Rezension/Kritik - Online seit 22.08.2005. Dieser Artikel wurde 10674 mal aufgerufen.

Das Gold der Inka

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Autor: Harald Lieske
Illustration: Harald Lieske
Verlag: Queen Games
Rezension: Steffen Stroh
Spieler: 2 - 4
Dauer: 30 - 45 Minuten
Alter: ab 8 Jahren
Jahr: 2005
Bewertung: 3,1 3,1 H@LL9000
3,3 3,3 Leser
Ranking: Platz 4649
Download: Kurzspielregel [PDF]
Das Gold der Inka

Spielziel

Darf ich mich vorstellen: mein Name ist Jones, Indiana Jones. Verlorene Schätze sind mein Spezialgebiet, Tempel voller Inkagold ganz besonders. So ein paar lächerliche Abgründe machen einem Abenteuerhelden doch nichts aus. Die Schlangen allerdings… und wer sind diese schrägen Vögel, die sich da mit mir auf den Weg gemacht haben?

Ablauf

Endlich angekommen im Inneren des Heiligtums. Vor mir ein großer, sechseckiger Saal, der Boden von Löchern und Spalten übersät. In der Tiefe zeugt rot glimmende Hitze von glühendem Magma. In der Mitte des Saales glitzert und funkelt es verführerisch – goldene Inkastatuen, Ziel meiner Träume. Auch meine Konkurrenten haben ihr Ziel erreicht, und stehen ähnlich ratlos vor den anderen Eingängen des Saales. Dreizehn rautenförmige Steinplatten hängen von der Decke, jeder von uns hat die Gelegenheit, einige davon – wie von Geisterhand - im Saal in Position zu bringen. Schritt für Schritt tun sich dadurch Wege über die Abgründe auf, aber auch Hindernisse. Einige Bodenplatten sind seitlich durch Mauern verbaut, auf anderen winden sich widerliche Giftschlangen. Mühsam versuche ich, Schlangen und Mauerseiten meinen Widersachern entgegenzustellen, und gleichzeitig selbst eine Brücke zum Gold zusammenzubasteln.

Kaum haben alle Steinplatten Platz gefunden, mache ich mich auf den Weg. Beim ersten Schritt stelle ich fest, dass die Steinplatten beweglich sind – das kostet zwar etwas Kraft (1 Aktionspunkt), aber es geht. Also flott entlang einer Rautenkante in Richtung Ziel „gesurft“. Leider versperrt eine Mauer alsbald mein Vorankommen. Wenn ich doch nur die Platte um eine Ecke drehen könnte – das geht zwar, aber blöderweise verhakt sich die Platte an einer Ecke mit der nebenliegenden Bodenraute. Nichts zu machen, da muss ich mir einen anderen Weg suchen. Ein beherzter Sprung (1 AP) über die eklige Kobra links von mir bringt mich meinem Ziel ein Stück näher. Doch was ist das? Vor mir glimmt der Boden in grüner Farbe, ein jahrtausendealtes Runensymbol kreist im Inneren einer runden Vertiefung. Neugierig wage ich mich einen Schritt vor – und plötzlich schwindet die Welt um mich herum – grelles Licht blendet meine Augen. Rauch umhüllt mich, und als ich die Augen wieder öffne, stehe ich am anderen Ende des großen Saales (1 AP), hinter mir glimmt das selbe grünliche Runenfeld, das ich eben zu betreten wagte. Müde wende ich den Blick zur Mitte des Saales. Sofort schießt Adrenalin durch meine Adern: Ein neuer Weg zu einer der Goldstatuen tut sich vor mir auf!

Doch für den Moment sind meine Kräfte erschöpft. Müde sinke ich auf der Steinplatte zusammen. Mein Blick streift durch den rötlich schimmernden Saal, wo gerade einer meiner Konkurrenten sein Herz in beide Hände nimmt, und sich ebenfalls auf den Weg in Richtung Saalzentrum begibt.

1 Stunde später…

Verschwitzt beuge ich mich zur Goldstatue, die zu meinen Füßen glitzert. Müde, aber glücklich, schließe ich sie in meine schweißnassen Hände, und packe sie zu den anderen beiden Statuen, die bereits wohl behütet in meinem Rucksack schlummern (1 AP). Jetzt aber nichts wie raus – bevor meine Konkurrenten mir zuvor kommen. Denn die Ausgangstüren öffnen sich nur für einen von uns, und ich habe wenig Lust, hier inmitten der Schlangenbrut zu verenden. Die Steinplatte vor mir würde mich direkt zu einem der Ausgänge tragen, doch ein großer, runder Fels blockiert ihre Bewegung: Ein Hindernisstein, von einem meiner Widersacher in Position geschoben. Doch Rache ist süß – mit einem gezielten Stoß lasse ich meinerseits einen Felsen vor die Nase des Konkurrenten wandern. „Wie du mir, so ich dir!“ brülle ich ihm durch den Saal zu. Blanker Hass blitzt in seinen Augen auf.

20 Minuten später…

Ich habe einen Weg gefunden. Vor mir öffnet sich bereits das Tor, mit letzter Kraft überspringe ich noch eine Kobra, und stolpere erschöpft in den Ausgang. Hinter mir schließen sich sofort die schweren Steinpforten, und verschlucken die verzweifelten Schreie meiner ehemaligen Widersacher.

Fazit

Auch Fiktion besitzt einen Funken Wahrheit, und so stimmt tatsächlich: Indiana Jones hätte seine helle Freude am „Gold der Inka“ – die chronische Abneigung gegen Schlangen mal außen vor. Da ist zum einen die schöne Illustration des überaus robusten Materials. Man sollte sich von der kleinen Verpackung nicht täuschen lassen: Der Spielplan erreicht zusammengesetzt ein Ausmaß, das man der Packungsgröße kaum zugetraut hätte. Die hölzernen Spielfiguren, Inkastatuen und Blockadesteine sind ebenso funktionell wie die Rauten aus dicker Pappe – das Spiel wird nie „fummelig“, was bei den ständigen, markanten Veränderungen der Spielplansituation erfreulich ist.

Die Spielregel ist kurz gehalten und ausreichend bebildert. Die Gliederung folgt dem System der Aktionspunkte, von denen je drei pro Spielzug in der Chronologie „Rauten bewegen“, „Spielfigur (über Schlangen) bewegen“ und „Inkastatue aufnehmen“ verbraucht werden dürfen. Eingerahmt wird diese Darstellung von Entfernen und Setzen des Blockadesteins, der ein wichtiges, interaktives Ärgerelement darstellt, allerdings mitunter auch dafür sorgt, dass man in seinem Spielzug keinerlei Raumgewinn erzielen kann.

Doch trotz dieser kurzweiligen Regel ergeben sich bei den Einstiegspartien meist leichte Hakler. So ist die Überschneidung von Rautenplättchen bei Drehungen oft so minimal, dass die von Einsteigern leicht übersehen werden. Hat man sich aber an das System gewöhnt, dreht und schiebt es sich aber absolut logisch.

Das größte Problem offenbart sich dann im Spielfluss: Jeder Spielerzug ist eine Denksportaufgabe für sich, die zu bearbeiten erst sinnvoll ist, wenn die Konkurrenten ihre Züge abgeschlossen haben. Die optimale Zugkombination aus Rautenbewegung, Teleportern und Schlangenüberwindung zusammenzubasteln ist eine reizvolle, kombinatorische Aufgabe für den aktiven Schatzjäger – und gleichzeitig eine zähe, nervtötende Warterei für die übrigen Mitspieler. Je größer die Spielerzahl, desto länger werden diese Downtimes. Man sollte sich vor Spielbeginn auf schnelles Grübeln einigen, oder (noch sicherer!) gar nicht erst in voller Besetzung von 4 Spielern nach dem Gold der Inka greifen. Vor allem zu zweit, aber auch zu dritt sind die „toten Phasen“ noch erträglich, und der Käufer erhält für schlappe 12 € ein vollwertiges, großes Brettspiel mit hohem „Knobelfaktor“. Wem derartige Gedankenspiele nicht liegen, und wer lieber permanent ins Spielgeschehen eingebunden sein möchte, sucht seinen Schatz allerdings besser andernorts.

Rezension Steffen Stroh

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H@LL9000-Bewertungen

H@LL9000 Wertung Das Gold der Inka: 3,1 3,1, 10 Bewertung(en)

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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 16.07.05 von Steffen Stroh
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 06.05.05 von Roland Winner
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 08.05.05 von Hans-Peter Stoll - Im Spiel zu viert viel zu lange Wartezeit für die Spieler, die nicht am Zug sind.
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 08.05.05 von Uta Weinkauf
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 25.05.05 von Nicole Biedinger - Spielreiz bezieht sich auf Zweier-Spiel. Bei mehr Spielern empfinde ich die Wartezeiten als zu lange und würde eine 2 geben.
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 27.06.05 von Bernd Eisenstein - Was soll das sein? *kopfschüttel*
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 14.07.05 von Jochen Traub
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 22.08.05 von Frank Gartner - Das Grundprinzip gefällt mir zwar, dennoch verliefen die meisten Partien äußerst zäh. Damit erhält das Spiel von mir gerade noch eine 3.
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 04.02.06 von Ulrich Fonrobert - Eines der schwächeren aus der kleinen Queen-Serie. Da spiele ich doch lieber Revolte in Rom oder Raubritter.
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 12.07.06 von Jens Hillen - Zäh, zäher, Das Gold der Inka...

Leserbewertungen

Leserwertung Das Gold der Inka: 3,3 3.3, 10 Bewertung(en)

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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 26.08.05 von Stefan Risthaus - Wertung bezieht sich auf das Spiel zu zweit.
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 09.09.05 von Markus Beer - Wertung für das Spiel zu zweit. Mit mehreren Leuten würde ich es gar nicht erst zu spielen wagen.
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 15.05.06 von Angela Wolf
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 06.05.07 von Sidney Wilz
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 30.08.07 von Katharina Ewers - Bei uns wird "Das Gold der Inka" immer wieder gerne aus dem Schrank geholt, die Zeit für die einzelnen Züge hält sich auch letztlich in Grenzen. Die Interaktion mit den Mitspielern ist hoch und führt zu einem hohen Schadenfreude-Faktor. Letztlich eine Art komplexeres "Verrücktes Labyrinth".
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 26.05.08 von Andreas D. Becker - Ein Spiel mit Grübel-Garantie, trotzdem nett.
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 15.01.09 von Tim
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 11.07.09 von Pasvik - Bei uns kam das Soiel gar nicht gut an. Zu zweit ist es gerade noch spielbar.
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 15.08.09 von Thomas Hammer - Begeisterung hält sich in Grenzen: Nette Idee, aber irgendwie "schwammiges Spielgefühl". Am Ende weiß man nicht recht, ob man aufgrund der eigenen zweifelhaft zu optimierenden Spielzüge oder aufgrund des (noch) schlechteren Gegners gewonnen wurde...
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 23.11.10 von Pet Erpan

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