Rezension/Kritik - Online seit 31.05.2007. Dieser Artikel wurde 6874 mal aufgerufen.

Gloria Mundi

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Autor: James Ernest
Mike Selinker
Illustration: Franz Vohwinkel
Verlag: Abacus Spiele
Rezension: Dario Bagatto
Spieler: 2 - 6
Dauer: 60 Minuten
Jahr: 2006
Bewertung: 3,2 3,2 H@LL9000
4,0 4,0 Leser
Ranking: Platz 4378
Download: Kurzspielregel [PDF]
Gloria Mundi

Spielziel

Die Spieler übernehmen bei Gloria Mundi den Part flüchtender Römer, die vor den wilden Goten türmen und sich Richtung Afrika verziehen, um dem zerstörerischen Treiben zu entgehen. Sieger ist jener Spieler, der als Erster in Afrika ankommt, bevor der Gote Rom erreicht, oder der bis Spielende am weitesten von Rom entfernt ist.

Ablauf

Unter der Führung Alarichs brachen die Goten 402 auf, um in Italien einzufallen. Sie warfen nieder, was sich ihnen in den Weg stellte. Nach einigen Kämpfen drangen die Goten schlussendlich 410 in Rom ein und plünderten die Stadt. "Sic transit gloria mundi", wie ich aus Latein für Angeber gelernt habe, oder auf Deutsch: "So vergeht der Ruhm der Welt".

Dies bildet den Hintergrund für das Spiel Gloria Mundi, jedoch handelt es sich hier aber nicht um eine historische Simulation, sondern eher um ein kleines Wettrennen.

Der Spielplan zeigt Italien und ist in zwei Strecken aufgeteilt. Auf der einen Strecke bewegt sich der Gote von Norden aus in Richtung Rom, auf der anderen Strecke bewegen sich die Spieler von Rom weg Richtung Afrika.

Jeder Spieler erhält zu Beginn des Spiels einen Sichtschirm, hinter dem er seine Karten und Ressourcen verstecken kann, sowie eine bestimmte Anzahl Basiskarten (Landgut, Stadt und Frieden); außerdem einen Satz Ressourcen (1 Nahrung, 1 Gold und 1 Frieden). Es gibt noch eine vierte Ressource - Ruhm - aber diese lässt sich nur durch Ausbau von Basiskarten "herstellen".

Die Spieler führen nun reihum in ihren Zügen die fünf unten aufgeführten Phasen durch, bis das Spielende erreicht ist:

1. Eine neue Aufbaukarte im Forum auslegen

2. Eine eigene Basiskarte ausspielen

3. Karten aktivieren (Ressourcen generieren)

4. Ausbaukarte kaufen

5. Den Goten ziehen oder Tribut zahlen

Das Forum bietet auf 6 Feldern Platz für 6 Aufbaukarten. Jede Aufbaukarte hat einen bestimmten Preis, der in Ressurcen zu bezahlen ist, zu dem man sie erwerben kann. Allerdings kommt zum Grundpreis einer Karte noch ein Aufpreis dazu, der von der Position der Karte im Forum abhängt.

ALLE Karten des Typs, den der aktive Spieler in Phase 2 ausgelegt hat, generieren nun bei ALLEN Spielern Ressourcen. Jeder Spieler kann bei jeder seiner aktivierten Karten entscheiden, ob er die Ressourcen der Basiskarte haben möchte oder lieber die Ressourcen einer allenfalls darauf liegenden Ausbaukarte. Meistens ist Letzteres der Fall, weil die Ausbaukarten eine vorteilhaftere Ressourcenausschüttung haben.

Mit den Ressourcen kann man Ausbaukarten kaufen. Zum einen erlaubt eine Ausbaukarte direkt beim Kauf eine gewisse Anzahl an Schritten Richtung Afrika zu ziehen, zum anderen kann man damit eine Basiskarte verbessern, wenn man die Ausbaukarte darauf legt. Die Ausbaukarte erlaubt es einem dann z. B. mehr Ressourcen zu produzieren oder spezielle Aktionen auszuführen. Eine Ausbaukarte passt in der Regel nur auf eine Basiskarte desselben Typs.

Der Gote möchte am Ende jedes Spielerzuges ein Feld Richtung Rom wandern. Macht er dies, zerstört er ausliegende Basiskarten und Ausbaukarten. Welche und wie viele ist auf den Feldern des Spielplans angegeben, durch die er wandert. Doch der Gote lässt sich auch bestechen. Der aktive Spieler kann sich dafür entscheiden, Tribut zu zahlen, dann bleibt der Gote stehen. Dazu legt er die geforderten Ressourcen auf das nächste freie Feld vor den Goten.

Doch irgendwann wird kein Tribut gezahlt, entweder weil man nicht kann oder weil man nicht will! Dann setzt der Gote seinen zerstörerischen Marsch Richtung Rom fort, durchläuft nun alle Felder, für die bisher Tribut gezahlt wurde, und zerstört die entsprechenden Karten.

Seine Zerstörungswut trifft zuerst den aktiven Spieler, der nun nach seiner Wahl die geforderte Karte ablegt (sofern er eine passende hat), dann geht es weiter im Uhrzeigersinn von Spieler zu Spieler, bis alle Karten, die der Gote verlangt, zerstört sind. Dabei ist zu beachten, dass bei Zerstörung einer Basiskarte immer auch eine allenfalls darauf liegende Ausbaukarte mitzerstört wird! Falls der Gote zugeschlagen hat, werden als kleiner Wehmutstropfen alle Ressourcen, die bisher als Tribut gezahlt wurden, wieder unter den Spielern verteilt.

Sieger ist der Spieler, der als Erster in Afrika ankommt, bevor der Gote Rom erreicht, oder der am weitesten von Rom entfernt ist, falls der Gote Rom erreicht hat, oder der aktive Spieler keine Basiskarte mehr ausspielen kann.

Fazit

Auf den ersten Blick scheint Gloria Mundi ein reines Aufbauspiel zu sein. Jeder baut seine Gebäude, scheffelt Ressourcen und versucht seine Grundkarten mit Ausbaustufen zu versehen, um noch mehr Ressourcen zu erwerben. Doch der Schein trügt, denn nicht das aufbauende Element ist der tragende Teil dieses Spiels, sondern das zerstörende Element.

Es ist bei Gloria Mundi nicht allein das Wichtigste, möglichst viel tun, um selbst besser zu werden und zu siegen; viel wichtiger ist es, seine Mitspieler daran zu hindern, schnell vorwärts zu kommen.

Man muss seine Gebäude und Ausbaustufen zwar schon gezielt einsetzen, denn nur so erhält man die nötigen Ressourcen, um dem Ziel Afrika näher zu kommen. Aber noch wichtiger ist es, den Goten im passenden Moment vorrücken zu lassen, um seinen Gegnern möglichst viele Gebäude zu zerstören. Dabei ist es auch meist unumgänglich, dass eigene Gebäude zerstört werden; man muss sogar oft bewusst eigene Gebäude der Zerstörungswut des Goten überlassen, um seinen Gegnern schmerzhafte Verluste zuzufügen. Das Fortschreiten des Goten kann zum Teil einen ganz schönen Kahlschlag verursachen und tut weh, denn ohne die Karten gibt’s ja auch keine Ressourcen, die wiederum dringend für das Vorwärtskommen notwendig sind.

Mit diesen Voraussetzungen ist Gloria Mundi meiner Einschätzung nach ein Spiel, das auf eine gemischte Resonanz stoßen wird, weil zerstörerische Elemente in einem Spiel nicht jedermanns Sache sind. Die gebauten Gebäude und Ausbaustufen halten meist nur wenige Runden, denn der Gote schlägt immer wieder zu. Der Ärgerfaktor könnte daher leicht zum Frustfaktor werden, vor allem wenn Personen mitspielen, die selbst nicht ausreichend aggressiv gegen ihre Mitspieler vorgehen (oder vorgehen wollen).

Da der Spielverlauf von der Reihenfolge der Ausbaukarten abhängt, läuft jedes Spiel etwas anders ab, so dass auch die Entscheidungen der Spieler immer angepasst werden müssen. Trotz der zufälligen Folge der Ausbaukarten ist der Glücksfaktor sehr gering.

Es gibt bei dem Spiel einige Entscheidungen, die es zu berücksichtigen gilt (Welche Karte soll man aktivieren, wann soll man eine Ausbaukarte kaufen, soll man den Goten bezahlen oder weiterziehen lassen ...). Bei der ersten Partie von Gloria Mundi hat man recht wenig Ahnung, welche Strategie oder bzw. Taktik man anwenden soll. Nach etwa 2 bis 3 Spielen wird jedoch klar, welch interessante taktische Möglichkeiten das Spiel bietet. Ein Spiel also, das man keineswegs nach nur einer Partie bewerten sollte!

Ist einem bewusst, auf was man sich bei Gloria Mundi einlässt, dann erwartet einem bei diesem Spiel ein sehr interessanter Mechanismus. Es ist immer wieder spannend und herausfordernd, den Goten zum richtigen Zeitpunkt für sich einzusetzen und auf diesen Punkt auch durch das Einsetzen von Gebäuden und Ausbaukarten hinzuarbeiten. Dabei ist der Einfluss (bei Spiel im Uhrzeigersinn) auf den Spieler zur Linken natürlich am größten und nimmt im Uhrzeigersinn entsprechend ab.

Die 6-seitige Spielanleitung ist leider nicht ideal aufgebaut und will genau studiert werden. Auch hakt der Einstieg ins Spiel etwas an einer anderen Stelle. Um die Karten sprachneutral zu halten, wurde auf den Karten kein Text verwendet, sondern nur Symbole. Leider sind diese Symbole nicht immer selbsterklärend. Da es keine Kurzanleitung zu den Karten gibt, muss man als Spielneuling häufig in den Regeln nachschlagen. Eine Einstiegshürde, die sich allerdings zu bewältigen lohnt.

Die Dauer eines Spiel ist von der Anzahl der Spieler recht unabhängig, allerdings ist die Angabe auf der Box von 1 Stunde doch etwas zu niedrig gehalten. Vor allem für die ersten Spiele, bei denen man auch noch das eine oder andere nachlesen muss, braucht man deutlich länger.

Das einzig wirklich Bedauerliche bei Gloria Mundi ist die Größe der Spielschachtel, welche definitiv zu groß geraten ist und einfach nicht ins Regal passen will. Und dass trotz der Größe nicht einmal ein passender Einsatz in der Box zu finden ist, um alles vernünftig verstauen zu können, ist ein zusätzliches Ärgernis.

Davon abgesehen ist Gloria Mundi jedoch ein Spiel, dass es wert ist, genauer angesehen zu werden!

Rezension Dario Bagatto

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H@LL9000-Bewertungen

H@LL9000 Wertung Gloria Mundi: 3,2 3,2, 6 Bewertung(en)

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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 07.05.07 von Dario Bagatto
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 30.10.06 von Katrin Husmann - Für meinen Geschmack hat der einzelne Spieler einen zu großen Einfluß darauf, den Großteil des bisher aufgebauten Status aller Mitspieler zu zerstören.
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 03.11.06 von Jochen Traub
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 03.12.06 von Michael Andersch - Nach dem ersten Spiel hätte ich eine 2 gegeben, mit steigender Anzahl von Partien gefiel mir Gloria Mundi immer besser. Allerdings sollte man eine gewisse Frusttoleranz mitbringen, denn Gloria Mundi hat eine gewaltige Ärgerkomponente und häufig gilt: Wie gewonnen, so zerronnen... Der Reiz liegt dann darin, langsamer zerinnen zu lassen als die Mitspieler!
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 17.06.07 von Michael Reitz
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 22.06.08 von Bernd Eisenstein

Leserbewertungen

Leserwertung Gloria Mundi: 4,0 4.0, 7 Bewertung(en)

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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 02.06.07 von Oliver Lach - Ja, es ist destruktiv, ja und ? Eben mal kein 'friedliches nebeneinander aufbauen und Siegespunkte optimieren'. Muss auch mal sein ;-). Mir gefällt's sehr :-).
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 03.06.07 von Wolf von der Osten-Sacken - Erschließt sich erst nach einigen Spielen. Trotzdem aber zu wenig steuerbar. Schlechte Spielregel
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 04.06.07 von Martin Kosub - Mieses Spielmaterial, schlechte Spielregel, noch schlechtere Spielschachtel. Spiel wurde in unserer Runde nach 15 Minuten abgebrochen !
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 04.06.07 von Braz - Mieses Spielmaterial??? Das verwundert mich dich sehr. Sicherlich: Die Schachtel ist verhältnismäßig zu groß für das Spiel ausgefallen, aber das Material ist wirklich 1a. Das Spiel ist sicherlich auch nicht für jeden Geschmack, da es sehr destruktiv ist und man nur bedingt planen kann -> oft will man diversen kontraproduktiven Sachen vorbeugen, kann dies aber leider nicht und man geht einfach im Spiel unter. Von daher gebe ich dem Spiel eine "4", da ich ein planbareres Spiel besser gefunden hätte. Das aber das Material mies sei halte ich für stark überzeugen, wenn nicht sogar falsch! Man kann dem Spiel einiges nachsagen, nur nicht das!
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 04.06.07 von Beate Bindrim
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 04.05.09 von Frey Andreas
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 15.02.10 von Scholle

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