Rezension/Kritik - Online seit 22.06.2021. Dieser Artikel wurde 1353 mal aufgerufen.

Remember Our Trip

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Autor: Daryl Chow
Saashi
Illustration: Takako Takarai
Verlag: dlp games
Saashi & Saashi
Rezension: Stefan Ducksch
Spieler: 2 - 4
Dauer: 30 Minuten
Alter: ab 10 Jahren
Jahr: 2019, 2020
Bewertung: 4,0 4,0 H@LL9000
5,3 5,3 Leser
Ranking: Platz 1082
Remember Our Trip

Spielerei-Rezension

Gewöhnungsbedürftig
Andere Länder, andere Sitten. Meist werden Spiele aus dem Ausland für den deutschen Markt überarbeitet. Das betrifft insbesondere die Grafik. Wenn dann mal ein Spiel eins zu eins hier erscheint, ist das Staunen groß. So wunderte sich Kollege Wieland Herold in der vorausgegangenen Spielerei-Ausgabe über den Inhalt der minimalistischen Spiele von Oink-Games.

Auch Remember our Trip kommt praktisch als Urfassung von Saashi & Saashi aus Japan zu uns, lokalisiert von dlp games. Man kann das wahlweise authentisch oder exotisch finden, aber was uns da thematisch und optisch angeboten wird, ist sehr gewöhnungsbedürftig und wenig einladend. Auf dem Cover zwei scheinbar eingeschlafene Touristen, zurückgelehnt vor einem angeschnittenen Riesenrad, und alles in den Farben blau, weiß und orange.

In der Schachtel wird es noch schriller. Wer das Material von Remember our Trip anschaut, windet sich innerlich. Es geht hier farblich wüst durcheinander, kräftige wechseln sich mit blassen Farben ab. Es dauert während der ersten Partie einige Zeit, bis man weiß, wohin man eigentlich schauen soll. Das vereinfacht den Einstieg nicht.

Denn die Story, die hier angeboten wird, ist ebenfalls mehr als merkwürdig. So treffen wir uns nach einer gemeinsamen Reise nach Singapur oder Kyoto wieder und versuchen uns zu erinnern, wo auf einem Stadtplan was gelegen hat. Wo waren Sehenswürdigkeiten, wo das Hotel, wo die Restaurants? Dies alles ordnen wir auf einem eigenen Tableau an. Und da unter bestimmten Voraussetzungen unsere Auslage auf ein zentrales Ablagebrett gespiegelt wird, gleichen wir laut Spielregel so unsere Erinnerungen mit denen der Mitspieler ab.

Versuchen wir es komplett anders: Wir platzieren bei diesem strategischen Legespiel runde Plättchen in fünf verschiedenen Farben auf einem eigenen, 7 x 7 Felder großen Tableau. Diese versuchen wir in bestimmten Formationen anzuordnen, denn dafür bekommen wir Punkte. Wem dies an einer Stelle zuerst gelingt, der definiert zugleich auf dem zentralen Spielplan für alle anderen am Tisch die exakten Koordinaten, wo nun blaue oder grüne Plättchen liegen sollen. Gelingt dies anderen später auch, erhalten sie ebenfalls Bonuspunkte.

Dafür ist es nötig, die passenden Plättchen zu erwischen. In jeder der zwölf Runden stehen zwei oder drei der farbigen Marker zur Verfügung, gebündelt in Gruppen – eine mehr als Teilnehmer. Beginnend beim Startspieler wählt jeder eine Gruppe aus und legt sie auf sein Tableau. Aber nicht einfach so: Jede Runde wird eine neue „Erinnerungskarte“ aufgedeckt, die neben der Plättchenanzahl auch vorgibt, in welcher Formation – gerade oder diagonal – sie angelegt werden sollen.

Diese Baubeschränkung ist der erste Punkt, der an Remember our Trip richtig Spaß macht. Man tüftelt nicht nur, wohin was am besten gehört. Sondern auch, welche „Erinnerungskarten“ noch kommen werden und ob man seine Auslage dann noch weiter optimieren kann. Das ergibt bereits eine knackige Aufgabe für Tüftler. Sollten nicht alle Plättchen platziert werden können, dürfen diese abgelehnt oder ausgetauscht werden. Alles, was nicht auf dem eigenen Tableau landet, kommt auf das Feld „Falsche Erinnerungen“. Wer hier bei Spielende die meisten Plättchen liegen hat, bekommt für jedes einen Minuspunkt.

Wer zuerst bestimmte Formationen legt, bekommt wie erwähnt Bonuspunkte für Sondergebäude oder Sehenswürdigkeiten wie den Kyoto Tower oder das Marina Bay Sands Hotel. Diese werden auf dem zentralen Plan installiert. Nun macht es Sinn, die Vorgaben der Mitspieler nach Möglichkeit zu berücksichtigen, um ebenfalls Extra-Zähler zu bekommen. Dazu gibt es auch noch „Reisefotopunkte“, wenn an bestimmten Stellen Plättchen der richtigen Farbe liegen.

Ein Fluss durch Kyoto sowie eine Wasserfläche in Singapur schränken die Legemöglichkeiten ein. Profis können auch noch zusätzlich Auftragskarten dazu nehmen, bei denen bestimmte Plättchenformationen belohnt werden. Bis zu diesem Punkt dauert es aber, bis man sich an Material und Spielidee gewöhnt hat. Unterm Strich ist Remember our Trip eine spielerisch schöne und fordernde Idee. Der nicht geringe Spielwert liegt aber unter der merkwürdigen Story und dem eher abschreckenden Äußeren verborgen. Wer ein ungewöhnliches Spiel haben möchte, liegt hier sicher richtig.

Rezension Stefan Ducksch

In Kooperation mit der Spielezeitschrift

Spielerei

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H@LL9000-Bewertungen

H@LL9000 Wertung Remember Our Trip: 4,0 4,0, 1 Bewertung(en)

Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz Kommentar
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 20.06.21 von Stefan Ducksch

Leserbewertungen

Leserwertung Remember Our Trip: 5,3 5.3, 3 Bewertung(en)

Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz Kommentar
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 25.01.21 von Koeppquist - Ein etwas anderes "Legespiel", bei dem pro Runde 2 bis 3 vor Rundenbeginn gezogene Plättchen nach wechselnden Legemuster auf einem eigenen Tableau gewinnbringend untergebracht werden wollen. Hierbei sollte man allerdings nicht nur sein eigenes Tableau sondern auch das der Mitspieler unbedingt im Blick behalten! Bis auf die minimalistische und anfänglich etwas verwirrende Grafik eine echt positive Überraschung
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz Kommentar
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 13.05.21 von Francesco - Tolles ,designmäßig stark reduziertes , Spiel , welches durch ein klasse prinzip die Höchstnote verdient
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz Kommentar
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 13.08.21 von Peter Steinert - Hervorragendes Plättchenlegespiel! Nicht gerade hübsch gestaltet, aber auch nicht unbedingt hässlich... irgendwie schlicht eben, entsprechend übersichtlich und wirklich gut spielbar. Jedoch: Wieder mal tut sich eine Spielregel unendlich schwer, ein paar einfache, originelle Mechanismen prägnant zu vermitteln, und die (nur in der deutsch-englischen Ausgabe vorhandenen) Druckfehler auf den Parkplättchen sind ärgerlich. Wie kann so etwas trotz adaptierter Originalgrafik passieren? Ein Hinweis, welche Plättchen im 2er-Spiel aussortiert werden müssen, findet sich zudem nur im englischen Regelheft, das wiederum auf die Rückseite eines Spielplanteils verweist. Auch das geht redaktionell viel besser. Trotz der genannten Schwächen für Fans von Lege- und Tüftelspielen definitiv einen Blick wert!

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