Rezension/Kritik - Online seit 09.11.2023. Dieser Artikel wurde 2242 mal aufgerufen.

Moesteiro

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Autor: Costa
Rla
Verlag: PYTHAGORAS
Rezension: Franky Bayer
Spieler: 2 - 4
Dauer: 30 - 60 Minuten
Alter: ab 10 Jahren
Jahr: 2022
Bewertung: 4,3 4,3 H@LL9000
4,3 4,3 Leser
Ranking: Platz 2934
Moesteiro

Spielziel

Ich kann zwar kein Portugiesisch, aber mein Spanisch reicht aus, um den Titel des Spiels Moesteiro als "Kloster" übersetzen zu können. Wobei sich dies - nach einer kurzen Internet-Recherche - als nicht ganz korrekt herausstellte. Richtig wäre "Mosteiro", denn "Moesteiro" ist vielmehr ein alter galizisch-portugiesischer Begriff. Aber sei's drum! Jedenfalls führen wir als Architekten ein Team an Arbeitern und Kunsthandwerksmeistern, um gegen Ende des 14. Jahrhunderts für König D. Joao I am Bau eines der elegantesten Klöster Portugals - dem Kloster Santa Maria da Vitória - mitzuhelfen.

Ablauf

Wenig überraschend brauchen wir für unsere Bautätigkeit Baumaterial, wie Holz, Steine, Sturzbögen und Säulen, welches wir uns auch an diversen Stätten beschaffen müssen. So bereiten wir den Spielplan vor, indem wir die Rohstoffe neben die dafür vorgesehenen Orte (Wald, Steinbruch) legen, und diverse Plättchen bereitlegen.

Eine Partie Moesteiro geht über 5 Runden, welche in 4 Phasen untergliedert sind. In der ersten Phase "Rundenbeginn" wird zuerst der Rundenmarker einen Schritt vorwärts bewegt. Das neue Feld der Rundenleiste gibt uns allen eine Anweisung, beispielsweise erhalten wir in der ersten Runde 1 Holz und 1 Stein.

Dann würfeln wir mit allen uns in dieser Runde zur Verfügung stehenden Würfeln. Die Gesamtsumme der Würfel aller Spieler gibt vor, wie viele Steine, Sturzbögen und Säulen in dieser Runde in den Steinbruch kommen. Nachdem jeder von uns - in Reihenfolge der Stärkeleiste - einen der sechs Könige (mitsamt seinem Effekt) gewählt hat, werden noch bestimmte Felder des Spielplans mit Plättchen (Dorfplättchen, Mauerwerk-Plättchen, Bleiglas-Plättchen und Bauplättchen) bestückt.

In der "Würfeleinsetzphase" setzen wir - in der Reihenfolge der gewählten Königsplättchen - unsere Würfel ein. Es gibt insgesamt fünf Aktionsbereiche, jeweils mit 3 bis 5 Einsetzfeldern. Grundsätzlich müssen wir einen Würfel auf das äußerst linke freie Aktionsfeld eines Bereichs setzen. Allerdings wird ein Arbeiter (= kleiner Würfel) mit geringerer Stärke links von vorhandenen Würfeln gesetzt, woraufhin alle rechts von ihm gelegenen Würfel um 1 Feld nach rechts verschoben werden. Dasselbe gilt auch für Meister (= großer Würfel), mit der Ausnahme, dass ein Meister einen Arbeiter auch bei gleicher Stärke "verdrängen" darf.

Haben wir alle unsere Würfel eingesetzt, werden in der "Aktionsphase" die fünf Aktionsbereiche der Reihe nach abgehandelt. Die Würfel werden in jedem Bereich von links nach rechts abgearbeitet. Wer dran ist, nutzt dann die Stärke seines Würfels, um Aktionen durchzuführen. Dabei ist es stets möglich, zusätzliche Stärkepunkte zu erhalten, indem man seinen Marker auf der Stärkeleiste entsprechend zurückzieht.

Im Wald- und Landwirtschaftsbereich (I) erhalten wir Holz oder können auf der Nahrungsleiste 1 Feld nach unten gehen. Im Dorf (II) können wir - meist noch verbunden mit der Abgabe von Holz und/oder Stein - ein Dorfplättchen auf ein (erlaubtes) freies Dorffeld platzieren, um Siegpunkte zu erhalten und den dort angegebenen Effekt zu nutzen.

Im Steinbruch (III) können wir Stärkepunkte gegen Steine (für je 1 Stärke), Sturzbögen (je 2) und Säulen (je 3) nach Verfügbarkeit eintauschen. Auf der Baustelle (IV) sind Mauerwerks-Plättchen (Gargoyles, etc.) erhältlich. Zusätzlich erlaubt uns dort ein Würfel, ein paar Felder (1 - 4) auf der Kranleiste vorzurücken. Und schließlich erhalten wir beim Klosterfenster (V) ein Bleiglas-Plättchen.

Erst nachdem wir alle Würfel ausgewertet haben, kommen wir endlich in die Phase "Kloster bauen". In der Reihenfolge der Marker auf der Kranleiste - von unten nach oben - wählen wir 1 leeres Bauplättchen auf dem Spielplan und legen die erforderlichen Baumaterialien drauf. Manchmal sind auf dem Plättchen auch Würfelaugen- oder Nahrungssymbole angegeben, woraufhin wir auf der entsprechenden Leiste 1 Schritt zurückrücken müssen. Weist es das Symbol eines Mauerwerk- oder Bleiglas-Plättchen auf, müssen wir eines aus unserem Vorrat abgeben. Haben wir alle Anforderungen erfüllt, erhalten wir die links oben angegebenen Siegpunkte und rücken unseren Spielermarker auf der Kranleiste - wie rechts oben angeführt - zurück.

Alle Bauplättchen kommen - unabhängig davon, ob sie ganz, teilweise oder gar nicht erfüllt wurden - aufgedeckt auf den Spielplan, und wir bereiten alles für die nächste Runde vor. Nach fünf Runden ist das Kloster dann fertig gebaut und das Spiel endet. Zu unseren während des Spiels - vor allem durch die Mithilfe am Bau des Klosters und an der Entwicklung des Dorfes - gesammelten Siegpunkten kommen in einer Schlusswertung noch Punkte für Sets aus verschiedenen Mauerwerk- und Bleiglas-Plättchen, sowie die Position unseres Spielermarkers auf der Stärkeleiste. Haben wir die höchste Gesamtpunktezahl erreicht, haben wir uns den Respekt und die Anerkennung der portugiesischen Könige verdient.

Fazit

Die beiden Autoren - Rôla & Costa - sowie der Verlag stammen aus Portugal. Die portugiesische Schule setzt ja meist auf ultrakomplexe Spiele, welche von mehreren Vertretern, egal ob Verlagen wie "What's Your Game", oder Spieleautoren, wie Vital Lacerda, gefördert werden. Wie sehr die Lusitaner auf hochklassige Expertenspiele stehen, sieht man auch beim portugiesischen Spielepreis "Jogo do Ano", der stets an ein äußerst herausforderndes Spiel verliehen wird.

Moesteiro zählt aber hier nicht hinzu. Ich würde es eher als Kennerspiel einordnen, denn die darin vorkommenden Mechanismen - Dice Placement und Ressourcenmanagement - fallen doch deutlich leichter verständlich aus und sind nur ein wenig über dem Niveau von Familienspielen anzusiedeln.

Kernelement des Spiels ist der Würfeleinsatz. Jeder Spieler hat Arbeiter und Meister. Deren Anzahl variiert aber von Runde zu Runde. In den ersten beiden Runden sind es 2 kleine Würfel (Arbeiter) und 1 großer Würfel (Meister). In der dritten Runde kommt ein Arbeiter hinzu, in der vierten Runde ein weiterer Meister, während für die fünfte und letzte Runde wieder ein Arbeiter abgegeben werden muss.

In den meisten Einsetzfeldern sind hohe Würfelzahlen von Vorteil, da sich damit mehr Rohstoffe beschaffen lassen. So bekommt man etwa im Steinbruch für 6 Würfelaugen deutlich mehr Material als für bloß deren 2. Allerdings werden Würfel mit weniger Würfelaugen stets vorgereiht und sind somit in der Aktionsphase früher dran. Ein richtiges Dilemma, wenn das Baumaterial nur beschränkt verfügbar ist.

Dieser raffinierte Mechanismus bewirkt, dass es weniger auf das Würfelglück ankommt als auf das, was man mit seinen Würfel anstellt. Praktisch lässt sich aus allem was machen, es hängt halt stark von der Interaktion ab. Man muss stets beachten, was den Mitspielern noch zur Verfügung steht und was sie damit machen könnten. Genau dies betrachte ich als den größten Reiz bei Moesteiro.

Und dann kommt noch hinzu, dass man in der Aktionsphase seinen Würfel mit "Stärkepunkten" aufwerten kann. Für jedes Feld, welches man mit seinem Marker auf der Stärkeleiste zurückrückt, darf man den Würfelwert um "1" erhöhen. Natürlich muss man dafür in Kauf nehmen, in der Spielerreihenfolge zurückzufallen und somit bei der Wahl des Königsplättchen später dran zu sein, auch bringt es am Spielende mehr Siegpunkte, je weiter man vorne steht. Manchmal braucht man aber halt genau diesen einen oder anderen Stärkepunkt zusätzlich und ist auf diese Weise etwas flexibler. Nutzt man hingegen nicht alle Würfelaugen bei einer Aktion, gewinnt man 1 Stärkepunkt hinzu. Verzichtet man ganz auf einen Würfel, darf man sogar 2 Felder auf der Stärkeleiste vorrücken.

Das Ressourcenmanagement kommt bei Moesteiro ebenfalls nicht zu kurz. Schließlich muss man schon beim Besuch des Waldes und des Steinbruchs gut kalkulieren, welche Baumaterialien man sich wohl sichert, um sich bestimmte Bauplättchen leisten zu können. Nicht zu unterschätzen ist beim Bauen des Klosters die Kranleiste, welche zwei Funktionen übernimmt. Erstens bestimmt sie - mit Ausnahme der Gunst eines bestimmten Königs - die Reihenfolge beim Bauen. Wer auf ihr am weitesten hinten steht, ist zuerst dran. Und zweitens braucht man fürs Bauen eines Bauplättchens 1 bis 5 Felder auf der Kranleiste. Auch hier sind recht knifflige Entscheidungen zu treffen und die Möglichkeiten der Mitspielenden immer mit zu berücksichtigen.

Insgesamt jedoch ist dies alles eine Herausforderung auf unterem Kennerniveau, dafür mit angenehmer Spieldauer (etwas mehr als 1 Stunde). Ich spiele es ab und zu recht gerne, fürchte aber, dass Moesteiro aufgrund suboptimaler Spielregel (Unklarheiten bei den verschiedenen Spielerreihenfolgen), der starken Konkurrenz in diesem Marktsegment und des für uns Mitteleuropäer nicht sehr bekannten Themas nur ein mäßiger Erfolg beschieden sein wird.

Das Spielmaterial weiß dafür ohne Einschränkung zu gefallen. Viele schöne und passend gestaltete Holzteile, Würfel, stabile Plättchen, ein übersichtlicher Spielplan, alles sehr gediegen und ordentlich. Die Bauplättchen sind sogar in doppelter Ausführung vorhanden, sodass man in folgenden Partien mehr Abwechslung vorfindet.

Rezension Franky Bayer

Anmerkung: Zur besseren Lesbarkeit der Texte verwenden wir hufig das generische Maskulinum, welches sich zugleich auf weibliche, mnnliche und andere Geschlechteridentitten bezieht.

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H@LL9000-Bewertungen

H@LL9000 Wertung Moesteiro: 4,3 4,3, 3 Bewertung(en)

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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 18.08.23 von Franky Bayer - Wrfeleinsatz und Ressourcenmanagement auf gehobenem Familienspiel- oder niedrigerem Kennerspielniveau. Schnes Material, angenehme Spieldauer. Spielreiznote daher eine gute 4.
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 21.04.23 von Udo Kalker - Gelungener Dice-Placement Mechanismus fr ein Spiel, dass gut funktioniert - was man aber alles irgendwie schon mal gesehen hat und damit durchaus spielenswert ist. Insgesamt ist die Spielanleitung gut, wobei an der ein oder anderen Stelle ein erklrender Satz mehr Klarheit verschaft htte ohne dass man sich die Dinge selbst zusammenreimen muss.
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 01.11.23 von Michael Andersch - Udo Kalkers Beschreibung trifft es sehr gut, allerdings gebe ich dafr - wenn auch knapp - 5 Punkte. Mir gefallen die verschiedenen zum Sieg mglichen Wege, der Wrfelmechanismus gepaart mit der Strkeleiste und der gute Anteil an Interaktion.

Leserbewertungen

Leserwertung Moesteiro: 4,3 4.3, 3 Bewertung(en)

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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 22.03.23 von Hans Huehnchen - Moesteiro ist ein einfaches Dice Placement-Spiel mit ein paar netten Ideen. Kein berflieger, aber ein solides Mittelgewicht. Das Regelheft schweigt sich allerdings zu ein paar Details zu sehr aus, um als gelungen zu gelten.
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 07.04.23 von Kichererbse - Moesteiro ist ein Wrfeleinsetzspiel fr 2-4 Familien- und Kennerspieler (ideal m.E. 3-4 Spieler) ab 10 Jahren und es dauert etwa 45-60 Minuten. Worum geht es? Ende des 14. Jahrhunderts lst Johann I. sein Gelbde ein und lsst das Kloster von Batalha errichten. Die Bauzeit von 150 Jahren wird im Spiel in 5 spannenden Runden abgebildet. In einer Runde setzt ihr eure Meister und Lehrlinge in Gestalt von Wrfeln ein, um euch Vorteile, Rohstoffe und Vorrechte zu sichern. Am Ende jeder Runde baut ihr am Kloster, das bei Spielende in seiner vollen Pracht auf dem Spielplan zu sehen ist. Ihr habt in jeder Runde Hilfe aus dem Knigshaus, aber am Ende zeichnet der Knig nur den besten Baumeister aus. Wer die meisten Siegpunkte hat, gewinnt. Fazit: Tolle Illustrationen, tolles Material, tolles Spiel fr erfahrene Familienspieler! Fr diese Zielgruppe knappe 6 Punkte! Fr Expertenspieler wahrscheinlich etwas zu seicht und gute 4 Punkte! Dennoch insgesamt fr Familien- und Kennerspieler: Sehr empfehlenswert und Daumen hoch! 👍😀
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 11.11.23 von Klaus - Schnes Spiel, fr unsere Runde schon fast zu interaktiv.

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