Rezension/Kritik - Online seit 23.03.2007. Dieser Artikel wurde 6335 mal aufgerufen.

Fowl Play

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Autor: Richard Breese
Illustration: Chris Sharp
Verlag: R and D Games
Rezension: Peter Nos
Spieler: 2 - 4
Dauer: 60 Minuten
Alter: ab 10 Jahren
Jahr: 2006
Bewertung: 4,5 4,5 H@LL9000
4,0 4,0 Leser
Ranking: Platz 3431
Fowl Play

Spielziel

Liebe Kinder, ihr kennt doch bestimmt noch das schne Liedchen: "Fuchs, du hast die Gans gestohlen"? Dieses altbekannten Themas hat sich nun Richard Breese angenommen, um den Vorbehalt auszurumen, Fchse wrden nur Gnse jagen. In Wirklichkeit muss jedoch jeder Fuchs auf eine ausgewogene Ernhrung achten und neben Gnsen auch Enten, Hhner und Truthhne verspeisen.

Ablauf

Um dies zu verinnerlichen, schlpfen wir in die Rolle der Fchse und pirschen uns auf dem Bauernhof an das saftige Federvieh heran. Geschickt nutzen wir unsere Fuchsbauten, um berraschend aus Erdlchern zu strzen. Leider ist das Federvieh nicht nur misstrauisch und luft stndig gackernd davon, nein, es ist auch noch ziemlich schnell dabei - schneller als einem Fuchs lieb sein kann.

Spielerisch wurde dies gans einfach umgesetzt. Alle spielen eine Karte, die jeweils eine Zahl, eine Federviehsorte, eine Farbe sowie eine Form enthlt. Genau, liebe Kinder, ihr msst wissen, Hhner gibt es in braun, wei und schwarz und sie sind rund, vier- oder sechseckig - spielen bildet! Nun darf jeder, beginnend mit der kleinsten gespielten Zahl, die nahrhaften Vgel um drei Schritte bewegen. Aber nur jene, die mindestens eine Eigenschaft der gespielten Karte besitzen. Die Karte mit dem runden weien Huhn erlaubt es also, runde schwarze Enten oder quadratische weie Gnse aber keine sechseckigen braunen Truthhne zu bewegen. Um die Sache etwas zu verkomplizieren, muss natrlich beachtet werden, dass sich Futter niemals nher als drei Felder an einen Fuchs heranbewegt - wieso auch?

Nachdem wieder Ruhe auf dem Hhnerhof eingetreten ist, strmen nun reihum die Fchse los und - haps, haps, knusper, knusper - fressen sie sich kugelrund. Schn wr's, die Fchse knnen aber nur zwei Felder weit rennen. Dies reicht nicht immer, um das Futter in einem Zug zu erreichen.

So findet Zug um Zug auf dem Hhnerhof ein munteres Schnattern, Flattern und Fressen statt, bis das Spiel wegen Nahrungsmangel schlielich ein Ente findet. Nun wird der erfolgreichste Fuchs gekrnt. Auch das ist sehr einfach. Man muss nur wissen, dass Fchse auch Philanthropen (oder wie immer der aufs Geflgel bertragene Begriff heissen mag) sind und bestimmte Geflgelsorten verschonen wollen. Jeder hat dafr zu Spielbeginn eine Zielkarte geheim beiseite gelegt. Deshalb gibt es Punkte sowohl fr die gefressenen als auch fr die verschmhten Tiere.

Die Punktvergabe ist biologisch leicht verstndlich und erscheint einem Kinderspiel angemessen: Wer die meisten Tiere einer bestimmten Eigenschaft fra, bekommt einen Punkt pro gefressener Tiergattung mit eben jener Eigenschaft. Hat zum Beispiel mein Fuchs zwei weie Hhner und eine weie Ente und kein Mitspieler mehr weie Tiere gefuttert, so erhalte ich dafr 2 Punkte. Gewertet wird rund, quadratisch, sechseckig sowie wei, schwarz und braun. Ach ja, selbstverstndlich gibt es noch Punkte fr eine vielseitige Ernhrung. Jeder vollstndige Satz aus Ente, Huhn, Truthahn und Gans bringt zustzliche vier Punkte.

Um die Punkte fr die berlebenden Tiere zu ermitteln, zhlt man einfach pro Attribut der Zielkarte, wie viele der auf dem Brett verbliebenen Tiere es auch besitzen. Einen Extrapunkt gibt es noch, falls genau das Zieltier berlebte.

Fazit

Mit Fowl Play hat Richard Breese mal wieder ein ziemlich ausgefuchstes Spiel vorgelegt. Eine erste berraschung erlebt man, bevor man das Spiel sein eigen nennen darf, denn 40 "Hhner" galt es auf die Messetheke zu legen. Das kann schon abschrecken, sich nher mit dem Spiel zu beschftigen, zumal es in einer kompakten Schachtel untergebracht ist und sich von Thema und Design eher als Kinder- oder allenfalls als Familienspiel prsentiert.

Doch schon sptestens bei der Warnung auf der ersten Seite der Regel, das Spiel keinesfalls zu starten, wenn nicht alle Spieler die Endwertung vollstndig verstanden haben, beginnt sich die Stirn zu runzeln: Versteckt sich hinter den hbschen Vgeln und Fchsen vielleicht doch mehr als Heckmeck am Bratwurmeck, Hickhack in Gackelwack oder Kraut und Rben? Tatschlich wurde zwar bei der ersten Partie frhlich aufs Geratewohl gefuttert und gegackert. Ab dem zweiten Spiel gehen die Fchse aber sehr viel gezielter auf Futtersuche und verschmhen gerne auch mal uninteressantes Geflgel. Dies zeigt sich auch im Ergebnis. Anfnger haben gegen alte Hasen - sorry: Fchse - keine Chance. Denn es gilt, stndig die Mahlzeiten der anderen Spieler zu beobachten und die eigenen Schutzbefohlenen in sicherer Entfernung der anderen Muler zu halten. Dies fhrt natrlich durchaus zu kleineren Grbeleien, zudem die Federvieh-Ziehregel leicht missachtet wird. Zum Glck wird man von den netten Mitspielern sogleich hmisch gackernd auf jeden Bewegungsfehler hingewiesen: "Dies Huhn ist weder wei noch rund und schon gar keine Ente! Zudem wrde es sich niemals einem Fuchs noch mehr annhern!"

Dabei sollte der Bewegung des Geflgels besondere Aufmerksamkeit gewidmet werden, da die Fchse nun mal langsamer sind und nur per Fuchsbau oder durch geschicktes Einkesseln an ihre Beute kommen. Die Nutzung des Fuchsbaus bringt jedoch immer den Verlust eines Zuges mit sich, da man ihn entweder betritt und durchschreitet oder durchschreitet und verlsst und sich Nutzvgel niemals im Tunnel umhertreiben.

In allen unseren Partien endete das Spiel mit einem verwsteten Geflgelhof von weniger als 8 Tieren. Meist wurde der Sieg mit den Punkten der berlebenden Zieltiere gewonnen. Dabei ist aber auch das Fressen nicht zu vernachlssigen, kann doch ein gefressenes Tier in bis zu vier Wertungen zhlen und somit anteilig vier Punkte wert sein. (Zur Erinnerung fr die Kinder, die schon die Kreml-Voraussetzungen "ab 50 Jahren" erfllen: Wertungen gibt es natrlich fr Form, Farbe, Rasse und Vielseitigkeit). Gleiches gilt selbstverstndlich fr das berlebende Zieltier. Andererseits kann eine fehlende Mehrheit schmerzhaft Punkte kosten. Im schlimmsten Fall reduziert ein fehlgefressenes Tier sogar Punkte. Lebhaft kann man sich den verdorbenen Jungfuchsmagen vorstellen, der die weie Mehrheit erringt, aber nur einen Punkt bekommt, weil die gesamte weie Beute aus Gnsen besteht. Noch grer ist das Jaulen, wenn er eine weie Gans eigentlich beschtzen sollte. Diese berlegungen zeigen doch deutlich, dass die Warnung in der Regel gerechtfertigt ist.

Das Spiel ist professionell produziert und lsst nur einen Wunsch offen: Angesichts des Preises wre anstelle einer Kopiervorlage fr die Wertung ein Wertungstableau oder zumindest ein Block angemessen gewesen. Die schne Bauernhofgrafik und die hbschen Fchse relativieren immerhin ein wenig den Kaufpreis. Sicherlich ist zu bercksichtigen, dass nur etwa 500 Exemplare im Kleinstverlag hergestellt wurden. Die Aufmachung entspricht aber der eines Spiels mit fnfstelliger Auflage im Grtverlag.

Wichtiger ist jedoch das Spielgefhl. Und das bewegt sich auf hohem, wenn nicht sogar hchstem Niveau. Die Jagd der Fchse ist ausgesprochen realistisch simuliert. Da sprengt ein Leisetreter in ein Hhnernest und schon laufen alle Vgel gackernd davon, um sich kurz darauf wieder niederzulassen. Whrend das Fressen und berleben lassen durchaus strategisch geplant sein will, muss man sich whrend eines Zuges doch stndig taktisch auf neue Situationen einstellen. Denn die Beute verhlt sich gerne ausgesprochen unvorhersehbar. Die dadurch entstehenden Grbelphasen sind aber selbst bei vier Personen meist zu verkraften. Jedoch sollte man sich schon auf 90 Minuten Spieldauer einstellen. Auch mit weniger als vier Fchsen funktioniert das Spiel wunderbar, wobei besonders zu zweit die taktischen Scharmtzel noch ausgeprgter sind. Gleichstarke Spieler vorausgesetzt, verlaufen die Spiele von der zweiten bis zur letzten Runde sehr spannend. Nur der erste Zug, bei dem sich die Fchse erstmal anschleichen, verluft etwas beliebig, das kann aber getrost als Spielvorbereitung verbucht werden.

Die Regel ist nach der ersten Bewegung leicht verstndlich und auch die Wertung macht ab der zweiten Partie keine Probleme mehr. Dabei sind die einzelnen Komponenten fein aufeinander abgestimmt. So sollte man beispielsweise versuchen, immer eine Karte mit hoher Startnummer zurckzuhalten. Dann kann man in einer brenzligen Situation schnell einen schtzenswerten, gefhrdeten Truthahn aus der Fresslinie zu bringen. Niedrige Karten werden vor allem gebraucht, wenn sich Fchse behindern oder denselben Fuchsbau anstreben. Ein gewisser Glcksanteil verbleibt natrlich. Da kann man beim Kartennachziehen Pech haben. Auch eine Verschwrung der anderen Fchse kann einen zurckwerfen. Das passiert gerne dann, wenn sich zeigt, dass z. B. alle Spieler schwarze Enten schtzen, nur man selbst das Leben eines weien Huhns besonders schtzt. Doch selbst in solchen Situationen zeigt sich der geschickte Jger, indem er sich beispielsweise auf Schwarz spezialisiert.

Insgesamt kann das Spiel deshalb allen taktischen Strategen empfohlen werden, die sich thematisch auch mal etwas anderes gnnen mgen. Ich freue mich immer ber Spiele, die nicht den allgemeinen Erwartungen folgen und Fowl Play ist im bertragenen Sinne ein spielerischer Wolf im Schafspelz.

Rezension Peter Nos

Anmerkung: Zur besseren Lesbarkeit der Texte verwenden wir hufig das generische Maskulinum, welches sich zugleich auf weibliche, mnnliche und andere Geschlechteridentitten bezieht.

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H@LL9000-Bewertungen

H@LL9000 Wertung Fowl Play: 4,5 4,5, 4 Bewertung(en)

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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 10.02.07 von Peter Nos
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 06.11.06 von Kathrin Nos
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 05.12.06 von Roland Winner - Das Wertungssystem ist sehr komplex, es sollte aber mit wachsender Erfahrung in diesem Spiel fr Vielspieler kein Hindernis darstellen. Anfangs meint man, berhaupt keine bersicht ber seinen Stand im Spiel erreichen zu knnen. brigens ist die Regel ausfhrlich und sehr gut illustriert.
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 23.03.07 von Frank Gartner

Leserbewertungen

Leserwertung Fowl Play: 4,0 4.0, 6 Bewertung(en)

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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 23.03.07 von TRH - Selten so ein langweiliges Spiel gespielt. Da gibt es wirklich besseres von Richard Breese...
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 23.03.07 von kai-uwe kramp - Tolles Wertungssystem!
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 25.03.07 von Braz - Schnes Spiel. Das Wertungssytem muss jedoch erst noch "erarbeitet" werden, um mglichst interessante Spiele innerhlab der Gruppe zu bekommen. mE sehr zu unrecht gescholten...nettes Spiel, jedoch mE nichts fr Gelegenheitsspieler -> dafr ist das Wertungssystem zu komplex
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 26.03.07 von Carsten Kramp - Wenn man die Wertung im Kopf hat, sehr schnes Spiel auch fr 2 Spieler .Kommt immer wieder auf den Tisch .
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 29.03.07 von Richard van VUgt - Ich schliee mich der Meinung an, da Richard Breese schon bessere Spiele gemacht hat.
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 15.06.20 von Klaus Seitz - Vollkommen korrekt, Richard Breese hat gewichtigere Spiele entwickelt, aber Fowl Play gehrt fr mich zu den etwas bersehenen Perlen. Die Wertung ist nicht soo kompliziert, fllt nur im Vergleich zum sonst recht simplen Gameplay auf. Schnes Material und taktischer Tiefgang bei einfachen Regeln.

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