Rezension/Kritik - Online seit 30.03.2021. Dieser Artikel wurde 2659 mal aufgerufen.

Alma Mater

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Autor: Stefano Luperto
Acchittocca
Virginio Gigli
Antonio Tinto
Flaminia Brasini
Verlag: eggertspiele
Rezension: Franky Bayer
Spieler: 2 - 4
Dauer: 90 - 150 Minuten
Alter: ab 12 Jahren
Jahr: 2020
Bewertung: 5,0 5,0 H@LL9000
4,5 4,5 Leser
Ranking: Platz 1051
Download: Kurzspielregel [PDF]
Alma Mater

Spielziel

"Alma Mater" - Was ist das? Ich gebe zu, mir war der Begriff selbst nicht geläufig. Ich habe ihn zwar schon Dutzende Male gehört, aber nie gewusst, was er tatsächlich bedeutet. Nur eine bloße Vermutung, dass es irgendwas mit Studieren zu tun haben muss. Aber selbst mein Filius, der den Bachelor in "Biological Chemistry" hat und jetzt gerade dabei ist, den Master in Technischer Chemie zu machen, konnte mir bei der Beantwortung der Frage nicht helfen.

Ein Blick in Wikipedia verrät mir schließlich, dass "Alma Mater" aus dem Lateinischen übersetzt so viel heißt wie "Gütige oder ernährende Mutter". Damit werden etwas scherzhaft die Universitäten bezeichnet, da sie die Studenten mit Wissen ernähren (sic!). Und somit erklärt sich auch der Titel für das Objekt dieser Rezension, in dem wir die Rolle eines aufstrebenden Rektors während der Renaissance übernehmen. Unser Ziel ist es, die beste und ruhmreichste Bildungsstätte zu schaffen, indem wir hervorragende Studenten und hochqualifiziertes Lehrpersonal für uns gewinnen und Wissen mit anderen Universitäten austauschen.

Ablauf

Doch zuerst einmal steht einiges an Vorbereitungen auf dem Programm. Der Spielplan muss mit allerlei Karten und Plättchen bestückt werden, unter anderem wird jedes Feld des Campus mit Studentenplättchen belegt, jedes Feld der Akademie wiederum mit Professorenkarten. Zufällig gezogene Forschungskarten bilden die Forschungsleiste, und in die Ruhmeshalle werden Ruhmesplättchen und Büstenkarten platziert.

Wir erhalten jeder unsere eigene Universität, mit einer Bibliothek aus sechs Bücherregalen, elf Hörsälen (von denen anfangs allerdings nur einer von Studenten genutzt wird) sowie 4 Magister(-figuren), welche für uns die auf uns zukommenden Arbeiten verrichten werden. In einer Gründungsphase wird ermittelt, welche Mittel (Geld, Lehrbücher) und Rektor-Fähigkeiten uns schon zu Beginn zur Verfügung stehen.

Alma Mater geht über sechs Spielrunden, welche jeweils aus 3 Phasen bestehen. In der Aktionsphase setzen wir unsere Magister auf Aktionsfeldern ein, um die entsprechende Aktion auszuführen. Im Gegensatz zu den meisten Arbeitereinsetzspielen können wir hier auch bereits besetzte Aktionsfelder nutzen, allerdings müssen wir dort - mit Ausnahme einiger besonderer Felder - um einen Magister mehr entsenden, als die höchste Anzahl an Magistern einer Farbe.

Im Campus können wir - je nach gewählter Reihe - einen der ausliegenden Studenten erhalten, den wir auf dem nächsten freien Hörsaal in unserer Universität platzieren. Die Spalte im Campus bestimmt, wie viele und welche Bücher wir dafür abgeben müssen. Für die Professoren müssen ebenfalls Bücher bezahlt werden, wobei deren Anzahl von der jeweiligen Spalte vorgegeben wird. Für den ersten Professor einer Sorte müssen wir zwar Taler entrichten, dürfen dafür aber die Farben aller Bücher selbst bestimmen. Andere Spieler müssen sich in Folge an diese Farbvorgaben halten.

An diesen beiden wichtigen Aktionsfeldern ist schon ersichtlich, dass wir unbedingt Bücher benötigen, um unsere Uni ins Laufen zu bringen. Eigene Lehrbücher erhalten wir in unserem Hörsaal 1. Der dort tätige Student besorgt uns gegen Bezahlung von 1 Taler pro Buch bis zu 6 Bücher unserer Farbe, die wir nach Belieben in unsere Bibliothek oder unser Lager räumen. Für fremde Lehrbücher und/oder Lexika müssen wir Magister entweder ins Antiquariat oder ins Kolloquium entsenden, wo wir deutlich mehr Taler abgeben müssen als für Bücher unserer Farbe.

Die anderen Aktionsfelder bringen uns mehr Taler (vom Bischof), Fortschritte auf der Forschungsleiste (im Labor) oder zusätzliche (wenn auch sehr teure) Prestigepunkte (im Park). Alternativ können wir auch - statt Magister auf ein Aktionsfeld zu setzen - einen bereits angeworbenen Professor eine Vorlesung halten lassen, wodurch dessen individueller Effekt aktiviert wird, gegen Abgabe eines bestimmten Lehrbuchs.

Auf die Aktionsphase folgt die Verwaltungsphase, in der wir die neue Spielerreihenfolge bestimmen, ebenso die Bücherreputation, welche von unserem Fortschritt auf der Forschungsleiste abhängt und den Wert unserer Lehrbücher festlegt. Wir nehmen unsere Magister zurück, machen unsere durch Vorlesungen erschöpften Professoren wieder bereit und ziehen den Rundenmarker um ein Feld weiter.

In der Einkommensphase schließlich erhalten wir Taler für unsere Bücher in der Bibliothek, für gewisse Studenten sowie entsprechend unserer Platzierung in der Bücherreputation. Nach sechs Runden endet das Spiel. In einer abschließenden Wertung werden für verschiedenste Aspekte noch jede Menge Punkte vergeben, etwa für unsere Professoren und Studenten. Haben wir in diesem Semester die meisten Prestigepunkte erzielt, konnten wir uns als erfolgreichster Rektor profilieren.

Fazit

Alma Mater ist im Grunde genommen ein Worker Placement Spiel und folgt auch im Wesentlichen den Gesetzen dieses Genres. Die Spieler setzen also Figuren - hier "Magister" genannt - auf Felder ein, um bestimmte Aktionen durchführen zu können.

Trotzdem gibt es ein paar Abweichungen. Üblicherweise ist die Anzahl der Figuren, die auf einem Feld eingesetzt werden dürfen, sehr beschränkt, meistens sogar auf eine einzige Figur limitiert. Bei Alma Mater hingegen kann kein Feld völlig blockiert werden. Allerdings muss auf ein bereits besetztes Feld eine Figur mehr gesetzt werden als die dort bisher höchste Anzahl an Figuren einer Farbe. Es wird folglich immer schwieriger oder "teurer", je später man an der Reihe ist, weshalb auch hier - wie bei fast allen Arbeitereinsetzspielen - dem Timing eine wichtige Rolle zukommt. Alle Spieler starten mit 4 Figuren, und erst im Laufe des Spiels können maximal 2 zusätzliche Magister freigeschaltet werden.

Um die für die Prestigepunkte relevanten Studenten und Professoren zu erhalten, ist eine "Ressource" besonders wichtig: Die Bücher! Deshalb kommt auch der Beschaffung der Bücher eine große Bedeutung zu. Eigene Bücher erhält man einfach von jenem Studenten, der sich von Beginn an in seinem Hörsaal befindet. Der Preis ist recht günstig und beträgt bloß einen einzigen Taler pro Buch. Bücher anderer Farben kosten empfindlich mehr, ob man sie sich nun im Antiquariat zu einem fixen Preis besorgt oder durch das Kolloquium direkt aus der Bibliothek eines Mitspielers, wo sie je zwischen 2 und 4 Taler kosten. Auch Lexika, die für Professoren und bestimmte Studenten benötigt werden, sind recht kostspielig.

Aus diesem Grund will man logischerweise bevorzugt Bücher der eigenen Farbe ausgeben, um Studenten und Professoren anzuwerben. Dies ist aber nicht immer möglich, denn erstens braucht man in den meisten Fällen Bücher mehrerer Farben, und zweitens sind Studenten und Professoren höchst wählerisch und verlangen möglichst angesehene Bücher. Die Wertbestimmung der Bücher - die sogenannte Bücherreputation - ist dabei vom Fortschritt auf der Forschungsleiste abhängig. Vom kaufmännischen Standpunkt aus betrachtet lohnt es sich, über den Umweg der Forschung den Wert der eigenen Bücher hoch zu halten, um einerseits selbst günstig an die gefragtesten Werke zu kommen und andererseits von den Mitspielern Einnahmen aus dem Verkauf aus der Bibliothek zu lukrieren.

Apropos Geld: Wie man sieht, ist auch diese Ressource nicht zu vernachlässigen, um sich Bücher überhaupt leisten zu können. Jene Taler, die man in seiner Einkommensphase durch Bücher in seiner Bibliothek und durch bestimmte Studenten erhält, sowie die Einnahmen durch Bücherkäufe der Mitspieler reichen meist nicht aus, weshalb man doch ab und an den Bischof aufsuchen muss. Die Anzahl und die Reihenfolge der Magister auf diesem besonderen Aktionsfeld legen gleichzeitig auch die Reihenfolge für den nächsten Durchgang fest. So entsteht ein gewisser Rhythmus, denn wer eine Runde mal öfter den Bischof besucht, ist daraufhin früher dran und hat eine bessere Auswahl an lukrativen Aktionen.

Prinzipiell bieten sich den Spielern zwei unterschiedliche Strategien. Man kann sich entweder verstärkt auf Studenten konzentrieren oder andererseits versuchen, mehr Professoren zu engagieren. Schon im Hinblick auf die Endwertung zahlt es sich nicht aus, beides nur halbherzig zu machen, denn wer seine Hörsäle gut füllt, kann ebenso eine Menge Prestigepunkte erzielen wie mit dem Anwerben vieler Lehrkräfte.

Jedes Studentenplättchen bringt einen individuellen Vorteil. Dies können zusätzliche Einnahmen in der Einkommensphase sein, Prestigepunkte bei Spielende (vor allem durch Mathematikstudenten), Schritte auf der Forschungsleiste, u. v. m. Den Großteil an Punkten bringen die Studenten durch ihre Anwesenheit in den Hörsälen, indem die Anzahl der Plättchen in der oberen Reihe mit der Anzahl jener der unteren Reihe multipliziert wird, wodurch maximal 30 Punkte möglich sind.

Professoren bringen am Spielende direkte Prestigepunkte (je nach Fakultät zwischen 4 und 10 Punkten), sowie Extrapunkte aus der Multiplikation von Anzahl der Professorenkarten mit den erreichten Meilensteinen auf der Forschungsleiste. Auf diese Weise sind theoretisch mehr Punkte drin, durch die Menge an dafür benötigten Büchern werden die mit Professoren möglichen Punkte jedoch wohl eher zwischen 20 und 40 Punkten liegen. Der größte Vorteil von Professoren während des Spiels ist, dass sie durch ihre Vorlesungen praktisch eine Zusatzaktion bringen, für die gerade mal ein Lehrbuch aufgewendet werden muss.

Alma Mater weist als Expertenspiel doch eine recht stattliche Menge an Regeldetails auf, welche den Rahmen dieser Rezension sicher sprengen würden. Auf ein paar Besonderheiten und interessante Aspekte möchte ich dann doch noch eingehen:

Da ist einmal die Forschungsleiste, über die schon mehrmals geschrieben stand. Fortschritte auf dieser Leiste bringen zwar mehrere Vorteile, aber man kommt ja nicht automatisch vorwärts. Es gibt 2 Möglichkeiten, seinen Marker darauf zu ziehen. Für einen normalen Forschungsschritt (schwarzes Symbol) müssen die angegebenen Bedingungen erfüllt werden (meist durch Abgabe von Geld, Büchern, Prestigepunkten). Ein grünes Symbol hingegen stellt einen privilegierten Forschungsschritt dar, bei dem die Bedingungen nicht beachtet werden müssen. Nach jeweils 4 Schritten hat man dann einen "Meilenstein" erreicht und erhält eine Belohnung.

Die Ruhmeshalle wiederum gibt durch Ruhmesplättchen bestimmte Zwischenziele vor, deren Erreichen nicht nur eine sofortige, erstrebenswerte Belohnung mit sich bringt, sondern einem obendrein fortan die Vorteile des dort platzierten Rektors - repräsentiert durch eine Büste - sichert. Auch dies sollte in der Planung unbedingt berücksichtigt werden.

In die Schlusswertung fließen relativ viele Dinge ein, man könnte fast von einem Punktesalat sprechen. Es reduziert sich jedoch auf die beiden erwähnten Vorgehensweisen, die doch den überwiegenden Teil an Prestigepunkten bringen. Die Spieldauer ist der Komplexität entsprechend ziemlich lange. In Vollbesetzung dauert es für meinen Geschmack zu lange, sodass ich Partien mit höchstens 3 Spielern vorziehe. Zu zweit kommt übrigens ein "Dummy" - hier "Ignotus" genannt - zum Einsatz, dessen Züge automatisch abgehandelt werden. Er sorgt für die notwendige dritte Bücherfarbe und seine Magister besetzen zudem jede Runde vorweg ein paar Felder.

Die grafische Gestaltung ähnelt ein wenig jener von Coimbra (ebenfalls von Eggert Spiele), bei dem es zufälligerweise ebenfalls um eine Universität geht. Das Spielmaterial ist insgesamt recht hochwertig und umfangreich. Alles findet dabei im Schachtel-Inlay seinen eigenen Platz, nur leider verrutscht alles ebenso leicht. Etwas eigenartig finde ich allerdings, dass es in der Schachtel zwei komplette Kartensätze gibt, einen auf Deutsch, den anderen auf Englisch. Das kann man schon als Verschwendung betrachten, schließlich sind von total 130 Karten lediglich die 10 Rektor-Karten nicht sprachneutral.

Vielleicht gefällt mir Alma Mater gerade deswegen so gut, weil ich es Corona-bedingt hauptsächlich in Minimalbesetzung spielen konnte und der Zeitaufwand hierbei in einem besseren Verhältnis zum Spielreiz liegt. Ich freue mich aber trotzdem auch bei diesem hervorragenden Expertenspiel wieder auf Partien zu dritt, wo man dann doch auf mehr Interaktion trifft.

Rezension Franky Bayer

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H@LL9000-Bewertungen

H@LL9000 Wertung Alma Mater: 5,0 5,0, 4 Bewertung(en)

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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 08.01.21 von Franky Bayer - Schönes Worker Placement Spiel, bei dem Bücher die wichtigste Ressource darstellen. Zu viert dauert es mir zu lange, insgesamt aber nur knapp an einer 6 vorbei.
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 15.02.21 von Michael Fuchs - Ein toll ausgestattetes Spiel mit einem sehr schönen Thema. An sich eine wahre Perle von Worker-Placement-Spiele, aber: Die lange Spielzeit steht nicht im Verhältnis zum Spielspaß. Einfach zu viele Einflussmöglichkeiten durch erworbene Studenten, Professoren usw... - alles zu bedenken, kann dauern. Ein tolles Spiel für Spieler, die sich an einer langen Spielzeit nicht stören.
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 12.04.21 von Udo Kalker - Eine frische Idee, ein Worker Placement mal in der Universität stattfinden zu lassen. Der Zugriff auf die Bücher der Mitspieler machen es interaktiv und man muss immer entscheiden, ob man Bücher zum Kauf anbietet oder selbst nutzt. Sehr schön und eine gute 5.
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 01.05.21 von Roland Winner - Richtig klasse!

Leserbewertungen

Leserwertung Alma Mater: 4,5 4.5, 2 Bewertung(en)

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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 31.03.21 von Tournesol - Workerplacement-mäßig erst mal nicht so innovativ. Aber der Effekt mit den Büchern (wie wertvoll bin ich / sind meine für die anderen) finde ich sehr gut /neu. Nett auch die Fähigkeiten der Rektoren. Was nicht so gut gelöst ist, ist das Spiel zu zweit, mit dem Ignatius (als dritten Spieler), der den Startspielerbonus ziemlich zunichte macht. Alles in allem gut zu spielen, nicht der riesige Hirnverzwirbler, aber genug anspruch.
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 12.04.21 von Dietrich

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