Rezension/Kritik - Online seit 16.01.2011. Dieser Artikel wurde 5325 mal aufgerufen.

Schinderhannes

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Autor: Stephan Riedel
Illustration: Christian Opperer
Verlag: Clicker Spiele
Rezension: Alfons Leierseder
Spieler: 1 - 4
Alter: ab 9 Jahren
Jahr: 2009
Bewertung: 4,0 4,0 H@LL9000
5,0 5,0 Leser
Ranking: Platz 1253
Schinderhannes

Spielziel

Schinderhannes wurde am 21. November 1803 durch das Fallbein hingerichtet. Zuvor hatte er in seinem kurzen Leben ständig versucht, sich zu bereichern, sprich an Geld zu kommen – egal, auf welche Art und Weise. Im vorliegenden Spiel versuchen die Beteiligten, die verschiedenen Gräueltaten an den richtigen Tatorten unterzubringen. Ein nicht immer einfaches Unterfangen, Diebstahl, Einbruch und Mord den schönen Orten des Soonwaldes zuzuordnen.

Ablauf

Der Soonwald ist in vier Regionen unterteilt, deutlich sichtbar durch die Flüsse, die unsere Vorlage durchziehen. Immer zwei Gebiete bilden die Bereiche Norden, Westen, Süden und Osten. Neben dem Spielplan finden 6 Kartenstapeln Platz – vier Stapel mit nach Farben sortierten Karten und zwei Stapel mit den Ortschaftskarten. Die 16 Tatscheiben werden mit je 5 Hinweismarkern versehen, jeder Spieler erhält eine Sonderkarte und zieht sich nach und nach 4 Karten von den neben dem Spielplan befindlichen Kartenstapeln.

Startspieler wird derjenige, der Schinderhannes am ähnlichsten sieht – ja, woher weiß ich denn, wie der Typ ausgesehen hat? -, also knobeln wir eben – wie immer – denjenigen aus, der als Erster eine Karte ausspielen darf. 4 verschiedene Kartentypen gibt es:

Deliktkarten: Ein Verbrechen ist auf der Karte zu finden sowie vier Orte, in denen der Schinderhannes genauso wie angegeben „tätig“ war.
Gruppenkarten: Auf ihnen finden wir eine Gruppe von Delikten, aus der sich der Spieler eines aussucht.
Bezirkskarten: Sie geben Aufschluss darüber, ob zwei Verbrechen in benachbarten Ortschaften stattgefunden haben.
Ortschaftskarten: Diese sagen uns, welche Delikte in einer Ortschaft ausgeführt wurden. Die Karten sind manchmal sinnvoll, manchmal Unfug, je nach Dauer und Verlauf des Spiels.

Nach Ausspielen einer Karte kann ich

  • Hinweismarker einsetzen: Dazu nehme ich alle 5 Hinweismarker von der zugehörigen Tatscheibe und verteile diese auf die Ortschaften. Jeder Marker, den ich nicht setzen kann, bringt mir einen Siegpunkt.
  • Hinweismarker entfernen: Begrenze ich die Tat z. B. auf ein bestimmtes Gebiet, fallen manche Marker weg (= Siegpunkte für mich). Bleibt nur mehr ein Marker der Tat auf dem Spielplan liegen, dann darf ich eine
  • Tatscheibe legen: dies bedeutet, dass ein Verbrechen aufgeklärt ist.

Also immer eine Karte ausspielen und deren Aktion ausführen (Muss), dann eine (unwichtige) Karte ablegen (Darf) und dann eben eine oder zwei Karte(n) nachziehen. Will oder kann ein Spieler keine seiner Karten verwenden, darf er beliebig viele abwerfen und genauso viele nachziehen - plus einer Extra-Karte.

Sind alle Verbrechen auf diese Art und Weise aufgeklärt oder die Nachziehstapel aufgebraucht und alle verwertbaren Karten ausgespielt, endet das Spiel. Als Gewinner strahlt derjenige aus allen Poren seines Gesichts, der auf der Punkteleiste am weitesten vorne steht.

Fazit

„Historische“ Spiele strahlen häufig das Gefühl aus, dass mit einem gewissen Ernst an die Sache ranzugehen ist. Meistens – und auch hier – werden einige Seiten der Spielanleitung dafür verwendet, die geschichtlichen Hintergründe des Spiels aufzuzeigen. „Spielerisch“ mit verschiedenen Verbrechen umzugehen, fällt mir persönlich nicht immer leicht, die Verbindung von Spiel und Geschichte ist hier jedoch gut gelungen.

Bewohner aus Mitteldeutschland mögen mir verzeihen, dass ich den Namen „Soonwald“ bis jetzt noch nie gehört habe. Der Blick in den Atlas half mir, wenigstens einigermaßen die Region zu finden, wo der Schinderhannes vor gut 200 Jahren sein Unwesen getrieben hat. Das Internet half mir dann, meine geographische Rest-Wissenslücke zu schließen und ein Fleckchen Erde zu entdecken, das sich interessant und einladend anhört.

Das Spielmaterial ist überschaubar und beschränkt sich auf einige wenige Utensilien: Spielplan aus dünnem Karton, 4 verschiedenfarbige Männchen für die Siegpunkte, stabile Spielkarten und 16 bzw. 80 Tatscheiben und Hinweismarker aus Pappe.

Die Spielregel liest sich wirklich gut, viele bebilderte Spielszenen und Beispiele machen den Einstieg ins Spiel problemlos. Auch Sonderfälle werden ausreichend beschrieben.

Die Spielkarten geben auf der Rückseite bereits einen Hinweis auf die Verbrechen, die sie beinhalten. Damit kann man bereits beim Nachziehen manche Karte gezielt wählen … Sinnvoll ist es daher, die verschiedenen Kartenarten vor Spielbeginn einfach einmal durchzusehen, damit schon beim ersten Ziehen der Karten für jeden verständlich ist, welche Karte in welcher Form funktioniert.

Der Glücksfaktor entscheidet nur bedingt beim ersten Ziehen der Spielkarten, habe ich doch theoretisch 6 Stapel zur Auswahl. Und sollte das erste Karteziehen nicht zufriedenstellend ausgefallen sein, hat mancher Spieler bereits beim ersten Zug die Möglichkeit genutzt, einige Karten auszutauschen. Das ist anfangs noch leichter zu verschmerzen als im Laufe des Spiels, wenn jeder Zug über Sieg oder Niederlage entscheiden kann.

Ein Problem von Schinderhannes sehe ich darin, dass sich mancher Spieler leider als Vorlagengeber für die nachfolgenden Tischnachbarn betätigt. Dies passiert manchmal dadurch, weil er nicht aufpasst, welche Karten sein Nachbar auf der Hand hat, oder auch einfach aus dem Grund, dass er wenig Auswahl in seiner Kartenhand hat.

Am interessantesten finde ich das Spiel in Vollbesetzung, wenn 4 Spieler versuchen, die Delikte zuzuordnen und sich auch darum bemühen, möglichst rechtzeitig viele Punkte einzusammeln, bevor ein anderer dies macht. Denn es heißt schon, genau aufzupassen, dass man einen möglichen hohen Punktgewinn nicht den folgenden Spielern überlässt.

Das Reizvolle an Schinderhannes liegt nicht an einem tiefgehenden und strategischen Spielmechanismus, sondern an der Atmosphäre, die durch Thema und Spielablauf erzeugt wird. Deshalb wird sich dieses Spiel auch nicht bei Strategen großer Beliebtheit erfreuen, sondern bei Menschen, die gerne auf spielerische Weise die Geschichte des (mit richtigem Namen) Johannes Bückler nachvollziehen und nachempfinden wollen.

Rezension Alfons Leierseder

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H@LL9000-Bewertungen

H@LL9000 Wertung Schinderhannes: 4,0 4,0, 4 Bewertung(en)

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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 28.11.10 von Alfons Leierseder
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 11.01.10 von Andreas Odendahl - Eins der besten Spiele seiner Art! Erfolgreich das Spielsystem von Old Town runderneuert und verbessert!
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz Kommentar
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 06.03.10 von Horst Sawroch
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz Kommentar
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 19.09.10 von Mike Keller

Leserbewertungen

Leserwertung Schinderhannes: 5,0 5.0, 5 Bewertung(en)

Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz Kommentar
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 16.01.11 von Andreas Günter - Schön, dass dieses Spiel in der Votezone auftaucht. Es spielt sich vollkommen anders als alle anderen Spiele auf dem Markt; es ist nicht einmal mit anderen Deduktionsspielen vergleichbar. Der Mechanismus der komplexen Verkettung von Informationen auf Karten ist zwar sehr gewöhnungsbedürftig, dafür aber unverbraucht. Die Gestaltung der Karten ist liebevoll, beim Spielplandesign einem Kleinverlag angemessen. Mir gefällt's aber besonders gut. Ein absoluter Geheimtipp.
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 16.01.11 von Braz
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 17.01.11 von Thomas Hammer - Hebt sich wirklich angenehm aus der Masse... auch wenn die Mechanismen zu Beginn nicht ganz einfach sind, lebt das Spiel von der einzigartigen Atmosphäre und der tollen Gestaltung. Clicker-Spiele präsentiert hier ein schönes, abendfüllendes Taktik-Spiel mit deduktiven Elementen. Weiter so!
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 18.01.11 von drfunk
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 27.10.11 von Stefan Been - Ein sehr schönes und liebevoll gestaltetes Spiel mit unverbrauchten Elementen und angenehmer Spielzeit. Die Spielregel ist allerdings nicht optimal. Es wird zu wenig deutlich, dass mit 3 der 4 Kartentypen sowohl das Einsetzen als auch das Wegnehmen von Markern möglich ist. Daher vor der 1. Partie unbedingt das Einführungsspiel für 2 Pers. auf You Tube ansehen.

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