Rezension/Kritik - Online seit 07.04.2022. Dieser Artikel wurde 1625 mal aufgerufen.

The Border

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Autor: Reinhard Staupe
Michael Kiesling
Verlag: Nürnberger Spielkartenverlag
Rezension: Franky Bayer
Spieler: 2 - 4
Dauer: 30 Minuten
Alter: ab 8 Jahren
Jahr: 2022
Bewertung: 4,0 4,0 H@LL9000
3,6 3,6 Leser
Ranking: Platz 4656
The Border

Spielziel

Das eigene Gebiet, sein eigenes Revier abzugrenzen, meist durch Duftmarkierungen, ist in der Tierwelt gang und gäbe. Der Mensch hat dieses Absichern des persönlichen Besitzes aber zur Perfektion hochstilisiert: Zäune, Wälle, Gräben, Hecken, Mauern, oft noch durch bewaffnete Einheiten beschützt. Auch im Spiel The Border setzen wir Grenzen, um Gebiete zu umschließen. Denn nur vollständig umschlossene Gebiete bringen uns wichtige Siegpunkte.

Ablauf

Jeder von uns hat sein eigenes Spielertableau. Dieses zeigt 9 unterschiedlich große Gebiete, welche von farbigen Grenzfeldern umgeben sind. Die Felder bilden Farbsegmente, die sich in jeder Farbe aus 2 bis 5 Feldern zusammensetzen. Auch wenn die Anzahl der Gebiete und der sie umgebenden Felder bei jedem Spieler identisch sind, differiert doch die farbliche Anordnung dieser Segmente. Nur die beiden neutralen weißen, bereits mit einem Kreuz versehenen Felder, befinden sich bei allen an derselben Stelle.

Als Motor des Spiels dienen 5 Farbwürfel. Sie weisen sechs verschiedene Farben auf, aber keinen Joker. Wer an der Reihe ist, wird aktiver Spieler genannt. Dieser hat bis zu drei Würfelversuche (1. Aktion), bei denen er völlig frei entscheiden kann, welche Würfel er raus legt oder nachwürfelt. Ist er fertig, darf der aktive Spieler pro Würfel ein farblich passendes Feld ankreuzen, aber nur wenn ein Farbsegment dadurch völlig abgeschlossen wird! Nicht verwendete Würfel bleiben für die Mitspieler liegen.

Diese dürfen nun – als nicht-aktive Spieler – beliebig viele jener Würfel zum Ankreuzen nutzen, die der aktive Spieler übriggelassen hat (2. Aktion). Jedes angekreuzte Feld muss dabei allerdings zwingend an (mindestens) ein bereits angekreuztes Feld angrenzen. Ein Vervollständigen von Farbsegmenten ist dafür hingegen nicht notwendig. Danach endet die Runde, und der im Uhrzeigersinn nächste Spieler ist mit Würfeln dran.

Hat ein Spieler ein Gebiet vollständig mit angekreuzten Feldern umschlossen, wertet er dieses. Der erste Spieler, dem dies mit einem bestimmten Gebiet gelingt, erhält die höhere Zahl an Siegpunkten. Alle anderen streichen diese Zahl auf ihrem Tableau durch und können in einer nachfolgenden Runde oder Aktion nur mehr die niedrigere Zahl an Punkten erhalten.

Das Spiel endet, sobald ein Spieler sechs (oder mehr) Gebiete vollständig umschlossen hat. Die Runde wird noch zu Ende gespielt, anschließend addieren alle Spieler ihre erzielten Punkte. Wer insgesamt die höchste Punktesumme erreicht, gewinnt das Spiel.

Fazit

Zu allererst möchte ich mal das Spielmaterial loben. Abwischbare Tafeln ermöglichen unzählige Partien. Einfach abwischen und schon kann's wieder losgehen. Zwar hat man so keine Möglichkeit zum Festhalten abgehaltener Partien, aber erstens: Wer hebt sich schon ausgefüllte Wertungszettel auf? Und zweitens kann, wer will, ja die Spielertableaus abfotografieren. Auch die Stifte funktionieren ausgezeichnet, kein Wunder, sind ja auch von "Faber Castell". Die Würfel sind Standardware, welche NSV gerne verwendet, eine geschickte Vorgehensweise, um Kosten zu sparen. Und schließlich bietet die mit Filz belegte Innenseite des Schachteldeckels eine geräuscharme Würfelunterlage. Viel besser geht's eigentlich nicht.

Spielerisch ist The Border ja unverkennbar ein richtiges "Roll & Write"-Game, eine momentan sehr beliebte Spielegattung. Würfelergebnisse werden dabei auf Wertungszettel eingetragen. Der aktive Spieler hat bis zu 3 Würfelversuche, mit denen er sein Ergebnis – unter Berücksichtigung der Wahrscheinlichkeiten – zu optimieren versucht.

Bei vielen "Roll & Write"-Spielen tragen alle Spieler das gleiche erwürfelte Ergebnis ein. Bei The Border wird dies etwas anders gehandhabt, dennoch sind auch die Mitspieler daran beteiligt. So entstehen – wie auch ausdrücklich auf der Schachtelrückseite erwähnt – keine Wartezeiten. Aber auch wenn es angenehm ist, wenn ein Spiel nur wenig Downtime besitzt, muss ich dennoch ein paar Bemerkungen hierzu loswerden.

Nachdem der aktive Spieler Würfel zum Vervollständigen von Farbsegmenten eingesetzt hat, dürfen die Mitspieler alle übrigen Würfel verwenden. Im Extremfall sind dies dann fünf Würfel, wenn der aktive Spieler – meist wegen großen Würfelpechs! – keinen einzigen Würfel entsprechend verwenden konnte.

Für mich persönlich geht dies doch ein bisschen zu weit. Zu ausgesprochenem Pech kommt dann auch noch unverhofftes Glück für die Mitspieler hinzu. Die Schere geht also sehr weit auseinander, was sich in vielen unserer Partien in sehr krassen Resultaten ausgewirkt hat. Ich kann mich besonders an eine Partie erinnern, als mein Kontrahent das Spielende mit sechs gewerteten Gebieten ausgelöst hat, während ich noch kein einziges Gebiet umschließen konnte. Das Endergebnis lautete somit 42:0! Ich konnte zwar ebenfalls schon richtige Kantersiege feiern, was ich aber nicht wirklich befriedigend finde.

Sicher, ein Würfelspiel folgt immer eigenen Gesetzen, und den Zufall kontrollieren zu wollen, klappt nun mal nicht. Meiner Meinung nach hätte man dem aber regeltechnisch etwas entgegenwirken können, etwa mit einer Beschränkung auf beispielsweise höchstens 3 Würfel für die passiven Spieler.

Andererseits weiß man ja, auf was man sich einlässt, also auf ein glücksabhängiges Würfelspiel, bei dem man halt das Beste herauszuholen versucht. The Border dauert ohnehin nicht allzu lange, sodass sich der Frust bei einer deutlichen Niederlage in Grenzen hält. Apropos Spieldauer: Hier scheint man sich seitens des Verlages nicht ganz einig zu sein, denn auf der Schachtel sind 30 Minuten Spielzeit angegeben, in der Spielregel jedoch bloß 20 Minuten. Meiner Erfahrung nach liegt sie eher bei Letzterem.

Mir gefällt The Border übrigens zu dritt oder zu viert ein wenig besser, da jeder öfter nicht-aktiver Spieler ist. Diese Rolle ist wichtig, um die größeren Farbsegmente Feld für Feld anzukreuzen und damit kleiner zu machen, was es dann als aktiver Spieler einfacher gestaltet, sie zu vollenden. Zu zweit kommt es hingegen mehr auf das eigene, möglichst gute Würfelergebnis an.

Trotz der erwähnten Nachteile bin ich jederzeit gerne dabei, auch wenn ich damit rechnen muss, sang- und klanglos und vor allem chancenlos unterzugehen. Deshalb bekommt The Border von mir eine – wenn auch bedingte – Empfehlung. Wer nichts mit den Unabwägbarkeiten des Zufalls anfangen kann, sollte besser die Finger davon lassen.

Rezension Franky Bayer

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H@LL9000-Bewertungen

H@LL9000 Wertung The Border: 4,0 4,0, 1 Bewertung(en)

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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 02.03.22 von Franky Bayer - Nettes, glücksabhängiges Roll & Write, bei dem aber nicht-aktive Spieler etwas im Vorteil gegenüber dem aktiven Spieler sind.

Leserbewertungen

Leserwertung The Border: 3,6 3.6, 5 Bewertung(en)

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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 23.02.22 von Peter Steinert - Oha... dieser Kiesling ist viel schwächer als erwartet, schade... Der Aufforderungscharakter ist zweifellos da, das Material auf bekannt gutem NSV-Niveau. Was dann folgt, ist eine abwechslungsarme, oft frustrierende Würfelei, die dazu auch noch zu lange dauert. Dass bei "The Border" risikoreiches Spiel gleich doppelt bestraft werden kann, erschließt sich mir nicht: Scheitere ich mit meinem Zug komplett, dürfen alle passiven Spieler nonchalant auch noch ALLE Würfel verwenden! Echt jetzt? Und bei einem erfolgreichen Zug mit 5 Würfeln dürfen die passiven Spieler trotzdem einen Würfel wählen - so will es das Gesetz! Endergebnisse von 40:12 (bei leichter Pechsträhne) oder sogar 45:2 (wenn's richtig kacke läuft) muss man da schon ertragen können... Ist im Grunde aber auch egal, denn nicht nur der Aktive ist dem Glück (mit 2x Nachwürfeln) ausgeliefert, auch die Passiven bekommen im Endspiel oft serviert, was sie für ihre Pläne nicht primär gebraucht hätten. Und dann zieht es sich! Nicht selten stellt sich allerdings das Gefühl ein, passiv in der deutlich besseren Position zu sein. Grundsätzlich ist die Herangehensweise ja klar: Möglichst viele Farbanbindungen schaffen, möglichst viele verschieden große Farbmengen vorbereiten, auch mal zum Nachbarn rüberschauen... Der Rest ist Lotto. Das ist am Anfang auch spannend, aber eben auch altbekannt und fast ohne Tiefe. Nach 4 Partien abgehakt und fertiggespielt, mit Ach und Krach 3 Punkte, weil heute die Sonne scheint...
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 23.02.22 von Dieter Schmitz - Für zwischendurch ein schönes Spiel.
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 25.02.22 von edru - Ja, der passive Spieler scheint im Vorteil zu sein. Aber nur, wenn sich der aktive Spieler verzockt hat. Was mir gefällt, ist die Tatsache, das der aktive Spieler und die passiven Mitspieler immer im Geschehen eingebunden sind. Es gibt so gut wie keinen Leerlauf. Und das macht "The Border" zu einem guten Spiel.
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 14.03.22 von Tim Mertens - Das Spiel gefällt mir sehr viel besser, als ich es nach zwei drei gelesenen Rezis erwartet habe. Warum? Weil es meistens wohl falsch gespielt bzw falsch angelegt wird. Wenn der aktive Spieler immer nur alles ankreuzt, was grad so geht, was meine Mitspieler zumeist tun, dann kann das zum Spielende hin zu großem Frust führen, weil plötzlich die großen Segmente anstehen und ich dann nichts mehr schaffe. Ich muss vielmehr sehr zielgenau auswählen, was ich wann wo ankreuze, insbesondere damit ich mich als Inaktiver dann gut ausbreiten kann. Also wo anfangen und wo mich ausbreiten! Von meinen bisher fünf Partien habe ich drei gewonnen und ich möchte behaupten, dass das kein Glück war. Ich empfinde den Einfluss aufs Spielgeschehen als sehr hoch. Sehr gutes Spiel mit sehr gutem Material.
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 18.03.22 von zwinkmann - Das ist mal ein richtiges "Ärgerspiel". Am Anfang dreimal Würfelpech und man ist so abgeschlagen, dass man nur noch zusehen kann, wie wie die Mitspieler ihre Würfel verteilen (weil die Möglichkeiten mit steigenden Einträgen auf dem Tableau immer besser werden). Wer Frust liebt beim Spielen, ist hier gut bedient!!

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