Rezension/Kritik - Online seit 06.05.2011. Dieser Artikel wurde 5455 mal aufgerufen.

Die Säulen der Erde - Das Kartenspiel

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Autor: Michael Rieneck
Stefan Stadler
Illustration: Anke Pohl
Thilo Rick
Michael Menzel
Verlag: KOSMOS
Rezension: Alfons Leierseder
Jahr: 2010
Bewertung: 4,0 4,0 H@LL9000
3,4 3,4 Leser
Ranking: Platz 4513
Die Säulen der Erde - Das Kartenspiel

Spielziel

Kennst du das große Spiel Die Säulen der Erde? Schon ein paar Seiten des Bestellers gelesen? Bereits mit einem Kollegen Duell der Baumeister ausprobiert? Nein? - Kein Problem, denn dies ist alles nicht nötig. Das vorliegende Kartenspiel kommt ganz eigenständig daher. Und es ist etwas für Fortgeschrittene in Sachen Spiel!

Ablauf

Stellen wir uns also vor, dass sich 3 bis 4 Spieler bei einem gemütlichen Spieleabend an dieses Kartenspiel heran wagen. Das geht ganz schnell, denn das Material ist überschaubar und zügig aufgeteilt: Jeder erhält seine Baustoffkarten und darf dabei je 1 Stein, Sand und Holz einstellen; das Metall bleibt auf 0! Die 5 Vorteilskarten werden verdeckt gemischt und eine davon gleich zu den übrigen Spielkarten gesteckt. Alle diese Karten werden nun an die Spieler verteilt, so dass letztendlich jeder 10 davon auf der Hand hat. Es gibt folgende Kartentypen:

  • Handwerker in 4 Farben, jeweils mit den Werten 2, 4, 6, 8 und 10
  • Rohstoffe (Stein, Sand, Holz) mit dem Wert 0
  • Siegpunktkarten (Plus- bzw. Minuspunkte)
  • Personenkarten (Werte 1, 3, 5, 7, 9 und 11)

Wer Lady Aliena auf der Hand hält, beginnt mit dem Ausspielen der ersten Karte, wobei das nicht unbedingt diese Dame sein muss, sondern (meistens sogar) eine andere Karte ist. Und reihum spielt nun jeder ebenfalls eine Karte aus der Hand. Dabei muss niemand bedienen! Den Stich erhält, wer entweder die höchste neutrale Karte ausgespielt hat, oder der Spieler, dessen Handwerkerkarte den höchsten Wert hat (nach der eigenen Farbe), egal, wer diese Karte gespielt hat. Das ist zwar gewöhnungsbedürftig, aber schnell für alle klar. Gibt es mehrere Karten mit gleichem Wert, gilt die später gespielte Karte als höher.

Ist die höchste Karte der König, wird dieser Stich zur Seite gelegt. Sollte ein Spieler in dieser gesamten Runde keinen Stich machen, bekommt er den Königsstich! Wer einen Stich gemacht hat, ist wieder als Ausspieler an der Reihe. Sind alle Handkarten gespielt, folgt die Auswertung der eigenen Stiche: Alle Karten in den Farben der Mitspieler bringen keine Punkte, jeder eigene Handwerker kann nun je einen Baustoff in Siegpunkte umwandeln. Mit den gewonnenen schwarzen Karten darf sich der Spieler den abgebildeten Ertrag gutschreiben; neutrale Karten, die negativ daherkommen, lassen die eigenen Siegpunkte wieder schrumpfen. So zählt man die Siegpunkte jedes Spielers zusammen und notiert diese auf dem beiliegenden Zettel.

Alle Karten werden eingesammelt und eine neue Vorteilskarte dazu gegeben; neu verteilt geht’s bereits in die nächste Runde. Jede Vorteilskarte (die einzeln pro Runde untergemischt wird) bleibt bei dem Spieler, der sie errungen hat und bringt ihm bei jeder folgenden Wertung Vorteile.

Das Spiel endet nach dem Durchgang, in dem die letzte Vorteilskarte verteilt wird; dies ist meist nach 5 Runden der Fall. Sollte eine Vorteilskarte einmal im (nicht verteilten) Königsstich sein, gibt es eine zusätzliche Runde. Und wer am Ende die meisten Siegpunkte auf dem Zettel stehen hat, ist der beste Baumeister – und gewinnt dieses sehr interessante und abwechslungsreiche Spiel!

Fazit

Eine kleine Schachtel gefüllt mit 60 Karten, einem Wertungsblock und einer kurzen Spielregel – das ist alles, was uns in diesem Kartenspiel erwartet. Aber, wie angedeutet, gehen wir einem recht interessanten Kartenspielvergnügen entgegen.

Als anspruchsvoll möchte ich das Ausspielen der Karten bezeichnen: Habe ich Karten meiner eigenen Farbe, sollte ich versuchen, diese gewinnbringend einzusetzen. Habe ich dagegen – und das ist meistens der Fall – viele andere Karten auf der Hand, muss ich diese möglichst so einsetzen, dass meine Mitspieler wenig Nutzen davon haben. Und dann immer diese Karten, die nur Plus- oder Minuspunkte bringen: Halte ich diese selbst auf der Hand, werde ich sie meistens nicht selbst behalten können bzw. müssen und ich sollte versuchen, diese wenigstens nur dem unterzujubeln, der es ganz deutlich "verdient" hat. Logischerweise sieht dies mein Mitspieler meistens ganz anders!

Die Fülle der Möglichkeiten lässt sich hier nicht beschreiben, zu interessant und auch komplex präsentiert sich das Spiel. Am reizvollsten wird es, wenn die Spieler am Tisch gleich stark sind. Denn dann ergibt sich ein hart umkämpftes, interessantes Spiel, in dem es auch mal laut und ärgerlich zugeht, versucht doch jeder seinem Kollegen möglichst viel Negatives "reinzuwürgen".

Natürlich hängt viel von der eigenen Kartenhand ab, und doch kann man aber aus jeder Hand etwas machen; das bedeutet, dass sich in den 5 Runden des Spiels zum einen das Kartenglück (meist) sowieso gerecht ausgleicht, zum andern aus einer eher schlechten Hand erstaunlich viel rauszuholen ist. Aber, was ist eigentlich schlecht an einer Kartenhand? Einen deutlichen Vorteil besitzt derjenige, der viele eigene Handwerker auf der Hand hält; dann heißt es: geschickt einsetzen, möglicherweise abwarten, vielleicht mal ein Risiko eingehen … Ob es dann gewinnbringend klappt, ist aber immer noch nicht sicher, denn da sind ja auch noch die bösen Mitspieler!

Noch etwas zu den Karten: Wert und Auswirkung der Karten sind hervorragend austariert. Das hat mich richtig begeistert, keine ist so stark, dass ich mich unbedingt auf diese eine konzentrieren muss; jede Karte ist wichtig, alle würde ich am liebsten mein eigen nennen (oder aber gerade nicht!). Wer Die Säulen der Erde kennt, wird manchen bekannten Charakter wiederfinden; das ist aber nur etwas für Literaturfreaks; Tom Builder und Prior Philipp bringen Rohstoffe; befindet sich Ellen im eigenen Stich, heißt das zwei zusätzliche Siegpunkte, dabei klauen einem Bischof Waleran 2 und William Hamleigh sogar 3 Siegpunkte, was der Romanvorlage entspricht, sich aber auch recht heftig auf das eigene Siegpunktkonto auswirkt. Schließlich darf dann noch Alfred Builder ins Spiel eingreifen: Der kann leider nur im letzten Stich gespielt werden – und ist deshalb eher Last als Freude!

Interessant, wenn auch nicht unbedingt (direkt) siegbringend, sind die Vorteilskarten: Da tauscht man Sand in Stein, kann Sand bzw. Metall gewinnbringender in Siegpunkte umwandeln oder erhält einfach einen zusätzlichen Siegpunkt. Und dann gibt’s da noch einen Gehilfen, der die Rohstoffe günstig verscherbelt; das ist auf jeden Fall besser, als sie verfallen zu lassen, darf man doch nach jeder Runde immer nur drei Rohstoffe behalten.

Nicht unerwähnt soll hier noch sein, dass das Spielmaterial, d. h. die Karten, von guter Qualität ist und die Spielregel kurz und prägnant ist.

Ein anspruchsvolles, aber wirklich gutes Kartenspiel, das zu keiner Zeit Langeweile aufkommen lässt. Und eine Revanche wird immer gefordert, da kribbelt es einem richtig unter den Fingernägeln! Und sollte ein Spiel mal nicht so hervorragend gelaufen sein, kann man es ja immer noch auf die sooo ungerechte und vom Glück abhängige Verteilung der Karten schieben!

Rezension Alfons Leierseder

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H@LL9000-Bewertungen

H@LL9000 Wertung Die Säulen der Erde - Das Kartenspiel: 4,0 4,0, 8 Bewertung(en)

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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 26.03.11 von Alfons Leierseder
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 23.09.10 von Andreas Büger - Schöne Umsetzung als Stichspiel.
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 30.10.10 von Michael Andersch - Wie die meisten Stichspiele, bei denen kein Farbzwang herrscht, absolut beliebig. Der Punktemechanismus (d.h. die Verwertung der durch die Stiche gewonnenen Karten) ist zwar sehr schön, kann das Spiel aufgrund seiner Unsteuerbarkeit aber leider nicht retten.
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 11.04.11 von Udo Kalker - Zunächst muss man umdenken, da man ja mit den Karten aller Spieler spielt. Dies macht genau den Reiz aus dieses Stichspiels "der anderen Art". Super umgesetzt, dann man muss immer wieder mal um die Ecke denken.
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 02.05.11 von Jost Schwider - Das Kartenspiel kann leider nichts vom Flair des tollen Brettspiels retten...
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 02.05.11 von Stephan Rothschuh
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 07.03.12 von Michael Timpe - Für ein Stichspiel wirklich überraschender Spielverlauf. Einfache Regeln und trotzdem ungewöhnlich, der Kampf um Stiche mit Rohstoffen und eigenen Handwerkern. Leider aber nicht völlig zielgerichtet zu spielen, im Gegensatz zu normalen Stichspielen.
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 02.04.12 von Monika Harke

Leserbewertungen

Leserwertung Die Säulen der Erde - Das Kartenspiel: 3,4 3.4, 7 Bewertung(en)

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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 07.05.11 von Michael Behr - Spiel ohne Wiederspielreiz!
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 07.05.11 von Hans Huehnchen - Der Einfluss auf die anderen Spieler ist gering, man kann sie nicht in eine bestimmte Richzung lenken, aber ich habe durchaus taktische Möglichkeiten. Hoher Ärgerfaktor, in meiner Spielrunde kommt es hier häufiger zu emotionalen Ausbrüchen. Hat in meinen Augen etwas von Doppelkopf. Tipp: Die Karten, mit denen man die Rohstoffe lagert, ersetzt man am besten durch entsprechende Klötzchen aus dem Brettspiel.
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 08.05.11 von Tom Hilgert - Ungewöhnliches Stichspiel, aber die Wertung ist dann doch etwas zu komplex
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 10.05.11 von B. Völkel - Ein funktionierendes Stichspiel, das für mich aber deutlich zu glückslastig ist um aus der Masse herauszuragen. Könnte auf Anhieb 10 Stichspiele nennen, die mir spielerisch deutlich besser gefallen und vor allem planbarer sind.
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 06.06.11 von FrankHH - Ganz hübsch. Mehr aber auch nicht. Gibt es packendere Kartenspiele mit schönen Thema.
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 20.03.14 von Pau - Ich kann fast nichts für mich selbst tun, sondern nur meinen Mitspielern eins reinwürgen. Dann gewinnt halt der, der am wenigsten abbekommen hat.
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 18.02.16 von Daniel Griese - Brauchte etwas Zeit, um ins Spiel zu finden, dann aber volle Begeisterung! Schlechte Karten auf der Hand bedeuten nicht gleich Niederlage. Durch Mitdenken, wer welche karten hat und welche Karten noch im Spiel sind, kann ich taktisch meine Hand ausspielen. Auch reizvoll finde ich den hohen Ärger- und Brüllfaktor, den sich alle Mitspieler gegenseitig bringen. Absolut top und immer wieder anders!

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