Rezension/Kritik - Online seit 14.04.2024. Dieser Artikel wurde 2317 mal aufgerufen.

Q.E.

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Autor: Gavin Birnbaum
Illustration: Gavin Birnbaum
Anca Gavril
Verlag: Cubiko Games
BoardGameTables.com
Strohmann Games
Rezension: Michael Timpe
Spieler: 3 - 5
Dauer: 45 Minuten
Alter: ab 8 Jahren
Jahr: 2019, 2022
Bewertung: 4,3 4,3 H@LL9000
5,0 5,0 Leser
Ranking: Platz 2028
Download: Kurzspielregel [PDF]
Q.E.
Auszeichnungen:2019, Golden Geek innovativstes Spiel Nominierung

Spielziel

Die deutsche KFW-Bank hat 320 Millionen an die Lehman Bank überwiesen? Was ein Fehler, wo Lehmann doch gerade Pleite war. Futsch ist das Geld. Aber waren ja nur Steuergelder. Sowas könnte mir natürlich nicht passieren, schon gar nicht im Spiel. Lieber investiere ich 500 Millionen in den chinesischen Immobilienmarkt, der hat doch sicher Zukunft. Oder geht Evergrande wohlmöglich doch bankrott? Egal, 4 Siegpunkte sind mir mit den Immobilien sicher, möglicherweise auch mehr, ausser … ausser ich hab mich übernommen, dann ist alles nix mehr wert. Das ist dann halt Pech. Aber bis dahin spiel ich mit den ganz grossen Zahlen. Das verwirrt meine Mitspieler und gibt mir die Hoffnung, dass am Schluss doch jemand anderes über meine Ausgaben hinausschießt und sich ruiniert, statt mich.

Ablauf

Jeder Spieler spielt die Nationalbank einer Wirtschaftsmacht, also z.B. Amerika, Europa oder China. Pro Runde wird ein Plättchen aufgedeckt, das für einen Wirtschaftsbereich aus einem Land oder einer Region steht, also z.B. europäische Landwirtschaft, chinesische Immobilien, amerikanische Finanzwirtschaft und ähnliches.

Für die Rettung dieser Wirtschaftszweige wird (verdeckt) Geld geboten, wer am meisten bietet muss zahlen und erhält dafür das entsprechende Plättchen. Dieses ist für sich 1-4 Siegpunkte wert und zusätzlich gibt es noch Siegpunkte für Wirtschaftsbereiche aus dem eigenen Land sowie für verschiedene oder gleiche Bereiche aus verschiedenen Ländern.

Die Versteigerung läuft mit nur einer Runde ab: Der aktive Spieler ist Auktionator und schreibt sein Angebot für alle sichtbar in sein Scheckheft. Jede natürliche Zahl grösser 0 ist als Gebot zulässig - und das ist der Clou im Spiel: Geld gibt es nicht – also nicht physisch. Jeder und jede kann einfach eine x-Beliebige Zahl als Gebot in sein Scheckheft notieren. Anschließend wird dies an den Auktionator gegeben. Der Auktionator verkündet, welcher Spieler die Auktion gewonnen hat (nicht aber den Betrag) und notiert das Höchstgebot auf dem Versteigerungsplättchen, das dann an den Spieler geht, der gewonnen hat.

Nach der letzten von 15 oder 16 Versteigerungen zählen alle Spieler die Summe ihrer erfolgreichen Gebote zusammen. Wer insgesamt am meisten Geld ausgegeben hat, scheidet aus. Die anderen Mitspieler zählen nun den Wert ihrer Anteile plus Punkte für Sets zusammen. Zusatzpunkte gibt es noch für den Spieler, die insgesamt am wenigsten Geld ausgegeben hat. Wer dann die meisten Punkte gesammelt hat, gewinnt das Spiel.

Fazit

Versteigern, ohne Geld? Es ist soooo cool, jeder hat einfach soviel Geld wie er will. Schreib eine Million in dein Scheckbuch, oder 1 Milliarde, ganz wie du willst. Ob du viel, am Ende sogar zuviel ausgegeben hast, entscheiden deine Mitspieler (durch ihr eigenes Spiel).

Obwohl es vordergründig ums Versteigern geht ist QE zum grossen Teil auch ein Psychologiespiel. Steigen die Mitspieler ein, auf eine völlig irrsinnige Zahlenrallye? Oder wird eher konservativ geboten? In einem Spiel kostete das letzte Gebot 1 000 000 000 000 000 000 (Tausen Billiarden) in einer anderen Partie waren 12 Millionen als Gesamtsumme schon zu viel.

Interessant ist der Aspekt, dass nur der Auktionator und der Gewinner wissen, wieviel tatsächlich bezahlt wurde. Die Mitspieler können nur raten, und anhand ihres eigenen Gebotes versuchen einzuschätzen, wie hoch das siegreiche Gebot wohl gewesen sein könnte. So kam es in einer Runde vor, dass einige Spieler noch Millionen boten, während die erfolgreichen Gebote bereits im 100 Millionen Bereich lagen.

Rund 30 Minuten dauert eine Partie, und diese werden wirklich nicht langweilig. Nach meiner Erfahrung hängt die Dynamik des Spiels stark von der Anzahl der Mitspieler ab. Je grösser die Runde, desto wilder explodieren die Preise. Am Ende will doch jeder mindestens 2-3 Versteigerungen gewonnen haben, und entsprechend steigen die Gebote immer schneller in die Höhe.

Daher gefällt mir das Spiel auch besser mit mehr Mitspielern. Zu dritt fand ich es nicht so toll, vier oder fünf SpielerInnen sollten es schon sein. Die galoppierende Inflation im Spiel macht einen grossen Reiz aus und die Überraschung, wer bei der Schlusswertung dann ausscheidet, ist bei mehr Mitspielern einfach lustiger. Ein überrissenes Gebot kann da schnell den Ausschlag geben. Wobei dieser Entscheid fast immer aus den letzten Geboten resultiert. Vom Spielende aus gesehen sind die ersten Gebote immer Schnäppchen. Egal wie hoch sie einem am Anfang schienen.

Tatsächlich sind die Preise am Schluss meist sogar so viel höher, dass die ersten Kosten der ersten Versteigerungen völlig irrelevant werden. Und hier kommt ein kleiner Wehmutstropfen ins Spiel: So originell und erfrischend ich die Versteigerung empfinde, die Wertung ist eher konservativ und zwängt den Spielreiz in „normale“ Bahnen. Unter anderem gibt es recht wertvolle Bonuspunkte, wenn man Versteigerungen aus dem eigenen Land gewinnt. Als Chinesische Nationalbank z.B. die chinesische Industrie oder Landwirtschaft ersteigert. Je früher die eigenen Anteile zum Gebot stehen, desto besser da man diese meist noch günstiger kaufen kann als bei den letzten Geboten.

Und auch beim Langzeitspielreiz bin ich eher skeptisch. Nach Abschluss meiner Testrunden würde ich das Spiel zwar noch weiter mitspielen, aber wohl erst mal nicht mehr vorschlagen. Und auch Teile meiner Spielrunden hatten nach einigen Runden schon genug. Die Versteigerungen sind wirklich super, aber das drumherum löst nicht so viel Spannung aus. Letztlich ist es ähnlich wie beim Pokern. Schätze ich meine Mitspieler richtig ein, biete ich genug aber nicht zu viel? Ich kann es nur raten, steuern kann ich es nicht. Und wenn die Gebote ins unermessliche abgleiten, wird es auch schwierig, weil dann doch der Bezug zu den Zahlen verloren geht.

Ein Wort zum Material: Funktional und gut. Abwischbare, stabile Kartons, die mit den üblichen Folienstiften beschriftet und wieder abgewischt werden. In meinem Spiel funktioniert das jetzt schon über eine Weile einwandfrei.

Als zusammenfassendes Fazit komme ich zum Schluss: Extrem origineller Spielansatz, der auch durch seinen Bezug zur Realität mir viel Spass bereitet hat. Die ersten Partien fand ich phänomenal, leider lässt der Reiz aber relativ schnell nach. Jedem, der mit dem Thema auch nur ein bisschen was anfangen kann, kann ich das Spiel nur wärmstens zum Ausprobieren empfehlen. Ob man es langfristig auch besitzen muss, ist eine andere Frage. Ich hab mich selten so gefreut, ein Spiel gespielt zu haben.

Rezension Michael Timpe

Anmerkung: Zur besseren Lesbarkeit der Texte verwenden wir hufig das generische Maskulinum, welches sich zugleich auf weibliche, mnnliche und andere Geschlechteridentitten bezieht.

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H@LL9000-Bewertungen

H@LL9000 Wertung Q.E.: 4,3 4,3, 3 Bewertung(en)

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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 26.01.24 von Michael Timpe - Fr die ersten 2-3 Partien wrde ich Spielreiz 6 vergeben, ab 6-7 Partien eher nur noch eine 4. Als Mittelwert eine Absolut verdiente 5 fr eine aussergewhnliches Spielkonzept.
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 20.10.22 von Michael Andersch - Gewitztes Bietspiel. Nicht wirklich gut steuerbar, aber es lebt von der Unsicherheit. Spieldauer fr das Gebotene gerade noch akzeptabel. Auf den zu kaufenden Tafeln ist so viel Platz - da htten die wesentlichen Informationen ruhig noch deutlich grer drauf sein drfen. Insgesamt vergebe ich knappe 5 Punkte, frchte jedoch, dass sich das Spielprinzip schnell abnutzt.
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 12.11.22 von Roland Winner - Mir sind zuwenige Unternehmensplttchen im Spiel. Im Schnitt bekomme ich zu viert 4 Unternehmen. Was kann ich da gro entwickeln?

Leserbewertungen

Leserwertung Q.E.: 5,0 5.0, 2 Bewertung(en)

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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 11.05.20 von Maik Bretschneider - Eher einfaches Bietspiel (auf Firmen verschiedener Volkswirtschaften) mit der Krux, das nach Abrechnung derjenige mit dem hchsten Gebot, per se verliert. Zwischendurch via Setcollection erdient man sich Siegpunkte. Guter Absacker.
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 01.02.24 von JonTheDon - Interessantes und spannendes Spiel - oder vielleicht mehr Experiment denn Spiel.

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