Rezension/Kritik - Online seit 19.12.2017. Dieser Artikel wurde 1387 mal aufgerufen.

Mistkäfer

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Autor: Klaus-Jürgen Wrede
Verlag: Schmidt Spiele
Rezension: Franky Bayer
Spieler: 2 - 4
Dauer: 20 Minuten
Alter: ab 8 Jahren
Jahr: 2017
Bewertung: 4,0 4,0 H@LL9000
3,8 3,8 Leser
Ranking: Platz 4220
Mistkäfer
Tags:Würfel

Spielziel

Es ist einfach ungerecht. Während einige Tiere unverhältnismäßig oft in Brettspielen auftauchen, wie Bären, Elefanten, Kamele und sogar Frösche, fristen andere ein fast unbemerktes Dasein, vollkommen vergessen von allen Autoren, Redakteuren und Ludomanen. Wie etwa der Geotrupidae, bei uns gemeinhin als Mistkäfer bekannt. Wäre er nicht als Skarabäus vor tausenden Jahren dermaßen von den alten Ägyptern verehrt worden, hätten wir ihn wohl nie in der Welt der Spiele angetroffen. Jetzt widmet sich ein lockeres Würfelspiel einzig und allein ihm, ja selbst im Spieletitel wurde er verewigt.

Ablauf

Von besagten Mistkäfern ist auf dem Spielmaterial aber fast gar nichts zu sehen. Dies hängt wohl damit zusammen, dass Mistkäfer! im Grunde genommen ein eher abstraktes Würfelspiel ist. Zu Beginn erhält jeder der höchstens vier Spieler ein eigenes Tableau, auf dem er versucht, Würfel zu sammeln.

Die Würfel - ganz normale Sechsseiter mit 1 bis 6 Augen - gibt es in drei Farben. Wer an der Reihe ist, darf eine von 2 Aktionsmöglichkeiten ausführen: Würfeln oder werten. Wer würfeln will, wählt eine Farbe und nimmt sich davon bis zu vier Würfel, welche er genau einmal wirft. Anschließend entscheidet er sich für eine gewürfelte Zahl und legt alle Würfel mit diesem Wert auf seinem Tableau ab.

Dabei sind ein paar einfache Regeln zu befolgen. Pro Wurf dürfen immer nur Würfel mit einem identischen Wert in der Reihe mit derselben Farbe abgelegt werden. Die Reihen müssen lückenlos von links nach rechts gefüllt werden, außerdem müssen die neuen Würfel einen höheren Wert aufweisen als bereits in dieser Reihe liegende Würfel.

Es besteht zudem die Möglichkeit des Klauens. Hat man sich für eine Würfelzahl entschieden, darf man - ausgenommen in der 1. Spielrunde - zusätzlich von jedem anderen Spieler einen vollständig identischen Würfel (Farbe & Zahl) stibitzen, falls diese ganz rechts in der Reihe steht.

Erst wenn man bereits ein paar Würfel auf seinem Tableau liegen hat, kann sich die zweite Aktionsmöglichkeit lohnen. Alternativ kann man nämlich auch werten. Dabei darf man sich für jede komplett gefüllte Spalte, unter der ein weißer Chip abgebildet ist, sowie für jeden Würfel, der rechts von der weißen Linie liegt, 1 verdeckten Chip aus dem allgemeinen Vorrat nehmen. Anschließend räumt man alle seine Würfel ab.

Auf den Chips befinden sich entweder eine Mistkugel, zwei Mistkugeln oder ein Kleeblatt. Sobald ein Spieler 4 Kleeblätter oder insgesamt 12 Mistkugeln gesammelt hat, gewinnt er das Spiel und kann sich fortan "Mistkerl" nennen.

Fazit

Autor Klaus-Jürgen Wrede ist ja bekannt durch sein Carcassonne. An die Qualität seines Meisterwerks kommen seine übrigen Werke (zum Beispiel Krone & Schwert oder Rapa Nui) nicht heran. Auch Mistkäfer! wird wohl bei weitem nicht die Anerkennung und den Erfolg erfahren wie das "Spiel des Jahres 2001".

Es wäre aber auch äußerst unfair, das aktuelle Spiel mit Carcassonne vergleichen zu wollen. Mistkäfer! ist ein lockeres Würfelspiel, welches in gerade mal 20 Minuten gespielt ist, und spricht deshalb eine etwas differenzierte Zielgruppe an. Harmlos ist es deswegen aber noch lange nicht, denn die Schachtel-Aufschrift "Klein & Gemein" hat schon ihre Berechtigung.

Mistkäfer! kann wirklich ganz schön gemein sein. Das fängt schon damit an, dass man sich von den Mitspielern Würfel klauen darf, wenn sie in Farbe und Zahl mit dem/den gewählten Würfel(n) übereinstimmt. So ein Diebstahl wird, wenn er sich anbietet, gerne angenommen ("Gelegenheit macht Diebe!"), ja es soll tatsächlich sogar Spieler geben, die es bei der Farbwahl vor dem Würfeln extra darauf anlegen, ihre Mitspieler bestehlen zu können. Welch' Zeiten, welch' Sitten!

Ebenfalls als Bosheit betrachtet werden kann die absichtliche Verknappung der Würfel in einer oder mehreren Farben. Es ist nämlich nicht so, dass die Würfel unbeschränkt zur Verfügung stehen. Bei vier Spielern sind es 9 Würfel pro Farbe, spielen weniger Personen mit, werden dann noch von jeder Farbe 1 Würfel (bei 3 Spielern) bzw. 3 Würfel (bei 2 Spielern) entfernt. Da kann es öfters passieren, dass man weniger als 4 Würfel einer gewünschten Farbe vorfindet. Auch diese Regel wird von einigen Spielern schamlos zum Ärgern der Mitspieler ausnutzt.

Und dann gibt es auch noch die Bonusfelder auf den Tableaus, die ich noch gar nicht erwähnt habe. In jeder Farbreihe erlaubt das 4. und 6. Feld eine Bonusaktion. Während diese bei "grün" (Extrazug) und "gelb" (1 bzw. 2 Chips aus dem allgemeinen Vorrat) noch harmlos sind gestatten die Bonusfelder der blauen Reihe das Klauen eines Chips von 1 Mitspieler respektive von allen Mitspielern. Man kann sich leicht vorstellen, welche Reaktionen dies bei den Betroffenen auslöst ...

Nein, Mistkäfer! ist wahrlich kein Spiel für harmoniebewusste, friedliebende, zartbesaitete Menschen. Man muss schon - auch wegen des doch recht hohen Glücksfaktors - etwas frustresistent sein. Dass es dennoch in unserer Spielrunde recht gut ankommt, wirft eher ein schlechtes Licht auf unseren Charakter ;-)

Rezension Franky Bayer

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H@LL9000-Bewertungen

H@LL9000 Wertung Mistkäfer: 4,0 4,0, 2 Bewertung(en)

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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 12.05.17 von Franky Bayer - Lockeres Würfelspiel aus der Reihe Klein & Gemein. Passt gut für Zwischendurch.
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 18.12.17 von Rene Puttin - Schönes Würfelspiel, mit viel Interaktion, aber einen durchaus hohen Glücksanteil.

Leserbewertungen

Leserwertung Mistkäfer: 3,8 3.8, 4 Bewertung(en)

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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 10.06.17 von Dencer - Schließe mich der Bewertung von Franky Bayer an, aber nur gute 3 Punkte, doch viel Glück dabei...
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 23.06.17 von Hans Huehnchen - Einfaches Würfelspiel, bei dem man viel Zocken und gelegentlich die Mitspieler ärgern kann. Nichts Bahnbrechendes, aber mir persönlich gefällt Mistkäfer sehr gut.
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 13.12.17 von Paul Arnesen - Der Startspieler hat hier einen beträchtlichen Nachteil, denn die Nachfolgenden Spieler werden sich bei ihm bedienen. Das scheint zwar beabsichtigt in diesem Ärgerspiel, aber die Beeinflussbarkeit ist derart gering, dass man sich vom Spieldesign an die 80er Jahre erinnert fühlt, doch wir haben 2017 (da braucht es etwas mehr Balancing).
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz Kommentar
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 05.04.18 von Daniel R. - Super Spiel! Haben es in einer 3 Runder gespielt, mit meinen 70 jährigen Eltern, die haben es mir gleich abgekauft (un dich mir schon wieder neu besorgt). Eine Runde war tatsächlich in 15-20 minuten durch, so dass 6 runden hintereinander gespielt wurden. MAterial an und für sich TOP! Ich denke ein Stoffbeutel zum chips ziehen hätte dem Spiel noch gut getan, war aber bei einem Preis von unter 10 Euro für 27 Würfel, sowie dicke chips und Spielertableaus wahrscheinlich einfach nicht mehr drinn. Macht nix, wir hatten noch einen stoffbeutel übrig. Aber vielleicht als Anregung für die nächste Auflage? Ansonsten würde ich mir eine erweiterung der Spieleranzahl wüncshen (also Mehr würfel, chips und tabeluas für 5 oder 6 spieler). Dennoch: Spieltechnisch gibt es garnichts zu bemengeln, farben gut unterscheidbar auch für die "Älteren",m symbole groß genug, chips lassen sich gut greifen, Spiel macht spaß, geht flott, auf und abbau in 1 Minute...gibt wirkjlich garnichts zu meckern, unter 10 Euro macht man nicht viel falsch. Kaufen! (Und sich irgendwo einen stoffbeutel zum chips ziehen besorgen ;-)

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