Rezension/Kritik - Online seit 02.01.2023. Dieser Artikel wurde 2037 mal aufgerufen.

Fast Forward: FURCHT

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Autor: Friedemann Friese
Illustration: Harald Lieske
Verlag: 2F-Spiele
Rezension: Michael Timpe
Spieler: 2 - 5
Dauer: 15 Minuten
Alter: ab 8 Jahren
Jahr: 2017
Bewertung: 4,0 4,0 H@LL9000
3,5 3,5 Leser
Ranking: Platz 4819
Fast Forward: FURCHT

Spielziel

Furcht gehört zu den vom 2F-Verlag als „Fast Forward“ Spielen benannten Reihen. Alle diese Spiele zeichnen sich dadurch aus, dass sie ohne Spielanleitung im klassischen Sinn auskommen. Spielen ohne Regeln? Das nicht, aber die Regeln werden nach und nach während des Spiels eingeführt, was den Spieleinstieg erleichtern soll. Ob das klappt?

Ablauf

Große Augen: Ein sortierter und durchnummerierter Kartenstapel ist alles, was man in der Verpackung findet. Keine Regel, nichts. Halt: Auf der obersten Karte steht "Karten nicht mischen"! Das Spiel geht los. Auf der Rückseite dieser ersten Spielkarte stehen die Grundregel, nach der das Spiel funktioniert: Entweder 1 Karte vom Stapel auf die Hand nehmen, oder 1 Karte von der Hand in die Mitte legen. Fertig. Mit dieser simplen Regel beginnt das Spiel.

Komisch? Erst mal anfangen und losspielen.

Nach wenigen Karten kommt die zweite Regelkarte und erläutert weitere Regeln: Handkartenlimit 3 Karten, wer eine Karte in die Mitte legt, muss die Summe der dort liegenden Karten ansagen. Diese darf nie über 15 betragen. Wer ausspielen muss und damit den Wert der ausliegenden Karten doch über 15 bringt, hat verloren. Von den verbleibenden Spielern gewinnt, wessen Handkarten die höchste Summe haben.

Ah, darum geht es, also weiterspielen.

Noch mal ein paar Karten später kommt die dritte Regelkarte, die erläutert, was am Rundenende passiert, also wenn ein Spieler verloren bzw. gewonnen hat. Dann werden nämlich jedes Mal ein paar Karten aus dem Spiel genommen.

Damit wäre das Grundgerüst und eigentlich ein einfaches Kartenspiel fertig. Aber Furcht hört an dieser Stelle nicht auf. In schöner Regelmäßigkeit kommen weitere Regelkarten, die im Spielverlauf „Sonderregeln“ einführen. So darf man z.B. unter bestimmten Voraussetzungen auch Karten aus der Mitte wieder abwerfen, bestimmte Karten nicht mehr ausspielen oder plötzlich auch mal die 15 Punkte überschreiten, ohne zu verlieren. Dazu wechseln die Kartenwerte und einzelne Karten haben auch eigene Sonderregeln, die jeweils beim Ausspielen aktiviert werden können.

Was Furcht dafür nicht hat, ist ein definiertes Ende und einen klaren Gewinner. Man spielt einfach so lange, wie man mag. Falls man noch nicht durch den ganzen Stapel durch ist, legt man die aktuellen Regel- und Spielkarten oben auf den Stapel. Alle bereits abgeworfenen Karten nach unten und dann kann man beim nächsten Mal an dieser Stelle wieder in das Spiel einsteigen.

Fazit

Furcht ist ein sehr einfaches, fast schon simples Spiel, das einen guten Teil seines Reizes aus den Überraschungen zieht, die der Autor vielfältig im Stapel versteckt hat. Die sich ändernden Kartenwerte, neue Spielregeln, die vermeintlich sichere Karten plötzlich in toxischen Ballast verwandeln. Und natürlich die Karten mit Sonderregeln, die überraschende Twists ermöglichen. Diese Kombination sorgt für regelmäßiges Gelächter, sorgenvolles Stöhnen und manchmal eben auch für die namensgebende Furcht, vor dem nächsten Spielzug. Da wird es doch hoffentlich noch einen Mitspieler vorher erwischen, oder?

Manchmal klappt es, manchmal nicht. Ein klein wenig kann man taktieren, durch die Wahl, welche Kartenwerte man früh spielt oder eben auf der Hand behält sein Glück versuchen zu beeinflussen. Am Ende bleibt vieles aber trotzdem einfach: Glück.

Ob einem der Spieleinstieg nun gefällt, bei dem manche Mühe hatten zu verstehen, wie man denn losspielen soll, ohne Regeln, ist Geschmackssache. Die Idee, erst mal losspielen, Regeln erklären sich beim Spielen, klingt für mich zunächst verlockend. Anderseits kommen die ersten Regeln dann doch so schnell aufeinander, und sind so simpel, dass man sie vermutlich genauso gut auch zu Beginn in 2 Minuten vollständig hätte erklären können. Das „richtige“ Spiel startet ja eh erst ab dem Moment, ab dem die Grundregeln bekannt sind. Ob "Fast Forward" also wirklich viel einfacher oder zugänglicher ist als mit einer gewohnte (Kurz-)Anleitung, sei dahingestellt.

Ebenfalls etwas Geschmacksache ist die etwa vage Spieldauer. Wie lange spielt man denn nun und wer hat wann gewonnen? Häufig hab ich es erlebt, dass die gewonnenen Runden gezählt werden, um einen Gesamtsieger zu ermitteln. Gespielt wird dann meist auf eine bestimmte Zeit oder eine bestimmte Anzahl Siege. Anderen Gruppen reichte aber auch das Spielerlebnis an sich, ohne einen Gesamtsieger zu ermitteln.

Mit diesen zwei Punkten ist Furcht überraschend, und für Spielneulinge manchmal nur schwer greifbar. Die Starthürde zum Losspielen war höher als erwartet. Nach der ersten Runde waren aber alle Fragen geklärt und der Spaß konnte beginnen. Und zumindest so lange man den Kartenstapel noch „entdeckt“ noch nicht alle Überraschungen kennt, die einen erwarten, ist der Spielspaß durchaus gegeben. Mit wiederholtem Spielen fallen die Überraschungen natürlich weg, was den Spielreiz verringert, aber auch dann noch gefällt mir Furcht als kleiner Absacker oder für Zwischendurch immer noch gut. Und ganz nebenbei taugt es auch als kleine Rechenübung für Kinder, im Zahlenraum bis 20.

Die Gestaltung der Karten ist nett, für den 2F Verlag schon fast etwas eintönig, aber völlig OK. Spielbar mit 2 bis 5 Spielern, ich würde 3-4 Spieler empfehlen, ein nettes Spielchen, dass nicht zu häufig aber immer mal wieder durch unseren Spieleabend geistern darf. Auch nach 5 Jahren hat es damit einen sicheren Platz in meiner Sammlung.

Rezension Michael Timpe

Anmerkung: Zur besseren Lesbarkeit der Texte verwenden wir häufig das generische Maskulinum, welches sich zugleich auf weibliche, männliche und andere Geschlechteridentitäten bezieht.

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H@LL9000-Bewertungen

H@LL9000 Wertung Fast Forward: FURCHT: 4,0 4,0, 3 Bewertung(en)

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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 10.02.18 von Michael Timpe - Der Einfluss auf das Spiel ist gering, je grösser die Gruppe ist desto weniger. Trotzdem gefällt mir, wie sich das Spiel entwickelt, verändert und auch immer wieder neue Strategien nahelegt. Und der einfache Zugang ist auch sehr Zeitgemäss. Ein tolles "Einsteigerspiel".
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 19.03.18 von Monika Harke - Abstraktes Ablegespiel. Die Neugier, ob das Spiel besser wird, lässt einen den Stapel durchspielen, was auch nett ist. Danach reizt aber wenig, das Spiel erneut zu spielen.
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 20.07.18 von Stephan Gehres - Das Spielprinzip bzw. das Regelsystem ist genial. Es gibt allerdings auch Spieler, die das nicht mögen, da sich die Regeln ständig ändern. Ich finde das aber sehr überschaubar. Abhängig von der Spielerzahl und welche Karten aus dem Spiel kommen, entwickeln sich die Partien sehr unterschiedlich. Ideal für Rechenanfänger zum Üben (geht auch mit etwas Hilfe, wenn es mit dem Lesen noch nicht so gut klappt). Unsere Tochter ist total begeistert. Kleiner Spoiler: Ich finde es ein wenig unbefriedigend, dass das Ende des Stapels keine wirklichen Konsequenzen hat.

Leserbewertungen

Leserwertung Fast Forward: FURCHT: 3,5 3.5, 4 Bewertung(en)

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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 29.12.17 von rana - Ein richtig gut funktionierendes FastForward Spiel. Fand es beim Anspielen in Essen erst ein wenig simpel. Der Einfluß nimmt von Regelergänzung zur Regelergänzung zu. Man versucht permanent jemanden in die Pfanne zu hauen, bevor es einen selber trifft. Wer das mag und ab kann, hat hier ein riesigen Spielspaß.
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 14.01.18 von Finchen - Ödes Karten Abwerfen mit unausgewogenen Gewinnregeln.
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 17.01.18 von Tim - Richtig ödes Spiel. Die offene Auslage soll Summe 15 nicht überschreiten. Ständig muss man rechnen, bisschen rauf, bisschen runter, hin, her. Gähn. Dazu kommen ständig Regelergänzungen und Texte, die nichts besser machen, nur komplizierter.
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 04.03.18 von Hans Huehnchen - Furcht hat mit als simples Karten-Abwurf-Spiel mit einigem Ärgerfaktor gut gefallen. Das Limit, von maximal 15 ausliegenden Punkten und der stetige Kampf dagegen, derjenige zu sein, der das Limit nicht überschreitet, lässt sogar ein wenig 6nimmt- Feeling aufkommen.