Rezension/Kritik - Online seit 13.04.2020. Dieser Artikel wurde 1791 mal aufgerufen.

Ishtar: Die Gärten von Babylon

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Autor: Bruno Cathala
Evan Singh
Illustration: Biboun
Verlag: Hutter Trade GmbH + Co KG
IELLO
Rezension: Franky Bayer
Spieler: 2 - 4
Dauer: 45 Minuten
Alter: ab 14 Jahren
Jahr: 2019
Bewertung: 4,8 4,8 H@LL9000
4,0 4,0 Leser
Ranking: Platz 1569
Download: Kurzspielregel [PDF]
Ishtar: Die Gärten von Babylon

Spielziel

"Vor langer Zeit begab es sich in einer sternenlosen Nacht, dass der Gärtner der Königin inmitten der Wüste blablabla, blablabla, blablabla. Wen interessiert denn schon eine doofe Spielgeschichte, wo sie doch ohnehin frei erfunden und ohne irgendeinen realistischen Hintergrund ist? Das einzig Wichtige ist, dass wir im Spiel Ishtar im Laufe von knapp einer Stunde den vor uns liegenden, noch ziemlich öde ausschauenden Spielplan in blühende Gärten mit Blumenbeeten und Bäumen verwandeln. Wer dies am besten bewerkstelligt bzw. sich dabei die punkteträchtigsten Parzellen sichert, wird zum neuen Gärtner des Königs befördert. Was uns eigentlich ziemlich wurscht ist, Hauptsache, wir gewinnen.

Ablauf

Die Wüste wird zu Beginn aus großen sechseckigen Geländeplänen aufgebaut, und zwar 2 Pläne mehr als Spieler teilnehmen. Danach werden auf die entsprechend gekennzeichneten Felder Brunnen und Juwelen platziert. Die Blumenbeete und Gärten wiederum finden sich auf Pflanzenplättchen, welche sich jeweils über 3 Felder erstrecken. Sie werden nach ihren unterschiedlichen Formen sortiert, getrennt gemischt und anschließend gleichmäßig auf die Felder des Vorratsteppichs verteilt. Schließlich erhält jeder Spieler noch ein eigenes Tableau, das vor allem Felder zeigt, mit deren Freischaltung er seine Fähigkeiten als Gärtner verbessern kann. Nachdem jeder Spieler noch 2 Helferfiguren und einen violetten Juwel bekommen hat, kann das Spiel losgehen.

Wer an der Reihe ist, führt folgende Aktionen nacheinander aus:

1. Er wählt ein Pflanzenplättchen vom Vorratsteppich. Dazu bewegt er die Gießkannen-Figur im Uhrzeigersinn zum nächsten besetzten Feld und nimmt sich das oberste Plättchen. Gegen Abgabe von je 1 Juwel kann er die Gießkanne noch weitere Felder ziehen.

2. Er legt das Pflanzenplättchen auf dem Wüstenplan aus. Aneinander grenzende Plättchen bilden dabei einen Garten, aneinander grenzende Blumenfelder wiederum ein Beet. Es gilt aber zu beachten, dass ein Garten nur an einen einzigen Brunnen angeschlossen sein darf.

3. Er sammelt Juwelen ein, indem er alle Juwelen von Feldern, die er gerade überdeckt hat, in seinen Vorrat nimmt.

4. Trägt das gerade gelegte Pflanzenplättchen ein Helfersymbol, darf er sofort einen seiner Helfer auf das Blumenbeet stellen, wodurch er es in Besitz nimmt. Allerdings gibt es auch hier eine Einschränkung: Auf jedem Blumenbeet darf bloß 1 Helferfigur stehen. Ist auf dem Pflanzenplättchen hingegen ein Fähigkeitssymbol abgebildet, darf er 2 beliebige Juwelen aus seinem Vorrat auf eine verfügbare Fähigkeit seines Tableaus legen und damit die entsprechende Fähigkeit freischalten. Ein "Joker"-Symbol kann entweder als Helfer- oder als Fähigkeitssymbol genutzt werden.

5. Er darf einen Baum pflanzen, indem er eine ausliegende Baumkarte wählt, die darauf geforderten Juwelen abgibt und eine Baumfigur auf ein freies Rasenfeld seiner Wahl stellt. Diesen Schritt kann er beliebig oft machen, sofern er die Kosten dafür bezahlen kann.

Das Spiel endet nach jener Runde, in der auf zwei Feldern des Vorratsteppichs keine Pflanzenplättchen mehr liegen. Bei der Schlusswertung erhält jeder Spieler Punkte für seine Blumenbeete (1 Punkt pro Blüte), für seine gepflanzten Bäume (laut Baumkarte), für die Brunnen in seinem Besitz - also solche, bei denen er die Mehrheit an angeschlossenen Blumenfeldern vorweisen kann (je nach Farbe des Brunnens 4, 6 oder 8 Punkte) - sowie für freigeschaltete Fähigkeiten. Natürlich gewinnt der Spieler mit den meisten Punkten, der alsdann seinen Job als neuer Hofgärtner antreten kann/darf/muss.

Fazit

Ishtar ist in erster Linie ein Legespiel, bei dem alle Spieler Plättchen auf einen gemeinsamen Spielplan legen. Dies stellt sich aber beileibe nicht als so banal heraus, wie es sich vielleicht anhört. Das liegt einerseits an den raffinierten Legeregeln, welche dafür sorgen, dass die Zuordnung der Gärten zu Brunnen sowie die Besitzverhältnisse der Blumenbeete eindeutig und unmissverständlich sind. Besonders die "Abstandsregel" von Gärten und die damit verbundenen Zwänge beim Legen können taktisch geschickt genutzt werden, was mich ein wenig an das gute alte Acquire erinnert.

Neben diesen rein technischen Details gibt es andererseits aber noch welche, die sich auf die Spieler und deren Taktik auswirken. So braucht es unbedingt Helfer-Figuren, um mit den Gärten punkten zu können, weshalb man bei der Wahl seines Pflanzenplättchen auf die entsprechenden Symbole achten sollte. Die Anzahl der Blüten in den Beeten bringt für deren Besitzer am Spielende direkte Punkte. Für einen angeschlossenen Brunnen Punkte zu erhalten, ist hingegen schon etwas schwieriger, denn dafür braucht man eine Mehrheit an Blumenfeldern, sprich: "area control".

Zusätzlich zu diesen bereits von etlichen Legespielen bekannten Mechanismen treffen wir in Ishtar aber noch auf einen weiteren interessanten Aspekt: die Juwelen. Sie werden ja durch das Überdecken bestimmter Felder des Spielplans (die Felsen in der Wüste) aufgelesen und können auf unterschiedliche Weise verwendet werden. So erhöhen sie schon mal praktischerweise die Flexibilität bei der Wahl eines Pflanzenplättchens, da die Gießkanne bei Bedarf für jedes abgegebene Juwel 1 Feld weitergezogen werden darf.

Auch für die Bäume sind Juwelen erforderlich. Auf jeden Baumkarte ist genau angegeben, welche und wie viele Klunker zum Pflanzen dieses Baumes notwendig sind. Je nach Anzahl und Farbe der Juwelen bringen Bäume dem erfolgreichen Gärtner zwischen 3 und 17 Punkte ein.

Die letzte Verwendungsmöglichkeit für die Edelsteine bieten die Spielertableaus, wofür allerdings ein Fähigkeitssymbol (bzw. das Jokersymbol) auf dem gewählten Pflanzenplättchen vonnöten ist. Mit 2 beliebigen Juwelen kann man eine Fähigkeit freischalten. 10 unterschiedliche Fähigkeiten - 2 in jeder der 5 Spalten - gibt es. Die unteren bringen sofortige Vorteile, wie bestimmte Blütenplättchen oder neue Helferfiguren. Die oberen Fähigkeiten - sie dürfen erst dann belegt werden, wenn die darunter liegende Fähigkeit bereits aktiviert wurde - bringen hingegen Extrapunkte am Spielende, beispielsweise für an eigene Blumenbeete angrenzende Bäume, ungenutzte Juwelen oder nicht eingesetzte Helferfiguren. Damit kommt auch eine gewisse strategische Komponente ins Spiel, auf die man seine Vorgehensweise etwas ausrichten kann.

Taktisch am besten ist es natürlich, wenn man beides - Legespiel und Fähigkeiten - gut miteinander kombinieren kann. Es steckt somit mehr in Ishtar, als es auf den ersten Blick den Anschein hat. Es gilt, alle Elemente zu berücksichtigen, will man am Ende erfolgreichster Gärtner werden. Ein Problem dürfte es sein, die richtige Zielgruppe für das Spiel anzusprechen, denn Gelegenheitsspieler, die ein simples Legespiel erwarten, werden von den zusätzlichen Regeln wahrscheinlich überfordert werden. Sie sollten Ishtar aber auf jeden Fall eine zweite Chance geben, denn mir gefällt diese gelungene Verknüpfung mehrerer Spielelemente recht gut.

Das Spielmaterial verdient noch eine löbliche Erwähnung. Stabile Kartonteile, Figuren und Bäume aus Holz, bunte Glassteine als Juwelen, dreidimensionale Brunnen, Karten, und all dies findet seinen Platz in einem praktischen Schachtel-Inlay. Die Grafik von Illustrator Biboun finde ich ausgesprochen schön und großartig. Diese attraktive Optik trägt wesentlich dazu bei, dass ich jederzeit gerne für eine Partie Ishtar bereit bin, um mich mit anderen Möchtegern-Gärtnern in der babylonischen Wüste zu messen.

Rezension Franky Bayer

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H@LL9000-Bewertungen

H@LL9000 Wertung Ishtar: Die Gärten von Babylon: 4,8 4,8, 4 Bewertung(en)

Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz Kommentar
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 02.02.20 von Franky Bayer - Gelungene Kombination aus Lege- und Mehrheitenspiel, bei dem eingesammelte Juwelen auf unterschiedliche Weise eingesetz werden können, was für mehrere taktische Möglichkeiten sorgt. Spielreiz für mich eine knappe 5.
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz Kommentar
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 15.03.20 von Roland Winner - Tolle Aufmachung. Und es gibt durchaus knifflige Entscheidungen zu treffen, ohne in Komplexität auszuufern.
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz Kommentar
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 02.04.20 von Michael Fuchs - Besser, als vermutet. Lege Plättchen um Deine Ziele zu erreichen, aber auch gleichzeitig mehrere Edelsteine zu erhalten. Edelsteine, die auf dem Spielbrett liegen und von einem Plättchen abgedeckt werden, erhält der Spieler. Damit können Bäume und Sonderaktionen erkauft werden. Mit einer sehr schönen Ausstattung bietet sich ein anspruchsvolles Spiel mit gutem Wiederspielreiz. Auch für zwei Spieler sehr gut spielbar.
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz Kommentar
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 13.04.20 von Sandra Lemberger

Leserbewertungen

Leserwertung Ishtar: Die Gärten von Babylon: 4,0 4.0, 1 Bewertung(en)

Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz Kommentar
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 24.04.20 von Kichererbse - Ishtar hat uns nicht begeistert. Es ist okay. Warum? Das Spiel will zu viel: zu viele schräge Möglichkeiten Punkte zu generieren, der Auswahlmechanismus der Plättchen ist seltsam und bringt keine Spannung, zu viele verschiedene schöne Materialien, deren Sinn nicht stimmig ist, z.B. Juwelen im Sand. Ishtar stirbt in Schönheit.

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