Rezension/Kritik - Online seit 04.05.2012. Dieser Artikel wurde 5042 mal aufgerufen.

Mieses Karma

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Autor: Matthias Cramer
Illustration: Katja Witt
Verlag: KOSMOS
Rezension: Randolph Betten
Alter: ab 10 Jahren
Jahr: 2011
Bewertung: 3,4 3,4 H@LL9000
3,2 3,2 Leser
Ranking: Platz 4940
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Mieses Karma

Spielziel

Bei den Themen Karma und Reinkarnation tappen wir Europäer (zumeist) im Dunklen. Daher war es gut, dass uns David Safier mit seinem Roman „Mieses Karma“ aufklärte, was wir für ein Leben nach dem Leben am besten tun müssen.

„Als ich aufwachte, merkte ich, dass ich einen riesigen Kopf hatte. Und einen wahnsinnigen Hinterleib. Und sechs Beine. Und zwei extrem lange Fühler“. Was sich anhört wie die Beschreibung meines Aschermittwoch-Morgens ist ein Zitat aus dem Roman.

Matthias Cramer wurde damit beauftragt, hierzu ein Spiel zu gestalten. Lassen wir uns überraschen, ob im Spiel viel vom Roman zu finden ist. Ziel ist es auf jeden Fall, endlich wieder Mensch zu werden.

Ablauf

Vor uns auf dem Karmatableau sitzt ein fetter (sorry) Buddha. Die goldene Figur zeigt unser Karma an. Da wir das Spiel als Ameise beginnen, verfügen wir noch über keinen Karmapunkt. Das müssen wir verbessern, denn unser Ziel ist es, uns mit gutem Karma immer weiter in Richtung "Krone der Schöpfung" zu entwickeln. Als Mensch leben wir noch ein ganzes Menschenleben und beenden danach nicht nur eine erfolgreiche Reinkarnationskarriere, sondern auch das Spiel.

Als Ameise beginnen wir ein kurzes Leben, welches sich aus zwei Lebenskarten zusammensetzt. Auf den Karten sind in der unteren Hälfte jeweils Symbole vermerkt. Diese gilt es gut zu kombinieren, denn wir dürfen jeweils nur gleiche Symbole aneinanderlegen. So ein Ameisenleben birgt nur wenige Möglichkeiten, die erstrebenswerten Lebensziele Glück, Erleuchtung, Liebe und Ausgeglichenheit unterzubringen. Schaffe ich es, alle vier Symbole in meinem Leben zu vollbringen, darf ich mir eine Karte auf meinen Punktestapel legen. Das sind Siegpunkte für das Spielende. Gleiches gilt auch, wenn mein Leben stark von einer Tugend geprägt ist und ich beispielsweise vier Liebessymbole verzeichnen kann. Im späteren Verlauf des Spiels ist das natürlich deutlich leichter, da meine Kartenhand stetig wächst - klar, durch längere Lebenserwartung.

Nachdem ich keine Karte mehr in meiner Hand (in meinem Leben) übrig habe, sterbe ich. Mit dem richtigen Karma ist das aber gar nicht so schlimm. Je nach Karmapunkten erwache ich schon am nächsten Morgen – also in der nächsten Spielrunde – als Kartoffelkäfer, Schmetterling oder Regenwurm. Und da es sich dabei bereits um eine weitere Entwicklungsstufe handelt, erhalte ich damit auch eine besondere Fähigkeit. Das kann sich z. B. auf meine Ablagemöglichkeiten positiv auswirken. Auch mit diesem – etwas längeren – Leben strebe ich wieder nach gutem Karma.

Aber es gibt noch eine weitere Chance, gutes Karma zu erhalten. So kann der aktive Spieler alle Mitspieler nach einer passenden Karte für seine Lebenslinie fragen. Der Spieler erhält dadurch Symbole, der "Spender" einen Karmapunkt. So sind alle gut zueinander, wie es sich für Strebende nach der höchsten Reinkarnationsstufe gehört.

Nach der erfolgreichen Entwicklung über Eidechse, Huhn oder Affe bin ich bei einem Karmawert von 8 oder mehr zurück in meiner menschlichen Hülle. Der erste Mensch erhält 6 Siegpunkte, jeder weitere ein paar weniger. Stirbt der erste Mensch aus Ermangelung an Lebenskarten, endet das Spiel und die Punkte der Menschkarte, die Karmapunkte sowie die Punkte vom Punktestapel zeigen uns den besten Menschen und damit auch den Sieger des Spieles.

Fazit

Ich hatte den Roman gelesen, und wie es mir schon oft ging, ließ Kosmos nicht lange mit der Bestseller-"Verspielung" auf sich warten. Wie schon der Roman, so hat mich auch die Grafik beim Spiel erst einmal abgeschreckt. Dann soll das Spiel auch noch vom gleichen Autor sein, wie das Buch? Kann das sein?

Dieser Irrtum war schnell aus der Welt geschafft. Auf anderen Spielen prangt der Spieleentwickler auf dem Cover, hier ist es der Autor des Buches. Nur ganz klein unten in der Ecke sehen wir den Namen von Herrn Cramer. Spätestens jetzt war mein Interesse geweckt, da seine bisherigen Spiele doch auf sehr viel hoffen ließen.

Bei der ersten Partie war noch einiges durcheinander: Wann darf ich nun Karten verschenken, wann werde ich ein neues Tier? Aber diese Fragen waren anhand der guten Regel schnell geklärt. Und so spielte sich das Spiel ab der zweiten Partie sehr flüssig. Die ständig wechselnden Rollen, in die man schlüpft, geben viel Anlass zum Diskutieren, Imitieren und Persiflieren. Zumindest in meinen Runden. Oft trat das Gewinnen in den Hintergrund. Das zeichnet für mich ein gutes Spiel aus.

Die Spieler stehen ständig vor der Entscheidung: Helfe ich dem aktiven Spieler? Denn dieser erhält dadurch weitere Symbole und wird vielleicht noch besser, ich erhalte aber gutes Karma?! Außerdem geht mein Leben schneller vorbei und ich werde schnell ein anderes Tier oder der ersehnte Mensch. Schöne, übersichtliche Fragestellungen und eine familienfreundliche Spieltiefe.

In strategielastigen Vielspielerrunden ist Mieses Karma sicherlich nicht zuhause, aber am gelegentlich bespielten Esstisch macht das Spiel eine Menge Spaß. Den dicken Buddha lächelnd immer weiter in Richtung menschliche Reinkarnation wandern zu lassen, motiviert und hilft auch über einige vermeintlich stärkere Tiere hinweg. So war in unseren Runden die Eidechse tatsächlich eines der stärksten Tiere. Sie darf eine passende Karte vom Stapel an die Lebenslinie der Mitspieler anlegen und kassiert ordentlich Karma dafür. Ein kleiner Trost ist das kurze Leben der Echse.

Die Spielzeit von ca. 30 Minuten (ab der zweiten Partie) ist tatsächlich gut angegeben. Das Alter "ab 10" ist jedoch für uns zu hoch gewählt. Unser achtjähriger Sohn hatte keinerlei Schwierigkeiten mit dem Ablauf und der Taktik. Jedoch gehört er auch bereits zu den Vielspielern.

Die Grafik setzt das Coverdesign auf den Karten, auf dem Spielplan und in der Anleitung fort. Alles ist aus einem – wenn auch sehr naiven – Guss.

Zum Schluss bleibt mir die schwere Aufgabe, das Spiel in einem einzigen Satz zu bewerten. Mieses Karma ist genau das, was es auf den ersten Blick auch sein will: Ein Leichtgewicht mit lustigem Ablauf und einfachen Regeln für die ganze unterhaltungsbereite Familie.

Sollten die Verkaufszahlen stimmen, kann ich mir vorstellen, dass es auf der nächsten Messe schon die Erweiterung in Form einer Weiterentwicklung vom Menschen gibt: Spieleentwickler Cramer! Der kann nämlich leichte und schwere Kost. Kompliment!

Rezension Randolph Betten

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H@LL9000-Bewertungen

H@LL9000 Wertung Mieses Karma: 3,4 3,4, 7 Bewertung(en)

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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 05.03.12 von Randolph Betten
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 10.04.11 von Barbara Winner
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 10.04.11 von Patrizia Holz
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 13.04.11 von Roland Winner
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 30.04.12 von Michael Kahrmann - Das allererste Spiel ist noch witzig, danach verliert es deutlich an Reiz.
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 30.04.12 von Michael Timpe - mich hats ehrlich auch nicht so überzeugt.
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 01.05.12 von Frank Solnitzky

Leserbewertungen

Leserwertung Mieses Karma: 3,2 3.2, 9 Bewertung(en)

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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 17.04.11 von Jens - Ganz lustig, aber wenn der Witz nach 1-2 Spielen weg ist, bleibt ein recht dröges Spiel übrig.
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 17.04.11 von Udo Möller - Dann doch lieber das Buch - das ist kurzweiliger. Aber ganz schlecht ist es auch nicht, kann man mal mitspielen. Ob man damit aber Leser zum Spielen begeistern kann, ist für mich fraglich.
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 17.04.11 von MrFrog
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 22.05.11 von Manfred Knirr - Für Leser, die das Buch lustig finden, eine nette Idee. Leider lässt der Spielspaß, der aus der Buchidee kommt, schnell nach. Bei weiteren Partien bleibt ein Spielsystem mit nur mittleren Einflussmöglichkeiten übrig.
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 04.05.12 von Maja - Kam bei uns gut an!
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 04.05.12 von Dietrich
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 07.05.12 von Jürgen - liebenswertes Spiel mit einem Hauch Altruismus
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 12.09.12 von Jochen - Nettes Spiel gegen das ich mich wehre wenn es die Mehrheit spielen möchte. Mehr als 2-3mal pro Jahr muss ich es aber nicht haben.
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 19.01.14 von Pasvik - Ich habe das Spiel nur gekauft, weil es von Cramer ist und ich schlicht alle seine Spiele habe. Das erset Mal ist es ganz witzig. Danach....eher belanglos. Im Vergleich zu Glen More, Lancaster, Helvetia oder Rococo eine klare Enttäuschung!

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