Rezension/Kritik - Online seit 26.12.2021. Dieser Artikel wurde 1579 mal aufgerufen.

Kingsbridge: Das Spiel

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Autor: Wolfgang Kramer
Verlag: KOSMOS
Rezension: Franky Bayer
Spieler: 1 - 6
Dauer: 20 Minuten
Alter: ab 8 Jahren
Jahr: 2021
Bewertung: 3,0 3,0 H@LL9000
2,3 2,3 Leser
Ranking: Platz 5713
Kingsbridge: Das Spiel

Spielziel

Ach, was habe ich mich penibel vorbereitet für diese Rezension. Habe mir den Roman "The Evening and the Morning" auf meinem e-Reader hochgeladen, in jeder freien Minute Kapitel für Kapitel des Prequels von Ken Folletts Bestseller "Die Säulen der Erde" verschlungen. Alles, um dem werten Leser ausreichend Hintergrundinformationen über die Geschehnisse um Dreng's Ferry und die Erlebnisse der Protagonisten Edgar, Ragna, Wilwulf, Wynstan, Aldred, usw. weitergeben zu können.

Doch dies alles war nahezu vergebens, denn im Gegensatz zu den Spielen über die anderen Romane dieser Reihe gibt es im Spiel Kingsbridge fast keinen Bezug zur literarischen Vorlage. Wir müssen lediglich versuchen, unsere Handkarten so gut wie möglich in die ausliegenden Kartenreihen unterzubringen.

Ablauf

Es handelt sich also um ein gewöhnliches Kartenspiel. Wie in einem Rommé-Blatt kommen die Werte von 1 bis 13 je achtmal vor, allerdings ohne irgendwelche Farben. Anfangs werden 6 Reihenfolge-Karten in die Tischmitte gelegt und diesen vom gut gemischten Stapel der Story-Karten zufällig je 1 Karte zugeteilt. Die restlichen Karten werden gleichmäßig unter uns Spielern verteilt, sodass sie unseren persönlichen Nachziehstapel bilden. Von diesem nehmen wir dann 6 Karten auf die Hand.

Unser Spielzug besteht darin, Karten aus unserer Hand in die Reihen abzulegen, wobei jede gelegte Karte genau um 1 höher sein muss als die vorherige. Außerdem dürfen wir beliebig Karten umschichten, solange dies nicht der beschriebenen Legeregel (aufsteigend und lückenlos) widerspricht. Sobald in einer Reihe alle Karten von 1 bis 13 liegen, ist die Reihe vollendet, und diese Karten wandern auf den Ablagestapel. Jede leere Reihe - sei es durch Umsortieren oder durch Vollenden - kann mit einer beliebigen Karte begonnen werden.

Auf diese Weise versuchen wir, so viele Handkarten loszuwerden wie möglich. Alternativ können wir aber auch - statt Handkarten anzulegen - beliebig viele Handkarten unter unseren eigenen Nachziehstapel legen. Abschließend ziehen wir wieder so viele Karten vom Nachziehstapel, bis wir wieder 6 Karten auf den Hand halten, und der nächste Spieler ist an der Reihe.

Wenn es uns auf diese Weise gelingt, zuerst all unsere Karten loszuwerden, gewinnen wir die Partie.

Fazit

Ich kann den Protest des Lesers förmlich hören: "Das war schon alles?!"
Ja, tatsächlich, das sind bereits alle Regeln für das Grundspiel. Im Prinzip spielen wir also eine Patience im Mehrspielermodus. Wie bei dieser beliebten Solitärbeschäftigung müssen wir lediglich Karten passend anlegen.

Naturgemäß ist der Glücksfaktor recht hoch. Wer öfter geeignete Karten vorfindet, wird seine Karten automatisch los, sein Kartenstapel schrumpft schneller, während andere eventuell die suboptimale Alternative des Kartentauschens in Anspruch nehmen müssen, weil sie in ihrem Zug keine Karte ablegen können. Sicher, es gibt ein paar kleine Tricks und Raffinessen, um seine Chancen zu erhöhen, und man sollte wachsam den Überblick über alle Möglichkeiten bewahren, um nichts auszulassen. Der taktische Anspruch bleibt dennoch gering.

Dafür bleibt jede Partie meist bis zum Schluss spannend. Start-Ziel-Siege sind sehr selten. Selbst wenn man nur mehr wenige Karten hat, während die Mitspieler noch dicke Nachziehstapel besitzen, passiert es durch die nunmehr reduzierten Möglichkeiten häufig, dass die Mitspieler noch näher rücken und einen manchmal sogar noch auf der Zielgerade überholen.

Kingsbridge bietet aber noch eine Variante, hier "volles Spiel" genannt. Dabei kommen 10 Personenkarten zum Einsatz. Diese stellen bekannte Charaktere aus dem Roman dar, wie der eingangs erwähnte Wilwulf, seines Zeichens Aldermann von Shiring, der geschickte Handwerker Edgar, die französische Fürstentochter Ragna aus Cherbourg oder der machthungrige Bischof Wynstan.

Die Personenkarten werden anfangs ebenfalls gemischt und gleichmäßig verteilt, allerdings bilden sie dann einen offenen persönlichen Stapel. Während des eigenen Zugs kann man die Spezialfähigkeit seiner obersten Karte nutzen, welche daraufhin an den linken Nachbarn weitergereicht wird. Das Spiel erfährt dadurch zwar mehr Abwechslung, wird sogar etwas flotter, weil sie ja neue Möglichkeiten bieten, viel taktischer wird's aber nicht.

Und auch eine Solo-Variante wird angeboten, bei der es gilt, alle 104 Story-Karten in den Reihen anzulegen. Dabei darf in jedem Zug eine von drei ausliegenden Personenkarten genutzt werden. Gelingt es dennoch nicht, mindestens 1 Handkarte anzulegen, muss 1 Handkarte auf den Minusstapel gelegt werden. Am Ende zählt jede Karte auf dem Minusstapel 5 Minuspunkte, während nicht genutzte Personenkarten (je 1) und leere Kartenreihen (je 2) Pluspunkte bringen. Um zu gewinnen braucht man am Schluss mindestens 1 Punkt. Beim ersten Versuch habe ich ohne Probleme die Maximalpunktezahl (22 Punkte) erzielt, was mich etwas perplex zurückließ, in Folge bin ich aber auch ab und an gescheitert.

Abschließend noch mal zurück zum Thema des Spiels. Die Story-Karten sind einfach 13 Schlüsselereignisse des Romans, welche in chronologischer Reihenfolge die Werte von 1 bis 13 schmücken, beginnend vom Überfall der Stadt Combe durch die Wikinger (1) bis zum Beginn des Baus der Kathedrale durch Edgar (13). Ein sehr dürftiger thematischer Bezug, daran ändern auch die Personenkarten mit den Hauptcharakteren nicht viel. Hinsichtlich der Rezension hätte ich mir das Schmökern also ersparen können. Da der Roman aber recht gut ist, habe ich es nicht bereut. Das Spiel selbst ist aber - im Gegensatz zu den ausgezeichneten Vorgängern - für Vielspieler kaum geeignet. Es richtet sich eher an den gelegentlichen Spieler, der dann aber dank der einfachen Mechanismen schnell Gefallen finden kann.

Rezension Franky Bayer

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H@LL9000-Bewertungen

H@LL9000 Wertung Kingsbridge: Das Spiel: 3,0 3,0, 1 Bewertung(en)

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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 07.11.21 von Franky Bayer - Für Vielspieler enttäuschend, entpuppt es sich doch als einfache Mehrpersonen-Patience mit wenig thematischen Bezug. Gelegenheitsspieler finden allerdings Gefallen dran.

Leserbewertungen

Leserwertung Kingsbridge: Das Spiel: 2,3 2.3, 4 Bewertung(en)

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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 17.10.21 von Hans Huehnchen - Kingsbridge zielt auf Gelegenheitsspieler und bietet einfache Regeln und ein schnelles Spiel - leider aber keinen Spaß, keine Spannung und keinen Spielwitz. Statt Statdtbau im Kartenformat bekommt man mit Kingsbridge eine Skip-Bo- Variation ohne echten Pfiff, auch nicht durch die Funktionen der Charakterkarten. Das Thema wird ausschließlich über Menzels hübsche Illustrationen transportiert, mechanisch findet sich das Thema überhaupt nicht wieder.
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 27.12.21 von edru - Sicher kein Vielspielerspiel, aber Generationen übergreifend macht es dennoch Spaß. Von Michael Menzel wieder perfekt illustriert.
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 09.01.22 von Essaouira - Ken Follet und Michael Menzel - man wird dem Duo so langsam überdrüssig. Schade nur, dass Wolfgang Kramer sich für so etwas hergibt - pecunia non olet? Das mit Abstand überflüssigste Spiel aus dieser Reihe... da lese ich doch mal wieder ein Buch, oder spiele etwas anderes.
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 01.03.22 von Ernst-Jürgen Ridder - Das Beste, das man von diesem Spiel sagen kann: Michael Menzel hat seine malerische Arbeit gut gemacht. Das Zweitbeste: Es funktioniert, aber es hat mit dem Niveau der anderen Spiele um Kingsbridge nicht annähernd etwas zu tun. Fazit: Eine der langweiligsten Patiencen, die mir im Laufe eines langen Spielerlebens begegnet sind. Selbst Gelegenheits- und Seltenspieler sollten mit einem ganz normalen Kartenspiel etwas Interessanteres spielen können. 1 Punkt nur deshalb nicht, weil es immerhin ein funktionierendes Spiel ist.

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