Rezension/Kritik - Online seit 03.08.2014. Dieser Artikel wurde 4119 mal aufgerufen.

Lemminge

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Autor: Sebastian Bleasdale
Illustration: Loïc Billiau
Verlag: AMIGO
Rezension: Franky Bayer
Spieler: 2 - 5
Dauer: 30 Minuten
Alter: ab 8 Jahren
Jahr: 2014
Bewertung: 3,5 3,5 H@LL9000
5,0 5,0 Leser
Ranking: Platz 3020
Lemminge

Spielziel

Die Echten Lemminge (Lemmus), welche die arktischen Tundren bewohnen, sind global gesehen eine eher unbedeutende Gattung aus der Familie der Wühler, Unterfamilie Wühlmäuse. Warum sie trotzdem verhältnismäßig häufig in Filmen, Büchern, Comics, Computer- und Brettspielen auftauchen, liegt an einem nach wie vor weit verbreiteten Mythos. Die Lemminge sind nämllich für die massenhaften Wanderungen bekannt, die sie aufgrund des periodisch auftretenden Populationsdrucks unternehmen. Diese Wanderungen und die ebenfalls beobachteten heftigen Schwankungen in der Populationsdichte führten in Skandinavien zu einer Theorie des "Massenselbstmords".

Suizid ist nun nicht unbedingt ein kindgerechtes Thema für ein Familienspiel. Darum stürzen sich die kleinen Nager im neuen Amigo-Spiel Lemminge auch nicht von den Klippen in den sicheren Tod, sondern nehmen den beschwerlichen Weg bloß auf sich, um eine stilvolle Arschbombe von den Klippen ins kühle Nass machen zu können. Platsch!

Ablauf

Es gibt einen eingezäunten Startbereich, in dem die Lemminge - je zwei pro Spieler - Aufstellung nehmen, sowie ein klar definiertes Ziel: die Klippe. Der Weg dorthin führt durch sechs verschiedene Geländetypen, die ungleichmäßig auf dem Spielplan verteilt sind. Während die Wiesen, welche den Großteil der Sechseckfelder ausmachen, für die Lemminge leicht zu durchqueren sind, stellen die anderen Geländetypen (Wald, Sumpf, Wüste, Gebirge und Wasser) schwieriger zu überwindende Hindernisse dar.

Es handelt sich also um ein Rennspiel mit der Aufgabe, seine zwei Lemminge zuerst über die Ziellinie zu bringen. Die Bewegung der Lemminge geschieht dabei mit Geländekarten. Für jeden Geländetyp gibt es Karten in den Werten von 0 bis 4. Zu Spielbeginn wird für jeden Geländetyp je eine Karte mit dem Wert 2 offen ausgelegt. Diese Karten stellen den Beginn der einzelnen Geländestapel dar. Die restlichen Karten werden gut gemischt. Der letzte Spieler in der Zugreihenfolge bekommt sechs Karten. Jeder Spieler, der früher an die Reihe kommt, erhält jeweils eine Karte weniger.

Wer am Zug ist, hat prinzipiell die Wahl zwischen zwei Aktionen. Er darf entweder seine Kartenhand auffüllen, indem er zuerst beliebig viele seiner Handkarten abwirft und anschließend so viele Karten vom Stapel zieht, bis er sechs Stück auf der Hand hält. Oder er kann einen Lemming bewegen. Hierzu spielt er eine seiner Geländekarten aus und vergleicht die Karte mit dem Wert der obersten Karte des passenden Geländestapels. Ist der Wert der ausgespielten Karte kleiner oder gleich, legt er sie oben leicht versetzt auf den Stapel und darf anschließend einen seiner Lemminge um höchstens so viele Felder ziehen, die der Summe aller Karten dieses Geländestapels entspricht.

Ist der Wert der Karte jedoch größer als die oberste Karte des Geländestapels, wandert der gesamte Stapel auf den Ablagestapel. Die ausgespielte Karte bildet den Beginn eines neuen Geländestapels, weshalb die maximale Zugweite sich dementsprechend verringert. In beiden Fällen dürfen Lemminge jedenfalls nur auf Wiesenfelder oder Felder des ausgespielten Geländetyps gezogen werden. Wer es - allen Widrigkeiten zum Trotz - schafft, zuerst mit seinen beiden Lemmingen das Ziel zu erreichen, gewinnt das Spiel.

Fazit

Dieser Bewegungsmechanismus ist erfrischend einfach und doch nicht ohne Reiz. Er bewirkt, dass - anders als bei normalen kartengesteuerten Laufspielen - nicht Karten mit hohen Werten begehrt sind, sondern eher die niedrigeren. Wenn ein Geländestapel bereits aus vielen Karten besteht, kann man gerade mit einer gut getimten "0" einen riesigen Satz nach vorne machen. 12 oder mehr Schritte sind dann keine Seltenheit, und das wäre bereits die Hälfte der kürzest möglichen Strecke.

Die Berge, Sümpfe, Wälder, Wüsten und Seen machen zwar nur einen Bruchteil aller Streckenfelder aus (zusammen ziemlich genau 40 %), dennoch können diese Geländetypen unüberwindliche Hindernisse darstellen, wenn man keine passende Geländekarte besitzt. Diesbezüglich können sich die Bonusplättchen als sehr hilfreich erweisen. Ist die ausgespielte Geländekarte höher als die oberste Karte des Geländestapels, erhält der Spieler zum Ausgleich ein Bonusplättchen des gleichen Geländetyps, welches er sofort auf ein beliebiges Feld des Spielplans legt. So lässt sich für eigene blockierte Lemminge auf elegante Weise der Weg frei räumen. Man kann damit aber auch die vorgepreschten Lemminge der Mitspieler wirksam einbremsen.

Aber auch die Lemminge selbst stellen Hindernisse dar. Man kann nämlich seine Figur nicht so einfach über besetzte Felder hinweg ziehen, sehr wohl aber einen anderen Lemming in Zugrichtung geradeaus weiterschieben. Das kostet zwar einen zusätzlichen Bewegungspunkt pro Feld, dafür ist dann nicht nur der Weg frei, sondern im günstigsten Falll auch die andere Figur irgendwo in der Klemme, zum Beispiel mitten im See.

Der Kartennachschub nimmt ja einen ganzen Spielzug in Anspruch. Es wäre demnach sinnvoll, erst dann seine Kartenhand aufzufüllen, wenn man gar keine Karten mehr auf der Hand hält. Leider funktniert dies in der Praxis oft nicht, weil man dann oft keine vernünfitgen Optionen mehr hat. Es gilt daher sorgfältig abzuwägen, wann der beste Zeitpunkt für den Nachschub ist, wobei sich bietende Gelegenheiten selbstverständlich berücksichtigt werden wollen.

Natürlich spielt das Kartenglück auch eine gewisse Rolle, dem Spieler bleiben aber trotzdem genug Einfluss- oder Auswahlmöglichkeiten. Insgesamt ist Lemminge somit ein angenehmes, leicht zu erlernendes und flott zu spielendes Spiel, das für die ganze Familie geeignet ist. Sofern es sich um harmlose Sprünge ohne Suizidgefährdung handelt ...

Rezension Franky Bayer

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H@LL9000-Bewertungen

H@LL9000 Wertung Lemminge: 3,5 3,5, 2 Bewertung(en)

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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 12.05.14 von Franky Bayer - Nettes Laufspiel mit interessantem Kartenmechanismus.
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz Kommentar
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 28.07.14 von Tommy Braun - Eigentlich ganz lustig, aber manchmal gibt es doch zu extrem gute oder schlechte Kartenhände, das kann frustrieren.

Leserbewertungen

Leserwertung Lemminge: 5,0 5.0, 2 Bewertung(en)

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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 24.11.17 von Tim - Endlich mal wieder ein Rennspiel mit feinen Neuheiten! Macht immer wieder Spaß, allerdings muss man ein bisschen Frustrationstoleranz mitbringen, da das Kartenglück erheblichen Einfluss hat. In den meisten Runden hat man jedoch genügend Einflussmöglichkeiten.
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz Kommentar
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 01.09.20 von Skacom - Tolles Spiel für zwischendurch - macht allen viel Spaß - und seit es auf Yucata läuft spielen wir es auch am Tisch wieder öfter...

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