Rezension/Kritik - Online seit 02.07.2014. Dieser Artikel wurde 3985 mal aufgerufen.

Bremerhaven

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Autor: Robert Auerochs
Illustration: Klemens Franz
Verlag: Lookout Games
Rezension: Michael Timpe
Spieler: 1 - 4
Dauer: 45 - 120 Minuten
Jahr: 2013
Bewertung: 3,5 3,5 H@LL9000
3,8 3,8 Leser
Ranking: Platz 4306
Bremerhaven

Spielziel

In Bremerhaven, dass vom Lookout Verlag optisch in eine Reihe mit Le Havre von Uwe Rosenberg gestellt wurde, bewirtschaften und entwickeln die Spieler einen Teil im namensgebenden Bremer Hafen. Außer dem groben Thema haben die beiden Spiele aber nicht viel gemein, am ehesten noch, das beide eher langfristige Spielstrategien vorgeben.

Ablauf

Bei Bremerhaven bewirtschaftet jeder Spieler einen kleinen Hafenteil mit drei Kais und vier LKW-Verladestellen. Theoretisch. Denn zu Anfang ist nur gerade ein Kai aktiv, und auch nur zwei der LKW-Stellplätze sind zugänglich. Eigentlich muss auch erst noch der halbe Warenumschlagplatz planiert werden, damit unser Hafen richtig läuft. Einen Leuchtturm und ein paar Fabriken brauchen wir ebenfalls noch auf dem Gelände, damit die Wirtschaft so richtig in Fahrt kommt (damit die Arbeiter richtig in Fahrt kommen, können wir auch noch ein Bordell bauen).

Wie man sieht, wird die REALITÄT groß geschrieben in diesem Spiel, und leider auch die REALTITÄT des Geldes. Denn all diese Ausbauten kosten natürlich Geld, und das ist knapp, gerade zu Anfang des Spiels sogar sehr knapp. Die größeren Gewinne aus den Warenumschlägen benötigen zunächst einige Runden Vorbereitung und etwas Geduld.

Der Hauptmechanismus des Spiels ist: Wir lassen Schiffe am Hafen anlegen, laden die Waren ab und um auf die (hoffentlich) schon wartenden LKWs. Nach einer festgelegten Zeit fahren die LKWs ab, und wir erhalten für die verladenen Waren Geld.

Der Schlüssel zum Glück sind unsere fünf Hafenarbeiter, die uns jede Runde zur Verfügung stehen und die verschiedenen Aktionen für uns ausführen (können). Das funktioniert so, dass die Spieler zunächst reihum ihre Arbeiter (anfänglich mit den Werten 1-5) verdeckt an die verschiedenen Aktionen, Schiffe und LKWs anlegen, die in dieser Runde verfügbar sind. Danach erhält der Spieler mit dem höchsten Arbeiterwert(en) an einer Position das jeweilige Schiff und den LKW. Hafenausbauten und einige weitere Entwicklungen kosten die unterlegenen Spieler eine Zuzahlung in Höhe der Differenz zum führenden Spieler. Im Verlauf des Spiels kann man Arbeiter mit höheren Werten erhalten, muss dafür aber immer den mit der niedrigsten Nummer abgeben, bleibt also bei 5 Arbeitern. Auch dieses Detail sorgt dafür, dass Geld selten im Überfluss da ist, da damit die Zuzahlungen zu den Aktionen tendenziell ansteigen.

Ein interessanter Kniff, einen gewissen Zwang zur Entwicklung des eigenen Hafens einzubauen liegt dann schließlich in der Siegpunktabrechnung am Ende des Spiels. Die Siegpunkte bemessen sich nämlich nach dem erreichten Vermögen, multipliziert mit dem Prestigewert des Hafens. Der Prestigewert wird während des Spiels jede Runde bestimmt, und am Ende zählt der höchste, im Verlauf des Spiels erreichte Wert. Wesentliche Punktelieferanten dafür sind die Schiffe sowie einige Hafenausbauten, so dass man sehr interessiert ist, zu einer Zeit mal drei wertvolle Schiffe gleichzeitig bei sich vor Anker liegen zu haben. Und das geht eben nur, wenn der Hafen ausreichend ausgebaut ist.

Fazit

Der Clou bei diesem Spiel ist sicherlich das Raum-Zeit-Management, was in diesem Fall aber nichts mit SciFi zu tun hat. Denn nicht, wie man das aus anderen Wirtschaftsspielen gewohnt ist, wenn der LKW voll ist fährt er ab, sondern alle Schiffe und LKWs haben eine feste Zeit (Anzahl Runden), wie lang sie vor Anker bzw. an der Verladestation warten. Erst dann und keinen Moment früher räumen sie den knappen Platz wieder und die LKWs bringen ihre Erlös.

Nur anhand eines Schiffes will ich mal versuchen, das Entscheidungsdilemma aufzuzeigen: Schiffe gibt es in drei Größen, und je größer das Schiff, desto besser muss der Kai ausgebaut sein, damit das Schiff anlegen kann. Oft hat man nur einen Kai, der für die ganz großen Schiffe ausgebaut ist.
Wenn man sich also ein neues Schiff „angeln“ will, muss man nicht nur beachten, welche Waren es geladen hat, sondern auch wo es vor Anker gehen wird, wie lange es den begehrten Platz anschließend blockieren wird und ob man die Waren auch abladen kann. Nichts ist ärgerlicher, als wenn aus Versehen ein kleiner Fischkutter über Runden den am besten ausgebauten Kai blockiert und man in der Folge die lang erwarteten Ozeandampfer den Konkurrenten überlassen muss. Oder noch peinlicher: Der Ozeanriese ist an der Angel und dann schaut der Kapitän, lächelt und dampft gerade wieder ab. Wo soll ich den denn anlegen, du Leichtmatrose?

Gerade bei der Auswahl der Schiffe ist also viel Planung gefragt. Bei den LKWs ist es etwas einfacher, aber auch da gilt es, Aufenthaltsdauer, Warenkapazität und Warensorten gut miteinander und mit den Schiffen zu kombinieren.

Dazu kommt das nicht völlig neuartige Management der Arbeiter, Gebäude und Lagerplätze auf dem Kai, die selten, aber dann meist ganz unangenehm knapp werden. An dieser Stelle darf man auch mal aufstöhnen und sagen: Hui, ganz schön viel.
Ähnlich wie bei Le Havre verstehe ich jeden, der dieses Spiel mehr als Arbeit denn als Spiel-(Spaß) empfindet, eine gewisse Begeisterung für Logistikketten ist von Vorteil, um Bremerhaven zu mögen.

Bei der Spielerzahl bin ich noch nicht ganz entschieden, spielbar ist es von 2 bis 4 Spielern, wobei das Spiel zu viert doch recht lang dauert. Allerdings kommen bei vier Spielern auch mehr Schiffe und LKWs ins Spiel und es herrscht allgemein etwas mehr Wettkampf, das fand ich zu zweit wieder etwas schwächer. Insgesamt hält sich die Interaktion und der Einfluss der Spieler aufeinander aber doch recht in Grenzen, so dass ich langfristig wohl das kürzere Spiel zu zweit oder dritt der Vollbesetzung vorziehe.

Das Spielmaterial und auch die Regeln sind in Lookout-typischer Art detailliert, grafisch liebe- und humorvoll und von tadelloser Qualität. Auch der Schachtelinhalt ist umfangreich und sollte keinem Grund zur Beanstandung geben. (in meinen Augen sowieso das absurdeste Qualitätskriterium überhaupt)

Zur Spielmechanik sei hier noch erwähnt, dass diese in meinen Augen sehr „fein“ justiert ist. Gerade in Runden mit Anfängern, die den Wert des Hafenausbaus zu Beginn unterschätzen, kann es einem Spieler gelingen, sich früh deutlich abzusetzen. Solche Vorsprünge waren in unseren Runden nur selten wieder einzuholen. Soll heißen, das Spiel macht vielen in der zweiten bis dritten Partie mehr Spaß als in der ersten und spielt sich am spannendsten in einer Runde mit gleichstarken Spielern, die bereits wissen, worauf es ankommt. Dann finde ich es richtig gut.

Rezension Michael Timpe

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H@LL9000-Bewertungen

H@LL9000 Wertung Bremerhaven: 3,5 3,5, 6 Bewertung(en)

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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 12.03.14 von Michael Timpe - Trockene Materie stimmungsvoll verpackt, passt aber trotzdem sicher nicht jedem.
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 26.05.14 von Andreas Odendahl - Aktionswahlmechanik passt nicht zum Rest des Spiels. Dazu sind die Aktionen so schlecht gewählt, dass das Spiel eine komische Dynamik hat. Wer einmal bei den Kartenwerten zurück liegt hat mit dem Spielsieg nichts mehr zu tun... Solopartien sehr zu empfehlen! Tolles Spielsystem!
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 30.07.14 von Michael Andersch - Nach nur einer Partie zu viert habe ich einen sehr zwiespältigen Eindruck. Ich fand das Spiel eigentlich ganz ok, wenngleich der Bietmechanismus für ein im Grunde ausrechenbares Spiel natürlich schon sehr hart und letztlich glücksabhängig ist. Meine Mitspieler haben aber eine weitere Partie kategorisch abgelehnt, insbesondere weil es zu statisch ist und im Grunde nicht viel passiert. Dies kann ich ebenfalls nachvollziehen. Gut gefallen hat mir dagegen der Einzelspielermodus, wobei ich die Auswertung als unbefriedigend empfinde: Ich bevorzuge es, wie bei einem Ko-Op-Spiel zu gewinnen oder zu verlieren, und nicht einfach möglichst viele Punkte machen zu müssen. Aber das ist sicherlich Geschmackssache.
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 01.11.14 von Frank Lehmann
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 25.10.15 von Edgar Ameling - Ein relativ simples Pick-up an Deliver Spiel mit einem etwas glückslastigen Bietmechanismus. Habe bei der Bewertung stark zwischen drei und vier Punkten geschwankt. Letztlich sind es knappe vier geworden.
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 23.10.16 von Silke Hüsges

Leserbewertungen

Leserwertung Bremerhaven: 3,8 3.8, 6 Bewertung(en)

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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 01.06.14 von Braz - Startspielervorteil zu mächtig. Spiel zudem sehr zäh. Wir hatten sogar ein Spiel nach gefühlten 3h (effektiven 90 Minuten) abgebrochen. Der Startspieler wurde nie von Spieler 2 attackiert und Spieler 3 und Spieler 4 kloppten sich um die Reihenfolge der hinteren Plätze. Der Startspieler bekommt immer mehr Geld und da Geld als Multiplikator dient ist das ein Vorteil, der bei weitem zu stark ist. Nix da...Spiel hat keinen Spaß gemacht und schwimmt mir zu stark -wegen der Optik- auf der "Le Havre" Welle, das es jedoch noch nicht einmal ansatzweise erreicht!
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 01.06.14 von Jörn
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 04.06.14 von Helme - Die Meinungen gehen schon ziemlich weit auseinander. Für mich hat Bremerhaven reizvolle Aspekte (Platz- und Zeitmanagement, Sonderfunktionen durch Gebäude), aber auch sehr frustrierende Elemente durch das blinde Bieten, vor allem wenn man bei Gleichständen den Kürzeren zieht und dann oft nichts dafür bekommt.
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 04.06.14 von vanM - Es ist schon alles gesagt, aber noch nicht von jedem. Daher nochmal von mir: der knallharte Bietmechanismus (der Loser schaut in die Röhre) passt nicht zur strategischen Grundausrichtung des Spiels. Noch 3 Punkte weil es ein paar nette Ideen hat (siehe Helme). Nochmal Spielen würd ich es nur im Notfall.
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 27.11.14 von Joachim - Ein sehr gelungenes Spiel, das mir viel Spaß macht und auch in meinen Spielerunden gut ankommt. Einzig beim Material mit den sehr vielen kleinen Pappmarkern gibt es von mir Abzüge, zumal das Spiel nicht unbedingt preisgünstig ist. Hier sah das Material beim Vorabexemplar besser aus, auch der Spielplan war da etwas ansprechender. Den angesprochenen angeblichen Startspielervorteil sehe ich so nicht, da zum einen die Reihenfolge wie bei vielen anderen Spielen geändert werden kann, und zum anderen Startspieler von den nachfolgenden Spielern einfacher überboten werden können.
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 31.01.16 von Martin - Wir haben es zu zweit gespielt. Das Spiel dauerte doch erstaunlich lang, aber es war nie langweilig. Die Mechanismen finde ich wirklich toll und der Reiz, es beim nächsten Mal besser zu machen ist sehr groß. Einmalig ist m.E. die Schlusswertung, wenn man z.B. 97 x 18 ausrechnen muss. Obwohl ich Spiele, bei denen man um etwas bieten muss und dabei leer ausgehen kann, nicht so gerne mag, macht mir Bremerhaven überraschenderweise viel Spaß.

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