls einwandfrei. Damit ein mittelkurzes Spiel für die etwas anspruchsvolleren Spieler.

Rezension Michael Timpe

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H@LL9000-Bewertungen

H@LL9000 Wertung Aktienrausch: 3,7 3,7, 3 Bewertung(en)

Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz Kommentar
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 04.01.12 von Michael Timpe - Solide Spielkost, die man auf Grund der naiven Grafik leicht unterschätzt. Leider fehlt trotzdem irgendwie der besondere Kick, der es über die vier Punkte heben würde.
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz Kommentar
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 07.12.11 von Michael Andersch - Ein in jeder Hinsicht erstaunliches Spiel. Zunächst war ich geschockt, ein beidseitig bedrucktes A3-Poster mit den Regeln vorzufinden. Aber Entwarnung: Die eigentliche Regel sind nur ca. 20% davon, der Rest sind Beispiele. Erstaunlich: Die Mechanismen sind grundsätzlich einfach, geradezu simpel. Aber: Sie erzeugen einen Kartenkreislauf, den ich als sehr komplex empfinde und bei dem ich mich nach wie vor schwer tue, ihn nachzuvollziehen und zu "beplanen". Auch meine Mitspieler haben sich hier entsprechend geäußert, das Spiel wurde als ziemlich sperrig empfunden. Ich bin mir auch nicht sicher, ob man den Kartenkreislauf wirklich steuern kann, oder ob sich das Spielergebnis am Ende einfach so ergibt. In meiner ersten Partie wurde ich jedenfalls zweiter mit deutlichem Abstand auf Platz 3 und 4, obwohl ich während des ganzen Spiels glaubte, keine Sonne zu haben und entsprechend oft die 3 "Trostpreis"-Karten pro Runde bekommen habe, welche sich aber im Nachhinein eigentlich als ganz lukrativ heraus gestellt haben. Insgesamt empfinde ich "Aktienrausch" mehr als Arbeit denn als Spiel (Somit steht es für mich auf einer Stufe mit "Trajan"), und über die Spieldauer müssten wir auch nochmal reden - 20-50 Minuten gem. Schachtelangabe scheinen mir illusorisch, denn dies entspräche praktisch 10 Minuten pro Spieler. Da sind wir in etwa beim doppelten...
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz Kommentar
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 12.03.12 von Jost Schwider - Ein Brettspiel im Kartenspielformat: Gutes Preis-/Leistungsverhältnis für Aktienhändler...

Leserbewertungen

Leserwertung Aktienrausch: 4,0 4.0, 1 Bewertung(en)

Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz Kommentar
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 31.01.12 von Gerhard - Gut gemachtes Kartenspiel, allerdings sind die Grafiken recht dürftig. Ansonsten eingängiger Spielablauf mit teilweise geringen Einflussmöglichkeiten.

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