Rezension/Kritik - Online seit 13.06.2003. Dieser Artikel wurde 8821 mal aufgerufen.

ad acta

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Autor: Andrea Meyer
Illustration: Sebastian Wagner
Verlag: BeWitched Spiele
Rezension: Steffen Stroh
Spieler: 2 - 4
Dauer: 45 - 60 Minuten
Alter: ab 12 Jahren
Jahr: 2002
Bewertung: 3,5 3,5 H@LL9000
3,8 3,8 Leser
Ranking: Platz 5791
ad acta

Spielziel

Akten trmen sich, der Kaffeekonsum der Beamten und Angestellten in den mtern steigt in schwindelerregende Hhen. Denn kaum sind die gelieferten Aktenberg auf berschaubare Hhe gesunken, knallt der Bote den nchsten Stapel auf den Tisch. Also Bleistift gespitzt, eine Traubenzuckertablette eingeworfen und weitergeschuftet immer streng nach Dienstweg. Nun ja, fast immer. Ein Griff zum Telefon oder ein Eilt-Etikett helfen der ein oder anderen Akte, schneller zu selbigen gelegt werden zu knnen. Auf zu geduldige Papiere hingegen wartet niemand, nur der Reiwolf...

Ablauf

Bis zu vier mter ringen verzweifelt mit ihren Aktenbergen. In jedem sitzt ein gestresster Beamter, Entschuldigung: Mitspieler, und versucht dem Wust an Papieren Herr zu werden mglichst schnell und mglichst aufwandsarm. Den Schreibtisch jedes Spielers zieren zwei Ordner: Eingang und Ausgang. In ersterem warten zu Beginn 7 Akten aus allen vier mtern. Auf den Akten der jeweiligen mter finden sich zwei entscheidende Vermerke: Ein Buchstabe (A-G), und 2-3 mtersymbole, die angeben, von welchen Behrden (und in welcher Reihenfolge) die Akten abgezeichnet werden mssen.

Jeder Aktenfresser, ich meine natrlich Spieler, hat nun die Qual der Wahl, pro Arbeitsgang aus 3 Aktionspunkten Kombinationen der drei folgenden Handlungsmglichkeiten zusammenzustellen:

1.) Oberste Akte im Ordner Eingang bearbeiten und in den Ordner Ausgang verfrachten (Symbol des Amtes mit Broklammer markieren)

2.) Alternativ einen Mitspieler anweisen, die oberste Akte seines Eingangs zu bearbeiten

3.) Eine Sonderkarte spielen

Die ersten beiden Aktionen kosten je einen Aktionspunkt, die nur einmalig verwendbaren Sonderkarten verschlingen deren zwei. An Sonderkarten stehen zur Verfgung:

  • Einen Kollegen per Telefon zur Bearbeitung einer frei gewhlten Akte auffordern
  • Fr Durchzug sorgen, und damit die Reihenfolge eines Eingangsordners neu festlegen
  • Per Sonderboten eine Akte sofort an den nchsten zustndigen Sachbearbeiter weiterreichen
  • Eine Rcksprache anberaumen, und damit eine bereits bearbeitete Aktie wieder in den Eingang des betreffenden Amtes zurckwandern lassen.

Wer nicht alle Aktionspunkte verwenden will, kann fr briggebliebene seinen Bleistift spitzen. Zweimaliges Spitzen kann zu Rundenbeginn gegen eine Traubenzuckertablette eingetauscht werden. Betreffender Traubenzucker wirkt bei Einnahme sehr belebend: Der gedopte Beamte werkelt in dieser Runde gleich fr einen Aktionspunkt mehr.

Haben alle Spiele ihre Aktionen ausgefhrt, sammelt der Startspieler der aktuellen Runde die Akten aus dem Ausgang ein seine eigenen zuerst, die anderen Stapel packt er (so wie sie im Ausgang liegen) nach Spielreihenfolge im Botenwagen oben drauf. Nun liegt konsequenterweise oben, was zuletzt in den Botenwagen platziert wurde. Den Boten schert das wenig: Was oben liegt, wird ZUERST zugestellt. Die noch nicht fertigbearbeiteten Akten an das Amt, dessen Symbol als nchstes angegeben ist, bei abgearbeiteten Akten (Broklammer ber jedem Symbol) ab damit in die erstbeste freie Endablage.

An Endablagen gibt es insgesamt sechs, die Kapazitt schwankt zwischen 2 und 4 Akten. Ist eine Ablage voll, kommt es sofort zur Zwischenwertung. Das Amt, dessen Akte vollendet in der Ablage schlummert bekommt Punkte nach angegebener Tabelle: Akten mit den Buchstaben A-C geben in den frhen Ablagen (1-3) ppig Punkte, E-G sind eher bei spterer Endabfertigung lukrativ.

Ist die Endablage bis Register 6 voll, oder erreicht ein Spieler 35 Punkte, endet das Spiel. Zur Ermittlung des Endstandes wandern unbearbeitete Akten noch in den Reiwolf, jede vernichtete Akte kostet das betreffende Amt einen Siegpunkt.

Fazit

Der Behrdenalltag stressig, sperrig, nervttend fr Beamte und Antragstelle gleichermaen. Ist es mglich, aus dem Papierkrieg Marke knicken, lochen, abheften ein unterhaltsames Spiel zu machen? Es ist mglich. Ad acta nimmt ironisch den Kampf mit der papiergetrnkten Brokratie auf die Schippe, indem es in gelungener Weise simuliert, wie Akten mal ganz regulr, mal unter der Hand ihre Wege von einer Behrde zur andern suchen. Vieles bleibt liegen, anderes wird verblffend schnell durch die Hnde der Sachbearbeiter geschleust.

Die thematische Umsetzung ist also prima getroffen. Mit dem Spielmaterial gestaltet sich die Situation anders. Dabei ist ad acta fr ein Kleinverlagsspiel recht schn gestaltet und ppig ausgestattet: Spielbersichten fr jeden Spieler, ein echter Stempel als Startspielermarker, ein extra Beispielblatt, dnne, aber ansehnliche mterablagen. Es hapert eher an der Funktionalitt: Auf den Schreibtischen der Spieler ist sehr wenig Platz, ebenso im Botenwagen. Viel schlimmer jedoch die stndige Verwendung von Broklammern als Markierungen: Schon nach 2-3 Partien sind die Spielkarten deutlich gezeichnet, wer Grobmotoriker in seiner Runde whnt sollte tunlichst um schonende Behandlung flehen. Doch selbst dann sehen die Karten durch Klammern und die notwendige Fummelei schnell abgenutzt aus. Zur Ehrenrettung von BeWitched sei gesagt: Mir fiele spontan auch keine bezahlbare Alternativlsung ein. Nichts gekostet htte eine etwas professionellere Gestaltung der (manchmal etwas bemht humorvollen) Regel: Auch ein Kleinverlag kann hier im Sinne besserer bersicht Grundstze des Textsatzes (Abstze, Schriftwahl, korrekte Einzge bei Aufzhlungen) einhalten.

Das Spiel selbst fordert durch alltagsnahe Thematik (sollte ich Problematik schreiben?) geradezu zu Lachern und Anekdoten auf. Eine Spielerunde mit Finanz- oder hnlichen Beamten hat einen Heidenspa damit, den/die real Betroffenen mit Anspielungen und Witzeleien zu piesacken. Das tuscht dann manchmal etwas darber hinweg, dass sich das Spiel selbst recht stromlinienfrmig gestaltet: Liegen irgendwo Akten meines Amtes oben, lasse ich sie meist umgehend bearbeiten. Von enormer Bedeutung ist die Reihenfolge der Akten in den Ein- und Ausgngen, und die daraus resultierende Reihenfolge im Botenwagen. Theoretisch kann ein Spieler anhand der wahrscheinlichsten Zge der Mitspieler durchrechen, was genau er zur optimalen Punktausbeute tun sollte. Solche Grbelei zieht Spiel und Wartezeiten sofort erheblich in die Lnge. Mehr Spa macht ad acta, wenn es halbwegs spontan gespielt wird.

Dafr, dass die Grbelei selbst bei extremem Rechenaufwand nicht allentscheidend einwirken kann, sorgt die Anfangsverteilung der 7 Akten pro Amt: Hat hier ein Spieler das Pech, dass seine Akten gleich reihenweise am unteren Ende mehrerer Stapel landen, hat er bei einigermaen versierten Mitspielern fast keine reelle Siegchance. Im Umkehrschluss kann ein Spieler, der gleich mehrere seiner Akten mit den Buchstaben A-C zu Spielbeginn am oberen Ende der Eingangs-Stapel wiederfindet, frhzeitig tchtig punkten und damit nicht selten einen zweistelligen Punktevorsprung herausholen, der sich im weiteren, weitaus kontrollierbareren Spielverlauf oft nur schwer aufholen lsst. Fr etwas mehr Wirbel im Aktendschungel sorgen neutrale Sonderaktionskarten, die als Profi-Variante dem Spiel beiliegen. Ob das gefllt ist Geschmackssache.

Andrea Meyer hat mit ad acta eine sffisante und unterhaltsame Spielumsetzung des Behrdenalltags geschaffen. Insbesondere Spielerunden, die eine Affinitt zum Thema aufweisen, werden fr etliche Runden jede Menge Spa haben, wenn auch nicht ausschlielich durch das Spiel bedingt. Der Spielmechanismus alleine ist originell, aber nicht bermig variabel. Und wenn die dummen Sprche bei der vierten oder fnften Partie dann langweilig werden, zeigt meistens auch das Spiel selbst erste Ermdungserscheinungen in Sachen Motivation und Material. Aber es wre ja fast ein Stilbruch, bei diesem Namen nicht irgendwann selbst zu den Akten zu wandern...

Rezension Steffen Stroh

Anmerkung: Zur besseren Lesbarkeit der Texte verwenden wir hufig das generische Maskulinum, welches sich zugleich auf weibliche, mnnliche und andere Geschlechteridentitten bezieht.

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H@LL9000-Bewertungen

H@LL9000 Wertung ad acta: 3,5 3,5, 15 Bewertung(en)

Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz Kommentar
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 01.04.04 von Steffen Stroh - Einfluss stark von Spielweise abhngig.
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 01.04.04 von Barbara Winner
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 01.04.04 von Bernd Eisenstein
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 01.04.04 von Christiane Brecht
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 01.04.04 von Clemens Schollenberger
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 01.04.04 von Doris Hahn
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 01.04.04 von Frank Gartner
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 01.04.04 von Hans-Peter Stoll
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 01.04.04 von Jrn Griesbach
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 01.04.04 von Michael Andersch
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 01.04.04 von Tommy Braun
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 01.04.04 von Sabine Zimmermann
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 01.04.04 von Sandra Lemberger
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 01.04.04 von Stefan Hirsch
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz Kommentar
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 21.05.05 von Ulrich Fonrobert - Schne Atmosphre, alles auf das Beamtenzum abgestimmt...Aber ein Hit ist es deswegen auch nicht geworden.

Leserbewertungen

Leserwertung ad acta: 3,8 3.8, 6 Bewertung(en)

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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 01.04.04 von Dirk Schmiedeskamp - So stelle ich mir das Beamtentum vor. Einfach herrrlich auf die Schippe genommen.
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 01.04.04 von Bettina Holzhausen - Es ist doch herrlich sagen zu knnen: "Nun schaff mal was, Du fauler Strumpf..." ;-)) Diese und andere Sprche machen das Spiel erst richtig lustig.
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 17.01.05 von Carsten Pinnow
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 05.09.06 von Bewerter - Wenn man allein schon das Spielfeld sieht, welches nur aus billigem Tonkarton besteht, nicht wie man es gewhnt ist aus hartem Karton, knnte man sich rgern, denn er weist auf jedem Fall immer eine Welle auf. Darberhinaus ist die Graphik von so manchen Karten sehr schlecht (nicht sehr schn anzusehen), aber das wre alles nicht so schlimm, wenn es nicht so extrem langweilig wre. Fazit: Vllig berteuert fr das was es bietet.
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 27.08.09 von rolf
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 23.03.11 von Waiko - Sehr stimmige Umsetzung des Themas

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