Rezension/Kritik - Online seit 06.12.2021. Dieser Artikel wurde 2895 mal aufgerufen.

Tulpenfieber

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Autor: Uwe Rosenberg
Verlag: AMIGO
Rezension: Franky Bayer
Spieler: 1 - 4
Dauer: 30 Minuten
Alter: ab 8 Jahren
Jahr: 2021
Bewertung: 3,3 3,3 H@LL9000
2,6 2,6 Leser
Ranking: Platz 6274
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Tulpenfieber

Spielziel

Was können wir wohl von einem Spiel mit dem Titel Tulpenfieber erwarten? Ist es ein Spiel um Aktienhandel? Schließlich bezeichnet Tulpenfieber (oder auch Tulpenblase oder Tulpenmanie) eine Periode im Goldenen Zeitalter der Niederlande, in der Tulpenzwiebeln zum Spekulationsobjekt wurden. Im Jahre 1630 erreichte der Preis ein extrem hohes Niveau, der plötzliche Preisverfall im Februar 1637 führte daraufhin zum ersten großen Crash der Wirtschaftsgeschichte.

Oder handelt es sich um ein Landwirtschaftsspiel? Schließlich ist der Autor des Spiels niemand Geringerer als Uwe Rosenberg, der uns in seinen zahlreichen Werken schon die verschiedensten Gemüse- und Getreidesorten anbauen ließ: Bohnen, Gerste, Hopfen, Flachs, Tomaten, etc. Warum also nicht auch mal Blumen?

Die überraschende Antwort: keines von beiden! Zwar bauen wir durch Würfeln Tulpenfelder an, dies aber nur, um Reihen und Spalten schneller zu füllen als unsere Mitspieler.

Ablauf

Jeder von uns besitzt sein eigenes Tableau mit Tulpenfeldern. Diese sind in 5 Reihen und 7 Spalten angeordnet. Die Spalten stehen für die Würfelaugen von 1 bis 6, die Reihen hingegen für die Anzahl der entsprechenden Würfel, um neue Tulpen auf ein (leeres) Feld legen zu dürfen. So brauchen wir für die oberste Reihe lediglich ein Paar, also zwei 1er, zwei 2er, etc. Nach unten hin steigt die Anzahl der benötigten Würfel an, bis zur untersten Reihe, die gleich 5 gleiche Zahlen erfordert. Die mittlere Spalte weicht von diesem Muster ab, denn diese verlangt Straße, also aufeinanderfolgende Zahlen, von drei passenden Würfeln für die 1. Reihe bis zu sechs Würfel für die 5. Reihe. Zu Beginn sind bereits einige Felder unseres Tableaus mit Plättchen belegt.

Sind wir an der Reihe, würfeln wir mit ganz normalen Sechsseitern, anfangs mit 4 Stück. Bis zu zwei Mal dürfen wir dabei nachwürfeln, wobei wir auch bereits beiseitegelegte Würfel wieder nachwürfeln dürfen. Wir können uns auch noch einen vierten und sogar fünften Würfelwurf erkaufen, wenn wir je zwei beliebige unserer Tulpenplättchen auf ihre Rückseite (mit dem Geldsack drauf) umdrehen. Danach dürfen wir ein Tulpenfeld abdecken, wobei das Endergebnis bestimmt, welches freie Feld wir mit einem neuen Tulpenplättchen belegen dürfen.

Aufmerksame Leser werden sich nun fragen, wie wir es wohl schaffen könnten, mit gerade mal 4 Würfeln ein "Grande" (5 gleiche Zahlen) oder eine "große Straße" (6 aufeinanderfolgende Zahlen) zu erreichen. Nun, es gibt für uns tatsächlich die Möglichkeit, zusätzliche Würfel zu erhalten, und zwar durch lückenloses Füllen von Feldern in senkrechter oder diagonaler Ausrichtung. Schaffen wir dies in den oberen 3 Reihen, schalten wir so den 5. Würfel frei, mit den obersten 4 Reihen den sechsten, und eine Belegung von senkrecht oder diagonal benachbarten Feldern über alle fünf Reihen bringt uns schließlich sogar den 7. Würfel.

Außerdem winkt uns ein Bonusplättchen, wenn es uns gelingt, mit Tulpen eine Fläche von 3 x 2 (oder 2 x 3) Feldern zu bilden. Das Plättchen wird daraufhin auf die sechs entsprechenden Tulpenplättchen platziert. Ab nun legen wir zu Beginn unseres Spielzugs einen unserer zur Verfügung stehenden Würfel auf dieses Bonusplättchen. Dieser Würfel wird nicht gewürfelt, stattdessen drehen wir ihn bei der Auswertung unseres Würfelergebnisses auf eine Seite unserer Wahl.

Das Spiel endet augenblicklich, sobald einer von uns Tulpenbauern eine der drei möglichen Siegbedingungen erfüllt: Entweder die vierte Reihe seines Tableaus mit Feldern komplettieren, vier beliebige Felder in der fünften Reihe oder drei benachbarte Felder der fünften Reihe belegen.

Fazit

Okay, von Uwe Rosenberg ist man normalerweise ganz anderes gewohnt. Arbeitereinsetzspiele à la Agricola oder Puzzle-Spiele, wie etwa Patchwork. Dies hier ist allerdings ein simples Würfelspiel, welches Ähnlichkeiten zu Kniffel (oder wie es bei uns heißt: "Würfelpoker") aufweist. Wer etwas Taktischeres, Anspruchsvolleres erwartet hat, wird hiermit enttäuscht. Tulpenfieber richtet sich gezielt nicht an Vielspieler und Kenner, sondern explizit an den Gelegenheitsspieler.

Im Grunde genommen findet auf den Tableaus ein Wettrennen statt, denn es gewinnt ja, wer eine der drei Siegbedingungen zuerst erfüllt. Meine Erfahrung hat mir gezeigt, dass alle drei Bedingungen etwa gleichwertig sind, denn in unseren Partien konnte mit jeder von ihnen der Sieg erzielt werden. Nachdem eine Partie sofort zu Ende ist, sobald es jemand geschafft hat, stellt sich selbstverständlich die Frage nach dem Startspielervorteil. Es haben aber alle Spieler die gleichen Chancen, da je nach Spielerreihenfolge bereits zu Beginn andere Felder belegt sind.

Der Glücksfaktor ist hingegen hoch, sehr hoch sogar. Würfel haben schließlich ihren eigenen Willen. Wir könnten es natürlich genauso gut auf den lieben Gott, auf Allah, auf die Glücksgöttin Fortuna, auf Kismet oder eine andere Kraft des Universums schieben. Tatsache bleibt, dass es mal wunderbar laufen kann und die Würfel so fallen, wie wir es gerade brauchen, oder eben gar nicht, und wir uns wiederholt darüber ärgern, dass wir nichts Richtiges zusammenbringen.

Trotzdem gibt es bei Tulpenfieber mehr Möglichkeiten der Einflussnahme als etwa bei Kniffel, welches ja nach wie vor in lockeren, entspannten Kreisen sehr beliebt ist. Durch geschicktes Belegen von Feldern können wir dafür sorgen, dass wir mehr Würfel bekommen, was die Wahrscheinlichkeiten auf bessere Ergebnisse deutlich erhöht. Oder dass wir einen Jokerwürfel erhalten, den wir dann flexibel je nach Würfelergebnis einsetzen können. Und auch das Erkaufen zusätzlicher Würfelwürfe macht uns vom Zufall etwas weniger abhängig.

Trotz dieser Maßnahmen ist Tulpenfieber in unseren Vielspielerrunden verständlicherweise gefloppt. In lockeren Runden ist es hingegen recht gut angenommen worden. Ich selbst spiele es ab und an ganz gern, als angenehme, glücksabhängige Abwechslung zu stundenlangen Strategiespielen, als Absacker nach einem anstrengenden Spieleabend oder als unterhaltsames Spiel zwischendurch. Durch die kurze Spieldauer von lediglich 20 Minuten nehme ich den hohen Glücksanteil gerne in Kauf.

Tulpenfieber bietet auch noch ein Solo-Spiel an, gerade in kontaktbeschränkten Zeiten wie diesen eine willkommene Variante. Dabei gilt es, in drei Durchgängen möglichst wenige Tulpenfelder (= Versuche) zu benötigen, um eine der erwähnten Siegbedingungen zu erfüllen. Nach der Addition der 3 Einzelergebnisse sollte man eine Gesamtsumme von 60 oder weniger Tulpenplättchen erzielen. Man kann aber auch versuchen, den eigenen "Lowscore" zu unterbieten. Mein Rekord liegt bei 42 Plättchen, womit - laut Tabelle - eine neue Tulpenart nach mir benannt werden sollte ;-)

Dass ich dem Spiel dennoch keine höhere Bewertung als "durchschnittlich" gebe, liegt sowohl am Spielmaterial mit fuzzeligen Tulpenfeldern in liebloser Gestaltung, als auch am komplett austauschbaren Thema, welches absolut nichts mit Tulpen zu tun hat, weder mit der Spekulationsblase in den Niederlanden des 17. Jahrhunderts noch mit dem landwirtschaftlich genutzten Anbau der Blumenpracht. Und warum die Tulpenplättchen gar vier verschiedene Farben aufweisen, was keine spielrelevante Bedeutung hat, bleibt mir ein Rätsel. Oder kommt etwa in absehbarer Zukunft eine Erweiterung heraus, bei der die Farben der Tulpen eine Rolle spielen?

Rezension Franky Bayer

Anmerkung: Zur besseren Lesbarkeit der Texte verwenden wir hufig das generische Maskulinum, welches sich zugleich auf weibliche, mnnliche und andere Geschlechteridentitten bezieht.

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H@LL9000-Bewertungen

H@LL9000 Wertung Tulpenfieber: 3,3 3,3, 3 Bewertung(en)

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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 16.11.21 von Franky Bayer - Nichts fr Vielspieler, aber nettes, lockeres Wrfelspiel. Fr die richtige Gruppe wrde auch die Spielreiznote 4 passen.
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 06.12.21 von Alexander Broglin - nette Kombi aus Wrfel und Legespiel mit Wiederspielreiz. Vor allem fr Familienspielabende geeignet.
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 02.01.22 von Horst Sawroch - Thematik und (kindgerechtes, 8 ) Spielmaterial enttuschen! Ein schnelles,einfaches Wrfelplacement, leider verpackt in einem lockenden, kostentreibenden Karton.

Leserbewertungen

Leserwertung Tulpenfieber: 2,6 2.6, 5 Bewertung(en)

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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 03.11.21 von Daniel R. - Fr das was es sein will, kleines schnes schnelles Wrfelspiel ist es Ok. Kein berkracher, aber kann man mal ab und an Spielen als absacker, oder zwischendurch, oder Solo. Ja, kann man mal machen. Im Besten Sinne Nett! Man hat ein paar kleine Entscheidungen zu treffen, nciht was berfordert, man kann bisschen puzzeln, bisschen sein Glck pushen...kleines Wettrennen. Ja. OK. Schn! Ich geh brigens auch davon auss dass die Farben der Tulpen in einer mglichen knftigen Erweiterung eine Bedeutung haben werden.
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 14.11.21 von Peter Steinert - Entschuldigung.
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 07.12.21 von Hans Huehnchen - Unntiger Kniffel-Klon, der nicht mal hbsch aussieht.
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 09.12.21 von docholz - Eine echte Rosenberg Enttuschung!
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 16.07.24 von Meeplestilzchen - Trotz ernchternder Benotung meinerseits halte ich es fr ein Spielchen, welches zu unrecht verpnt wird, daher ist es mir wichtig einmal hiermit zu betonen, dass Tulpenfieber grundstzlich kein schlechtes Spiel ist - auch wenn es mit der Ganz schn clever-Reihe von Wolfgang Warsch bessere Kniffel-Varianten gibt. Zielgruppe sind ganz eindeutig nicht die Vielspieler, aber in Runden mit unerfahrenen Spielerinnen und Spielern oder auch mit Kindern habe ich bisher nie auch nur ein schlechtes Wort ber dieses Spiel gehrt. Selbst meine Frau und ich spielen es gelegentlich mal als lockeren, kleinen Absacker hinterher. Warum auch nicht? Uns gefllt das Spielchen (auch wenn wir es nicht ausprobiert htten, wre der Autor nicht Uwe Rosenberg). Jedenfalls finde ich Uwe Rosenberg\\'s Tulpenfieber deutlich besser als Armonia oder sogar das Wrfel-Bohnanza, bei dem man durchaus unter dem "Phase 10-Effekt" leiden kann (ich komme einfach nicht weiter, weil ich nicht das passende ziehe - in diesem Fall wrfle). Fr das was es ist und sein mchte, macht es seine Sache gut! Der Glcksfaktor wird gemildert, sobald man ein 2x3 oder 3x2-Raster gelegt hat und dieses mit einem Sonderplttchen zur Manipulation des Wrfels belegen darf. Dazu kommt die Mglichkeit sich weitere Wrfel freizuschalten, was das Spiel nicht unbedingt bruchte, aber wiederum etwas belohnendes hat und es doch irgendwie abrundet. Beides macht es zu einem deutlich besseren Kniffel, als die Urversion. Die einzige echte Kritik richtet sich an den Amigo-Verlag bezglich der Ausstattung: Warum nicht ein Wrfelset pro Farbe/Person?! Ein Wrfelset fr alle hat bei unseren unerfahrenen Mitspielenden zu Verwirrungen gefhrt (wieviele Wrfel hatte ich nochmal? Wieviele du nochmal?), daher habe ich es selbst mit einem Set pro Farbe ergnzt. So bleiben die 3 Wrfel immer auf dem Tableau liegen, bis sie freigespielt wurden und alle wissen stets, wieviele Wrfel sie zur Verfgung haben.

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