Rezension/Kritik - Online seit 25.04.2020. Dieser Artikel wurde 1684 mal aufgerufen.

Miyabi

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Autor: Michael Kiesling
Verlag: HABA
Rezension: Christoph Schlewinski
Spieler: 2 - 4
Dauer: 45 Minuten
Alter: ab 8 Jahren
Jahr: 2019
Bewertung: 5,0 5,0 H@LL9000
4,7 4,7 Leser
Ranking: Platz 1357
Miyabi

Spielziel

Gärtner in einem japanischen Garten sieht man selten im Baumarkt, denn so ein Zeug wie Laubbläser, Hilti, Presslufthammer und Rasenmäher setzen sie selten ein. Hier wird mit Ruhe und Bedacht angepflanzt und verschönert. Und mit ebenso viel Ruhe und Bedacht muss Miyabi auch gespielt werden, sonst sitzt man irgendwann in einem halbfertigen Garten und denkt sich: Jetzt wär ein Presslufthammer gut ...

Ablauf

Eine offene Plättchenauslage zeigt Runde für Runde das Angebot, was die Spieler in ihren Gärten anpflanzen dürfen. Diese Gärten sind natürlich nur ein Tableau, und jede der sechs Zeilen darauf zeigt eine der sechs Dekorationen: roter Busch, Pagode, Koi-Teich, Blumen, grüner Busch und Steine.

Nimmt man sich ein Teil aus der Auslage, muss die Deko in die passende Zeile gelegt werden. Ein bis drei Felder ist so ein Teil groß und zeigt nur auf einem Feld eine Verschönerung. Dieses Feld muss in der richtigen Zeile liegen, die anderen - leeren - Felder dürfen in die Nachbarzeilen ragen. Dann bekommt man Punkte, die Anzahl der Deko-Elemente (1-3) multipliziert mit der Ebene, auf der sie liegen. Am Anfang also x 1.

Mehr Punkte gibt es, wenn man in die Höhe baut und das darf man, wenn man genug Fläche geschaffen hat, um das ausgesuchte Teil lückenlos drauflegen zu können. Hoch bauen hat, neben mehr Punkten bekommen, noch einen anderen Vorteil: Man kann noch mehr Punkte bekommen. Ist man der Erste, der diese Deko-Art auf die 5. Ebene gebracht hat, bekommt man Sonderpunkte.

Aber egal, ob man flach oder hoch gebaut hat: Die Spalte, in der die Dekoration gelegt wurde, ist nun für den Rest der Runde gesperrt. Angezeigt wird das durch eine Laterne, die man über der entsprechenden Spalte auf den Plan stellt. Sind alle Plättchen der Auslage vergeben, geht es in die nächste Runde mit einer neuen Auslage und zurückgestellten Laternen. Je nach Spieleranzahl gibt es 4 bis 6 Runden, und dann regnen Bonuspunkte in die Gärten: für den Spieler, der jeweils die meisten Elemente einer Deko-Art in einer Zeile hat. Der schönste Garten hat natürlich die meisten Punkte, und alle anderen dürfen sich geehrt fühlen, dort Unkraut zu jäten.

Fazit

Michael Kiesling strikes again. Nach seinem Erfolgsknaller Azul kommt jetzt das nächste Legespiel. Dieses Genre hat es ihm angetan, und ich sage: Gut so, weitermachen bitte. Miyabi lässt mein Spielerherz höher schlagen und das aus folgenden Gründen: Es ist super schnell vermittelt, es funktioniert in jeder Spielerzahl gut, es ist clever gemacht und spannend.

Und ich kann nur an zwei kleinen Details meckern:

Der Zufall: Spielt man nicht in Vollbesetzung, kommen nicht alle Teile ins Spiel. Je weniger mitspielen, desto mehr Teile bleiben in der Schachtel. Konzentriert man sich also im Spiel zu zweit oder dritt auf ein Deko-Element, kann man Pech haben, und es wird sehr selten gezogen.

Die Übersichtlichkeit: Zu erkennen, ob man jetzt schon die 5. Ebene erreicht hat, kann manchmal etwas umständlich sein.

Und jetzt wieder zurück, warum ich Miyabi so mag. Gute Legespiele, die man immer wieder spielen möchte, sind selten. Miyabi bietet im Grundspiel schon genügend Abwechslung, um es immer wieder mal auf den Tisch zu bringen. Groß die Regeln auffrischen muss man auch nicht. Ein- bis zweimal gespielt sitzt alles für eine lange Zeit. Die Regeln sind ganz vorbildlich aufgebaut und schnell verstanden (aber immer daran denken: Bei den Kois zählen die Fische im Teich, nicht die Anzahl der Teiche. Die ist ja immer 1!). Und das Material ... joah ... ist funktional. Hauptsache die Legeplättchen sind schön dick und griffig. Der Rest wirkt im ersten Augenblick merkwürdig blass und reduziert, was sich aber doch als vorteilhaft herausstellt, weil man dann nicht durch überbordende Gestaltung abgelenkt wird. Man kann sich schön auf das Material konzentrieren.

Und das muss man auch, aber da ist Miyabi - im Vergleich zu Azul - das bessere Familienspiel, denn anders als bei Azul kann man die Mitspieler bei Miyabi nicht ins offene Messer laufen und haufenweise Minuspunkte anhäufen lassen. Miyabi ist - sagen wir mal - freundlicher, aber ohne simpler oder billiger zu sein. Es ist sehr elegant konzipiert, voller kleiner Fallstricke, voll mit "sich darüber ärgern, wie doof man manchmal sein kann" und ständigem Nachzählen der Etagen in den Mitspielergärten. Man fühlt sich und sein Gehirn gut beansprucht, gelangt aber nicht an den Punkt, dass man geistig hilflos im Dunklen herumstochert. Alles liegt klar und übersichtlich vor einem, und wenn man das Gefühl hat, man hätte Miyabi gemeistert, kann man eine der vier kleinen Erweiterungen reinbringen. Wieder ein Punkt, wo dieses Spiel glänzt, denn diese Erweiterungen bringen nur minimal Regeln ins Spiel, ändern aber das Geschehen im Garten stark. Plötzlich sieht man alles anders, plant alles anders, denkt anders ... obwohl sich kaum etwas geändert hat. So müssen gute Erweiterungen sein, Kiesling und Haba haben da genau die richtige Balance gefunden.

Für mich steht Miyabi auf jeden Fall auf meiner privaten "Top 10"-Liste des Spielejahrgangs 2019/2020. Ein super Legespiel mit genau dem richtigen Tiefgang, um sowohl Familien, als auch "gehobene" Spieler anzusprechen. Und das sich hinter Michael Kieslings Azul-Erfolg nicht verstecken muss.

Rezension Christoph Schlewinski

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H@LL9000-Bewertungen

H@LL9000 Wertung Miyabi: 5,0 5,0, 1 Bewertung(en)

Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz Kommentar
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 01.02.20 von Christoph Schlewinski - Es sieht zwar blass aus, spielt sich aber schnell, spannend und hat einen schönen Tiefgang. Und dazu noch tolle Erweiterungen.

Leserbewertungen

Leserwertung Miyabi: 4,7 4.7, 3 Bewertung(en)

Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz Kommentar
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 25.12.19 von Dirk Grundmann - Da ist er wieder, der Meister der Zeilen und Spalten. Nach Wikinger und Sanssouci hat Michael Kiesling hier wieder ein sehr gutes Legespiel nach diesem System erdacht. Ärgerlich ist allerdings die hauchdünne unlackierte Pappe der Spielfelder. Und zur Atmosphäre hätte auch eine stimmungsvollere Gestaltung beigetragen.
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz Kommentar
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 03.01.20 von Fred Lehner - Unfair, nur weil es vom selben Autor ist, es mit Azul zu vergleichen. Aber eigentlich tue ich es, weil es auch abstrakt und mit Punkten ist. Miyabi ist aber anders, eher im negativen Sinne gemeint. Azul ist mir klarer was ich machen möchte, was ich erzielen will. Es kommt mit weniger Regeln daher und bietet ein schönes haptisches Moment. Bei Miyabi explodieren die Punkte und hat bei uns einfach nicht so gezündet. Vielleicht weil man nicht so leicht erkennt, was ein guter Zug ist. Das mag für den einen vielleicht sogar eine Verbesserung sein, aber bei uns ist es leider nicht so. Deshalb nur 4 Punkte.
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz Kommentar
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 09.05.20 von spielbär - Mir hat das Spiel beim ersten Mal Spielen gut gefallen. Jetzt kommt der wichtigste Punkt für mich, es gab jedoch genug Wiederspielreiz es öfters auf den Tisch zu legen. Es hat den Effekt das ich es jetzt noch besser bewerte, es gewinnt von Partie zu Partie, gerade wenn man die Module langsam einfließen lässt. Für mich völlig zu Unrecht so wenig im Fokus in diesem Jahr. Klare einfache Regeln, kurze Spieldauer, Konfrontation durch die Mehrheitenreglen. Klasse Spiel. Grafik ist einfach gehalten das geht sicher besser, aber durch ihre Nüchternheit trägt sie auch zum schnellen Spielüberblick bei.

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