Rezension/Kritik - Online seit 23.04.2019. Dieser Artikel wurde 1683 mal aufgerufen.

Tribes: Aufbruch der Menschheit

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Autor: Rustan Håkansson
Illustration: Claus Stephan
Verlag: KOSMOS
Rezension: Franky Bayer
Spieler: 2 - 4
Dauer: 45 Minuten
Alter: ab 10 Jahren
Jahr: 2018
Bewertung: 4,2 4,2 H@LL9000
2,8 2,8 Leser
Ranking: Platz 4525
Tribes: Aufbruch der Menschheit

Spielziel

DAS nennt man Zeitraffer: Fast 30 000 Jahre Menschheitsgeschichte in knapp 45 Minuten! Das ergibt einen Zeitabschnitt von 11 Jahren pro gespielter Sekunde. Zivilisation im Schnelldurchlauf. Wir führen dabei unseren Stamm von der ausgehenden Altsteinzeit (um ca. 30 000 bis 10 000 v. Chr.) bis hin zur Bronzezeit (ca. 3 300 bis 800 v. Chr.), indem wir die Anzahl der Stammesmitglieder erhöhen, ihren Lebensraum und den Zugriff auf wertvolle Ressourcen vergrößern und damit zivilisatorische Errungenschaften schaffen.

Ablauf

Unser prähistorischer Stamm besteht zu Beginn aus gerade mal 1 Stammesmitglied (wie es angesichts dessen trotzdem zu Geburten kommen kann, wird nicht erläutert), welches bloß ein kleines überschaubares Territorium aus drei Landschaftsfeldern kontrolliert. Der Stamm verfügt aber stets nur über Ressourcen jener Felder, auf denen sich Figuren befinden, also zu Beginn nur eine einzige. Dies kann Weizen, Gold, Weihrauch, eine Ziege oder ein Pferd sein. Außerdem besitzt jeder Stamm anfangs 5 Muscheln, welche als Zahlungsmittel bei Aktionen dienen.

Der Spielplan zeigt Errungenschaften in drei Epochen, welche einem Stamm wichtige Fortschritte in vier Kategorien (Nachwuchs, Bewegung, Erkundung und Stärke), sowie Siegpunkte in Form von Bärenzähnen bringen können. Pro Epoche kommen vier zufällige Errungenschaftstafeln ins Spiel, jene der ersten Epoche (ausgehende Steinzeit) werden schon zu Beginn aufgedeckt. Oberhalb des Plans bilden sechs Aktionstafeln eine Aktionsreihe, welche unterschiedliche Aktionsmöglichkeiten bietet.

Sind wir an der Reihe, wählen wir eine beliebige Aktionstafel aus. Die erste Tafel ist dabei kostenlos. Wollen wir jedoch die Aktion einer anderen Tafel ausführen, müssen wir auf jede Tafel links von der gewählten Tafel eine Muschel aus unserem Vorrat legen. Auf der gewählten Aktionstafel liegende Muscheln dürfen wir hingegen nehmen. Auf jeden Fall legen wir die Aktionstafel nach dem Ausführen der entsprechenden Aktion ans Ende der Reihe. Und dies sind die möglichen Aktionen:

Nachwuchs: Wir nehmen so viele Stammesmitglieder aus unserem Vorrat, wie unser Fortschrittsanzeiger auf der Leiste "Nachwuchs" anzeigt, und stellen sie auf Landschaftsfelder, auf denen wir bereits Figuren stehen haben.

Bewegung: Wir erhalten so viele Bewegungsschritte, wie unser Fortschrittsanzeiger auf der Leiste "Bewegung" angibt und dürfen pro Schritt ein Stammesmitglied auf ein angrenzendes Feld ziehen.

Erkundung: Wir ziehen so viele Landschaftsfelder aus dem Beutel wie unser Fortschrittsanzeiger auf der Leiste "Erkundung" angibt, und legen diese dann beliebig an unser Territorium an.

Errungenschaft: Wir können dann eine Errungenschaft machen, wenn wir über die darauf angegebenen Ressourcen verfügen. Allerdings müssen wir dabei strikt chronologisch vorgehen, so müssen wir also zuerst eine Errungenschaft der untersten Epoche gemacht haben, um die darüber liegende Errungenschaft der nächsten Epoche für uns "freizuschalten".

Für jeder erzielte Errungenschaft setzen wir dann einen Markierungsstein auf die Errungenschaftstafel, was uns sogleich Bärenzähne einbringt. Außerdem verbessert jede Errungenschaft eine bestimmte Fähigkeit unseres Stammes, indem wir den entsprechenden Marker auf der Fortschrittsleiste vorrücken.

Durch die Errungenschaften kommen zudem noch Ereignisse ins Spiel. Befindet sich ein "Blitz"-Symbol über dem soeben markierten Feld, wird die oberste Ereignistafel dieser Epoche ans Ende der Aktionsreihe gelegt. Wählen wir später so eine Tafel, werden wir von diesem - zumeist negativen - Ereignis betroffen.

Am Ende des Spiels - wenn eine bestimmte, von der Spielerzahl abhängige Anzahl an Ereignissen der letzten Epoche ausgeführt wurde - erhalten wir in einer Schlusswertung neben den gesammelten Bärenzähnen noch Siegpunkte für erreichte Felder auf den Fortschrittsleisten sowie für Mehrheiten an Stammesmitgliedern und Landschaftsfeldern. Erzielen wir insgesamt die meisten Siegpunkte, haben wir unseren Stamm am erfolgreichsten aus der Steinzeit in die Bronzezeit geführt.

Fazit

Der Aufbruch der Menschheit - so lautet übrigens der Untertitel - ist ja eine Entwicklungsgeschichte, bei der viele Aspekte eine Rolle gespielt haben. Die Mehrheit der Spiele, die sich dieser Zivilisationsthematik widmen, sind dementsprechend auch komplexer gestrickt und taktisch anspruchsvoll, was sich meistens auf eine längere Spieldauer auswirkt. Tribes ist diesbezüglich eine Ausnahme.

Spieleautor Rustan Hakansson hat sich nämlich nur auf wenige Aspekte konzentriert und kommt mit gerade mal 5 Elementen aus. Mit Erkundung entdecken die Stämme neue Gebiete, mit Bewegung ziehen sie auf diese Felder, um deren Ressourcen nutzen zu können. Nachwuchs ist wichtig, um dem steigenden Ressourcenbedarf der höheren Errungenschaften gerecht werden zu können. Errungenschaften bringen die notwendigen Siegpunkte. Und Stärke braucht man schließlich, um die Ereignisse möglichst unbeschadet zu überstehen. Da ist kein Gramm zu viel, dies ist eine perfekte Reduktion auf das Wesentliche.

Erfahrenen Spielern und Spielexperten wird diese Simplifizierung natürlich zu wenig Herausforderung bieten, dafür ist das Spiel für Gelegenheitsspieler umso interessanter. Ich würde Tribes deshalb als gehobenes Familienspiel bezeichnen, die Altersangabe "ab 10 Jahren" ist daher genau richtig gewählt.

Begrüßenswert ist, dass Tribes nur wenige Zufallselemente aufweist. Eigentlich reduziert sich der Glücksanteil auf das Ziehen der Landschaftsfelder aus dem Beutel. Wer da nicht die richtigen Felder zieht, kann in seiner Entwicklung kurzfristig zurückgeworfen werden. Einer etwaigen Knappheit an Ressourcen lässt sich aber leicht entgehen. Man kann nämlich ein beliebiges Landschaftsfeld als "Joker" nutzen, indem man es auf die Rückseite dreht, wodurch die entsprechende Ressource fortan nicht mehr zur Verfügung steht. Diesen Vorgang - "Erschöpfen" genannt - sollte man deshalb aber nur im Notfall oder schon gegen Spielende einsetzen.

Der Aktionswahlmechanismus ist einfach und doch ganz schön tricky. Immer wieder steht man vor kniffligen Entscheidungen, ob man ein paar Muscheln ausgibt, um eine gewünschte Aktion durchführen zu können, oder ab man sich mit einer günstigeren Aktion zufriedengibt. Kommen dann noch Ereignisse in die Aktionsreihe, erhöht sich die Interaktion noch mehr. Das Timing, wann man spart oder die Muscheln großzügig ausgibt, spielt eine wichtige Rolle.

Durch den für jede Partie etwas anderen Aufbau der Errungenschaften sowie die zufällig auftretenden Ereignisse ist zudem für ausreichend Abwechslung gesorgt. Da die Errungenschaften nur in gerader Linie von unten nach oben gemacht werden können, sollte man gezielt agieren und seine Vorgehensweise sorgfältig planen, um unnötige Spielzüge zu vermeiden. Tribes hat - auch durch die sinkenden Punktewerte auf den Errungenschaften - doch einen gewissen Wettlauf-Charakter. Jeder Spieler besitzt jedoch ein "Pfeil"-Plättchen, welches er einmal im Spiel legen kann, um - abweichend von der Grundregel - eine diagonal benachbarte, bereits aufgedeckte Errungenschaft machen zu können. Abgesehen davon ist die Interaktion hingegen beschränkt, da sich die Spieler durch die eigenen Territorien nicht in die Quere kommen.

Der Autor hat das Spiel ja zuerst in kleiner Auflage im schwedischen Verlag "Tea Time Productions" herausgebracht. Ich kenne das Original nicht, aber die Redaktion von Kosmos Spiele hat die Spielidee meiner Meinung nach sehr gut umgesetzt. Die Spielregeln sind klar und übersichtlich aufgebaut, und auch das Spielmaterial ist von ausgezeichneter Qualität: stabile Plättchen und Tafeln, schöne Holzfiguren, grafisch ansprechende Gestaltung. Selbst an einen Anhänger für den Beutel mit "Erkunden"-Symbol wurde gedacht.

Mir gefällt Tribes trotz - oder vielleicht sogar wegen - des eingängigen und doch nicht banalen Spielmechanismus'. Okay, als Hauptspiel an einem unserer Spielebende eignet es sich zwar nicht, da kommen meist anspruchsvollere Brocken auf den Tisch. Im Familienkreis und in lockeren Runden weiß es bei uns aber durchaus zu gefallen.

Rezension Franky Bayer

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H@LL9000-Bewertungen

H@LL9000 Wertung Tribes: Aufbruch der Menschheit: 4,2 4,2, 6 Bewertung(en)

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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 15.03.19 von Franky Bayer - Schön gestaltetes Zivilisationsspiel, das sich auf wenige Aspekte beschränkt, und daher kicht an Vielspieler, sondern eher an Gelegenheitsspieler richtet. Für Letztere gäbe ich sogar die Note 5.
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 29.10.18 von Stephan Gehres - Einfaches Aufbauspiel mit schöner Aufmachung und schönem Spielgefühl. Ob es wirklich Langzeitspielspaß bietet ist ggf. unklar. Dass die Aktionsplättchen so komisch geformt sind ist gut durchdacht, da man die Leiste ja ständig wieder in Richtung Anfang zusammenschiebt. So bleiben sie besser zusammen und passen an den Spielplanrand. Nicht zu unterschätzender Glücksfaktor beim Ziehen der Plättchen aus dem Beutel.
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 29.10.18 von Sandra Lemberger - Knackiges Aufbauspiel in schöner Aufmachung, das man Leuten empfehlen kann, die der beträchtliche Glücksfaktor nicht stört.
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 01.11.18 von Michael Andersch - Kommt etwas zäh in die Gänge und ist vor allem am Anfang recht glücksabhängig (was zieht man an Landschaften? Sind passende Aktionen eher kostengünstig oder eher teuer? ...). Insgesamt aber ein Spiel, das guter Durchschnitt ist, mit recht einfachen, intuitiven Regeln und flottem Ablauf. Warum allerdings die Aktionsplättchen wie das Logo von Apple geformt sind, was das Entnehmen aus der Reihe erschwert (zusammenschieben könnte man sie auch, wenn sie simpel quadratisch wären), wird wohl für immer das Geheimnis von Kosmos bleiben...
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 01.11.18 von Jürgen Henrich
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 22.04.19 von Jost Schwider - Nettes Spiel: Tolle Aufmachung, allerdings etwas fummelig und sehr glücksabhängig. Außerdem scheint mir die Verbrannte-Erde-"Strategie" zu stark zu sein und thematisch iwie unpassend.

Leserbewertungen

Leserwertung Tribes: Aufbruch der Menschheit: 2,8 2.8, 6 Bewertung(en)

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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 22.10.18 von Hans Huehnchen - Tolles Material, eingängige Regeln, guter Aktionswahlmechanismus, viele schöne Elemente - aber leider kein einziges, das Tribes zu einer spannenden Herausforderung macht. Stattdessen ist es repetitiv und und trotz der kurzen Spielzeit fühlt es sich fast zu lang an. Schade.
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 29.10.18 von Christoph Kainrath - Kann ich mich hier Hans Hühnchen nur anschließen. Trotz schönem Material und gutem Regelwerk bleibt die Spannung auf der Strecke.
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 30.10.18 von Peter Steinert
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 24.11.18 von Koeppquist - Nett, "tut" nicht weh, aber Spielspaß kam bei mir nicht auf.
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 25.04.19 von Martina - Schnell gespielt, schnell vergessen... Ein paar nette Ideen sind durchaus dabei (Aktionsauswahl), aber letztendlich mehr Glück als Strategie dabei. Das Spiel könnte in mehreren Partien nicht überzeugen. Am besten fand ich es noch zu zweit.
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 05.05.19 von Dietrich - Siehe Einschätzung von Hans Hühnchen ... Dennoch hat es mehr Interaktion als z. B. Heaven & Ale. Nur, warum müssen auch alle deutschen Spiele englische Titel tragen?!

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