Rezension/Kritik - Online seit 14.08.2019. Dieser Artikel wurde 1448 mal aufgerufen.

Planet

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Autor: Urtis Šulinskas
Verlag: Blue Orange (EU)
Rezension: Franky Bayer
Spieler: 2 - 4
Dauer: 30 - 45 Minuten
Alter: ab 8 Jahren
Jahr: 2018
Bewertung: 3,7 3,7 H@LL9000
3,7 3,7 Leser
Ranking: Platz 3915
Planet
Auszeichnungen:2019, Mensa Select Gewinner

Spielziel

Der deutsche Astronom und Mathematiker Johannes Kepler (1571 - 1630) berechnete ja die Gesetzmäßigkeit der Bewegung der Planeten um die Sonne und veröffentlichte seine Ergebnisse als die 3 Keplerschen Gesetze. Aber wie schaut es mit der Entstehung der Landschaften und der Entwicklung der Fauna auf einem Planeten aus? Vielleicht gibt uns das neueste Spiel aus dem Hause "Blue Orange" Aufschluss darüber, wie die verschiedenen Landschaften entstanden sind, und wie diese dann mit Tieren bevölkert wurden.

Ablauf

Der litauische Autor Urtis Sulinskas stellt seine eigene Evolutionsthese ebenfalls in 3 Gesetzen dar:

1. Ein Planet weist die Form eines Dodekaeders auf. Das heißt, dass jeder Planet aus 12 gleichseitigen Fünfecken besteht. Ich weiß, dies klingt jetzt etwas unglaublich, aber zum Beweis liegen in der Schachtel vier entsprechende Modelle bei, sodass sich vier Personen in einem anschließenden Experiment vom Wahrheitsgehalt dieses Gesetzes überzeugen können.

2. Die Entwicklung eines Planeten geht über 12 Epochen (hier Runden genannt), in denen jeweils 1 Fünfeck mit Landschaften bedeckt wird. Dazu dienen die Kontinentplättchen, die jeweils aus fünf Landschaften bestehen. Jedes Plättchen weist dabei zwei oder drei verschiedene von folgenden möglichen Lebensräumen auf: Ozeane, Wälder, Wüsten, Gletscher und Gebirge. In Zugreihenfolge nehmen sich die Spieler je eines von fünf offen ausliegenden Kontinentplättchen und platzieren dieses auf einen freien Platz ihres Planeten.

3. Die Natur sorgt dafür, dass die Tiere anschließend jenen Planeten bevölkern, der ihnen den besten Lebensraum bietet. Ab der dritten Runde liegen Tierkarten aus, welche bestimmte Voraussetzungen erfordern. So siedelt sich beispielsweise der Panda nur auf jenem Planeten an, der die meisten Waldgebiete - Ansammlungen von miteinander verbundenen Landschaften - besitzt. Andere Tierarten verlangen das größte Gebiet eines bestimmten Lebensraum, das an einen bestimmten anderen Lebensraum angrenzt, wieder andere im Gegenteil das größte Gebiet, das nicht an einen bestimmten Lebensraum angrenzt. Wer die geforderten Bedingungen am besten erfüllt, darf sich die entsprechende Tierkarte nehmen.

Nach der 12. Epoche ist das Experiment vorbei. Nun wird verglichen, welcher Spieler am besten abgeschnitten hat. Dabei werden zuerst die anfangs verdeckt zugeteilten Zielkarten gewertet. Je mehr entsprechende Landschaftsfelder ein Spieler auf seinem Planeten aufweist, umso mehr Punkte bekommt er dafür. Anschließend werden die gesammelten Tierkarten abgerechnet. Jede Tierkarte in derselben Farbe wie die eigene Zielkarte ist lediglich einen Punkt wert, jede andere Tierkarte zwei Punkte. Wer auf die höchste Gesamtsumme kommt, hat den artenreichsten und vielfältigsten Planeten erschaffen und gewinnt.

Fazit

Das Auffälligste an Planet sind die Dodekaeder. Die Kantenlänge der 12 Fünfecke misst 3,5 cm, womit der gesamte Körper immerhin rund 9 cm Durchmesser aufweist. Der Würfel liegt daher sehr gut in der Hand, kann problemlos gedreht werden und sorgt somit für haptisches Vergnügen.

Die Kontinentplättchen sind sehr stabil ausgefallen und weisen eine leicht magnetische Rückseite auf, wodurch sie tatsächlich auf dem Planeten kleben, dessen Felder mit dünnen Eisenscheiben versehen sind. Selbst wenn man ihn umdreht, können die Plättchen nicht herunterfallen. der Verlag hat sogar ein paar Eisenscheiben in Reserve beigelegt, sollte im Laufe der Zeit mal die eine oder andere verloren gehen. Rein materialtechnisch ist dies absolut gelungen und funktioniert reibungslos. Ein großes Lob dafür an die Arbeit der Redaktion.

Da dieser Artikel aber keine Arbeit für die "Stiftung Warentest" oder den "TÜV" darstellt, wollen wir nicht bloß die materielle Verarbeitung von Planet beurteilen, sondern vor allem seine spielerische Qualität. Im Grunde genommen handelt es sich um eine Art dreidimensionales Legespiel mit einfachem Auswahlmechanismus, bei dem die Spieler ausliegende Karten (= Punkte) durch Mehrheiten in den angegebenen Lebensräumen erobern.

Bei jedem Spiel, bei dem man aus einer begrenzten Auslage auswählen darf, haben natürlich jene Spieler einen Vorteil, die früher zugreifen können. Nachdem hier in jeder Runde 5 Kontinentplättchen zur Verfügung stehen, wirkt sich der Startspielervorteil umso stärker aus, je größer die Spielerzahl ist. Obwohl der Startspieler von Runde zu Runde im Uhrzeigersinn wechselt, bleibt dennoch ein gewisser Glücksfaktor bestehen, was das momentane Angebot betrifft.

Bei der Ermittlung der Mehrheiten kommt es automatisch zu einem Konkurrenzkampf, somit zu einer Interaktion zwischen den Spielern. Sicher ist es möglich, vorausschauend zu agieren und die gesamte Auslage an Tierkarten in seine Überlegungen einzubeziehen. Trotzdem ist es wichtig, für die aktuell zu erobernden Tierkarten den Status Quo zu kennen, also wie die eigene Ausgangslage im Vergleich zu jener der Mitspieler ist.

Genau dafür stellen sich die dreidimensionalen Planeten als größtes Hindernis heraus. Es ist schon mit seinem eigenen Planeten schwierig genug zu erkennen, wie viele Gebiete bzw. Landschaftsfelder man von einem bestimmten Lebensraum besitzt, besonders weil es in den meisten Fällen ja noch eine zweite Bedingung zu überprüfen gilt. Den Überblick über die Situation bei allen Mitspielern zu haben, ist praktisch unmöglich. Der Dodekaeder steht sich hierbei selbst im Weg, weil er die notwendige Übersicht verhindert.

"Außen hui - innen pfui!" - soweit würde ich dann doch nicht gehen. Trotzdem bleibt für mich der Eindruck, dass der spielerische Gehalt bei weitem nicht an die Qualität des Materials herankommt. Planet ist insgesamt gesehen ein originelles 3D-Legespiel mit Top-Ausstattung, das sicher im Familienkreis und unter Wenigspielern Anklang findet, welches bei erfahrenen Spielern aber aufgrund der mangelnden Übersicht weniger gut ankommt.

Rezension Franky Bayer

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H@LL9000-Bewertungen

H@LL9000 Wertung Planet: 3,7 3,7, 3 Bewertung(en)

Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz Kommentar
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 31.03.19 von Franky Bayer - Extrapunkt für die Top-Ausstattung, Abzüge für die angelnde Übersicht, ergibt eine gute 4 für Wenigspieler und Familien.
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 24.11.18 von Michael Andersch - Solitäres Nebeneinanderherpuzzeln mit Wertung.
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz Kommentar
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 10.12.18 von Andreas Odendahl - Bei der Spielbarkeit gibt es Abzüge wegen des unübersichtlichen Planeten. Zu erkennen wer nun welche und wie große Landschaften besitzt und zu welchen anderen Landschaften sie benachbart sind ist oft auf dem eigenen Planeten eine Herausforderung. Das lässt sich aber hinbekommen. Die zweite Partie läuft da schon relaxter. Ansonsten haben wir hier ein schön aufgemachtes Familienspiel ohne viel Neues. Das Gimmick des Spiels ist halt der zu bepuzzelnde, zwölfseitige Würfel und das ist wirklich spaßig!

Leserbewertungen

Leserwertung Planet: 3,7 3.7, 3 Bewertung(en)

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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 07.12.18 von Ernie - Man reibt sich verwundert die Augen. Würde ein Richter einen Angeklagten einen Haderlump schimpfen, würde er gewiss wegen Befangenheit von weiteren Verhandlungen abgezogen. Ein SdJ-Jury-Mitglied darf dieser Tage bzgl. „Planet“ von einem „Schrottspiel“ sprechen und er setzt noch eins drauf, indem er freimütig zugibt, Sulinskas' Werk nur einmal gespielt zu haben - m.E. ein Offenbarungseid, der mancherlei seltsame Entscheidung des Gremiums in der Vergangenheit durchaus (be-)greifbarer macht (und im Übrigen - wieder m.E. - durchaus die Grenze zur inakzeptablen „Schmähkritik“ quert). Eine kleine Hilfe: Planet ist ein FAMILIEN-, respektive KINDERSPIEL, durchaus erkennbar an der Altersvorgabe „8plus“. Diese Zielgruppe möchte ein schnell bereitgestelltes (ja), mit einfachen Regeln versehenes (ja) und im besten Fall gut ausgestattetes Werk (die Planetendodekader sind ein haptisches Höchstvergnügen und Alleinstellungsmerkmal zugleich - und lassen bereits hiermit die Höchstwertung zu!) mit einem für die Zielgruppe tauglichen Layout (absolut - S. Miramon) und einem familienfreundlichen Preis (auch). Ich bin mir sicher, nicht nur der litauische Autor würde sich verwundert die Augen reiben, wenn unter den genannten Prämissen ein „Experte“ auf die Idee kommen würde, seinen Spielzug unter Inaugenscheinnahme fremder Planeten zu optimieren – ačiū Urtis!
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 15.12.18 von JonTheDon - Function follows Form. Broken. Bei dieser Art Spiel wäre Übersichtlichkeit alles. Aber hier ist sie quasi nicht vorhanden. Das schlechteste Spiel seit Jahren, das ich gespielt habe.
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 08.01.19 von Christo - Ein schön aufgemachtes Familienspiel. Der zwölfseitige Würfel bietet ein schönes haptisches Erlebnis bereits beim Auspacken. Das Spiel an sich bietet aber nicht viel Neues. Erschwerend gegenüber normalen Auslagespielen wirkt die Kugelform, d.h. die "Ablagefläche" muss laufend gedreht werden. Schade finde ich den eher solitären Charakter, Interaktion findet allenfalls in den Schlussrunden statt. Nix für Strategen, schön für Familien mit Kindern (ab 10)

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