Rezension/Kritik - Online seit 04.07.2014. Dieser Artikel wurde 4028 mal aufgerufen.

Florenza: The Card Game

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Autor: Stefano Groppi
Illustration: Paolo Vallerga
Valeria Gobbi
Ivan Zoni
Daniele Zurla
Stefano Groppi
Verlag: Placentia Games
Rezension: Roland Winner
Spieler: 2 - 4
Jahr: 2013
Bewertung: 4,5 4,5 H@LL9000
4,5 4,5 Leser
Ranking: Platz 1261
Download: Kurzspielregel [PDF]
Florenza: The Card Game

Spielziel

Jeder Spieler wirkt als Oberhaupt einer wichtigen Florenzer Familie während der Renaissance. Er nimmt Künstler unter Vertrag, errichtet Werkstätten, Gebäude und Monumente, tritt Gilden bei. Am Ende zählt der dabei erlangte Ruhm.

Ablauf

Eine Partie geht über fünf Runden zu je vier Phasen. Jede Phase muss jeweils von allen Spielern vollständig durchlaufen worden sein, bevor die nächste Phase beginnt. ALLE Elemente des Spiels sind in Kartenform vorhanden. Entsprechend sind die folgenden Beschreibungen zu betrachten.

1) Zunächst wird für jede Runde eine Anzahl an Künstlern und Monumenten ausgelegt.

2) Dann zieht jeder Spieler vier Florenza-Karten vom Stapel und eine Florenza-Karte pro Wohngebäude, die er schon vor sich liegen hat. Florenza-Karten sind der Oberbegriff für Wohngebäude, Werkstätten, Stadtteilgebäude, Gilden, Prediger, Kirchen, Paläste. Sie sind einer der Treiber im Spiel für Siegpunkte und Einkommen, wie auch die Monumente und Künstler für Siegpunkte.

3) Aus einer Palette von acht Aktionen führt nun jeder Spieler abwechselnd immer reihum eine Aktion aus. Mindestens vier Aktionen hat jeder Teilnehmer, einige Spieler erlangen mehr Aktionen durch den Besitz bestimmter Gebäude.

Als Aktion spielt man jeweils eine Karte aus, die Materialien kostet und Auswirkungen hat wie (Runden)-Einkommen, Materialzugang, Zusatzaktionen, Ziehen von Florenza-Karten, Siegpunkte zum Spielende, bedingte Vorteile. Einige Karten (Monumente, Kirchen und Paläste) erfordern neben ihren Baukosten noch die Anstellung eines Künstlers, also die Entrichtung eines Geldpreises für dessen Leistung. Bei den angebotenen Künstlern hat man die Wahl zwischen bekannten und unbekannten, wobei Erstere auch Ruhm für den Spieler versprechen. Es ist möglich, sich Künstler oder Monumente zu reservieren. Sollte man diese bis zum Spielende aber nicht einstellen bzw. erbauen, kassiert man erhebliche Minuspunkte.

4) Will niemand mehr Aktionen machen, geschehen einige Aufräumarbeiten in der Tischauslage und die Spieler müssen bis auf eine Karte alle Florenza-Handkarten abwerfen. Sie behalten Geld- und Materialkarten. Es gibt nun Rundeneinkommen und Zusatzmaterial.

Spielende: Nach fünf Runden erfolgt die finale Wertung. Jetzt bringen erbaute Monumente und Gebäude (aller Art) Siegpunkte. Eingestellte Künstler sorgen für Ruhm (Siegpunkte). Bestimmte komplette Kartensätze bringen Boni, ebenso sind Restmaterialien und Geld noch Punkte wert. Minuspunkte für reservierte Künstler/Monumente werden berücksichtigt.

Fazit

Als guter Kenner der Brettspiel-Version Florenza war ich sehr gespannt, wie man dieses komplexe Spiel in ein Kartenspiel umsetzen kann. Das Brettspiel hat mich und meine Mitspieler damals sehr begeistert, wobei es aufgrund seiner langen Spieldauer leider selten den Weg auf den Spieltisch findet. Der kleine Bruder - das Kartenspiel - sollte dieses ausgezeichnete Spiel wieder in Erinnerung bringen und sei es nur in der Form des Kartenspiels.

Die Spielregeln dazu sind erfreulich kurz gehalten und dennoch ausführlich genug. Der reine Regelteil der Spielregel umfasst ca. fünf Seiten, die in einem etwas kleineren Format als DIN-A4 verfasst sind. Darin sind auch noch gut aufbereitete Beispiele enthalten. Bis auf eine kleine Unklarheit zum Thema Pattauflösungen bei den Siegpunkten zum Spielende (Details: siehe KSR dazu) tun sich keine Fragen auf. Leider sind drei Gildenkarten-Beschreibungen falsch:

  • "Stadtteil-Meister (Signore de lo rione)" - statt Familienpalast (gelb) muss dort "grün" stehen.
  • "Gönner (Protettore)" - Die abgebildete Monument-Rückseite ist grau. Tatsächlich sind diese aber orange/hellbraun.
  • "Baumeister (Edificatore)" - Die abgebildete Monument-Rückseite ist grau. Tatsächlich sind diese aber orange/hellbraun.

Soweit steht einem schnellen Spieleinstieg vermeintlich nichts im Weg.

Die Vorbereitungen erfordern allerdings etwas Zeit. So sind verschiedene Kartenarten zu separieren und in einem großen Startaufbau-Szenario auszulegen. Es liegen in einer Partie zu viert 14 Stapel und 37 offene Karten bereit. Neun der Stapel sind jeweils mit identischen Karten bestückt, da sie nur für die sechs Materialarten und drei Geldstückelungen separiert werden. Alles in allem sind in der Maximalbesetzung 220 normalgroße Karten im Spiel und 110 kleinere Spielkarten, die von guter Qualität sind.

Wie beim Brettspiel schon notwendig braucht auch das Card Game idealerweise einen großen Tisch, insbesondere für die später wachsenden persönlichen Kartenauslagen der Spieler. Wenn man die Auslagen für den Spielaufbau mit geringsten Zwischenräumen aufbaut, reichen jedoch 60 x 60 cm Fläche dafür aus. Um chaotisches Hin und Her von Armen und Händen über dem Spieltisch zu vermeiden, sollte man m.E. einen der Spieler zum Karten-Verwalter benennen, damit die Übersicht nicht verloren geht. Er hat im Verlauf einer Partie reichlich Zahlungen anzunehmen, zu wechseln bzw. auszuhändigen und einzusortieren. Alle Vorgänge werden in Kartenform abgehandelt, was besonders bei Geld und Material zu viel Verwaltung führt. Die Besprechung der vielen Stapelinhalte und Karten in der Auslage erfordert in der ersten Partie nicht so viel Zeit, wie man angesichts ihrer Anzahl annehmen könnte. Alles ist sehr schlüssig und die deutliche Symbolik auf den Karten lässt keine Fehlinterpretation zu.

So bietet das Kartenspiel deutliche Vorteile bei der Übersichtlichkeit ggü. Florenza, da die notwendigen Informationen in der Kartenform einfach größer und grafisch klar abgebildet sind und jeder Spieler alle Tischauslagen aus seiner Sitzposition gut erkennen kann. Was mir ein bisschen fehlt, ist eine Punktetabelle, die während einer Partie den aktuellen (voraussichtlichen) Punktestand der Spieler anzeigt. Bei Spielerauslagen von oft mehr als zehn wertenden Karten ist eine Einschätzung der eigenen Position und der der Mitspieler nicht mehr ohne häufiges Nachrechnen möglich. Das soll aber keine wirkliche Kritik sein, denn viele Spiele lassen die Spieler während einer Partie im Ungewissen über ihre Position.

Im Ablauf des Kartenspiels machen sich wesentliche Verschlankungen ggü. Florenza bemerkbar, die aber in der Tat der Machbarkeit geschuldet sind. Sicher führt das auch etwas zu Abschwächung des Spielspaßes, wenn man Florenza kennt. Anderseits bleiben Diskussionen und Nachfragen über den korrekten Ablauf aus und der Spielablauf ist flott und übersichtlich. Als Spielerklärer und Beobachter kann man sich hier wirklich stark zurücknehmen, wenn mal die erste Runde gelaufen ist. Das Spielgefühl ist ausgezeichnet, denn die Karten und deren Gestaltung sind sehr stimmig und nicht überfrachtet. Man ist daher schon etwas enttäuscht, wenn nach fünf Durchgängen das Spielende naht.

Trotz der erfahrungsgemäß nur ca. 30 Aktionen je Spieler insgesamt hat man genug Handlungsmöglichkeiten und ist erstaunt, was zum Schluss alles an Gebäuden und Künstlern in der eigenen Auslage liegt. Verschiedene Ansätze können zum Spielerfolg führen, wobei es wichtig ist, regelmäßig viel Materialnachschub zu generieren. Angesichts eben nicht allzu vieler Aktionen entsteht mit fortlaufender Partie erhöhter Handlungsdruck, evtl. Reservierungen zu realisieren, wenn man nicht erhebliche Punktabzüge in Kauf nehmen will. Die auf bestimmte Konstellationen zielenden Gilden-Karten tragen nebenbei auch ihren Teil dazu bei, dass zusehends zielgerichtet gespielt wird. Generell kann man immer etwas Sinnvolles tun.

Was die Spieler in ständiger Entscheidungsnot hält, ist der Zwang, nach jeder Runde bis auf eine alle Florenza-Karten von der Hand abzuwerfen. Immer gehen mehrere gute Karten verloren, die man doch unbedingt noch abspielen wollte. Überhaupt gibt es selten eine Karte, die man nicht hätte spielen wollen. So ist hier Vorausschauen und Kombinieren während der Aktionen nötig, ggf. indem man separate Stapel vor sich bildet für die Material-/Geldkosten bestimmter Aktionen. Oft kann man bei übervoller Kartenhand sonst die Übersicht verlieren.

Obwohl die jede Runde neu erhaltenen Florenza-Karten genug Auswahl bieten, schlägt das Kartenglück manchmal hart zu, wenn ein Spieler über mehrere Runden kein lila Gebäude und keinen Prediger auf die Hand bekommt (und somit nicht ausspielen kann) und damit nicht mehr als die vier Basis-Aktionen erhalten kann. So hatte ich Partien, in denen ein Spieler mit drei lila Gebäuden und einem Prediger jeweils acht Aktionen hatte und ein anderer Spieler mangels Kartenglück bei vier Aktionen blieb. Trotzdem muss der aktionsarme Spieler nicht hoffnungslos zurückfallen, denn die Auswahl bietet immer brauchbare Optionen. Auch habe ich mehrere Partien gespielt, in denen erfahrene Spieler mit immer nur vier Aktionen tatsächlich das Spiel gewonnen haben.

Das Florenza Card Game überzeugt trotz Reduktion auf das Wesentliche der Spielidee aus Florenza, ohne dabei zu rigoros das Flair des Brettspiels zu verwässern. Das Spiel verläuft überwiegend ohne harte Konkurrenzkämpfe, so dass jeder Spieler sich in Ruhe seinen Zielen widmen kann. Man kann fast immer ein Objekt der eigenen Begierde erwerben - Monument oder Künstler -, muss notfalls aber bei falschem Timing einige Punkte weniger in Kauf nehmen, wenn ein weniger wertvolles Objekt zur Verfügung steht. Nicht zu vergessen: Man kommt mit geübten Spielern in gut einer Stunde Spielzeit aus und genau deshalb wird das Card Game eher mal auf den Tisch kommen als sein hervorragender Vorgänger, gut spielbar ist es in jeder vorgesehenen Spieleranzahl.

Rezension Roland Winner

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H@LL9000-Bewertungen

H@LL9000 Wertung Florenza: The Card Game: 4,5 4,5, 8 Bewertung(en)

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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 25.04.14 von Roland Winner - Verschlankte, aber gut gelungene Umsetzung des Brettspiels als Kartenspiel.
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 05.03.14 von Michael Timpe - Mittelkomplexes Kartenspiel dass ich als würdigen Nachfolger (bis Ersatz) für den gossen Bruder empfinde, der aufgrund Umfang und Komplexität doch nur selten gespielt wird.
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 08.03.14 von Barbara Winner
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 23.03.14 von Andrea Poganiuch - Ein tolles Spiel in knackiger Spielzeit.
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 23.03.14 von Patrizia Holz - Tolle Umsetzung des Brettspiels in ein Kartenspiel.
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 30.06.14 von Jost Schwider - Verbesserte Version des komplexen Brettspiels, da eleganter und schneller. Die Aufmachung ist m. E. nicht optimal, um auf dem benötigten großen Spieltisch immer die Übersicht zu behalten.
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 30.06.14 von Andreas Odendahl - Aufmachung: Neben der genialen Grafik des Spiels wirkt die Beschränkung auf reines Kartenmaterial hier erzwungen oder unsinnig gewollt. Spielbarkeit: Eben jene Beschränkung sorgt auch für merkwürdige Handhabungeigenschaften. So hat an bsw. zwei komplett unterschiedliche Kartensorten auf der Hand und auch insgesamt oft viele Karten. Interaktion: Beschränkt sich auf das Wegnehmen von Aktionen oder bestimmter Siegpunktfaktoren. Stört aber nicht. Spielreiz: Insgesamt eine leichtere Variante des Brettspiels, die absolut ihren Reiz hat. An der Stelle, wo das Brettspiel überfachtet erscheint ist entschlackt worden. Das ist insgesamt sehr gut gelungen - bloß kommt die Aufmachung nur über Karten da ein wenig in die Quere. Wenn das Material auf diese Weise verwendet wird, hätte man sich nicht so beschränken dürfen oder eben ein Spiel konstruieren, dass auf reines Kartenmaterial optimiert ist... Trotzdem ist Florenza - Das Kartenspiel insgesamt natürlich ein super Spiel, dass man gerne mal wieder spielen kann. Bevorzugt mit den Warenklötzchen aus dem Brettspiel und Sichtschirmen statt den Warenkarten.
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 04.09.14 von Michael Andersch - OK, ich bring dann mal eine negative Meinung: Man sammelt relativ gezielt Rohstoffe, um damit dann nahezu zufällig verfügbare Siegpunktkarten zu erwerben. Das ist es. Auch wenn der Vergleich hinkt, weil Splendor erst später kam: Eigentlich haben wir hier ein aufgeblähtes, unübersichtliches Splendor, wobei jenes knackiger ist, trotz seiner Einfachheit kniffligere Entscheidungen fordert und Interaktion bietet, wo Florenza nahezu als Multiplayer-Solitär daher kommt.

Leserbewertungen

Leserwertung Florenza: The Card Game: 4,5 4.5, 4 Bewertung(en)

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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 05.03.14 von Günter Dömer - Nach einem halben Dutzend Partien gefällt mir das Spiel ausgesprochen gut. Schönes Kartenmaterial, gut ineinandergreifende Mechanismen und eine im Verhältnis zur Spielzeit beachtliche Spieltiefe haben dafür gesorgt. Etwas umständlich ist die "Bürokratie" nach jeder der 5 Spielrunden.
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 05.07.14 von Braz - Schließe mich der Meinung von Ode an und würde noch hinzufügen: Das Brettspiel gefällt mir um einiges besser.
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 07.07.14 von Wolfram Dübler-Zaeske - Die kleinere, schlankere Version von Florenza gefällt mir wirklich gut. Das kartenspiel wurde sowohl platztechnisch, als auch spieltechnisch verschlankt, und bietet - so finde ich - in der angegebenen Spielzeit sehr viel. Ich finde lediglich das Handling der Karten und den bereits angesprochenen Verwaltungsaufwand leicht störend. Ansonsten sehr gute Umsetzung des erstklassigen Brettspiels.
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 05.09.14 von Ernst-Jürgen - Eine Verschlankung zum Besseren ist das Kartenspiel nicht. Man ist schon davon abhängig, wann welche Karte kommt und ob man sie dann selbst bekommt. Da man am Rundenende auch nur eine Florenza-Karte behalten darf, ist langfristiges Planen kaum möglich. In unserem letzten Spiel war letztlich entscheidend, dass meine Mitspielerin gerade die Gildenkarte in der letzten Runde bekommen hat, die sie punktemäßig nach vorne gebracht hat, weil sie sie dann auch noch bauen konnte. Das war reiner Zufall. Trotzdem ein ordentliches Spiel, aber das Brettspiel ist für mich schöner.

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