Rezension/Kritik - Online seit 13.12.2005. Dieser Artikel wurde 13954 mal aufgerufen.

Euphrat & Tigris - Das Kartenspiel

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Autor: Reiner Knizia
Verlag: Hans im Glck
Rezension: Ralph Bruhn
Spieler: 2 - 4
Dauer: 30 Minuten
Alter: ab 12 Jahren
Jahr: 2005
Bewertung: 4,3 4,3 H@LL9000
4,0 4,0 Leser
Ranking: Platz 4221
Euphrat & Tigris - Das Kartenspiel

Spielziel

Wie der Name schon sagt, handelt es sich hier um die Kartenspielversion des Brettspiels Euphrat & Tigris: Zwei bis vier mesopotamische Knige versuchen, ihre Dynastien durch die Erweiterung von Knigreichen (in 4 Bereichen) zu Ruhm und Reichtum zu fhren. Dabei ist besonders auf gleichmige Entwicklung zu achten, denn am Schluss gewinnt der Knig, der in seiner schwchsten Farbe die meisten Siegpunkte gesammelt hat.

Ablauf

Beim Spielaufbau werden acht (Schatz-) Karten mit etwas Abstand nebeneinander ausgelegt. Diese bilden jeweils die Startkarte eines Knigreichs. Jeder Spieler erhlt vier Anfhrer mit gleichem Symbol (Holzscheiben), 8 Zivilisationskarten (Farbkarten) und eine Katastrophenkarte.

Den Motor des Spiels bilden die Zivilisationskarten, die mehrere Funktionen haben: sie bilden die Knigreiche (das Spielfeld), landen als Siegpunkte im Siegpunktstapel und werden zur Feststellung der Mehrheiten bei Konflikten verwendet. Im Spielverlauf werden die Knigreiche durch das Anlegen von bis zu sieben weiteren Karten unter die Schatzkarte vergrert. Durch Karten, die zwischen die Schatzkarten gelegt werden, werden spter Knigreiche miteinander verbunden.

Der Spielzug eines Spielers besteht aus zwei der folgenden drei Aktionen mit anschlieender Vergabe von Siegpunkten, Lsen von Konflikten und Auffllung der Kartenhand:

  • Ein- oder Versetzen eines Anfhrers auf eine unbesetzte Zivilisationskarte.

  • Anlegen einer Zivilisationskarte, d.h. entweder Vergrern oder Verbinden von Knigreichen.

  • Die Katastrophenkarte spielen, d.h. Entfernen einer bereits gelegten Karte (nur einmal einsetzbar).

Siegpunkte erzielt man im wesentlichen auf drei Arten:

  • Durch Vergrern eines Knigreichs: hier erhlt der Anfhrer der gespielten Farbe einen Siegpunkt.

  • Durch Abwicklung der inneren und ueren Konflikte: Bei inneren Konflikten befinden sich durch Setzen zwei gleichfarbige Anfhrer in einem Knigreich. Es wird ber ein Duell mit roten Karten (Tempelkarten) entschieden, welcher Anfhrer aus dem Knigreich entfernt wird. Der Sieger erhlt einen roten Siegpunkt. Bei ueren Konflikten werden vor dem Verbinden zweier Knigreiche Duelle zwischen den Anfhrern durchgefhrt, deren Farbe doppelt im verbundenen Knigreich wre. Hier duellieren sich die Anfhrer ber Handkarten der zugehrigen Farbe. Der Verlierer entfernt seinen Anfhrer und alle zugehrigen Farbkarten aus dem Knigreich. Letztere erhlt der Sieger als Siegpunkte.

  • Wenn sich bei Zugende Anfhrer und Schiffskarten gleicher Farbe im selben Knigreich befinden.

Das Spiel ist zu Ende, wenn der Kartenstapel aufgebraucht ist oder wenn nur noch eine Schatzkarte in den Knigreichen vorhanden ist. Gewonnen hat nun der Spieler, der in seiner schwchsten Farbe die meisten Siegpunkte gesammelt hat.

Fazit

Von der Ausstattung her ist das Spiel nur ein Kartenspiel von der Spieltiefe (und auch vom Platzbedarf) her hat es jedoch Brettspielcharakter.

Das Material wei zu gefallen: griffige, recht gut unterscheidbare Karten und Holzscheiben zur Markierung der Anfhrer. Ein weiterer Spielstein zur Markierung, welcher Spieler mit welchen Symbol spielt, wre allerdings sinnvoll gewesen. Die Spielregel ist verstndlich geschrieben und mit zahlreichen erluternden Abbildungen versehen.

Die Durchfhrung eines Spielzuges scheint einfach: entweder eine Holzscheibe oder eine Karte legen. Sobald man die beiden Konfliktarten auseinanderhalten kann, sollte auch die Abarbeitung der Spielzge kein Problem mehr sein.

Dennoch tauchen aber trotzdem bei einigen Spielern anfangs Verstndnisprobleme auf: Zum einen ist es ungewohnt, nicht eine Farbe, sondern ein Symbol zu besitzen. Hier wrde der oben angesprochene weitere Spielstein pro Spieler helfen - sowohl beim Abwickeln der Konflikte als auch als Erinnerungssttze fr das eigene Symbol. Zum anderen werden die Konfliktarten des hufigeren verwechselt: Wann zhlen die roten Karten, wann die Anfhrerfarbe? Das ist zwar verstndlich erklrt, aber intuitiv schwer zu fassen.

Nach zwei bis drei Spielen sollte man sich aber an diese Eigenheiten gewhnt haben und dann macht das Spiel wirklich Spa! Es gibt fast immer etwas siegpunktbringendes zu tun. Sowohl die Freunde des defensiveren, mehr auf Entwicklung bedachten Spiels als auch die aggressiveren, konfliktorientierten Spieler knnen ihre Strategien messen.

Dabei ist das Spiel umso glcksabhngiger, je mehr Spieler mitspielen. Bei vier Spielern kann es schon mal passieren, dass man in Konflikte getrieben wird, ohne gerade die passenden Karten auf der Hand zu haben was einen dann weit in der Entwicklung zurckwirft. Und wenn man keine Karten in seiner schwchsten Farbe nachzieht, kann man auch nicht viel machen. Da man allerdings recht viele Karten nachzieht, gleicht sich das meistens innerhalb einer Partie aus. Das Spielende kommt dabei manchmal schneller als man denkt: Ein externer Konflikt zwischen zwei Knigreichen, in denen alle vier Anfhrer vertreten sind, kann schon mal zum Nachziehen von 15 und mehr Karten fhren.

Das Spiel funktioniert mit allen angegebenen Spielerzahlen, hat aber (neben der Glckskomponente) jeweils unterschiedlichen Charakter:

Bei zwei Spielern verteilen sich acht Anfhrer auf acht Knigreiche, so dass Konflikte eher Mangelware sind. Hier kommen eher Strategen zum Zug, die die Konflikte langfristiger vorbereiten wollen. Bei vier Spielern dagegen tummeln sich bis zu 16 Anfhrer in den Knigreichen, so dass reichlich Konflikte vorprogrammiert sind.

Die Spielregel schlgt zudem zwei Varianten vor, wie mit dem Siegpunktstapel zu verfahren ist: Entweder geheim (Memory-Effekt) oder fr alle Spieler offen (latenter Nachrecheneffekt). Ich bevorzuge die (hier nicht genannte) Variante aus dem Brettspiel, bei dem man seinen eigenen Stapel jederzeit ansehen darf.

Ob man das Kartenspiel noch braucht, wenn man das Brettspiel schon hat? Eher nicht. Reduzierter Komplexitt und krzerer Spieldauer steht eine Einschrnkung der Spielatmosphre gegenber . Wer allerdings das Brettspiel nicht besitzt und Freude an komplexeren, konfliktreichen Spielen hat, dem sei das Spiel vorbehaltlos empfohlen. Das Preis-/Leistungsverhltnis ist kaum zu schlagen - besonders, da das Brettspiel in der deutschen Ausgabe (wenn berhaupt) nur noch zu recht hohen Preisen zu finden ist.

Rezension Ralph Bruhn

Anmerkung: Zur besseren Lesbarkeit der Texte verwenden wir hufig das generische Maskulinum, welches sich zugleich auf weibliche, mnnliche und andere Geschlechteridentitten bezieht.

Vergleich

... zur Brettspielversion: Das Kartenspiel hat erstaunlich viele Elemente vom Brettspiel bernehmen knnen. Die Grafik (Schachtelcover, Gestaltung der Karten) wurde weitgehend beibehalten, die Spielsteine sind sogar identisch. Auch ein groer Teil der Regeln - insbesondere der Ablauf der Konflikte - wurde komplett beibehalten.

Die Komplexitt wurde etwas reduziert. Das wurde insbesondere dadurch erreicht, dass das zweidimensionale Spielfeld des Brettspiels durch die eindimensionale Ausdehnung der Knigreiche im Kartenspiel ersetzt wurde und damit die berlegungen entfallen, wohin ein Plttchen in einem Knigreich gelegt werden kann. Somit entfllt dann auch die Entscheidung, den Abstand zweier Knigreiche durch ein Plttchen zu verringern und damit das Verbinden zu ermglichen: sobald zwei aneinander angrenzende Knigreiche mindestens je vier Karten umfassen, knnen sie verbunden werden. Genau das hat jedoch den Nachteil, dass die Spielatmosphre etwas verloren geht. Aus der gefhlten rumlichen Erweiterung eines Knigreichs wird ein weniger stimmungsvolles Ablegen von Karten.

Der zweite auffallende Unterschied ist, dass man jetzt zwei Karten einer Farbe braucht, um bei der Vergrerung eines Knigreiches einen Siegpunkt zu erzielen: eine fr die Auslage im Knigreich und eine fr die Ablage im Siegpunktstapel. Auch dieses schrnkt die Vielfalt der Zugmglichkeiten ein, da man meist nur dort Knigreiche erweitert, wo man auch Siegpunkte dafr erhlt.

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H@LL9000-Bewertungen

H@LL9000 Wertung Euphrat & Tigris - Das Kartenspiel: 4,3 4,3, 8 Bewertung(en)

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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 20.11.05 von Ralph Bruhn
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 06.11.05 von Ulrich Fonrobert - Sehr stark dem Brettspiel hnelnd, nimmt viel Platz auf dem Tisch weg und dauert mindesten ebenso lang. Also, warum eigentlich nicht dann gleich das Brettspiel?
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 08.11.05 von Michael Andersch - Nahezu eine 1:1 Umsetzung des Brettspiels. Da ich jenem (entgegen der Mehrzahl der Spieler) allerdings nicht soooo viel abgewinnen kann trifft dies auch auf das Kartenspeil zu.
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 06.12.05 von Bernd Eisenstein - Da man das Brettspiel kaum noch bekommt erhlt man hier sehr guten Ersatz. Es vermittelt sehr gut das gleiche Spielgefhl wie der groe Bruder. Wer das Brettspiel hat braucht das Kartenspiel allerdings nicht.
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 13.12.05 von Frank Gartner
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 19.12.05 von Udo Kalker - Als Kartenspiel ist es wenig intuitiv. Wenn E&T, dann eher als Brettspiel.
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 14.03.07 von Rene Puttin - 5, weil das Brettspiel noch besser ist.
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 03.02.10 von Horst Sawroch

Leserbewertungen

Leserwertung Euphrat & Tigris - Das Kartenspiel: 4,0 4.0, 9 Bewertung(en)

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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 13.12.05 von Sarah Kestering
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 14.12.05 von Gerd Stocker
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 16.12.05 von Dirk Piesker - Als Brettspiel Top, die Kartenspielversion hat uns gelangweilt.
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 19.12.05 von Braz - sehr gute Umsetzung des Brettspiels
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 19.12.05 von Mario Boller - Mir gefllt das Kartenspiel besser als das Brettspiel, denn das Brettspiel hat berflssige Lngen. Beim Brettspiel spielen hufig alle lngere Zeit vor sich hin bis es zu Fusionen zwischen Knigreichen kommt. Beim Brettspiel kommt es auch zu langen Grbeleien, weil man auf dem gesamten Brett sein Plttchen anlegen kann. Beim Kartenspiel kommt es schneller zu Fusionen und es spielt sich flssiger, weil es nur wenige Anlegepositionen gibt.
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 29.07.09 von Dr. Andreas Gnter - Kultklassiker in der Urlaubsausgabe
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 11.06.11 von Kai Frederic Engelmann - Es ist echt seltsam, wieviel abhanden kommt, wenn nur so wenig Regeln verndert werden. Die Eindimensionalitt find ich noch in Ordnung, aber die Tatsache, dass man die Punkte aus der eigenen Hand bezahlen muss fhrt dazu, dass groe Knigreiche nicht mehr bernommen werden knnen und man weniger planen kann, da die Karten zu schnell wechseln. Wrden die Punkte wieder ber Holzwrfel vergeben werden, wrde das Spiel wesentlich interessanter sein. So ist es ganz nett, aber nichts, das man umbedingt spielen muss.
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 06.12.11 von ANdreas
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 31.12.21 von sutrebuh - Unglckliche Reduktion! Das groe Brettspiel "Euphrat & Tigris" lebt von seiner Variabilitt und Vielschichtigkeit. Wenige Spiele lassen so viele Freirume. Das zugehrige Kartenspiel "Wettstreit der Knige" beschreitet so ziemlich den entgegen gesetzten Weg und nimmt dem Spielgefhl somit seine Besonderheit. Das Resultat ist gleichfrmig und zh.

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