Rezension/Kritik - Online seit 16.04.2026. Dieser Artikel wurde 2251 mal aufgerufen.

Artengarten

Direktlinks zu den Rezensionsblöcken
Autor: Mathias Wigge
Verlag: Feuerland Spiele
Capstone Games
Game Harbor
Rezension: Franky Bayer
Spieler: 1 - 5
Dauer: 40 - 100 Minuten
Alter: ab 12 Jahren
Jahr: 2025
Bewertung: 3,7 3,7 H@LL9000
4,0 4,0 Leser
Ranking: Platz 5425
Artengarten

Spielziel

Ich liebe Kenner- und Expertenspiele. Der Nachteil dieser Spiele ist, dass sie ... na ja, nun mal rein für Kenner und Experten gedacht sind, und von diesen gibt es nicht allzu viele. Nachdem auch Spieleverlage den Gesetzen des Marktes folgen müssen, kann man es ihnen nicht verübeln, dass sie zu manchen vielgepriesenen, anspruchsvollen Spielen im Anschluss auch Varianten herausbringen, die dieselbe Grundidee aufweisen, jedoch mit deutlich einfacheren Regeln, um eine größere Käuferschicht anzusprechen.

So auch im vorliegenden Fall. Artengarten lässt uns - wie schon beim vielfach preisgekrönten Arche Nova - wieder einen eigenen Zoo aufbauen, mit dem Ziel, nicht nur viele Besucher anzulocken, sondern auch Punkte durch Artenschutzprojekte zu erzielen. Wem dies am besten gelingt, der hat sich am meisten um die Erhaltung der Artenvielfalt gekümmert und völlig zurecht den Sieg verdient.

Ablauf

Arche Nova musste also unbedingt vereinfacht werden, um es "massentauglicher" zu machen. Während wir im Kennerspiel Hunderte Spielkarten, sowie jede Menge Gehegeplättchen (in den Größen von 1 bis 5 Feldern) vorfinden, sind es hier hauptsächlich Plättchen. Ja, tatsächlich findet sich bei Artengarten (fast) alles auf insgesamt 132 sechseckigen Plättchen wieder: Tiere (gelb), Gebäude (blau) und Projekte (lila). Ja, sogar die Rückseiten werden verwendet, um Freiflächen für Tiere mit größerem Platzbedarf zu bilden.

Die Plättchen werden im Spielaufbau gut gemischt und in mehreren Stapeln bereitgelegt. Von diesen werden dann sechs gezogen und offen auf das Auslagetableau gelegt. Die Artenschutztafel kommt daneben. Von den 10 Artenschutzzielen werden zufällig 5 gezogen und auf die Tafel gelegt. Jeder von uns erhält einen Zooplan, sowie ein Set aus den vier verschiedenen Aktionsplättchen, die wir unterhalb des Zooplans platzieren. Die Pfeile auf den Aktionsplättchen zeigen uns die "Stärke" der damit verbundenen Aktion. Die vier Aufwertungsmarker und die vier Artenschutzerfolgsmarker in unserer Farbe legen wir mit der Vorderseite vor uns ab. Und dann kann's schon losgehen.

Wenn wir an der Reihe sind, müssen wir zuerst ein Plättchen nehmen (A). Dabei stehen uns nur Plättchen "in Reichweite" zur Auswahl, also Plättchen, die auf einef Position des Auslagetableaus liegen, deren Zahl nicht höher ist als die Zahl, auf die der weiße Pfeil unseres Aktionsplättchen "Projekte" zeigt.

Auch der zweite Schritt ist verpflichtend: Eine Aktion ausführen (B). Dazu ziehen wir ein beliebiges unserer Aktionsplättchen ein Stück nach unten und führen eine der beiden darauf angegebenen Aktionen aus: Entweder wir ziehen 2 Plättchen vom Stapel (bei einem Aktionsplättchen "Tiere") bzw. nehmen ein beliebiges Plättchen aus der Auslage (bei einem Aktionsplättchen "Projekte"). Oder wir spielen Plättchen aus.

In letzterem Fall muss die Stärke des gewählten Aktionsplättchen mindestens so hoch sein wie die auf dem Plättchen angegebene Zahl. Projektplättchen können wir lediglich mit dem Aktionsplättchen "Projekte" ausspielen. Tierplättchen erfordern hingegen einen bestimmten Lebensraum, den das Aktionsplättchen ebenfalls aufweisen muss. Das Plättchen platzieren wir schließlich auf unserem Zooplan, nämlich angrenzend zum Eingang oder benachbart zu einem bereits gelegten Plättchen.

Nachdem so viel von den Plättchen die Rede war, ist es jetzt wohl angebracht, den Aufbau der Plättchen genauer zu beschreiben. Neben dem Namen und einer Abbildung weist jedes Plättchen noch folgende Merkmale auf. Eine Farbe und ein Symbol geben an, zu welcher Art ein Plättchen zählt: Tiere (gelb), Projekte (lila) oder Gebäude (blau). Weitere Symbole betreffen den Lebensraum (Wald, Wasser oder Felsen), die Tierklasse (Vogel, Reptil, Pflanzenfresser, Raubtier, Primat oder Streicheltier), den Kontinent (Europa, Afrika, Asien, Australien oder Amerika). Dazu kommen noch eventuelle Siegpunkte, Sofort- oder Dauereffekte, bei manchen Tieren auch das Geschlecht. Einige Gebäude können zudem eine Bedingung fürs Ausspielen aufweisen (beispielsweise benachbart zu bestimmten Symbolen).

Die nächsten drei Schritte können wir dann bloß gegebenenfalls ausspielen: 1 Gebäude ausspielen (C), wenn wir die geforderte Bedingung erfüllen; 1 Artenschutzziel unterstützen (D), wenn wir ausreichend Symbole auf unserem Zooplan haben; eines oder mehrere unserer Aktionsplättchen aufwerten (E), wenn wir die darauf angeführte Voraussetzung erfüllen.

Am Ende unseres Zuges findet der Schritt Verwaltung (F) statt, bei dem wir zuerst unser Handlimit (6 Plättchen) einhalten und überzählige Plättchen abwerfen müssen. Danach füllen wir das Auslagetableau wieder auf. Schließlich überprüfen wir noch, ob das Spiel endet.

Das Spielende tritt dann ein, wenn ein Spieler vier Artenschutzziele unterstützen oder seinen Zoo komplett mit Plättchen füllen konnte. In seltenen Fällen, und nur in Vollbesetzung möglich, endet die Partie vorzeitig, weil alle Nachziehstapel aufgebraucht sind. In einer Schlusswertung ermitteln wir, wie viele Punkte wir erzielen konnten. Dazu addieren wir alle Punkte auf sämtlichen Plättchen unseres Zoos und zählen die Punkte auf unseren Artenschutzzielen, sowie je 2 Punkte für gesammelte Marker (Artenschutz-, Beutel- und Spielendemarker) hinzu. Mit den insgesamt meisten Punkte sichern wir uns den Titel für den nachhaltigsten Tierpark.

Fazit

"Deutlich einfachere Regeln, um eine größere Käuferschicht anzusprechen", schrieb ich in der Einleitung zu dieser Rezension. Und dies trifft hier auch zu. Die Spielanleitung kommt mit acht gut bebilderten Seiten aus, um alles zu erklären. Auch wenn ich es nach wie vor nicht als lockeres Familienspiel per se, sondern eher als gehobenes Familienspiel bezeichnen würde, ist die Simplifizierung dennoch gelungen und ein schneller Einstieg ins Geschehen gewährleistet.

Während wir beim Original - wie erwähnt - neben den Karten noch Gehegeplättchen benötigten, findet sich hier alles auf den großformatigen Hexplättchen. War Arche Nova hauptsächlich ein Kartenspiel, haben wir es bei Artengarten mit einem reinen Legespiel zu tun. Und wie bei allen guten Exemplaren dieses Genres kommt es für uns darauf an, die Plättchen möglichst geschickt und zueinander passend zu legen. Die Punkte, die wir für die Tiere, Gebäude und Projekte erhalten, hängen schließlich oft davon ab, welche Plättchen daran grenzen.

Dass es nur mehr eine einzige Größe an Plättchen gibt, nämlich genau 1 Feld bedeckend, soll nun aber nicht heißen, dass alle Tiere mit derselben Gehegegröße auskommen müssen. Dass beispielsweise Elefanten gleich viel Platz zur Verfügung gestellt würde wie etwa Schneeeulen. Für größere Tiere ist auf den Plättchen angegeben, an welchen angrenzenden Seiten wir sogenannte "Freiflächen" schaffen müssen, indem wir ein beliebiges Plättchen aus unserem persönlichen Vorrat mit der Rückseite nach oben dort platzieren. Dies kann mitunter ganz schön knifflig sein, die Plättchen so zu legen, dass es sich für Großkatzen, Nashörner, Pandas, Primaten, usw. ausgeht.

Was gleichgeblieben ist, ist das Handling mit den Aktionsplättchen. Nachdem wir eine Aktion gewählt und ausgeführt haben, rutscht das verwendete Aktionsplättchen wieder ganz links zum "Slot" mit dem niedrigsten Stärkewert, während die links davon befindlichen um 1 Wert aufsteigen. Auch hier ist Planung und Voraussicht nötig, um unsere Aktionen möglichst effektiv nutzen zu können. Um eine gewünschte Aktion durchführen zu können, sind wir öfters gezwungen, vorher andere Aktionen zu machen, bis wir die benötigte Stärke erreicht haben.

Wie schon beim Original finden wir auch hier eine Möglichkeit zur Aufwertung unserer Aktionsplättchen. Wenn wir bestimmte Bedingungen erfüllen, beispielsweise unser erstes Artenschutzziel unterstützen, dürfen wir ein beliebiges Aktionsplättchen auf die Rückseite (II) drehen, wodurch erstens die Stärke der damit verbundenen Aktion um "1" steigt, und uns zweitens eine verbesserte Aktion (z. B.: 2 Tierplättchen auf einmal ausspielen) zur Verfügung steht.

Den Großteil der Siegpunkte erhalten wir zwar direkt durch die Punktewerte der Plättchen selbst. Dennoch kommt einer anderen Siegpunktquelle ebenfalls eine große Bedeutung zu: dem Artenschutz. Auf der Artenschutztafel liegen ja - anfangs zufällig gezogen - 5 Artenschutzziele (Kontinente und/oder Tierklassen) aus, für die wir Extrapunkte erzielen können. Wir besitzen hierfür 4 Artenschutzerfolgsmarker, welche angeben, wie viele Symbole einer Sorte wir mindestens in unserem Zoo haben müssen, um den Marker auf die Artenschutztafel platzieren und damit die darauf angeführten Punkte erhalten zu dürfen. Maximal können wir auf diese Weise 36 Punkte erzielen.

Gerade im beinharten Konkurrenzkampf ist es nicht einfach, vier oder gar fünf der benötigten Tierklassen- oder Kontinentsymbole zusammenzubringen. Als äußerst hilfreich erweisen sich diesbezüglich sogenannte Artenschutzmarker, die wir durch das Ausspielen gewisser, besonders attraktiver Tiere erhalten. Gelingt es uns, von einem Tier sowohl ein männliches als auch ein weibliches Exemplar direkt aneinander zu platzieren, bekommen wir ebenfalls einen solchen Marker. Klingt wie ein eher seltenes Ereignis, ist in unseren Partien aber tatsächlich schon des öfteren passiert.

Zusammen mit eventuell auf den Plättchen vorkommenden Dauer- und Soforteffekten ergibt dies reichlich Stoff für unsere grauen Zellen. Man kann bei Artengarten sicher auch von einer Art Optimierungsspiel sprechen, bei dem wir die verschiedensten Belohnungen, Boni, Effekte und Vorteile bestmöglich nutzen möchten. Schließlich weist das Spiel auch einen Wettlauf-Charakter auf. Wenn es uns gelingt, als erstes eine der beiden Bedingungen für das Spielende zu erreichen, werden wir mit stolzen 10 Extrapunkten belohnt. Alle anderen, die es in der anschließenden letzten Runde ebenfalls noch schaffen, kriegen immerhin noch 5 Punkte.

Zu alldem muss aber unbedingt erwähnt werden, dass der Zufall doch eine Rolle spielt. Speziell welche Plättchen ins Spiel kommen, die mir gerade zur Auswahl stehen, kann entscheidend sein, ob ich die gewählte Vorgehensweise durchziehen kann oder nicht. Wenn von den durch die Artenschutzziele begehrteren Kontinenten und/oder Tierklassen nur wenige auftauchen, kann es ärgerlich sein, wenn mir diese von Mitspielern vor der Nase weggeschnappt werden. Ich finde den Glücksanteil allerdings vertretbar, weil Artengarten doch eine andere Zielgruppe anspricht als der große Bruder Arche Nova . Wenn es etwas zu bekritteln gibt, dann die fehlende Interaktion, denn im Grunde genommen werkeln wir an unseren Zoos eher nebeneinander her.

Das Spielmaterial ist reichlich und von ordentlicher Qualität. Für die Plättchen (die Spielanleitung bezeichnet sie konsequent als "Karten") gibt es praktische "Kartenhalter". Die Plättchen sind großformatig und wie alle anderen Teile aus stabilem Karton. Ihre grafische Gestaltung ist hingegen etwas bunt geraten, wodurch einige Einzelheiten, wie etwa die Pfeile für die erforderlichen Freiflächen, schwer zu erkennen sind. Wenigstens wurden vorwiegend dieselben Symbole wie schon bei Arche Nova übernommen, dies erleichtert den Einstieg ungemein. Informationen und nähere Details über alle Symbole und Effekte finden wir in einem hilfreichen Glossar.

Und so bleibt mir nur abschließend zusammenzufassen, dass Artengarten als stark simplifizierte Form von Arche Nova dennoch eine attraktive Neuheit darstellt, die - auch durch den höheren Glücksfaktor und die verkürzte Spieldauer - im gehobenen Familienspielsektor anzusiedeln ist.

Rezension Franky Bayer

Anmerkung: Zur besseren Lesbarkeit der Texte verwenden wir häufig das generische Maskulinum, welches sich zugleich auf weibliche, männliche und andere Geschlechteridentitäten bezieht.

'Artengarten' online bestellen

Kaufen bei Idealo Kaufen bei Spiele-Offensive Kaufen bei Meeple-Box 

H@LL9000-Bewertungen

H@LL9000 Wertung Artengarten: 3,7 3,7, 3 Bewertung(en)

Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz Kommentar
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 02.03.26 von Franky Bayer - Variante von Arche Nova nun aber als Legespiel, das aufgrund deutlich höherem Glücksfaktor und kürzerer Spieldauer nun im gehobenen Familienspielsektor anzusiedeln ist.
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz Kommentar
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 24.11.25 von Michael Andersch - Furchtbar solitäres Spiel. Abgesehen davon, dass man sich gegenseitig vielleicht mal ein Plättchen wegnimmt (sei es versehentlich oder absichtlich) ist es mir sowas von Piepenhagen, was die Mitspieler machen. Dazu kommt eine nicht unerhebliche Glücksabhängigkeit - welche Zooteile wann kommen und ob sie überhaupt kommen bzw. ob ich sie zu sehen bekomme ist völlig unklar - man bastelt halt mit dem rum, was man so bekommen kann. Zum Ausgleich dauert es elediglich lang, und mehr als 2 Spieler stören eigentlich nur, weil sie die Wartezeit verlängern, aber nichts zum Spiel beitragen. Einmal und nie wieder...
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz Kommentar
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 18.03.26 von Udo Kalker - Als kürzeres \"Arche-Nova\" gibt es einige Parallelen, aber auch genügend neue Mechnismen zu entdecken, insb. das Auslegen der Nachbarschaften im eigenen Parks trägt stark zum Punkten bei. Für die Erfüllung der Artenschutzziele wünsche ich mir manchmal ein wenig mehr Konkurrenz, aber Artengarten funktioniert gut für, wenn mal nur Zeit oder Lust für 2 Stunden Spiel da ist.

Leserbewertungen

Leserwertung Artengarten: 4,0 4.0, 3 Bewertung(en)

Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz Kommentar
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 24.11.25 von Koeppquist - Einfaches Spielsystem mit geringem strategischen Einflußmöglichkeiten und bei 4 -5 Spielern sehr langem Leerlauf bis man das nächste Mal zum Zug kommt.
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz Kommentar
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 16.02.26 von schwenkbraten - Gutes Spiel, aber nichts, was mich lange fesseln kann, obwohl ich Tile-Placement liebe. Für meinen Anspruch vielleicht etwas zu simpel.
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz Kommentar
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 27.02.26 von Hans Huehnchen - Artengarten hat Arche Nova aufgrund der kürzeren Spielzeit und niedrigeren Komplexität ersetzt. Es gibt zwar einige Parallelen, aber Artengarten hat einen deutlich höheren Legespiel-Charakter als Arche Nova, was mir sehr entgegenkommt. Super zu zweit, bei höheren Spielerzeiten kann die Downtime lang werden.

Weitere Informationen zu 'Artengarten' auf unseren Partnerseiten