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Saustall - Kommissar Kluftingers schwerster Fall

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Autor: Michael Rieneck
Verlag: HUCH!
Rezension: Franky Bayer
Spieler: 3 - 4
Dauer: 45 - 60 Minuten
Alter: ab 10 Jahren
Jahr: 2010
Bewertung: 2,7 2,7 H@LL9000
4,0 4,0 Leser
Ranking: Platz 5186
Saustall - Kommissar Kluftingers schwerster Fall

Spielziel

Das Allgäu. Eine ruhige Landschaft im Süden Bayerns. Bauernhöfe, Kühe, Berge, saftige Wiesen, eine richtige Idylle.

Doch die ländliche Stille des Alpenvorlands trügt. Denn in einem Saustall wird der leblose Körper des Tierarztes Hermann Aigner gefunden, begraben unter einem riesigen Käselaib. Und da die Polizei - wie es so schön heißt - die Möglichkeit eines Verbrechens nicht ausschließt, muss wieder einmal Kult-Kommissar Kluftinger die Ermittlungen aufnehmen, um herauszufinden, wer wohl der Täter gewesen sein könnte. Und ihr Spieler dürft ihm dabei als Detektive tatkräftig zur Seite stehen.

Ablauf

Wo ein Mord, oder sagen wir besser: ein unerklärlicher Todesfall passiert, gibt es schnell ein paar Verdächtige, also Personen, die auf irgendeine Weise davon profitieren, dass das Opfer das Zeitliche gesegnet hat. So auch hier. Gleich acht verdächtige Personen haben sich gefunden. Ganz paritätisch aufgeteilt in vier Männer und vier Frauen. Vom Bürgermeister Alois Argenzeller bis zur Gastwirtin Rosi Reichler. Am Tatort sind auch ein paar Beweisstücke gefunden worden, die eindeutig bestimmten Verdächtigen zuzuordnen sind, wie zum Beispiel der Rosenkranz des Pfarrers Joseph Junginger oder das Feuerzeug der Putzfrau Marianne Münzmayer. Allerdings sind die gefundenen Gegenstände sofort ins Labor gebracht worden, so dass ihr Detektive noch nicht wisst, um welche Beweisstücke es sich tatsächlich handelt.

Bevor ihr nun aber mit den richtigen Ermittlungen anfangt, gebt ihr einen Anfangsverdacht ab. Dazu verfügt ihr über einen Satz von 15 Verdachtsplättchen, die entweder einen bestimmten Verdächtigen, eines von vier möglichen Tatmotiven oder lediglich das Geschlecht des Täters betreffen. Drei beliebige dieser Plättchen legt ihr als "Anfangsverdacht" verdeckt vor euch ab, die restlichen Plättchen legt ihr auf eure Ablagebank. Im Grunde genommen ist es zu diesem frühen Zeitpunkt der Ermittlungen eine reine Mutmaßung. Als einzige Information gilt euch das eine Beweisstück, welches ihr anfangs geheim zugeteilt bekommt, es schließt die entsprechende Person als Täter hundertprozentig aus.

Ermittlungen führen heißt, die Verdächtigen nach ihren Alibis befragen, die Alibis überprüfen, indem man Erkundigungen an den als Alibi angegebenen Orten einholt, und die Bevölkerung nach möglichen Tatmotiven ausfragen. Im Spiel passiert dies durch Ermittlunskarten. Von den insgesamt 36 Stück haltet ihr drei auf der Hand. Wenn ihr an der Reihe seid, spielt ihr eine Karte aus und zieht eine neue vom Stapel nach. Je nach Art der ausgespielten Ermittlungskarte ergibt dies eine neue Information zum Fall.

So erhält jeder Verdächtige im Laufe der Partie durch eine "Motiv"-Karte eines der vier möglichen Tatmotive (Neid, Eifersucht, Rache, Habgier) zugeteilt. Durch eine "Alibi"-Karte gibt ein beliebiger Verdächtiger an, zur Tatzeit am auf der Karte angeführten Ort (Landgasthof, Sommerrodelbahn, Freibad, Golfplatz, Bordell, Freilichtbühne, Schützenverein oder Seilbahn) gewesen zu sein. Am interessantesten sind die Karten "Zeuge/Aktion", von denen es für jeden Ort zwei Karten gibt, eine für jedes Geschlecht. Der befragte Zeuge sagt dann aus, ob er sich dort an einen Mann oder eine Frau erinnern kann. Stimmt das Geschlecht mit dem jenes Verdächtigen überein, der sich auf diesen Ort berufen hat, gilt dieses Alibi als bestätigt. Der Verdächtige kommt in diesem Fall als Täter nicht mehr in Frage.

Ist durch eine "Zeuge/Aktion"-Karte einmal festgelegt, ob der Zeuge an einem bestimmten Ort einen Mann oder eine Frau gesehen hat, könnt ihr die zweite Karte dazu verwenden, im Polizeipräsidium Erkundigungen einzuholen, zum Beispiel durch einen Laborbesuch, um eines der am Tatort gefundenen Beweisstücke einzusehen, oder durch eine "Teambesprechung", um sich das Beweisstück eines Mitspielers anzuschauen. Besonderer Bedeutung kommt auch der möglichen Aktion "Büroarbeit" zu, denn nur damit lässt sich eines eurer Anfangsverdachtsplättchen gegen eines von der Ablagebank tauschen, wenn neue Erkenntnisse bestimmte Verdächtige ausschließen oder in eine vollkommen andere Richtung deuten. Die vier Ermittlungskarten "Lodenbacher" - so lautet der Name des zuständigen Polizeidirektionsleiters - erlauben es, euch auf dieselbe Weise Informationen im Poilzeipräsidium zu verschaffen.

Nach jeder Runde wird der Passat, offenbar der Dienstwagen des kultigen Kommissars, auf der als Zeitleiste dienenden Straße um ein Feld weiterbewegt. Anschließend müsst ihr die auf diesem Feld angegebene Zahl an Verdachtsplättchen von eurer Ablagebank ganz aus dem Spiel entfernen. Sobald der Parkplatz, also das letzte Feld erreicht wird, endet das Spiel. Zu diesem Zeitpunkt sind dann alle 36 Ermittlungskarten ausgespielt, so dass jedem Verdächtigen ein Motiv zugeordnet ist, alle 8 Verdächtigen ein Alibi angegeben haben, das dann von Zeugen entweder bestätigt oder widerlegt wurde.

Um den wahren Täter zu finden, wird nun ein Beweisstück nach dem anderen aus dem Labor aufgedeckt. Zu jedem Beweisstück wird überprüft, ob der dazugehörige Verdächtige ein wasserdichtes Alibi vorweisen kann. Der erste Verdächtige, dessen Alibi vom Zeugen nicht bestätigt wurde, ist damit automatisch - und ohne weitere Untersuchung - als Mörder überführt. Im unwahrscheinlichen Fall, dass niemand der Täter sein kann, handelt es sich nicht um Mord, sondern um einen tragischen Unfall.

Mit dem Aufdecken der drei Plättchen des Anfangsverdachts zeigt sich, wer von euch das beste kriminalistische Gespür an den Tag gelegt hat. Habt ihr die Identität des Mörders erraten, ist dies 9 Punkte wert, für das richtige Motiv gibt es immerhin noch 5 Punkte, für das passende Geschlecht nur mehr 3 Punkte. Maximal könnt ihr mit den drei Plättchen also insgesamt 17 Punkte erzielen. Für jedes Fettnäpfchen - eine Art Störaktion der Mitspieler - müsst ihr allerdings noch 2 Minuspunkte in Kauf nehmen. Der Spieler mit den meisten Punkten gewinnt natürlich.

Fazit

Ihr Spieler wisst natürlich sofort, was es bedeutet, wenn ein Krimispiel auf den Spieltisch kommt: Als Hobbydetektive sollt ihr dem Ermittler helfen, den Fall zu lösen. Üblicherweise gibt es da zwei verschiedene Vorgehensweisen: In einigen Spielen, wie etwa in dem weltbekannten Cluedo, werden bestimmte Karten zu Beginn des Spiels beiseite gelegt. Anschließend versucht ihr durch Befragen der Mitspieler, Austauschen von Karten, Aufsuchen von Orten und ähnlichem, Informationen zu sammeln, um schließlich mit Glück und dem beliebten Ausschlussverfahren die relevanten Fakten wie Tatort, Tatwaffe und Täter zu eruieren. Andere Spiele (beispielsweise der Klassiker Tatort Nachtexpress) bieten "echte" Kriminalfälle, bei denen ihr die Aufgabe nur mit Logik, Kombinationsgabe und genauem Bedenken aller Aussagen und Beweise bewältigen könnt.

Saustall gehört allerdings in keine der beiden Kategorien. Vergesst, was ihr bisher über Krimispiele wisst, denn Saustall verwendet keine der gängigen Schemen. Um Saustall zu gewinnen, braucht ihr keine kriminalistische Spürnase zu sein, kein Hercule Poirot, keine Miss Marple, kein Sherlock Holmes. Vielmehr müsst ihr uure Ermittlungskarten geschickt ausspielen, mal ein Alibi bewusst lange zurückhalten, mal den Verdacht gezielt auf eine Person lenken, die ihr unschuldig wisst, etc. Somit ist mehr taktisches Gespür gefragt als Kombinations- und Deduktionsvermögen. Auch ist es wichtig, im richtigen Moment Verdachtsplättchen austauschen zu können, wenn die Plättchen auf der Ablagebank nicht mehr mit dem aktuellen Stand der Ermittlungen übereinstimmen. Für Spannung sorgt die Regelung, dass nach und nach Verdachtsplättchen weggelegt werden müssen. Wenn ihr euch bei einer Sache nicht sicher seid, könnt ihr - unter Berücksichtigung von Wahrscheinlichkeiten - nur spekulieren und hoffen, kein falsches Plättchen entfernt zu haben.

Interessant war, dass in den ersten Partien häufig vom Sieger, ja manchmal sogar von mehreren Spieler, die Höchstpunktezahl erreicht wurde. Das lag daran, dass wir anfangs eher konstruktiv spielten und jeder bestrebt war, einige Verdächtige mit einem lückenlosen Alibi zu entlasten. Mit zunehmender Spielerfahrung wurde dann allerdings versucht, die Mitspieler zu irritieren, indem man mehrere Verdächtige ohne Alibi dastehen ließ. Kommen aber mehrere Personen als Täter in Frage, erhält das Spiel einen gewissen Glücksanteil, da die Beweisstücke ja nacheinander aufgedeckt werden und mitunter der "falsche" Täter verhaftet wird. In unseren Spielerunden hat sich daran aber noch keiner gestoßen.

Was mir bei Saustall aber wirklich gut gefällt, ist die stimmungsvolle Umsetzung der Kriminalromane. Dazu gehören auch die bereits angesprochenen Fettnäpfchen. Kommissar Kluftinger hat nebenbei nämlich auch noch ein Privatleben und daher gewisse Verpflichtungen, wie etwa eine dringende Orchesterprobe, eine versprochene Einladung zum Abendessen oder einen lästigen Wasserrohrbruch zu Hause. Ihr habt zu Beginn je nach Spielerzahl ein oder zwei Verpflichtungsplättchen, die ihr auf einen Mitspieler ausspielen könnt, der gerade am Zug ist. Dieser hat dann die Qual der Wahl, entweder der Verpflichtung nachzukommen und euch die ausgespielte Ermittlungskarte mitsamt der dazugehörigen Aktion zu überlassen, oder die Aktion trotzdem selbst durchzuführen, aber dafür ins Fettnäpfchen zu treten - mit den beschriebenen negativen Folgen. Dieses interaktive Ärgerelement fügt sich ebenso gut ins Spiel ein wie die stimmigen Texte der Zeugenaussagen und Alibis der Verdächtigen. Michael Rieneck ist es gelungen, die Romanfigur Kluftinger und das bayrische Landleben überzeugend und recht atmosphärisch in das Spiel einzubauen. Er wird damit seinem Ruf als Spezialist für Roman-"Verspielungen" erneut gerecht.

Wie ihr also seht, ist Saustall wirklich mit keinem anderen Krimispiel vergleichbar, was die Spielmechanik anbelangt. Eigentlich versucht ihr dabei im Laufe der Partie die Alibis und Zeugenaussagen so einzusetzen, dass sich euer anfangs geäußerter Verdacht möglichst bestätigt. Manipulation der Beweisstücke, Zurückhaltung von Zeugenaussagen und schließlich Verhaftung des erstbesten Verdächtigen, der kein Alibi vorweisen kann: Ich will ja nicht hoffen, dass diese Vorgehensweise etwas mit realer Polizeiarbeit zu tun hat, obwohl man manchmal durchaus diesen Eindruck haben könnte ;-)

Rezension Franky Bayer

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H@LL9000-Bewertungen

H@LL9000 Wertung Saustall - Kommissar Kluftingers schwerster Fall: 2,7 2,7, 7 Bewertung(en)

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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 02.04.11 von Franky Bayer - Der Spielreiz reicht nicht ganz an die gelungene atmosphärische Umsetzung der Kluftinger-Romane heran.
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 20.06.10 von Roland Winner
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 12.07.10 von Tobias Brouwer - Ungewöhnlicher Mechanismus mit mehr Einflussmöglichkeiten, als man auf den ersten Blick erkennen kann.
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 12.07.10 von Stephan Gehres
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 19.07.10 von Michael Andersch - Gute Umsetzung des Flairs aus den Romanen. Spielerisch aber eher mau - zu unplanbar. Obwohl man diverse Schrauben hat, durch die man Einfluss nehmen kann, ist das unter dem Strich viel zu wenig.
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 24.10.11 von Andreas Odendahl
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 01.11.11 von Dario Bagatto - Ich kenne die Kluftinger Romane nicht somit weiss ich nicht ob mir da etwas entgangen ist, allerdings kam bei mir weder Spannung noch Spielspass auf.

Leserbewertungen

Leserwertung Saustall - Kommissar Kluftingers schwerster Fall: 4,0 4.0, 2 Bewertung(en)

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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 18.07.10 von Volker Nattermann
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 19.12.14 von Kauz - Eine Verdachtsperson im Laufe der Ermittlungen zum Täter zu machen, ist für ein Spiel großartig, im echten Leben läuft es hoffentlich nicht so... Die wertvollen Verdachtsplättchen müssen recht schnell reduziert werden, das räumt "Kommissar Zufall" bei mehr als zwei Spielern entschieden zu viel Platz ein.

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