Rezension/Kritik - Online seit 19.06.2016. Dieser Artikel wurde 5974 mal aufgerufen.

Rumms

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Autor: Gary Sibthorpe
Oliver Sibthorpe
Illustration: Jonathan Kirtz
Verlag: KOSMOS
Gamewright
Rezension: Christoph Schlewinski
Spieler: 2
Dauer: 15 Minuten
Alter: ab 8 Jahren
Jahr: 2015, 2021
Bewertung: 4,3 4,3 H@LL9000
3,8 3,8 Leser
Ranking: Platz 3792
Rumms
Rumms

Spielziel

Was passiert da an der Grenze zum Königreich? Lässt der böse andere König dort etwa seine Trolle und Raubritter aufmarschieren??? Diese Provokation darf man nicht unbeantwortet lassen. Also schickt man seine Truppen ebenfalls ins Gefecht. Und über den Ausgang dieser epischen Schlacht entscheidet ein gutes Auge. Und ein starker Finger.

Ablauf

Jeder Spieler (oder jedes Team) stellt seine Armeen zu Anfang in der eigenen Hälfte des Spielplans auf. Dazu wird die Spielschachtel zwischen beide Parteien gestellt. Es gibt keine Beschränkungen beim Spielaufbau. Außer, dass der König in der Burg stehen muss. Sind alle fertig, kommt die Schachtel weg, und die Schlacht kann beginnen.

Der Spieler am Zug sucht sich einen Armeewürfel aus und schnippt ihn auf die gegnerische Seite. Jetzt kann Folgendes passieren:

  • Der Würfel landet außerhalb des Spielplans. Dann ist er aus dem Spiel.
  • Der Würfel bleibt mit einem Gesicht oben auf dem Plan liegen. Dann darf er bleiben.
  • Der Würfel liegt in der gegnerischen Hälfte und zeigt ein Schattengesicht (die Gefangenenseite). Dann muss der Spieler mit ihm würfeln. Zeigt er wieder ein Schattengesicht, ist er raus. Zeigt er ein richtiges Gesicht, kommt er zurück auf die eigene Spielplanhälfte. Würfel, die in der eigenen Hälfte das Schattengesicht zeigen, werden einfach auf das normale Gesicht gedreht.
  • Der Würfel titscht einen anderen Würfel vom Plan: Dann ist der andere Würfel aus dem Spiel (und der eigene auch, sollte er ebenfalls runterwandern).

Berührt und/oder verschiebt man vor dem Schnippen einen gegnerischen Würfel, schnippt man mehrere Würfel auf einmal oder schiebt einen Würfel nur an anstatt ihn zu schnippen, bekommt der Gegner einen Extrazug und ist zwei Mal nacheinander dran.

So schnippt und titscht man sich über das Schlachtfeld, bis es einer Seite gelingt, den König vom Plan zu kicken. Diese Seite hat dann gewonnen und eine Königreichhälfte mehr.

Fazit

Rumms ... dieser Name ist hier Programm. Hier knallt es, hier wird getobt, geschrien, gejammert, gejubelt - alle Gefühlsschattierungen sind drin. Und das alles in einer überschaubaren Zeit. 1 bis 15 Minuten dauert Rumms, und die eine Minute ist keine Übertreibung. Baut man seine Armeen unachtsam auf, reicht manchmal simple, grobe Gewalt beim Schnippen und der eigene König segelt vom Brett. Die kürzeste Partie Rumms dauerte 35 Sekunden.

Es ist schon irre, dass eben diese Partie bei den mitspielenden Kindern einen besonderen Sog ausgelöst hat, denn sie hat ihnen sofort gezeigt: vor dem Spiel ist mitten im Spiel. Oder besser gesagt: Man sollte sich Zeit nehmen beim Aufbau der Armeen. Die Würfel einfach so auf die eigene Hälfte zu verteilen, bringt einen nicht weiter. Dazu braucht es eine rasend schnelle Partie. Die nächste allerdings wird mindestens ein paar Minuten länger, denn jetzt wird der Aufbau genau überlegt.

Und die Kinder und Jugendlichen dabei zu beobachten, ist faszinierend. Da werden Klassenrowdies zu kleinen Napoleons, hektische Kinder zu konzentrierten Generälen. Da werden geometrische Formen probiert, Abprallwälle mit Würfeln installiert. Oder sollte man den König mal komplett mit Würfeln umschließen? Oder eine Mauer vor ihm bauen? Oder einen Keil? Oder vorne alles abriegeln?

Ich habe dieses Spiel jetzt schon so oft mit Kindern und Jugendlichen gespielt, aber in schöner Regelmäßigkeit kommen Armeeaufbauten auf den Plan, an die ich selbst nie gedacht hätte. Das ist dann auch der Punkt, an dem sich viele Geister bei Rumms scheiden und den ich nicht ganz nachvollziehen kann:

Rumms ist ein Spiel für Kinder und Jugendliche. Das ist die erklärte Zielgruppe. Reine Erwachsenenrunden finden es eine Zeitlang nett, aber der Spaß ebbt bei ihnen schnell ab. Leider bewerten viele Rumms aus eben dieser Erwachsenensicht, und das ist schade. Ich bin mir sicher: Würden Kinder und Jugendliche Kommentare zu Rumms abgeben, wären diese grandios. Dieses Spiel schafft etwas ganz Tolles: Kinder, die nicht so viel oder eher gar nicht spielen, an den Tisch zu bringen und zu zocken. Das ist schon eine Leistung für eine Gruppe, die sich eher die Hand abhacken würde als das Smartphone oder Tablet wegzulegen.

Bei ihnen bleibt Rumms dann auch lange frisch (besonders mit der unten beschriebenen Variante). Denn es ist eben ein schneller Spaß mit einem sehr schnellen Einstieg. Ein Hauch martialisch, ein Hauch brutal, ein bisschen Klopperei - das macht Laune. Dazu noch die unzähligen Möglichkeiten beim Spielaufbau und Kinder/Jugendliche, die Brettspiele sonst nur als "übelst uncool" bezeichnen, sitzen am Tisch.

Und dann kann Rumms noch etwas: Motorik trainieren. Auch wenn man sich manchmal wie eine kaputte Schallplatte anhört: Spiele mit so einer Mechanik sind in der heutigen High-End-Elektronikzeit für Kinder und Jugendliche sehr wichtig. In der Beobachtung der mitspielenden Kinder zeigt sich ganz klar, wer sich in der Freizeit fast ausschließlich mit Smartphone, Tablet und Konsole beschäftigt. Nämlich die Kinder, die ihre Armeen nicht unter Kontrolle haben.

Rumms frustet viele Kinder aber nicht. Im Gegenteil. Dieses Spiel spornt viele an. Kaum einer wollte es in der nächsten Runde nicht besser machen, etwas Neues ausprobieren oder einfach nur das Schnippen üben. Es gibt hier eine klare Lern- und Verbesserungskurve, was wieder ein starker Punkt für Rumms ist.

Natürlich könnte man beim Thema meinen, es handle sich hier um ein reines Jungen-/Väterspiel. Ist es aber nicht. Auch Mädchen schicken gerne ihre Armeen ins Feld und nicht selten konnten sie sich dadurch den Respekt so manches Mitschülers sichern. Solche Runden zu erleben, ist sehr belohnend. Besonders für die Kinder.

Es gibt nur einen Punkt, der an Rumms nicht so gut gefällt:

Das Material: Man sollte die Matten auslüften lassen, denn sie stinken ziemlich. Und es wäre besser gewesen, man hätte noch eine schnell zusammensteckbare Bande ins Spiel integriert. So wird das Spiel ziemlich häufig unterbrochen, weil man die Würfel suchen muss.

Mehr gibt es hier aber nicht zu meckern. Wer mal erleben möchte, wie ungewöhnlich konzentriert Kinder und Jugendliche schon beim Spielaufbau sind und mit wie viel Spannung so eine Partie abgehen kann, sollte unbedingt einen Blick auf Rumms werfen. Denn es gibt ja auch noch die Expertenregel. Und mit der ist ein langer Spielspaß dann garantiert.

Also, ihr kleinen und großen Feldherren: ab in die Schlacht!!!

Rezension Christoph Schlewinski

Regelvarianten

In der Profivariante können sich die Spieler die Zusammensetzung ihrer Armee selbst aussuchen.

Natürlich muss der König ein Teil der Truppe sein, aber alles andere ist variabel.

40 Punkte darf man ausgeben und sich damit Würfel kaufen. Und kaufen kann man neben den schon im Grundspiel vertretenen Raubrittern und Trollen auch noch:

  • Drache oder Löwe: Liegt er nach dem Schnippen noch im eigenen Königreich, darf man mit ihm noch mal schnippen.
  • Spion: Landet der Spion auf der gegnerischen Hälfte, darf man ihn freiwillig vom Plan nehmen und dort liegenlassen. Später darf man auf seinen Zug verzichten und stattdessen den Spion irgendwo auf der gegnerischen Hälfte ins Spiel bringen (aber nicht sofort mit ihm losschnippen).
  • Herz: Herzen werden nicht geschnippt, sie sind quasi Heilzauber. Man nimmt einen Herzwürfel vom Plan und darf dann Würfel wieder ins Spiel bringen. Vorausgesetzt, man würfelt keine Schattenseite mit ihnen.
  • Eiswürfel: eine Art Frostzauber. Die liegen neben dem Spielplan und dürfen auf einen (oder mehrere Würfel, falls es passt) gelegt werden. Der Gegner darf diese Würfel solange nicht schnippen, bis er den Eiswürfel von seiner Truppe runterschmeißen konnte.

Damit wird Rumms quasi zu einem Einstiegs-Tabletop-Armeespiel und kann auch auf lange Sicht überzeugen.

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H@LL9000-Bewertungen

H@LL9000 Wertung Rumms: 4,3 4,3, 4 Bewertung(en)

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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 24.05.16 von Christoph Schlewinski - Die sechs gibt es für Partien mit Kindern und Jugendlichen. Reine Erwachsenenrunden bewerten es schlechter.
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 29.09.15 von Frank Lehmann - Witziges Thema, tolle Umsetzung. Mir gefällt's gut.
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 13.06.16 von Stephan Rothschuh - Ich bin großer Fan von Schnippspielen, und Rumms ist eine geniale Idee, aber leider ist alle Taktik bei der Zusammenstellung des eigenen Teams, beim Aufbau und beim Spiel für die Katz. Denn letztlich ist es einfach immer das Beste, mit dem nächstbesten Würfel volle Kanne auf den gegnerischen König drauf zu halten. Wer fester schießt, gewinnt (von meisterlichen Trickschüssen über die gegnerische Verteidigungslinie abgesehen).
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 24.06.16 von Michael Kahrmann - Für Kinder Spielreiz 4

Leserbewertungen

Leserwertung Rumms: 3,8 3.8, 5 Bewertung(en)

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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 14.09.15 von Dencer - Mal was anderes, aber mehr als 3 Punkte sind es dann nicht.
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 06.10.15 von Oliver Müller - Ein sehr schönes Generationen übergreifend Spaß machendes Spiel, das mich an selbst inszenierte Schnippspiele aus vergangenen Kindheitstagen erinnert (Murmeln und Plastiksoldaten). Meine Kinder (9 und 11) sind begeistert und wollen im Moment lieber RUMMS als Tablet spielen. Wer jedoch lieber Ressourcen anhäuft, Siegpunkte über rosenbergsche Mechanismen generiert und allergisch auf Glücksfaktoren reagiert, ist hier natürlich völlig fehl am Platz. Als Familienspiel eine klare Empfehlung! Die Wertigkeit des Spielmaterials ist nicht überragend, aber gut.
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 20.10.15 von Jens Häfner - sehr tiefsinnig ist Rumms nicht, macht aber Laune und kann man immer mal wieder auf den Tisch bringen. Einfach ein Spaßspiel!
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 20.10.15 von edru - Lustig ist es schon! Aber die Matten riechen übel.
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 19.03.20 von felixs - Rumms ist ein tolles Spiel mit ein paar recht gravierenden Problemen. Die Regeln sind etwas zu offen und erlauben merkwürdige Konstruktionen. Hier wäre etwas Einschränkung mehr gewesen und hätte die Zugänglichkeit erhöht, wenn man nicht jeden Quatsch im Spiel erproben müsste. Andererseits mögen manche gerade diese Offenheit auch mögen. Geschmackssache, vielleicht. Rumms verschenkt außerdem eine Menge Potential. Es wäre schön gewesen, etwas mehr Auswahl bei den Truppen zu haben, es wäre ein leichtes gewesen, neue Ideen für Befestigungen, Gelände etc. hinzuzufügen. Auch die Burg ist als Aufdruck auf den Matten leider etwas lieblos. Die Matten sind an sich super, leider ist kaum zu vermeiden, dass sich zwischen den Teilen der Matten Spalten oder Kanten bilden. Mir fällt zwar auch keine bessere Lösung ein, aber gerade das wäre Aufgabe des Verlags gewesen. Entsprechend: Tolles Spiel mit redaktionellen Mängeln. Die Bewertung mag ein bißchen brutal erscheinen, aber bei dieser Sorte Spiel ist die haptisch-physisch-technische Umsetzung eben ein sehr wichtiger Faktor.

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