Rezension/Kritik - Online seit 31.05.2007. Dieser Artikel wurde 9327 mal aufgerufen.

Gloria Mundi

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Autor: James Ernest
Mike Selinker
Illustration: Franz Vohwinkel
Verlag: Abacus Spiele
Rezension: Dario Bagatto
Spieler: 2 - 6
Dauer: 60 Minuten
Jahr: 2006
Bewertung: 3,2 3,2 H@LL9000
4,0 4,0 Leser
Ranking: Platz 5810
Download: Kurzspielregel [PDF]
Gloria Mundi

Spielziel

Die Spieler bernehmen bei Gloria Mundi den Part flchtender Rmer, die vor den wilden Goten trmen und sich Richtung Afrika verziehen, um dem zerstrerischen Treiben zu entgehen. Sieger ist jener Spieler, der als Erster in Afrika ankommt, bevor der Gote Rom erreicht, oder der bis Spielende am weitesten von Rom entfernt ist.

Ablauf

Unter der Fhrung Alarichs brachen die Goten 402 auf, um in Italien einzufallen. Sie warfen nieder, was sich ihnen in den Weg stellte. Nach einigen Kmpfen drangen die Goten schlussendlich 410 in Rom ein und plnderten die Stadt. "Sic transit gloria mundi", wie ich aus Latein fr Angeber gelernt habe, oder auf Deutsch: "So vergeht der Ruhm der Welt".

Dies bildet den Hintergrund fr das Spiel Gloria Mundi, jedoch handelt es sich hier aber nicht um eine historische Simulation, sondern eher um ein kleines Wettrennen.

Der Spielplan zeigt Italien und ist in zwei Strecken aufgeteilt. Auf der einen Strecke bewegt sich der Gote von Norden aus in Richtung Rom, auf der anderen Strecke bewegen sich die Spieler von Rom weg Richtung Afrika.

Jeder Spieler erhlt zu Beginn des Spiels einen Sichtschirm, hinter dem er seine Karten und Ressourcen verstecken kann, sowie eine bestimmte Anzahl Basiskarten (Landgut, Stadt und Frieden); auerdem einen Satz Ressourcen (1 Nahrung, 1 Gold und 1 Frieden). Es gibt noch eine vierte Ressource - Ruhm - aber diese lsst sich nur durch Ausbau von Basiskarten "herstellen".

Die Spieler fhren nun reihum in ihren Zgen die fnf unten aufgefhrten Phasen durch, bis das Spielende erreicht ist:

1. Eine neue Aufbaukarte im Forum auslegen

2. Eine eigene Basiskarte ausspielen

3. Karten aktivieren (Ressourcen generieren)

4. Ausbaukarte kaufen

5. Den Goten ziehen oder Tribut zahlen

Das Forum bietet auf 6 Feldern Platz fr 6 Aufbaukarten. Jede Aufbaukarte hat einen bestimmten Preis, der in Ressurcen zu bezahlen ist, zu dem man sie erwerben kann. Allerdings kommt zum Grundpreis einer Karte noch ein Aufpreis dazu, der von der Position der Karte im Forum abhngt.

ALLE Karten des Typs, den der aktive Spieler in Phase 2 ausgelegt hat, generieren nun bei ALLEN Spielern Ressourcen. Jeder Spieler kann bei jeder seiner aktivierten Karten entscheiden, ob er die Ressourcen der Basiskarte haben mchte oder lieber die Ressourcen einer allenfalls darauf liegenden Ausbaukarte. Meistens ist Letzteres der Fall, weil die Ausbaukarten eine vorteilhaftere Ressourcenausschttung haben.

Mit den Ressourcen kann man Ausbaukarten kaufen. Zum einen erlaubt eine Ausbaukarte direkt beim Kauf eine gewisse Anzahl an Schritten Richtung Afrika zu ziehen, zum anderen kann man damit eine Basiskarte verbessern, wenn man die Ausbaukarte darauf legt. Die Ausbaukarte erlaubt es einem dann z. B. mehr Ressourcen zu produzieren oder spezielle Aktionen auszufhren. Eine Ausbaukarte passt in der Regel nur auf eine Basiskarte desselben Typs.

Der Gote mchte am Ende jedes Spielerzuges ein Feld Richtung Rom wandern. Macht er dies, zerstrt er ausliegende Basiskarten und Ausbaukarten. Welche und wie viele ist auf den Feldern des Spielplans angegeben, durch die er wandert. Doch der Gote lsst sich auch bestechen. Der aktive Spieler kann sich dafr entscheiden, Tribut zu zahlen, dann bleibt der Gote stehen. Dazu legt er die geforderten Ressourcen auf das nchste freie Feld vor den Goten.

Doch irgendwann wird kein Tribut gezahlt, entweder weil man nicht kann oder weil man nicht will! Dann setzt der Gote seinen zerstrerischen Marsch Richtung Rom fort, durchluft nun alle Felder, fr die bisher Tribut gezahlt wurde, und zerstrt die entsprechenden Karten.

Seine Zerstrungswut trifft zuerst den aktiven Spieler, der nun nach seiner Wahl die geforderte Karte ablegt (sofern er eine passende hat), dann geht es weiter im Uhrzeigersinn von Spieler zu Spieler, bis alle Karten, die der Gote verlangt, zerstrt sind. Dabei ist zu beachten, dass bei Zerstrung einer Basiskarte immer auch eine allenfalls darauf liegende Ausbaukarte mitzerstrt wird! Falls der Gote zugeschlagen hat, werden als kleiner Wehmutstropfen alle Ressourcen, die bisher als Tribut gezahlt wurden, wieder unter den Spielern verteilt.

Sieger ist der Spieler, der als Erster in Afrika ankommt, bevor der Gote Rom erreicht, oder der am weitesten von Rom entfernt ist, falls der Gote Rom erreicht hat, oder der aktive Spieler keine Basiskarte mehr ausspielen kann.

Fazit

Auf den ersten Blick scheint Gloria Mundi ein reines Aufbauspiel zu sein. Jeder baut seine Gebude, scheffelt Ressourcen und versucht seine Grundkarten mit Ausbaustufen zu versehen, um noch mehr Ressourcen zu erwerben. Doch der Schein trgt, denn nicht das aufbauende Element ist der tragende Teil dieses Spiels, sondern das zerstrende Element.

Es ist bei Gloria Mundi nicht allein das Wichtigste, mglichst viel tun, um selbst besser zu werden und zu siegen; viel wichtiger ist es, seine Mitspieler daran zu hindern, schnell vorwrts zu kommen.

Man muss seine Gebude und Ausbaustufen zwar schon gezielt einsetzen, denn nur so erhlt man die ntigen Ressourcen, um dem Ziel Afrika nher zu kommen. Aber noch wichtiger ist es, den Goten im passenden Moment vorrcken zu lassen, um seinen Gegnern mglichst viele Gebude zu zerstren. Dabei ist es auch meist unumgnglich, dass eigene Gebude zerstrt werden; man muss sogar oft bewusst eigene Gebude der Zerstrungswut des Goten berlassen, um seinen Gegnern schmerzhafte Verluste zuzufgen. Das Fortschreiten des Goten kann zum Teil einen ganz schnen Kahlschlag verursachen und tut weh, denn ohne die Karten gibts ja auch keine Ressourcen, die wiederum dringend fr das Vorwrtskommen notwendig sind.

Mit diesen Voraussetzungen ist Gloria Mundi meiner Einschtzung nach ein Spiel, das auf eine gemischte Resonanz stoen wird, weil zerstrerische Elemente in einem Spiel nicht jedermanns Sache sind. Die gebauten Gebude und Ausbaustufen halten meist nur wenige Runden, denn der Gote schlgt immer wieder zu. Der rgerfaktor knnte daher leicht zum Frustfaktor werden, vor allem wenn Personen mitspielen, die selbst nicht ausreichend aggressiv gegen ihre Mitspieler vorgehen (oder vorgehen wollen).

Da der Spielverlauf von der Reihenfolge der Ausbaukarten abhngt, luft jedes Spiel etwas anders ab, so dass auch die Entscheidungen der Spieler immer angepasst werden mssen. Trotz der zuflligen Folge der Ausbaukarten ist der Glcksfaktor sehr gering.

Es gibt bei dem Spiel einige Entscheidungen, die es zu bercksichtigen gilt (Welche Karte soll man aktivieren, wann soll man eine Ausbaukarte kaufen, soll man den Goten bezahlen oder weiterziehen lassen ...). Bei der ersten Partie von Gloria Mundi hat man recht wenig Ahnung, welche Strategie oder bzw. Taktik man anwenden soll. Nach etwa 2 bis 3 Spielen wird jedoch klar, welch interessante taktische Mglichkeiten das Spiel bietet. Ein Spiel also, das man keineswegs nach nur einer Partie bewerten sollte!

Ist einem bewusst, auf was man sich bei Gloria Mundi einlsst, dann erwartet einem bei diesem Spiel ein sehr interessanter Mechanismus. Es ist immer wieder spannend und herausfordernd, den Goten zum richtigen Zeitpunkt fr sich einzusetzen und auf diesen Punkt auch durch das Einsetzen von Gebuden und Ausbaukarten hinzuarbeiten. Dabei ist der Einfluss (bei Spiel im Uhrzeigersinn) auf den Spieler zur Linken natrlich am grten und nimmt im Uhrzeigersinn entsprechend ab.

Die 6-seitige Spielanleitung ist leider nicht ideal aufgebaut und will genau studiert werden. Auch hakt der Einstieg ins Spiel etwas an einer anderen Stelle. Um die Karten sprachneutral zu halten, wurde auf den Karten kein Text verwendet, sondern nur Symbole. Leider sind diese Symbole nicht immer selbsterklrend. Da es keine Kurzanleitung zu den Karten gibt, muss man als Spielneuling hufig in den Regeln nachschlagen. Eine Einstiegshrde, die sich allerdings zu bewltigen lohnt.

Die Dauer eines Spiel ist von der Anzahl der Spieler recht unabhngig, allerdings ist die Angabe auf der Box von 1 Stunde doch etwas zu niedrig gehalten. Vor allem fr die ersten Spiele, bei denen man auch noch das eine oder andere nachlesen muss, braucht man deutlich lnger.

Das einzig wirklich Bedauerliche bei Gloria Mundi ist die Gre der Spielschachtel, welche definitiv zu gro geraten ist und einfach nicht ins Regal passen will. Und dass trotz der Gre nicht einmal ein passender Einsatz in der Box zu finden ist, um alles vernnftig verstauen zu knnen, ist ein zustzliches rgernis.

Davon abgesehen ist Gloria Mundi jedoch ein Spiel, dass es wert ist, genauer angesehen zu werden!

Rezension Dario Bagatto

Anmerkung: Zur besseren Lesbarkeit der Texte verwenden wir hufig das generische Maskulinum, welches sich zugleich auf weibliche, mnnliche und andere Geschlechteridentitten bezieht.

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H@LL9000-Bewertungen

H@LL9000 Wertung Gloria Mundi: 3,2 3,2, 6 Bewertung(en)

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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 07.05.07 von Dario Bagatto
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 30.10.06 von Katrin Husmann - Fr meinen Geschmack hat der einzelne Spieler einen zu groen Einflu darauf, den Groteil des bisher aufgebauten Status aller Mitspieler zu zerstren.
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 03.11.06 von Jochen Traub
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 03.12.06 von Michael Andersch - Nach dem ersten Spiel htte ich eine 2 gegeben, mit steigender Anzahl von Partien gefiel mir Gloria Mundi immer besser. Allerdings sollte man eine gewisse Frusttoleranz mitbringen, denn Gloria Mundi hat eine gewaltige rgerkomponente und hufig gilt: Wie gewonnen, so zerronnen... Der Reiz liegt dann darin, langsamer zerinnen zu lassen als die Mitspieler!
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 17.06.07 von Michael Reitz
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 22.06.08 von Bernd Eisenstein

Leserbewertungen

Leserwertung Gloria Mundi: 4,0 4.0, 8 Bewertung(en)

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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 02.06.07 von Oliver Lach - Ja, es ist destruktiv, ja und ? Eben mal kein 'friedliches nebeneinander aufbauen und Siegespunkte optimieren'. Muss auch mal sein ;-). Mir gefllt's sehr :-).
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 03.06.07 von Wolf von der Osten-Sacken - Erschliet sich erst nach einigen Spielen. Trotzdem aber zu wenig steuerbar. Schlechte Spielregel
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 04.06.07 von Martin Kosub - Mieses Spielmaterial, schlechte Spielregel, noch schlechtere Spielschachtel. Spiel wurde in unserer Runde nach 15 Minuten abgebrochen !
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 04.06.07 von Braz - Mieses Spielmaterial??? Das verwundert mich dich sehr. Sicherlich: Die Schachtel ist verhltnismig zu gro fr das Spiel ausgefallen, aber das Material ist wirklich 1a. Das Spiel ist sicherlich auch nicht fr jeden Geschmack, da es sehr destruktiv ist und man nur bedingt planen kann -> oft will man diversen kontraproduktiven Sachen vorbeugen, kann dies aber leider nicht und man geht einfach im Spiel unter. Von daher gebe ich dem Spiel eine "4", da ich ein planbareres Spiel besser gefunden htte. Das aber das Material mies sei halte ich fr stark berzeugen, wenn nicht sogar falsch! Man kann dem Spiel einiges nachsagen, nur nicht das!
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 04.06.07 von Beate Bindrim
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 04.05.09 von Frey Andreas
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 15.02.10 von Scholle
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 27.10.20 von Christiansen

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