Rezension/Kritik - Online seit 08.11.2019. Dieser Artikel wurde 2212 mal aufgerufen.

Tudor

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Autor: Jan Kirschner
Illustration: Dennis Lohausen
Verlag: Corax Games
Rezension: Sandra Lemberger
Spieler: 2 - 4
Dauer: 90 - 120 Minuten
Alter: ab 12 Jahren
Jahr: 2018
Bewertung: 4,8 4,8 H@LL9000
5,5 5,5 Leser
Ranking: Platz 750
Tudor

Spielziel

Die Spieler entsenden ihre Familienmitglieder an den Hof Heinrich VIII, um sie dort in einflussreiche Ämter zu bringen und damit Prestige für ihre Familie zu gewinnen. Doch das ist gar nicht so einfach, denn schließlich ist dies auch das Ziel der anderen Familien. Gute Dienste kann hier vielleicht der eine oder andere Siegelring leisten.

Ablauf

Eine Runde beginnt immer damit, dass reihum jeder einen seiner Höflinge vor einen beliebigen Audienzraum setzt. Haben das alle getan, marschieren die Höflinge ein. Gibt es im Audienzraum genügend Plätze, so dürfen auch die Höflinge aus den Vorrunden sitzen bleiben, andernfalls müssen immer die zuerst Dagewesenen weichen und alle anderen aufrücken, bis alle Neuankömmlinge untergebracht werden konnten.

Anschließend platziert jeder seinen Lord in einem beliebigen Audienzraum. Diesen kommt jetzt gleich eine besondere Aufgabe zu: In Audienzräumen, in denen kein Lord sitzt (dessen Farbe ist dabei egal), gibt es logischerweise auch keine Audienz. Das bedeutet, dass dort in dieser Runde absolut nichts passiert. In allen anderen Räumen dagegen darf jeder Höfling eine von zwei möglichen Aktionen ausführen, die Lords dürfen sogar beide ausführen. Die Aktionen bewirken allerlei: Einsetzen oder Bewegen der Höflinge im Thronsaal, Ringe tauschen und Karten erhalten.

Die Bewegungen im Thronsaal geht entweder mit Hilfe von Karten oder Ringen vonstatten. Dabei darf man nicht einfach in beliebige Richtungen laufen. Bei manchen Bewegungen darf man nur vorwärts ziehen, bei manchen auch seitwärts. Von den Zielfeldern darf man Marker bzw. Plättchen einsammeln, falls sich dort welche befinden. Die Marker werden nach dem Entfernen nicht aufgefüllt und bringen entweder während des Spiels Vorteile oder Siegpunkte am Spielende, während die verschiedenfarbigen Plättchen gesammelt werden, um am Ende damit zu punkten – sie werden immer wieder aufgefüllt.

Erreicht ein Familienmitglied das oberste Feld einer Thronsaal-Spalte, so gibt es als Belohnung einen Ring. War das Amt bisher frei, so kommt der Ring aus dem allgemeinen Vorrat, war es besetzt, erhält man vom vorherigen Amtsinhaber einen Ring nach Wunsch und verdrängt diesen von seinem Posten.

Tudor endet nach vier bis sechs Runden (das ist abhängig von der Spielerzahl und vom Spielaufbau, für den man sich zu Beginn entschieden hat). Punkte gibt es für die Plättchen im eigenen Vorrat sowie für übrig gebliebene Karten und Marker.

Fazit

Mittelalter-Themen sind bei Brettspielen immer wieder beliebt. Doch obwohl diese geschichtliche Epoche die Grundlage bildet, so beschreitet Tudor seine eigenen Wege. Dies beginnt schon mit der sehr auffälligen Aufmachung, Sichtschirme in Form einer Hand. Diese machen umso mehr her, je mehr Ringe auf den Fingern stecken.

Diese Ringe sind jedoch nicht nur optische Hingucker, sondern sie erfüllen im Spiel einen wichtigen Zweck, der sich auch noch sinnvoll begründen lässt. Sind sie doch Geschenke des Königs für seine wichtigsten Amtsinhaber. Wie schnell man die Gunst des Königs jedoch wieder verlieren kann, merkt jeder, der von einem Kontrahenten von seinem Würdenplatz vertrieben wird und damit auch wieder einen Ring verliert.

Dabei kommt den Ringen außerdem noch eine zusätzliche Bedeutung zu, wenn man Tudor in der Fortgeschrittenenvariante spielt. Dann verstärken die Ringe nämlich die diversen Aktionen, je nachdem, wie sie auf den Fingern angeordnet werden. Welche Aktionen verstärken, ist auf der Innenseite der Sichtschirme gut abgebildet. Womit wir bei jenen Punkten angelangt sind, die an Tudor missfallen: Da die Sichtschirme relativ schräg stehen, kann man vor allem den oberen Teil der Ringanordnungs-Erklärungen nicht so gut sehen. Außerdem wirft man sehr leicht die Sichtschirme um, wenn man über sie hinweg auf das Spielfeld greift, um dort Aktionen auszuführen. Während man sich im Grundspiel recht leicht damit behelfen kann, den Sichtschirm ein wenig zur Seite zu schieben, so ist das im Fortgeschrittenenspiel nicht möglich, weil man ja im Sichtschirm nachlesen muss, welche Verstärkungen die eigenen Ringe in ihrer aktuellen Anordnung bieten. Das soll jetzt nicht heißen, dass die Sichtschirme ständig fallen – ich habe geschickte Runden erlebt, in denen das nicht ein einziges Mal passierte. In anderen Runden dagegen geschah es häufig genug, dass die Teilnehmer dadurch ziemlich genervt waren.

Abgesehen von dieser ärgerlichen Schwäche der Sichtschirme ist Tudor ein spannendes Spiel. Die kompletten Auswirkungen der verschiedenen Aktionsmöglichkeiten entdecken Einsteiger meist erst im Laufe der ersten Partie. Denn das Zusammenspiel zwischen Ringen, Karten und Aktionen muss erst einmal durchblickt werden, obwohl das grundsätzliche Spielprinzip schnell verstanden ist.

In diesem Spiel muss man es aber auch verkraften können, dass einem manchmal ganz gehörig in die Suppe gespuckt wird. Sei es, weil einem jemand einen Ring klaut, den man für eine seiner nächsten Aktionen eingeplant hatte. Oder dass man im Thronsaal überholt wird und die Farbanordnung durch die Plättchen plötzlich ganz anders aussieht, so dass die eigenen Karten plötzlich gar nicht mehr passen. Oder dass ein Höfling im Audienzsaal gar nicht zum Zuge kommt, weil niemand einen Lord in diesen Raum gesetzt hat. Alles Rückschläge, mit denen man fertig werden muss.

Was Tudor ebenfalls sehr abwechslungsreich macht, sind die unterschiedlichen Wertungskarten, mit denen gespielt werden kann und von denen sich immer zwei im Spiel befinden. So sagt die eine, dass man umso mehr Punkte bekommt, je mehr gleichfarbige Plättchen man im Thronsaal aufliest, während eine andere viele Punkte bringt, wenn man Sets aus verschiedenfarbigen Plättchen sammelt. Außerdem hat man noch die Wahl zwischen zwei Situationskarten, die vorgeben, welche Vorteile die vom Spielplan eingesammelten Marker während des Spiels bringen.

Tudor funktioniert in jeder Besetzung, zu viert ist aber am meisten los, und es werden schneller Familienmitglieder ihrer Ämter erhoben. Zu zweit dagegen bleibt immer ein Audienzsaal leer, was für ein extremeres Abwägen führt welcher Raum das denn nun sein könnte.

Insgesamt ist Tudor ein Spiel, bei dem sowohl Strategie als auch Taktik gefragt sind, und bei dem es aufgrund seiner vielen Kombinationsmöglichkeiten hinsichtlich der Siegbedingungen und Markerfunktionen abwechslungsreich bleibt und einiges zu entdecken gibt. Vor allem die Aufmachung und die Umsetzung des Themas sind sehr gut gelungen.

Rezension Sandra Lemberger

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H@LL9000-Bewertungen

H@LL9000 Wertung Tudor: 4,8 4,8, 4 Bewertung(en)

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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 09.09.19 von Sandra Lemberger
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 01.11.18 von Michael Andersch - Die Sichtschirme sind natürlich zunächst mal der Hingucker, aber sie sind auch funktionell hinsichtlich dessen, was die Ringe steuern, sehr funktional. Der Einsetz- und Aktionsmechanismus ist ebenfalls interessant und alles läuft flüssig und greift gut ineinander. Der Aufbau der Regel ist leider irgendwie seltsam, dennoch spielt sich das Spiel nach der ersten Runde bereits ganz flüssig. Trotz allem ist der Funke bei mir nicht wirklich übergesprungen. An der Grenze zu 5 Punkten vergebe ich daher nur 4.
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 26.11.18 von Jürgen Henrich
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 12.03.19 von Michael Kahrmann

Leserbewertungen

Leserwertung Tudor: 5,5 5.5, 2 Bewertung(en)

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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 12.11.18 von sascha - wow was für ein Spiel, kann nie langweilig werden da es eine vielzahl an Möglichkeiten gibt. Sichtschirme nicht optimal aber rechts und links Wäscheklammer ansetzen dann stabil. War eher ein Zufallskauf aber voller Erfolg
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 21.06.19 von Thommy

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