Rezension/Kritik - Online seit 13.07.2016. Dieser Artikel wurde 8240 mal aufgerufen.

Böhmische Dörfer

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Autor: Reiner Stockhausen
Illustration: Klemens Franz
Andrea Kattnig
Verlag: dlp games
Rezension: Christoph Schlewinski
Spieler: 2 - 5
Dauer: 30 Minuten
Alter: ab 8 Jahren
Jahr: 2016
Bewertung: 4,0 4,0 H@LL9000
3,9 3,9 Leser
Ranking: Platz 3921
Böhmische Dörfer

Spielziel

Noch liegen die Böhmischen Dörfer friedlich auf dem Spieltisch, unberührt und jungfräulich. Aber da kommen schon wir - die Spieler - und halten polternd Würfel und Figuren bereit. Denn wir wollen hier alles haben: alle Kirchen, alle Gebäude eines Dorfes plus Rathaus, alle Produktionsgebäude, alles, alles, alles. Unsere Pupillen verwandeln sich in Geldstücke, und wenn ein Mitspieler im Weg ist, kicken wir ihn einfach raus. Das war es dann mit dem Frieden für die Böhmischen Dörfer.

Ablauf

Die Dörfer werden zufällig gemischt (je nach Spieleranzahl unterschiedlich viele), jeder nimmt sich seine Figuren, und der Startspieler wirft die vier Würfel.

Aus denen kann er jetzt eine oder zwei Zahlen bilden. Zwei Zahlen aus je zwei Würfeln oder eine Zahl aus drei oder vier Würfeln. Ein Würfel alleine darf hier nie benutzt werden.

Je nach Augenzahl(en) darf man seine Figur(en) jetzt auf ein oder zwei Dörfer verteilen. Die jeweilige Zahl zeigt, welches Gebäude man besetzen darf, wobei man immer freie Gebäude besetzen muss, wenn das möglich ist. Gebäude gibt es bei Böhmische Dörfer reichlich, nämlich:

  • Produktionsgebäude: vier verschiedene. Je mehr man davon bei Spielende besetzt hat, desto mehr Geld (Siegpunkte) schütten sie aus. Man darf jede Sorte aber nur 1x besetzen. Ist keines mehr frei, darf man einen Mitspieler rauskicken.
  • Glasmanufakturen/Getreidemühlen: Besetzt man eines dieser Gebäude, bekommt man entweder ein Glas- oder ein Mehlsackplättchen. Sind alle Plättchen verteilt, gibt es Geld. Die Plättchen sowie die eingesetzten Figuren wandern wieder in den Vorrat und können erneut erwürfelt bzw. eingesetzt werden.
  • Herrenhaus: einfach einziehen und Geld kassieren
  • Kirche: Wer zum Schluss die meisten und zweitmeisten Kirchen hat, bekommt Geld. Außerdem darf man sich mit einem gewürfelten Pasch die Bischofsmütze nehmen (und setzt in dem Fall keine Figur ein). Dann erhält man - vor dem Würfeln - einen Taler pro eigener Kirche. Sind alle Kirchen besetzt, exkommuniziert man einen Spieler hinaus.
  • Höfe: Der erste Hof bringt einen Taler, der zweite zwei, der dritte drei usw. usw. Sind alle Höfe besetzt, wird ein Mitspieler vertrieben.
  • Wirtshäuser: Sind noch drei weitere Figuren in diesem Dorf (egal, wem sie gehören), öffnet das Wirtshaus seine Pforten und bringt dem Spieler vor dem Würfeln einen Taler pro Wirtshaus
  • Rathaus: Hat man bei Spielende kein Rathaus, gibt es Punktabzug. Sind dagegen alle Häuser dieses Dorfes belegt, winkt satter Geldregen.

Neben all dem kann man sich mit zwei beliebigen Würfeln einen "Noch-mal-würfeln-Chip" nehmen, anstatt eine Figur einzusetzen. Diesen Chip kann man 1x verwenden.

Ist jemand wieder am Zug und hat keine Figuren mehr, enden die Böhmischen Dörfer. Jetzt gibt es noch die oben beschriebenen Geldausschüttungen, und wer dann die meisten Taler hat, gewinnt ... und darf satte Mieterhöhungen fordern.

Fazit

Und noch ein Würfelspiel. Als hätten wir in diesem Jahrgang mit Zock'n' Roll, Kribbeln, Qwinto und Roll for the Galaxy nicht schon genug Würfeliges auf dem Tisch liegen. Aber das ist ja auch das Gute an Würfelspielen: Man findet (meistens) schnell rein, sie spielen sich flott und sind irgendwie für jeden was: Nicht-, Wenig- und Vielspieler.

Böhmische Dörfer ist so ein Würfelspiel. Das Spielerad hat es nicht neu erfunden, aber immerhin ein, zwei nette kleine Wendungen im Spielgeschehen. Denn hier geht man einen etwas anderen Weg: Arbeiter mit Würfelzahlen in Gebäude einsetzen, die (fast) alle eine andere Bedeutung haben. Aber diese Bedeutungen sind nicht überkompliziert. Sie fügen sich schön in die Spielgeschichte der Dörfer und Zeit ein.

Aber trotz der Spielübersicht (super, dass so etwas hier drin ist), schleichen sich bei Böhmische Dörfer öfter ein paar Fehler ein. Deshalb: Was an dem Spiel nicht so gut gefällt:

  • Die Übersichtlichkeit: Hier ist es oft schwer, alles genau im Auge zu behalten. Werden Dorfpläne zu voll, sucht man die Zahlen oft vergeblich und muss die Figuren verschieben, damit man etwas sehen kann. Denn bei den meisten Gebäuden kann man sich nur an den Zahlen orientieren. Lediglich Herrenhaus, Wirtshaus, Kirche und Rathaus haben immer dieselbe Position. Alles andere wechselt gerne mal.
  • Die Regeln: Eigentlich gut geschrieben, aber mit unglücklichen Beispielen (manche beharrten darauf, dass man maximal mit drei Würfeln eine Zahl bilden kann. Weil es in dem Beispiel auch so gemacht wurde). Etwas ärgerlicher ist aber die oft auftauchende Frage: "Darf ich jetzt jemanden rauswerfen?". Auf der sonst so gut gemachten Spielübersicht hätte es für diesen Punkt noch Platz gegeben. So müssen alle immer auf die kleine Tabelle in den Regeln schauen und es sich merken.

Diese beiden Punkte hemmen den Spielfluss von Böhmische Dörfer manches Mal, aber sie tun - hier zumindest - dem Spielspaß keinen Abbruch. Dazu ist das Spiel zu nett, zu flott und auch durchaus oft zu spannend.

Man ist hier zwar den Würfeln ausgeliefert, hat aber dennoch viele Freiheiten, da man zur Not auch alle vier Würfel kombinieren kann. Man hat also meistens eine gute Auswahl und sollte auch dringend versuchen, die gemeinen Mitspieler aus ihren Gebäuden zu vertreiben. Das schafft Zeit, denn so wird der gegnerische Figurenvorrat nicht leer und droht das Spielende herbei.

Böhmische Dörfer ist eine lockere Angelegenheit und kann unter Umständen SEHR schnell vorbeigehen. Wenn es nämlich nicht gelingt, ungeliebte Mitspieler aus Häusern zu schmeißen. Es ist auch eine lockere und kniffelige Angelegenheit, weil man eben genau aufpassen muss, den anderen keine Steilvorlagen zu bieten und eventuell Wirtshäuser mit Gästen vollzumachen.

Und der Punkt, dass man sich seine Münzen für Kirchen und Wirtshäuser VOR dem Würfeln nehmen muss, kann ein großer schadenfreudiger Spaß sein - für die anderen, denn selbst regt man sich meist tierisch über die eigene Vergesslichkeit auf.

Böhmische Dörfer ist schön variabel (durch beidseitig bedruckte Dorfplättchen), und man muss sich bei jedem Spiel neu darauf einstellen. Denn wenn die schnellen Geldquellen der Glasmanufakturen und Kornmühlen nicht so üppig ausfallen, dann muss die Kohle eben woanders herkommen.

Hier gab es noch keinen, dem es nicht gefallen hätte. Ob es das Zeug dazu hat, auch in einem Jahr noch auf den Tisch zu kommen, wird sich zeigen. Böhmische Dörfer funktioniert in jeder Besetzung gut, eignet sich prima als Aufwärmer, Absacker oder mal für zwischendurch und man kommt schnell wieder in die Regeln und ins Spiel. Das macht es besonders geeignet für Wenig- und Gelegenheitsspieler. Die sind - im Gegensatz zum Würfelspielexperten - von den Möglichkeiten hier fasziniert. Böhmische Dörfer eignet sich also auch gut dafür, den wenig spielenden Freunden einen Einblick in die Welt der etwas gehobenen Würfelei zu geben.

Also: Wanderschuhe an und ab aufs Land!!!

Rezension Christoph Schlewinski

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H@LL9000-Bewertungen

H@LL9000 Wertung Böhmische Dörfer: 4,0 4,0, 4 Bewertung(en)

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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 01.06.16 von Christoph Schlewinski - Gut komponierte Würfelei, die auch Wenigspieler überraschen kann.
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 16.06.16 von Michael Kahrmann
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 20.06.16 von Frank Lehmann
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 14.07.16 von Sandra Lemberger - Ein schönes Würfelspiel, das bei Gelegenheitsspielern besser ankommt als bei Vielspielern. Schön finde ich die variablen Auslegemöglichkeiten der Ortstafeln, gefreut hätte ich mich über etwas mehr Übersichtlichkeit in den Dörfern, vor allem bei den Läden, die man ständig suchen muss. Die Wirtshaus- und Bischofsmützenregel sorgt bei streitlustigen Gesellen leider oft für Diskussionen, wenn sie an ihre Einkünfte wieder mal nicht rechtzeitig gedacht haben und sich diese nachträglich nehmen wollen.

Leserbewertungen

Leserwertung Böhmische Dörfer: 3,9 3.9, 9 Bewertung(en)

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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 11.05.16 von Hans Huehnchen - Eine einfache Würfelei, die ein wenig an Machi Koro erinnert, aber interaktiver und etwas beeinflussbarer ist. Zwei kleine Minuspunkte: 1. Die kleinen Dorfplättchen sind für die Übersichtlichkeit manchmal etwas abträglich. 2. Die Übersichtskarten hätten etwas präziser sein können, es fehlt, wann gewertet wird und wann man verdrängen darf. Aber das kann man sich im Notfall auch merken. Insgesamt bleibt ein gelungenes, harmloses Spielchen für zwischendurch, wenn man die grauen Zellen nicht überanstrengen möchte.
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 13.07.16 von Maja - Mir gefällt es sehr gut.
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 13.07.16 von Dennis L.
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 13.07.16 von Dietrich
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 13.07.16 von Olaf Leonhardt
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 23.07.16 von Marcel Puffe - Durch und durch solide. Tut nicht weh, haut aber auch nicht vom Hocker. Mitspielen ja, selbst besitzen nein.
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 13.08.16 von StevieG - Schönes, schnelles Würfelspiel für Zwischendurch. Kommt bei uns sehr oft auf den Tisch. Stark auch zu zweit.
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 09.02.18 von Pet Erpan - Zu viel Glück, zu wenig Thema. 2× gespielt, reicht aber auch.
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 17.03.19 von felixs - Ich habe selten so etwas unausgegorenes und langweiliges gespielt. Enorm glücksabhängig, gleichzeitg viel zu langwierig für das, was geboten wird. Man muss sich immer wieder durch recht komplexe Zusammenhänge wursteln und das sehr unübersichtliche Spielfeld studieren, bevor man feststellt, dass die Würfel ohnehin nur eine einzige sinnvolle Option zulassen. Am Ende gewinnt, wer sich von der Langeweile am wenigsten zu unüberlegt schnellem Spiel hat hinreissen lassen.

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