Rezension/Kritik - Online seit 21.04.2009. Dieser Artikel wurde 5053 mal aufgerufen.

Herr der Ziegen

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Autor: Günter Burkhardt
Illustration: Michael Menzel
Verlag: AMIGO
Rezension: Sandra Lemberger
Spieler: 2 - 5
Dauer: 40 Minuten
Alter: ab 8 Jahren
Jahr: 2008
Bewertung: 3,7 3,7 H@LL9000
3,8 3,8 Leser
Ranking: Platz 4156
Herr der Ziegen

Spielziel

Bei dieser munteren Ziegenparty geht es darum, in möglichst vielen Ziegenarten Mehrheiten zu sammeln, denn dafür gibt es Punkte! Die großen Ziegen laufen um die Weide herum und suchen sich die besten Ziegenexemplare aus. Ein gutes Auge, ziegenschlaues Sammeln und etwas Glück sind gefragt, wenn die Ziegenparty steigt.

Ablauf

Je nach Mitspielerzahl wird eine bestimme Menge an Ziegenkarten gut gemischt und zu einem in der Größe ebenfalls der Spieleranzahl angepassten Quadrat ausgelegt, wobei die restlichen Karten den Nachziehstapel bilden. In den Randbereichen dieses Kartenquadrates stehen die Ziegenställe der Spieler, welche die Zicklein beherbergen. Die große Ziege steht vor dem eigenen Stall und wird im Laufe des Spieles einige Male um die Weide gezogen. Das Ziehen geht so vonstatten, dass man eine seiner beiden Handkarten, die einen Wert von 1 bis 5 aufweisen, ausspielt und vor sich ablegt. Die abgebildete Zahl gibt an, wie weit man im Uhrzeigersinn ziehen muss. Aus der Reihe, vor der man danach zum Stehen kommt, muss man eine Karte wählen und auf die Hand nehmen.

Das Ausspielen der Karten bestimmt jedoch nicht nur die Zugweite, denn zusätzlich versucht man, gleiche Ziegenmotive zu sammeln. Hat man hier nämlich 8 oder mehr von insgesamt 15 möglichen Punkten vor sich liegen, erhält man die "Exklusivrechte" an dieser Ziegenart. Alle weiteren im Spiel befindlichen Karten dieser Sorte darf man mit einer eigenen kleinen Ziege markieren – selbst, wenn sich noch einige der Karten im Nachziehstapel befinden, kann man diese gleich mit Hilfe der kleinen Ziegen in Besitz nehmen, sobald sie ausgelegt werden.

Wenn zwei Spieler die gleiche Ziegenart sammeln, kann man Ziegenarten oft nicht durch das Erreichen von 8 oder mehr Punkten erobern. Dann entscheidet die höhere Punktezahl, sobald insgesamt 4 Karten derselben Ziegensorte ausliegen, egal, vor wem sie liegen.

Die ausgespielten Ziegenkarten sichern zwar Ziegensorten, sind aber am Spielende wertlos. Lediglich die durch eine kleine Ziege markierten Karten bringen den aufgedruckten Punktewert. Diesen Wert kann man verdoppeln, wenn man die in Besitz genommenen Ziegenkarten mit seinem Stall verbinden kann. An dieser Stelle kommt der Hund ins Spiel. Spielt man diesen aus, so zählt die Karte weder für spätere Mehrheiten noch darf man sich bewegen. Dafür darf man aber neben der üblichen Karte, die man auf die Hand nimmt, eine Ziegenkarte, auf der ein eigenes Zicklein steht, mit einer anderen Karte aus derselben Reihe tauschen. Auf diese Weise versucht man, die eigenen Ziegenkarten direkt neben seinen Stall oder neben andere eigene Karten, die bereits mit dem Stall verbunden sind, zu befördern.

Neben den Ziegen- und Hundekarten beinhaltet das Spiel auch noch Milchcocktail-Karten mit den Werten 1 oder 2, die man einfach sammelt. Wer am Ende die meisten Milchkannen vor sich liegen hat, erhält deren Gesamtpunkte gutgeschrieben – auch der Spieler mit den zweitmeisten darf sich noch über den halben Punktewert freuen.

Das Spielende wird eingeleitet, wenn die letzte Karte aus einer Reihe genommen wird bzw. wenn man aus einer Reihe keine Karten mehr nehmen kann, weil alle mit Ziegen besetzt sind. Dann gewinnt der Spieler mit den meisten Gesamtpunkten aus Ziegen- und Milchcocktail-Karten.

Fazit

Wie schon im ebenfalls bei Amigo erschienen Kartenstichspiel Ziegen kriegen überzeugt auch hier die Aufmachung ohne Wenn und Aber. Die witzigen Ziegen im Outfit von Elvis, den Blues Brothers, Braveheart oder anderen bekannten Persönlichkeiten sprechen nicht nur Kinder, sondern auch Erwachsene an. Nach dem Lesen der mit vielen Beispielen versehenen Regel, die keine Fragen offen lässt, steht einem schnellen Spieleinstieg auch nichts im Wege.

Die Grundidee für diese Art der Spielsteinfortbewegung ist nicht neu. Der Autor Günter Burkhardt hat diesen interessanten Mechanismus bereits in seinem 2-Personen-Spiel Kupferkessel & Co zum Einsatz gebracht und in diesem Spiel lediglich ein wenig modifiziert. Während man zu Spielbeginn noch denkt, dass es nicht viel Unterschied macht, welche Karte man ausspielt bzw. nimmt, so zeigt sich schon nach wenigen Runden, dass die gezielte Auswahl der Karten sehr wichtig ist. Nicht nur sollte man darauf achten, immer unterschiedliche Werte auf der Hand zu haben, um ein wenig flexibler zu sein, auch sollte man schon immer einen Zug vorher wissen, welche Karte man in der nächsten Runde anvisieren möchte. Klar, dass die Mitspieler – vor allem im Spiel zu viert – die Ausführung dieser Planungen nicht immer möglich machen, aber ohne Konzept und vorausschauendes Denken lässt sich dieses Spiel zweifellos nicht gewinnen.

Der Knackpunkt des Spiels ist die Tatsache, dass man mit Karten, die man auf die Hand nimmt und später ausspielt, nur indirekt Punke machen kann, indem man versucht, die Mehrheit für diese Kartensorte zu gewinnen. Je mehr diese Mehrheit 8 Punkte überschreitet, desto mehr potenzielle Siegpunkte verliert man.

Deshalb sollte man auch darauf achten, solche Ziegensorten zu sammeln, die sonst noch keiner in seiner Auslage hat. Tritt man in dieser Hinsicht mit seinen Mitspielern in direkten Wettbewerb, ist vorhersehbar, dass selbst im günstigen Fall der Mehrheit meistens nur magerer Gewinn abfällt. Häufig endet dieser Wettkampf so, dass man dadurch nur eine einzige Karte mit einer eigenen Ziege besetzen darf, und diese Karte weist dann nicht selten auch noch einen geringen Punktewert auf.

Trotzdem sollte man den Mitspielern auch ab und zu eine hohe Karte, die ihnen viel Profit bringen würde, wenn sie liegen bliebe, wegnehmen und lediglich für den Zweck des schnelleren Vorwärtskommen einsetzen. Interaktion bildet nämlich nicht den Schwerpunkt dieses Spieles und mit solch einer Vorgehensweise kommt wenigstens ein bisschen Ärgerfaktor ins Spiel.

Gleich zu Beginn des Spieles empfiehlt es sich, ein wenig darauf zu achten, zumindest eine Ziegensorte zu sammeln, von der ein hoher Kartenwert direkt neben dem eigenen Stall liegt. Somit kann man sich später das eine oder andere Verschieben sparen.

Nicht ganz unwichtig sind auch die Milchkarten. Die Hoffnung, hier punkten zu können, wenn man lediglich ab und zu eine Milchkarte nimmt, ist jedoch trügerisch, denn nur die beiden Ersten erhalten Punkte dafür. Auch hier lohnt es sich aber allemal, für benötigte Einer- oder Zweierschritte den "Milchkannensammlern" ab und zu eine Milchkanne wegzuschnappen.

Obwohl das Spiel Planung und vorausschauendes Denken erfordert, halten sich die Grübelzeiten im Rahmen. Zum einen, weil man auch immer schon ein wenig vorplanen kann, zum anderen, weil man ja nur zwei Karten in der Hand hält, was die Möglichkeiten gleichzeitig wieder einschränkt.

Herr der Ziegen kam nicht in all meinen Testrunden gut an - die Meinungen waren sehr geteilt. Während es die einen auf Anhieb mochten, fanden es andere trotz der überall Zustimmung findenden Grafik wiederum weniger reizvoll. Vielleicht auch deshalb, weil es sich - auch wenn uns die lustigen Zeichnungen sowie die Holzziegen etwas anderes vorgaukeln wollen - um ein abstraktes Spiel handelt. Das Spiel wird vom Verlag zwar ab 8 Jahren empfohlen und Kinder dieses Alters können auch durchaus mitspielen. Die taktischen Feinheiten von Herr der Ziegen erschließen sich jedoch nicht gleich in der ersten Partie und ein wenig Ausdauer ist gefragt, wenn man den Reiz dieses Spieles voll auskosten will.

Rezension Sandra Lemberger

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H@LL9000-Bewertungen

H@LL9000 Wertung Herr der Ziegen: 3,7 3,7, 6 Bewertung(en)

Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz Kommentar
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 11.03.09 von Sandra Lemberger
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 07.01.09 von Rene Puttin
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 18.03.09 von Katrin Husmann
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 27.03.09 von Arne Hoffmann - Die humoristische Aufmachung mit den Ziegen gefällt mir sehr gut und die Zeichnungen sind sehr gelungen. Jedoch fällt das Spiel dahinter ab - wo Kupferkessel Co. für zwei Personen ein sehr gutes Spiel ist, ist der Herr der Ziegen für mehr Mitspieler zu dröge.
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 24.04.09 von Michael Schlepphorst - Einfaches Prinzip (wenn auch nicht neu), trotzdem gibt es einiges zu beachten und keineswegs banal. Dazu eine witzige Grafik, kann aber auch zum Grübeln verleiten.
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 20.05.09 von Michael Andersch - Von den 3 bislang mir bekannten "ich lauf außenrum und nehm mir dann was aus der Mitte"-Spielen Maori, Kupferkessel und Herr der Ziegen gefällt mir dieses mit Abstand am besten.

Leserbewertungen

Leserwertung Herr der Ziegen: 3,8 3.8, 5 Bewertung(en)

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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 22.04.09 von Martin Schipper
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 23.04.09 von Telemarker - Schließ mich dem Kommentar von Arne Hoffmann vollinhaltlich an. Nach dem die wirklich gelungene Aufmachung mal seinen Neuheitsreiz verloren hat, nichts mehr, was man unbedingt besitzen muß.
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 26.04.09 von elas
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 19.11.10 von Romain Halsdorf - Vorsicht ! Bei vielen Spielen versucht man, so viele Kärtchen wie möglich zu ergattern. Bei HERR DER ZIEGEN bringen aber nur diejenigen Punkte, die am Ende des Spieles auf dem "Spielplan" bleiben. Nicht zu unterschätzen : die Nähe zum eignen Stall. Ärger ist auch inbegriffen, nämlich dann, wenn man feststellen muss, dass man eine Sorte umsonst gesammelt hat, weil ein Mitspieler genau die gleichen sammelt. Die Aufmachung ist hübsch, Ziege "Elvis", "Braveheart", "Angus Young" und "Blues Brothers" sorgen für Gelächter.
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 14.04.19 von Christiansen

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