Rezension/Kritik - Online seit 14.08.2011. Dieser Artikel wurde 6961 mal aufgerufen.

Porto Carthago

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Autor: Bernd Eisenstein
Illustration: Oliver Schlemmer
Verlag: Irongames
Rezension: Volker Sitzler
Spieler: 3 - 5
Dauer: 90 Minuten
Alter: ab 12 Jahren
Jahr: 2010
Bewertung: 4,8 4,8 H@LL9000
3,4 3,4 Leser
Ranking: Platz 3418
Porto Carthago

Spielerei-Rezension

Spielereikritik - Sommer 2011:

Übersetzt heißt der Titel des Spieles von Bernd Eisenstein nichts anderes als „der Hafen von Karthago“. Karthago war eine Großstadt im Norden Afrikas, nahe dem heutigen Tunis und lag direkt an der Küste. Die Stadt befand sich an der wichtigen phönizischen Handelsroute zwischen der Levante und Gibraltar. Durch seine Lage an der Straße von Sizilien konnte es den Seehandel im Mittelmeer kontrollieren. Dies war der Hauptgrund für die wirtschaftliche und militärische Dominanz der Stadt. Karthago wurde vor rund 800 Jahren (über die genaue Zeit streiten sich noch heute die Experten) vor unserer Zeitrechnung von den Phöniziern gegründet und entwickelte sich aus den oben genannten Gründen schnell als Handelszentrum.
Nach Peloponnes ist es das zweite Spiel, das Bernd Eisenstein in seinem Eigenverlag Irongames auf den Markt gebracht hat. Auch Porto Carthago spielt wieder in der Antike und wieder im Mittelmeerraum. Auch mich reizt diese Epoche als Thema und es wäre schön, wenn dies zum Markenzeichen des kleinen Verlages werden würde.
Der Spielplan zeigt den Hafen von Karthago, in dem im Spielverlauf Schiffe ankommen und mit bestimmten Waren beliefet werden wollen. Das Spiel geht über fünf Dekaden, sprich Runden, und in jeder Runde fahren zuerst die Schiffe in den Hafen ein. Vor dem Hafen wartet immer ein Schiff mehr als Mitspieler vertreten sind. Zu jedem Lagerplatz gehört eine bestimmte Ware.
Im Hafen befinden sich weitere Gebäude in der die Untertanen Platz finden, um sich gewisse Vorteile zu sichern. So wird im Palast um Einfluss gerungen und im Tempel des Baal versuchen die Spieler, den Gott milde zu stimmen und sie bei der Verschiffung der Waren zu unterstützen. Wer die Herrschaft über den Leuchtturm besitzt, entscheidet mit über die Einfahrt der Schiffe in den Hafen. Soll heißen, welche Schiffe fahren an welchen Speicherplatz.
Nachdem die Schiffe im Hafen sind, werden nun die in dieser Runde zur Verfügung stehenden Aktionskarten ausgelegt, die immer die gleichen sind aber auf anderen Feldern zu liegen kommen und daher andere „Kosten“ erfordern. Dann gibt es Geld für jeden eigenen Untertan, den der Spieler noch in seinem Vorrat hat. Nachdem der Markt mit Waren gefüllt wurde, führt jeder Spieler fünf Aktionen pro Dekade aus. Natürlich nicht alle auf einmal sondern immer schön hintereinander. Nicht alle Aktionen sind allerdings kostenlos. Einige kosten bis zu drei Untertanen, die auf dem jeweiligen Feld der Karte abgestellt werden müssen, wobei einige der Felder noch eine zusätzliche Aktion erlauben. So erlaubt der Kapitän das Besetzen eines Schiffes und der Aristokrat erlaubt es, Untertanen auf dem Plan umzusetzen, während mit dem Lademeister freie Speicher besetzt werden können. Der Händler erlaubt den Kauf einer Ware auf dem Markt. Der Träger schließlich (dieser ist zweimal vorhanden) erlaubt den beliebigen Transport einer Ware zwischen Lager, Speicher und gechartertem Schiff. Bei den erwähnten Nebenaktionen darf entweder der Lagerplatz erweitert werden oder aber der Spieler kann Einfluss im Palast erwerben.
Ein wesentlicher Punkt von Porto Carthago ist das Verschiffen der Waren. Hierzu braucht es eines eigenen Charterschiffes (wie erinnern uns: eines mit einem eigenen Kapitän). Außerdem muss mindestens ein Untertan im Tempel der Baal vertreten sein. Nachdem ein Träger die Ware zum gecharterten Schiff transportiert hat, wird diese sofort verschifft und an eine andere Zivilisation verkauft. Dazu wird die oberste Schiffskarte vom verdeckten Stapel aufgedeckt. Auf so einer Schiffskarte sind einige Informationen untergebracht. Es ist zu sehen, mit welcher Zivilisation Handel betrieben wird, und die Warenart ist ebenso zu sehen wie der Erlös des Verkaufes sowie eine Gefahrenzahl. Letztendlich genießt jedes Schiff noch ein gewisses Privileg. Maßgebend zunächst ist die Gefahrenzahl. Sie wird mit den eigenen Anhängern im Baal Tempel verglichen. Ist sie mindestens gleich hoch, ist die Verschiffung gelungen. Es gibt zwei Handelspunkte und auch der volle Geldbetrag wird ausgezahlt, allerdings müssen auch Steuern bezahlt werden. Sollte die Verschiffung nicht gelingen, also die Zahl zu hoch ist, gibt es von allem nur die Hälfte. Nicht mit der Verschiffung der Ware sollte man das Verladen sehen. Hier wird die Ware mit einem Träger zu dem Speicher transportiert und wird abgefertigt. Als Lohn gibt es wieder Handelspunkte und Geld, außerdem darf das Privileg der Schiffskarte genutzt werden. Hier gibt es zum Beispiel mehr Geld, es dürfen beliebige Waren verladen werden, es dürfen Untertanen versetzt werden und weitere Vorteile. Ebenfalls nicht zu unterschätzen ist der „Intrigenpfad“ (übrigens mein Lieblingswort bei Porto Carthago). Immer wenn man Handelspunkte bekommt, dürfen eigene Untertanen auch auf diesen Pfad gesetzt werden. Wer bei Spielende dort die meisten eingesetzt hat, erhält noch Plätze im Palast. Ist die fünfte Dekade beendet, ist das Spiel vorbei.
Ganz einfach ist die Wertung. Gewonnen hat schlicht und einfach derjenige, der die meisten eigenen Untertanen im Palast platzieren konnte.
Wie bei allen guten Spielen habe ich bei Porto Carthago viele Möglichkeiten, um das Spiel zu meinen Gunsten zu beeinflussen. Immer grübelt man, ob die gewählte Aktion auch die zu diesem Zeitpunkt effektivste war. Aber nur keine Sorge, das geht allen Spielern so. Zwar ist nicht alles planbar und einiges dem Zufall überlassen, aber mal ehrlich, einige Unwägbarkeiten machen ein Spiel doch erst so richtig interessant. Auch das Thema hat Bernd Eisenstein überaus stimmig umgesetzt. Porto Carthago ist sicherlich komplexer als sein Vorgänger, aber das ist ja mit Sicherheit kein Nachteil.
Für einen Kritikpunkt kann der Autor aber gar nichts, als da wäre das Material. Da gerade Kleinverlage mit jedem Cent kalkulieren müssen, hat Bernd Eisenstein das Material komplett in China fertigen lassen. Groß war der Schreck, als er feststellen musste, dass ein Großteil der Holzpöppel mit Schimmel befallen war. Auch sind einige der Figuren / Untertanen nicht so korrekt gefertigt, als dass sie bombensicher stehen bleiben würden. Natürlich werden die Untertanen Figuren vom Verlag kostenlos umgetauscht. Allerdings bleibt es jedem selbst überlassen, die Figuren selbst zu reinigen, was nun wirklich kein großes Hexenwerk ist. Porto Carthago ist aber auf jeden Fall ein Spiel, das man sich näher anschauen sollte.

Rezension Volker Sitzler

In Kooperation mit der Spielezeitschrift

Spielerei

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H@LL9000-Bewertungen

H@LL9000 Wertung Porto Carthago: 4,8 4,8, 4 Bewertung(en)

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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 14.08.11 von Volker Sitzler
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 30.10.10 von Michael Andersch
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 29.11.10 von Alexander Broglin - sehr vielfältiges Strategiespiel
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 10.03.12 von Michael Timpe - leider nicht ganz ausgewogen, aber sonst ein sehr schönes Spiel, mit Hausregeln hervorragend.

Leserbewertungen

Leserwertung Porto Carthago: 3,4 3.4, 5 Bewertung(en)

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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 04.12.10 von Carlo - gut verzahnte Mechanismen, lassen verschiedene Strategien zu. Ist eindeutig vielschichtiger als Peloponnes vom gleichen Autor (was mir aber auch sehr gut gefällt).
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 15.08.11 von Wolfram Dübler-Zaeske - Für einen Kleinverlag recht ordentlich verarbeitetes Material. Das Spiel selbst funktioniert sehr gut, und wird noch das ein und andere Mal auf den Tisch kommen.
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 19.08.11 von W.Heidenheim
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 20.08.13 von Thommy - Nachdem wir uns durch die Regel gequält haben, wurde das Spiel nach 1 Stunde abgebrochen. Das machen wir normalerweise nicht, aber niemand ließ sich zum weiterspielen bewegen...
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 20.08.13 von nora - Es ist zwar schon etwas länger her, daß wir dieses Spiel gespielt haben aber ich erinnere mich an einen ziemlich langen und langweiligen Abend.

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