Rezension/Kritik - Online seit 17.08.2008. Dieser Artikel wurde 9341 mal aufgerufen.

Thurn und Taxis: Alle Wege führen nach Rom

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Autor: Andreas Seyfarth
Karen Seyfarth
Illustration: Michael Menzel
Verlag: Hans im Glück
Rezension: Rene Puttin
Spieler: 2 - 4
Dauer: 60 Minuten
Alter: ab 10 Jahren
Jahr: 2008
Bewertung: 3,8 3,8 H@LL9000
3,7 3,7 Leser
Ranking: Platz 4501
Thurn und Taxis: Alle Wege führen nach Rom
Erweiterungen/Hauptspiel:Thurn und Taxis

Spielziel

Mit Alle Wege führen nach Rom kommt nun die zweite (oder auch erste wirkliche) Erweiterung von Thurn & Taxis auf den Spielemarkt. Diese besteht aus zwei separaten Komponenten, die unabhängig voneinander oder gemeinsam verwendet werden können. In Die Audienz schicken die Spieler Geistliche nach Rom, um dort Einfluss zu erlangen. Durch In Amt und Würden wird der Vorteil der Amtspersonen noch ein wenig mehr gesteigert.

Ablauf

Während Karen und Andreas Seyfarth mit ihrer ersten „Erweiterung“ Glanz und Gloria ein quasi neues Spiel auf den Markt brachten, das aber auf das alte Material zurückgriff, präsentieren sie jetzt zwei wirkliche Erweiterungen in einer Schachtel. Bei der folgenden Beschreibung wird davon ausgegangen, dass das Grundspiel Thurn & Taxis bekannt ist.

Die Audienz:

Ein neuer Spielplan zeigt Wege von allen Regionen aus nach Rom. Auf den Anfang jedes Weges wird eine wunderschöne Holzkutsche in der Farbe der entsprechenden Region gestellt. Jeder Spieler erhält 5 Geistliche mit unterschiedlichen Wertigkeiten - vom Ministranten (1 Siegpunkt) bis zum Kardinal (5 Siegpunkte). Alle Spieler ordnen vor dem Spiel jeder Region verdeckt jeweils einen Geistlichen zu.

Jedes Mal, wenn nun beim Abschluss einer Strecke in einer Stadt keine Poststation gebaut werden darf, muss die Kutsche der entsprechenden Region (oder eine beliebige andere, falls die entsprechende Kutsche schon in Rom angekommen ist) weiter nach Süden fahren. Dabei kann sie aber durchaus auch mal Umwege in Kauf nehmen. Erreicht eine Kutsche Rom, so steigen alle Geistlichen darin aus und verdrängen alle bisherigen Geistlichen derselben Wertigkeit. Am Ende des Spiels erhalten alle Spieler die Siegpunkte für Ihre Geistlichen, die jetzt noch in Rom sind.

In Amt und Würden:

Nun werden die Amtspersonen noch ein wenig wichtiger, als sie ohnehin schon waren. Setzt ein Spieler eine solche ein, so erhält er ein Plättchen der entsprechenden Person. Sind irgendwann alle Plättchen einer Amtsperson aus dem Vorrat vergeben, so muss jeder Spieler 1 bis 4 Plättchen abgeben und erhält für:

  • 1 Plättchen: nichts
  • 2 Plättchen: eine Karte aus der Auslage oder vom Stapel
  • 3 Plättchen: einen Siegpunkt
  • 4 unterschiedliche Plättchen: eine Poststation

Fazit

Die Audienz bringt ein interessantes neues Element ins Spiel, das sich allerdings in voller Besetzung deutlich stärker auswirkt als nur bei zwei Personen. Hier kommt es in der Regel nur zu einem Unterschied von sehr wenigen Siegpunkten: Nach dem Motto: „Wenn ich schon meinen Kardinal (5 Punkte) nicht in Rom halten kann, dann wenigstens den Bischof (4 Punkte). Bei mehr Spielern ist diese Strategie schon deutlich schwieriger und macht das Spiel damit spannender.

Der zweite Teil der Erweiterung zwingt die Spieler dazu, die Amtspersonen möglichst gleichmäßig einzusetzen, bringt jedoch ansonsten nicht viel Neues. Sie wirkt wie eine kleine Zugabe um den völlig übertriebenen Preis (siehe unten) zu rechtfertigen. Interessant hierbei ist im Wesentlichen die Möglichkeit, eine Poststation beliebig einsetzen. Damit erhöht sich die Chance, die letzte Poststation in einer abgelegenen Stadt einer Region doch noch ohne langen Streckenbau zu errichten.

Etwa 15 € für fünf Holzfiguren, einen kleinen Spielplan und einige Pappplättchen ist wirklich nicht preiswert. Andererseits muss man Hans im Glück sowie dem Illustrator Michael Menzel zugestehen, dass das wenige Material wunderschön gelungen ist. Die Kutschen sehen toll aus und der neue kleine Spielplan ist wieder einmal eine Augenweide. (Für Platz-Optimierer wie mich ist außerdem erfreulich, dass man das neue Material ohne Probleme mit in der Verpackung des Grundspiels unterbringen kann.)

Die Spielregel ist gut geschrieben, zeigt allerdings zwei kleinere Unklarheiten: Bei Die Audienz starten die Kutschen bei zwei Spielern zwei Städte weiter südlich. Zum Aufbau bei 3 Spielern wird nichts gesagt, es erscheint aber eigentlich sinnvoll, die Kutschen hier eine Stadt weiter südlich starten zu lassen. Auf Anfrage hat Hans im Glück mir geantwortet, dass dies bei 3 Spielern nicht als nötig empfunden worden wäre.

Bei In Amt und Würden besagt die Regel, dass die Spieler Plättchen abgeben müssen, wenn eine Gruppe im Vorrat leer ist. Sie schweigt sich allerdings dazu aus, ob man auch ansonsten freiwillig Plättchen abgeben darf. (Für zwei Plättchen eine Karte zu nehmen, könnte eben auch zu anderen Zeitpunkten Sinn machen.) Hier hat der Verlag mir geantwortet, dass ein freiwilliges Tauschen nicht erlaubt ist.

Für Besitzer der ersten Erweiterung Glanz und Gloria ist es leider sehr enttäuschend, dass Alle Wege führen nach Rom nicht mit dieser kombinierbar ist. Dabei wäre dies relativ einfach realisierbar gewesen: In Amt und Würden hätte lediglich eine kleine Sonderregelung wegen des fehlenden Wagners benötigt. Für Die Audienz hätte man – wie das einige Kleinverlage wie Eggert-Spiele oder Lookout Games bereits vorgemacht haben – einfach den neuen Spielplan doppelseitig bedrucken können, um passende Wege von Norddeutschland nach Rom zu erhalten.

Trotz der Kritikpunkte ist Alle Wege führen nach Rom insgesamt eine gelungene Erweiterung, die das Spiel nicht unnötig verlängert und den Spielern einiges an zusätzlicher Planung abverlangt.

Rezension Rene Puttin

Regelvarianten

1. Variante zu Die Audienz

Wenn eine Postation nicht gebaut werden darf und die entsprechende Kutsche befindet sich schon in Rom, dann darf keine Kutsche gesetzt werden. Dadurch kommen nicht alle Kutschen an und die Zielerreichung wird noch schwieriger. Denn nun können die Geistlichen nicht nur zu früh, sondern häufiger auch gar nicht ankommen.

2. Variante zu In Amt und Würden

Jeder Spieler darf zu Beginn jedes Zuges (also nur bevor der aktive Spieler seinen Zug beginnt) durch Abgabe zweier Plättchen Karten aus der Auslage nehmen. Er meldet an, welche Karte(n) er nehmen möchte und nun haben zunächst der aktive Spieler und danach in Zugfolge alle anderen Spieler, die noch vor ihm sitzen, die Möglichkeit, zwei Plättchen abzugeben, um die Karte(n) zu erhalten. Damit kommt es seltener zu unendlichen Wartezeiten auf eine gewünschte Karte.

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H@LL9000-Bewertungen

H@LL9000 Wertung Thurn und Taxis: Alle Wege führen nach Rom: 3,8 3,8, 5 Bewertung(en)

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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 09.04.08 von Rene Puttin - Die Audienz: 5 Glanz und Gloria: 3 Mittel: 4
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 01.04.08 von Udo Kalker - Eigentlich muß ich hier für jede der beiden Varianten eine Wertung abgeben. Die Noten stellen also eine Art Mittelwert dar. "Alle Wege führen nach Rom" ist bei uns schlichtweg durchgefallen. Viel zu glücksabhängig, unkalkulierbar und sehr stark aufgesetzt. Die mit dem deutlich höheren Anteil an Erweiterungsmaterial ausgestattete Variante sollte man lieber im Geschäft lassen. "In Amt und Würden" hingegen hat uns sehr gut gefallen. Thurn und Taxis wird damit sogar etwas gestrafft und die eher verschmähten Aktionen des Amtmanns und des Wagners werden mit dieser Erweiterung auch mal häufiger genommen. Alleine ein paar Plättchen und Siegpunktchips rechtfertigen jedoch das ganze Paket nicht. Die Spielreiz-Note repräsentiert somit dann auch das Mittel von beiden Erweiterungen. "In Amt und Würden" alleine würde ich eine 5-6 geben.
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 24.04.08 von Sandra Lemberger - Die Variante mit den Kutschen finde ich sehr glückslastig, die mit den Amtspersonen dagegen halte ich für sehr gelungen!
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 10.06.08 von Tobias Brouwer
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 14.06.08 von Silke Hüsges

Leserbewertungen

Leserwertung Thurn und Taxis: Alle Wege führen nach Rom: 3,7 3.7, 7 Bewertung(en)

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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 17.08.08 von Jörn Frenzel
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 17.08.08 von Beate Bindrim - Ich kann mich meinen Vorrednern nur anschließen - auf "die Audienz" könnte ich gut verzichten, mir kommt sie einfach zu unkalkulierbar vor. "In Amt und Würden" empfinde ich jedoch durchaus als Bereicherung, das sie dazu ermuntert, auch mal eine andere Amtsperson zu bestechen, um an das Plättchen zu kommen.
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 18.08.08 von Florian Kalenda - Beide Erweiterungen lenken vom Originalspiel ab, statt dessen Stärken (wie die erste Erweiterung) noch auszubauen. Außerdem sind beide Erweiterungen nicht kombinierbar. Für mich ein Fehlkauf.
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 21.08.08 von Martin Kosub - Für "In Amt und Würden" 5 Punkte. "Die Audienz" bekommt einen 1 Punkt. In Mischung ein Betrug am Kunden. "In Amt und Würden" allein wäre wesentlich günstiger und würde Sinn machen!!!
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 11.10.08 von Spielefreak - Diese Erweiterung (die wirklich einen ist)ist wirklich gelungen. Es sind zwei Erweiterungen enthalten und können getrennt und zusammen gespielt werden. Die eine verändert das Spielverhalten wirklich nachhaltig. Nun werden alle "Zusatzzüge" ausgeschöpft. Das macht das Spiel deutlich variantenreicher und spannender. Die zweite Erweitung ist nicht sehr taktisch, kann aber dennoch spieleingreifend sein, denn hier gibt es bis zu 5 Siegpunkten. Tolle Erweiterung, die man haben muss, wenn man Thurn und Taxis gerne spielt!
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 08.02.17 von Philipp - Audienz-Erweiterung geht gar nicht.macht keinen Spass und ist Spielfluss hindernd. Amt-Erweiterung ist dafür super! Zur richtigen Zeit die passenden Kärtchen haben, abwägen was der andere macht usw.
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 17.01.20 von Familienvater - Der erste Teil "Die Audienz" ist so ziemlich überflüssig. Abgehen davon, daß es müßig ist, sich zu merken, wen ich in welche Kutsche gesetzt habe, ist es "nur" ein weiterer Spielplan, den es nebenher auch noch zu beachten gilt, der mir aber unterm Strich nicht soviel bringt. Irgendwelche Punkte bekomme ich eh immer. Außerdem wird erst voll auf Taktik gemacht (Farbe der Kutsche unbedingt beachten!), nur um dann, wenn die entsprechende Kutsche in Rom angekommen ist, eine Joker-Regel einzuführen, sollte weitere Stadtkarten in der gewählten Farbe gespielt werden. Das hat dann aus meiner Sicht mit Taktik wiederum gar nichts mehr am Hut. Der zweite Teil "In Amt und Würden" nimmt durch die Möglichkeit, bei Rückgabe von vier Amtsplättchen ein Haus frei setzen zu dürfen, die Spannung raus, ob es mir denn gelingt, durch den Bau von Strecken bestimmte Bonusplättchen abgreifen zu können. Nun bekommt man den Bonus mehr oder weniger für lau und hat dann entweder Glück oder Pech, an welcher Stelle in der Reihenfolge der Spieler man sitzt, sollten mehrere auf denselben Bonus geschielt haben. Irgendwie habe ich den Eindruck, daß man damit das Spiel kindgerechter machen wollte.

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